Böse Engeln????

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von lisa1408 04.02.11 - 02:41 Uhr

Hallo ihr Lieben,

meine Tochter war vor 1 Woche krank, mit Fieber, Schnupfen usw.

Seitdem (mittlerweile ist sie wieder gesund) wacht sie jede Nacht ca. alle 20 - 30 Minuten auf, kommt zu mir und erzählt mir, dass sie "Böse Engerl" in ihrem Kopf sieht. Die ersten 3 Tage dachte ist, das kommt vom Fieber (selbst bei leicht erhöhter Temperatur) haluziniert sie recht schnell. Mittlerweile ist sie aber wieder gesund - und sie hat richtig Angst. Sie sagt, die Engerl wollen ihr nicht weh tun, die schreien nur und sie sind böse.

Ich hab ihr eine "Zauberkerze" (Salzkristallteelicht) ins Zimmer gestellt. Danach war 1 Nacht Ruhe. Am nächsten Tag, trotz Kerze, das selbe. Ich hab die Engerl vertrieben - 30 Minuten später kommt sie wieder raus. Ich drehe ihr eine CD auf - sobald diese aus ist kommt sie wieder raus, ich hab ihr Schutzengerl ins Zimmer gestellt - maximal 1 Nacht Ruhe.

Dann hab ich ihr gesagt, dass sie vielleicht nur schlecht träumt - daraufhin fragt sie mich, ob man auch mit offenen Augen träumen kann. #kratz

Habt ihr vielleicht einen Rat für mich? Sie tut mir so leid, weil sie sich auch nicht mehr alleine in ihr Zimmer traut sobald Schlafenszeit ist und offensichtlich wirklich Angst hat #zitter

Hat eine von euch sowas schon mal erlebt?

Liebe Grüße (von einer seeeeehr müden)
Lisa

Beitrag von 280869 04.02.11 - 09:06 Uhr

Ich kenne sowas zwar nicht, aber habt ihr sie mal bei euch im Zimmer schlafen lassen, ist es da auch?

Wenn sie wirklich solche Angst hat, könnte ihr vielleicht die Zimmer tauschen?Vielleicht hilfts?

VG 280869

Beitrag von lisa1408 04.02.11 - 09:30 Uhr

Hallo,

ja sicher haben wir sie auch bei uns im Zimmer schlafen lassen wenn es nicht mehr anders ging (mach ich sehr ungern, weil sie so extrem unruhig schläft), aber es ist das selbe - sie wacht auf und erzählt mir von den bösen Engerln. Der einzige Unterschied ist, dass sie keine Angst hat, weil ich neben ihr liege.

Zimmer tauschen zahlt sich nicht mehr aus, da wir in ein paar Wochen übersiedeln :-)

Liebe Grüße
Lisa

Beitrag von starshine 04.02.11 - 09:17 Uhr

Puh, nicht einfach... meine Jüngere ist auch eine von der ängstlichen Sorte aber sie hat noch nie so "gegenständlich" davon gesprochen. Sie hat einfach immer Angst, dass "da jemand sei".

Ich habe eine lustige Lichterkette installiert damit es nachts nicht so dunkel ist im Zimmer und lasse ihre Türe auf.

Grundsätzlich habe ich ihr aber auch gesagt, dass man an seine Träume und Gedanken lenken kann. Z.B. sollen sie sich eine schöne Geschichte ausdenken zum einschlafen, dann hat man grosse Chancen, dass die Träume auch in diese Richtung gehen. Ich habe ihnen dann über längere Zeit selbst erfundene Geschichtenanfänge erzählt (Meerjungfrauen im Muschelschloss und wie sie auf Delfinen reiten, Feen, die ein grosses Zimmer haben wo auch die Meerschweinchen, Kätzchen etc. schlafen dürfen, und anderes mehr) und habe dann gesagt: so, jetzt hast Du ein Bild im Kopf und kannst selber daran "weiterbasteln".

Wenn Du die "Engel vertreibst", dann bestätigst Du eher, dass sie da sein könnten. Ich würde eher klar die Meinung vertreten, dass sie nicht existieren und dementsprechend handeln. (sofern Du diese Einstellung teilst). Vielleicht haben Kinder im Kindergarten oder sonstwo Geschichten erzählt, die sie nicht verarbeiten kann und während der Krankheit sind die hoch gekommen? Bei meiner Grossen habe ich in dem Alter mal rausgefunden, dass eine andere Mutter im KiGa vom "bösen Blick" erzählt hat.... die fand das witzig, aber meine Tochter hat sich zu Tode geängstigt. Ich habe das allerdings auch erst nach ner Weile erfahren...

Von Zimmertausch und ähnlichem würde ich auch abraten, denn auch damit bestätigst Du, dass etwas nicht stimmt...

Viel Glück und vor allem ruhigere Nächte wünsche ich Euch!

Beitrag von lisa1408 04.02.11 - 09:27 Uhr

Hallo,

danke für deine Antwort!

Also einen Geschichtenanfang vorgeben ist ja wirklich eine tolle Idee! Das werde ich heute am Abend ausprobieren :-D

Naja... die Engel vertreiben... sie hat mir schon immer von Engeln und Feen erzählt die sie offensichtlich sieht - wie wahrscheinlich viele Kinder. Ich hab mir da nie großartig Gedanken drüber gemacht, denn sie hat mir immer erzählt, dass das ihre Schutzengeln sind und mit den Elfen spielt sie usw.
Und jetzt sind plötzlich böse Engerl da... da sie aber an die "guten" Engerln glaubt, hab ich mir gedacht, ich vertreibe die Bösen eben. Ich hab ihr schon erklärt, dass es keine bösen Engerln gibt - aber sie sagt, sie sieht diese und das ist so #kratz

Dass von aussen irgendwas erzählt wurde über böse Engeln glaub ich zwar nicht, aber genauso wie mit dem bösen Blick kann es natürlich sein, dass sie irgendwo etwas aufgeschnappt hat.

Noch mal DANKE! #winke

Beitrag von starshine 04.02.11 - 11:24 Uhr

Ihr "übersiedelt"??? Meinst Du damit dass ein Umzug bevorsteht? Das könnte Ihre Angst erklären! Vielleicht drückt sie so einfach ihre Angst vor dem "Neuen" aus, das auf sie zukommt!

kinder mögen eigentlich keine Veränderungen ;-)

Beitrag von lisa1408 04.02.11 - 11:33 Uhr

Ja, ich meine damit, dass ein Umzug bevorsteht ;-)

Allerdings glaube ich nicht, dass das jetzt damit zutun hat. Wir ziehen in eine ihr sehr vertraute Umgebung und ich habe den Eindruck, dass da mehr Vorfreude auf das Neue als Wehmut ums Alte ist :-)

Beitrag von sunny42 04.02.11 - 09:37 Uhr

Hallo Lisa,

vielleicht hilft es wenn ihr die Angst zulasst, aushaltet und sie Euch mal genau anschaut.
Wenn man die Angst vertreiben und wegschicken will, wird sie als etwas gesehen was nicht gut ist.
Da ist sie dann trotzdem, sie wird nur verdrängt und nicht mehr zu Ausdruck gebracht, weil die ganze Familie erschreckt ist von dieser Angst und dadurch bekommt sie ein unglaubliches Gewicht.

Es scheint der Zeitpunkt zu sein indem sie sich mit Ängsten auseinandersetzen will. Also spüre mit ihr mal gemeinsam nach, wie sich die Angst bemerkbar macht, wo und wie im Körper sie sie spürt und dann haltet das gemeinsam aus.

Ich glaube wenn ihr die Angst ernst nehmt und Euch damit beschäftigt löst sie sich ganz bald wieder auf.

Liebe Grüße
Sunny

Beitrag von lisa1408 04.02.11 - 09:52 Uhr

Hallo Sunny,

danke für deine Antwort :-)

Ich nehme ihre Angst sehr ernst, denn sie ist da. Ich hab sie auch gefragt was für ein Gefühl sie dabei hat, wo in ihrem Körper die Angst ist (im Bauch und im Kopf).

Leonie hat von klein auf gelernt über Gefühle und Emotionen, sowie auch über Ängste zu sprechen. Also wenn sie zu mir sagt, dass sie Angst hat, nehme ich das ernst und hake nach.

Aber wie soll ich die Angst zulassen bzw. ihr erklären, dass sie die Angst zulassen soll wenn da nichts ist, wovor sie Angst haben muss?

Du hast Recht - Angst ist in den letzten Monaten ein Thema geworden. Sie hat Angst vor Vulkanen, vor Erdbeben und auch vor dem Tod und dem alleinsein (falls ich früher als sie sterbe). Das ist in dem Alter normal und wir sprechen darüber. Ich versuche sie aufzufangen und sie zu stützen damit sie sich nicht alleine fühlt, aber bis zu einem gewissen Grad muss sie das selbst verarbeiten. Irgendwann kommt bei jedem Kind ein Schlüsselerlebnis das zu der Erkenntnis führt, dass die Mama nicht allmächtig ist. Bei mir war es Tschernobil als mir klar wurde, meine Mama kann mich nicht vor allem beschützen. Warum das gerade Tschernobil war, weiss ich auch nicht - aber ich kann mich erinnern, dass das Gefühl furchtbar war!

Liebe Grüße
Lisa

Beitrag von sunny42 04.02.11 - 10:01 Uhr

Liebe Lisa,

es klingt doch schon ziemlich gut, wie ihr damit umgeht.

Gestolpert bin ich ein wenig über diesen Satz:

"Aber wie soll ich die Angst zulassen bzw. ihr erklären, dass sie die Angst zulassen soll wenn da nichts ist, wovor sie Angst haben muss? "

Da IST etwas was ihr Angst macht. Das ist da!
Mit "die Angst zulassen", meine ich, NICHT zu sagen:

"Du musst doch keine Angst haben".

Weil das wiederspricht dem Gefühl welches ja da ist, auch wenn man als Erwachsener die bösen Engel nicht sieht.

Mir würde auch nur einfallen mit meinem Kind im Arm sitzen zu bleiben, sie festzuhalten und sie darin zu bestärken, dass das Gefühl zwar jetzt gerade da ist, wenn wir uns aber darum kümmern und es wahrnehmen,
es sich bestimmt bald auflösen wird.

Liebe Grüße
Sunny

Beitrag von lisa1408 04.02.11 - 10:38 Uhr

Danke Sunny für deine Antwort! :-)

Beitrag von borughtbackm 04.02.11 - 10:53 Uhr

Ich hatte sowas auch mal, da war ich 7 oder so .. habe dann ca 2 Wochen wieder bei meinen Eltern geschlafen #hicks und ja, dann gings wieder

#winke

Beitrag von .calimera. 04.02.11 - 12:15 Uhr

Hallo Lisa,

ich vertrete auch den Ansatz von sunny.
Und ich finde es gut, wie ihr mit Gefühlen umzugehen scheint.

Was uns in solchen Phasen (mein Ältester hat Nachts eine Zeit lang Fische und Schlangen gesehen, die aus der Zimmerdecke kamen. Er hatte wahnsinnige Angst und hat gezittert und geschrien) geholfen hat:
- Die Angst ernst nehmen, die "bösen Engel" sind da!
- Wir haben eine "Burg gebaut", heißt, wir haben uns nachts, wenn die Tiere kamen aufs Sofa gesetzt und um uns herum einen Schutzwall aus Decken und Kissen aufgebaut, wo die Tiere nicht hinein konnten. Nach ein paar Tagen meinte mein Sohn zu mir "Mama, die Tiere sind nicht mehr da, die sind umgezogen".

Meinem Mittleren hat es geholfen (er wollte nicht alleine nach oben gehen, weil auf dem Dach ein böser Geist saß) seinen Schutzengel zu rufen und ihn zu bitten, ihn zu beschützen. (Das hat der dann auch gemacht, er ist mit einem Schwert aufs Dach und hat den bösen Geist durchgeschnitten -> mein Sohn hat eine sehr kämferische Natur, daher wohl die Vorstellung von Engel mit dem Schwert).

Ich wünsche Euch alles Gute!

LG,
calimera

Beitrag von lisa1408 04.02.11 - 12:24 Uhr

Hallo Calimera :-)

Ja, an Burg bauen hab ich wohl auch gedacht, aber sie sagt ja, dass die Engerl in ihrem Kopf sind #kratz

Ich werde das heute mit dem Geschichtenanfang versuchen... also ihr den Anfang einer schönen Geschichte erzählen und so ihre (schöne) Phantasie anregen und zuvor werden wir wieder die "Zauberkerze" anzünden und die Angst fragen wo sie denn genau sitzt... ich hoffe, dass sie dann heute angstfrei einschlafen kann :-)

Liebe Grüße
Lisa

Beitrag von zahnweh 04.02.11 - 22:36 Uhr

Hallo,

spontan fällt mir die magische Phase ein. Mit 6 Jahren durchaus noch möglich

"Sie sagt, die Engerl wollen ihr nicht weh tun, die schreien nur und sie sind böse. "

gibt es nachts in ihrem Zimmer Geräusche? Ein vorbeifahrender Zug? Der Gefrierschrank der laut vibriert?

Irgendetwas in die Richtung?

Mich hat vor kurzem jede Nacht um 3 Uhr etwas aus dem Schlaf gerissen. Immer das gleiche unheimliche Geräusch. Mir war klar, dass es was "rationales" sein muss. Aber gefürchtet hab ich mich trotzdem. Also bin ich durch's Haus geschlichen und was war es? Der Gefrierschrank, der jede Nacht um die gleiche Uhrzeit anspringt! Ich hatte ihn bisher nie wahrgenommen. Wenn ich wach war, sowieso nicht. Und nachts hatte ich da sonst meine Tiefschlafphase, die sich dann verschoben hatte, so dass mir das Geräusch im Halbschlaf erstmals aufgefallen ist.

Gibt es die Möglichkeit, dass du mal die ein oder andere Nacht im Kinderzimmer schläfst?
Vllt. fallen dir selbst Geräusche auf. Oder etwas, was dich auf eine Idee bringt.

Beitrag von lisa1408 05.02.11 - 00:16 Uhr

Hallo,

ausser dass hin und wieder ein Auto vorbei fährt, dürfte sie keine Geräusche im Zimmer haben. Das einzige, das mir noch einfällt, ist der Feuermelder... der blinkt rot, aber sie weiss was das ist und dass wir das nicht abschalten können.

Ich war zwar heute beim Schlafengehen nicht zu hause, aber mein Mann hat das mit der halben Geschichte erzählen versucht und siehe da - sie schläft seit 20:30 Uhr :-D

Vielen Dank für deine Antwort!

Liebe Grüße
Lisa

Beitrag von bine3002 07.02.11 - 11:51 Uhr

1. Das Kind befindet sich in der magischen Phase und "leidet" somit auch unter Tagträumen. Das sind einfach ausgeprägte Fantasiewesen, die SIE wirklich sieht. Realität und Fantasie verschmelzen in diese Phase. Und es ist möglich, dass sie diese Wesen das erste Mal während des Fiebers gesehen hat und nun nicht mehr aus dem Kopf kriegt.

2. Anstatt diese Wesen zu vertreiben, solltet Ihr sie annehmen. Angst bekommt man nicht nur weg, indem man sie "bekämpft", sondern manchmal auch, indem man sie aushält und lernt damit umzugehen. Man kann daran wachsen und stark werden.