ich bin ein ganz anderer Mensch....und ich hasse es.....

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von sasula 04.02.11 - 09:17 Uhr

Hallo,

vor drei Jahren haben wir in der 25.SSW die Schwangerschaft beendet, da unser Sohn nicht lebensfähig war.... Es war der Horror... Mir fehlt ein komplettes Jahr.
Dieses "Erlebnis" hat mich sterben lassen...

Dann hatte ich noch eine FG, aber das nimmt mich nicht mehr so mit, wie der Verlust von meinem Sohn... Er fehlt einfach und ich denke jeden Tag an ihn....

Vor der Schwangerschaft war ich ein so zuversichtlicher Mensch, ich hab gern und viel gelacht und ich war für jeden Scheiß zu haben. Ich konnte auf fremde Menschen zugehen und hatte viele Freundschaften.

Und jetzt? Ich fühl mich so verbittert... Ich kann zwar lachen, aber es ist einfach nicht mehr so wie es mal war und ich vermisse es... Aber ich kann es auch nicht ändern... Ich kann mit anderen Menschen nicht mehr soviel anfangen. Weiß nicht, worüber ich mit denen sprechen soll. Ich kann mich selbst nicht mehr leiden. Ich bin nicht mehr die ich kenne.

Suse

Beitrag von loveangel1311 04.02.11 - 09:27 Uhr

Liebe Suse,

ich kann mir vorstellen, dass es der Horror für euch war.
Das wünscht man niemandem auf der Welt und ich kann auch verstehen, dass es dich verändert hat.

Hast du mal über professionelle Hilfe nachgedacht?
Vielleicht würdest du dadurch wieder mehr Mut und Lebensfreude zurückbekommen.

Ich zweifel im Moment auch sehr an allem, an mir als Frau am Allermeisten und das wirkt sich auch auf meine Lebensfreude aus.

Aber es darf unser Leben nicht bestimmen. Wir müssen nach vorn schauen und wieder Freude empfinden.

Du wirst deinen Sohn immer in deinem Herzen haben und er wird auf dich aufpassen. Er wünscht sich bestimmt, dass du wieder glücklich wirst

#liebdrueck

Beitrag von dia111 04.02.11 - 09:51 Uhr

Ich kann dich gut verstehen.
Bei uns ist es zwar erst 7,5Wo her, als wir unsere Mia Isabella in der 22SSW gehen lassen mußten, aber auch ich bin anders geworden.
Mir fehlt die Kraft und ich bin jetzt eher in mich gekehrt.

Habe deswegen auch Psychologische Hilfe angenommen. Hast du das auch schon mal probiert.
Mir tut es gut.

Laß dich mal ganz feste Drücken

LG
Diana 3#stern

Beitrag von sternenmami 04.02.11 - 10:08 Uhr

hallo suse,
ich kann dir so gut nachempfinden. denn auch ich musste unseren sohn in der 33.ssw zu den sternen reisen lassen und hatte nur ein paar monate später eine FG. die erneute FG war für mich auch sehr schlimm, gerade weil es so ein kurzer abstand war, aber es war nicht die FG an sich die mich so mitgenommen hatte sondern eher die tatsache, dass sie alles wieder hoch gebracht hat was passiert ist. ab diesem zeitpunkt wusste ich - ich brauch hilfe, ob ich will oder nicht - ich würde dir vorschlagen ruhig professionelle hilfe anzunehmen. ich weine auch noch sehr oft und gerade in schwierigen situationen bin ich noch sehr labil und würde am liebsten alles hinschmeißen, weil mir immer wieder dieser gedanke kommt "was hat es denn für einen sinn sich hier so fertig zu machen, ich will doch nur zu meinem sohn. oder besser gesagt er soll zurück kommen" er fehlt auch so entsetzlich doll und gerade heute nacht habe ich erst wieder von ihm geträumt. auch ich bin ein anderer mensch geworden, ich kann auch nicht mehr richtig herzhaft lachen ohne dabei gleich an meine kinder denken zu müssen und richtig feiern wie früher ist schon gar nicht drin. mein freundeskreis hat sich einmal komplett neu sortiert. die alten "freunde" habe ich nicht mehr. denn in so einem moment, in so einer schwierigen situation, erkennt man erst seine wahren freunde und leider hatte ich nicht einen davon... dafür aber jetzt umso mehr. es ist schade dass erst so ein schreckliches schicksal manchmal die menschen zusammenführt. so ein erlebnis steckt man nicht einfach mal so weg. soetwas verändert! dieses erlebnis - DEIN SOHN - hat viele erinnerungen (traurige und glückliche) und leider auch tiefe wunden hinterlassen. natürlich bist du nicht mehr der mensch der du früher warst, denn du hast ja jetzt ein sternenkind, einen kleinen eigenen engel, ein ganz besonderes kind!!! und das verändert. aber um aus deinen wunden irgendwann narben werden zu lassen, brauchst du wahrscheinlich hilfe und dann bist du mit sicherheit wieder ein stückchen die, die du mal warst und kannst auch wieder lächeln...

ich wünsche dir alles glück der welt und zünde eine #kerze für deinen kleinen engel an!

glg #sternmami mit engelchen gabriel (33ssw,22.06.2010) und sternchen stella (10ssw,25.10.2010) ganz fest im #herzlich

Beitrag von hannah.25 04.02.11 - 10:09 Uhr

Liebe Suse,

lass dich mal fest drücken!! #liebdrueck
Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich denke, das so ein Erlebnis einen immer verändert wird und das für immer. Es prägt, gibt eine andere Sicht auf die Dinge und vor allem dreht sich deine Welt nun in einem anderen Rhythmus wie für die meisten Menschen.

Dinge, die für viele unwichtig und klein erscheinen, sind für dich umso bedeutender und du nimmst sie viel intensiver wahr. Für dich ist der Tod deines Sohnes präsent, du leidest darunter, vermisst ihn, willst ihn einfach wieder und stellst dir immer und immer wieder vor, wie das Leben jetzt mit ihm wäre.
Für andere hat sich die Welt weitergedreht. Ist normal, immerhin haben sie ihr eigenes Leben (auch wenn das hart klingt) und sie schauen auf sich, verstehen vielleicht deine Trauer nicht mehr so und du fühlst dich allein und abgeschlossen in deiner Welt, weil du das Gefühl hast, andere würden dich nicht verstehen, haben vergessen und verdrängt und wollen nichts mehr von deiner Trauer wissen.
das alles lässt dich in dich kehren.

Ich bin in genau so ein Loch auch gefallen, als unsere Tochter verstorben ist. Ich hab professionelle Hilfe bekommen, mit der ich Stück für Stück wieder kleine Dinge im Leben entdeckt habe, die das Leben lebenswert gemacht haben, die mich ein wenig froher erscheinen lassen haben.
Und vor allem habe ich einen ganz anderen Blick auf die Trauer und die Erlebnisse bekommen, habe lernen können, dass ich auch mit einem Lächeln auf die gemeinsame Zeit mit meinen beiden Sternenkindern schauen kann, weil es nicht nur traurige Erlebnisse sondern auch Lachen gab.
Ich glaub, von allein kann man das nicht. Vielleicht würde dir eine professionelle Hilfe sehr gut tun oder eine Gesprächsgruppe.

Dass so ein Schicksal einen für immer verändert, ist auch bei mir noch so. Ich bin in mich gekehrter geworden, nehme viele Dinge bewusster klar, vieles ist nicht selbstverständlich. Ich bin dankbarer auch mit den kleinen Dingen im Leben geworden. Und ich bin wesentlich sensibler und feinfühliger geworden. Solche Schicksalsschläge prägen eben unseren Charakter mit. Es ist nichts mehr so, wie es vorher war. Dessen müssen wir uns bewusst machen.

Ich wünsch dir, dass du wieder ein Stück weit lachen kannst, dass du die Hilfe bekommst, die du brauchst und ein Stück Lebensfreude wieder entdeckst, damit du dich selbst auch wieder leiden kannst.
Ich drück dich fest und wünsch dir auch viel Kraft!!

Liebe Grüße
Hannah mit #stern Niklas und #stern Sarah fest im Herzen und Per ganz fest im Arm

Beitrag von sasula 04.02.11 - 11:00 Uhr

Hallo,

danke, dass ihr mir geantwortet habt.

Ich habe 2008 eine Mutter-Kind Kur gemacht. Dann war ich 6 Wochen in einer Tagesklinik. Habe im Dezember 2008 eine Therapeutin bekommen. Aber ich weiß nicht, was ich da soll.

Die Gespräche helfen mir nicht. Es sind Gespräche z.B über meine Eltern oder meine Kindheit. Das ist doch nicht mein Problem. Mein Problem ist, dass ich keine Lust mehr habe dieses beschissene Leben so weiterzuführen. Ich möchte wieder die Liebe zu meinen Kinder so intensiv spüren können. Ich möchte einfach leben ohne Angst, dass ich meine Kinder verlieren könnte. Ich möchte mich wieder als starke, selbstbewusste Frau sehen können ohne mich gleich zu fragen ob ich das richtig gemacht habe... Ich fühl mich wie ein kleines Kind, was seine Mama braucht....

Jeden Tag aufs neue frag ich mich, wie ich das schaffe. Ich zweifel an allem und von Selbstbewusstsein ist keine Spur mehr da.... Selbstwertgefühl ist auch weg....

Hier aufm Dorf wird es schwierig sein, einen geeigneten Psychologen zu finden. Ich hab keine Lust über meine Kindheit zu sprechen und geh da nicht mehr hin, zumal ich leider niemanden hab für die kleine....

Beitrag von hannah.25 04.02.11 - 11:11 Uhr

Hallo Suse,

#liebdrueck

Mir klingt es stark danach, dass du absolut keine Hilfe bei der Psychologin findest und das dann auch wenig Sinn macht, weiter hinzugehen. Leider ist es ein großes Problem, gute und geeignete Therapeuten zu finden und wenn du auf dem Dorf bist, ist das natürlich schwieriger.

Allerdings sprechen deine Worte wirklich viel Verzweiflung, viel Trauer und ganz wenig Lebensfreude aus.
ich denke schon, dass es wichtig wäre, wenn du dir eine neue Therapie suchen könntest. Vielleicht kannst du deinen FA nach einem entsprechenden Kontakt fragen.

Ich wünsch es dir sehr. Denn ich glaub kaum, dass du die Lebensfreude, die du dir wünschst und die du wieder haben möchtest, einfach von allein wieder bekommst.
Genauso kann die Angst, deine Kinde rzu verlieren, natürlich krampfhaft werden, da du eben weißt, dass es keine Garantien gibt.

Ich wünsch dir, dass du den richtigen Therapeuten für dich findest, wo du dich gut aufgehoben fühlst und dich richtig öffnen kannst.
Und ich wünsch dir ganz viel Kraft!

Liebe Grüße
Hannah

Beitrag von lieke 04.02.11 - 19:49 Uhr

Hallo,

was ist wenn du mal googelst nach Vereinen für/mit Menschen, die ähnliches durchgemacht haben?

Hat mir eine zeitlang sehr geholfen. Dann war es auf einmal auch wieder so, dass ich dort nichts mehr fand. Einen Versuch ist es wert, ich kann mit Psychologen auch wenig anfangen. Leider kann ich dir keine konkrete Anschrift geben, da ich im Ausland wohne und in Deutschland nichts weiss. Aber du kannst das internet benutzten...

Stichwort "verwaiste Eltern" evtl "nach Abtreibung" (klingt jetzt krass, ist aber auch für Leute nach Abbruch mit medizinischer Indikation).
Vielleicht findest du dort eher Erfahrungen von "normalen" Leuten, die im selben Boot sitzen, nicht Gelerntes, das ein Psychologe dir sagt, der es nicht nachempfindet.

Trotz allem, die "Alte" wirst du sicher nicht mehr. Ich kann heute, nach 3 Jahren sagen, "mir geht es gut". Aber die ALte bin ich sicherlich auch nicht mehr. Vielleicht musst du lernen, zu akzeptieren, dass es nicht mehr so ist wie früher? Lernen, das Beste daraus zu machen? Vielleicht erstmal akzeptieren, dass du im Moment nicht so stark bist, und dir Zeit geben.
Glaub mir, ich kann deinen Wunsch sehr gut nachvollziehen! Aber vielleicht erwartest du zuviel von dir für den Moment und setzt dich damit unter Druck. Versuch kleine Schritte zu gehen!

Alles Liebe

Beitrag von tammi04 04.02.11 - 14:42 Uhr

Liebe Sasuela,
ich hatte in den letzten drei Jahren je eine FG. Und ich empfinde genau das, was du fühlst: Dass ich nicht mehr dieser glückliche, mit der Welt zufriedene Mensch bin wie früher.

Zwei Gedanken dazu:

Erstens: Ja, es ist so. Ich bin nicht mehr die gleiche. Ich muss aber auch nicht mehr die gleiche sein. Ich muss diesem neuen, traurigeren, empfindlicheren, weniger unbeschwerten Menschen, der ich jetzt bin, auch lieb gewinnen. Nachsicht mit mir selbst haben. Mich selbst ein Stück weit neu kennen und wertschätzen lernen. Das ist Arbeit, aber es geht schon, wenn man es versucht.

Zweitens: Ein Mensch, der einmal glücklich war - so wie du früher - der wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch wieder glücklich sein. Es liegt in deinen Fähigkeiten. Es gibt Menschen, die waren nie glücklich, sondern trugen immer schon den Missmut, die Angst und so weiter mit sich herum. Diesen Menschen fällt es unendlich viel schwerer, glücklich zu sein.

Besinn dich auf das, was du kannst und das was du bist. Und das ist viel mehr, als die Mutter eines toten Kinder zu sein!

Alles Gute!

Beitrag von francie_und_marc 04.02.11 - 21:19 Uhr

Liebe Suse!

Wie du ja weißt ist unser Sohn auch durch einen medizinisch indizierten Abbruch zu den Engeln gereist. Bei uns ist es jetzt am 19.02., 5 Monate her und ich bin auch nicht mehr der Mensch der ich einmal war. Wie denn auch? Halt geben mir mein Mann, mein großer Sohn und unsere Freunde und einige Familienmitglieder. Der Freundes und auch Familienkreis sortiert sich nach solch einem Schicksalsschlag vollkommen neu. Das wird bei euch bestimmt nicht anders gewesen sein, vermute ich mal. Dann muss man auch noch verkraften das die Menschen auf die man angewiesen ist nicht für einen da sein können oder wollen.

Ich möchte dich fragen ob du mit der Entscheidung dein Kind herzugeben leben kannst, oder ob dich das belastet? Ich spreche jetzt mal für mich. Ich kann sehr gut damit umgehen das wir Marten haben gehen lassen, die Entscheidung zu treffen war der blanke Horror, aber ich weiß tausendprozentig das wir für ihn richtig entschieden haben. Für mich steht nur die Trauer im Vordergrund und nicht die Entscheidung. Mit dieser habe ich meine Frieden geschlossen, wenn man das so sagen kann.

Ich denke du solltest vielleicht mehr Kontakt mit anderen Selbstbetoffenen haben. Bist du schon bei Sternenkinder.de angemeldet? Dort fühle ich mich sehr gut aufgehoben. Die Psychologin scheint wirklich nicht die Richtige für dich zu sein. Schade.

Ich denke auch das du nicht zuviel von dir verlangen solltest, du bist einmal durch die Hölle und zurück, da kann man nicht mehr die "Alte" sein. Ich bin manchmal wie eine Schnecke und ziehe mich in mein Haus zurück, dort fühle ich mich sicher. Ich wünsche dir das du jemanden findest mit dem du über deinen großen Verlust deines Sohnes und auch den Verlust deines "Ichs" reden kannst.

Ich habe immer gern ein offenes Ohr für dich. #liebdrueck
Alles Liebe Franca



Beitrag von sasula 05.02.11 - 19:40 Uhr

Hi,

danke dir!!

Nein, ich kann noch immer nicht mit der Entscheidung leben, dass wir Julian haben gehen lassen. Für ihn war es das beste, er hätte einfach keine Chance gehabt... Ich habs ja auch mit eigenen Augen gesehen, aber ich kann diese Entscheidung nicht für richtig heißen und finde auch darin keinen Frieden....

Jeden Tag frag ich mich ob es richtig war, wie es gewesen wäre wenn er auf die Welt gekommen wäre. Aber er hätte nur gelitten... Wenn er es überhaupt geschafft hätte...

Vielleicht liegts auch daran, dass der Abbruch an sich die Hölle war... Und die Zeit danach sowieso.... Meine Eltern und meine "Freunde" haben mich damals sooo enttäuscht. Die Sprüche die ich bekommen habe die haben mich noch zusätzlich fertig gemacht.

Ich bin auch bei Sternenkinder angemeldet, aber irgendwie hilft es mir auch nicht weiter... ich dreh mich nur noch auf der Stelle...

Am liebsten würd ich mich verkriechen und nicht mehr rauskommen. Ich will nur noch meine Ruhe, aber das geht nicht... Ich muss für meine Kinder stark sein... Aber ich kann es nicht, nicht so wie ich es mal konnte.

Irgendwann muss es doch mal besser werden. Wie schaffen es andere? Wieder zurück ins Leben zu finden... Ich kann es nicht... So gern ich es auch möchte...

Beitrag von wertvoll 05.02.11 - 22:55 Uhr

Ich wünsche Dir von ganzen Herzen, dass Du "jemanden" findest, der Dir wirklich helfen kann. Vielleicht einen Therapeuten, eine Selbsthilfegruppe, mir hilft zur Zeit eine ganz liebe Hebamme (am Anfang hat es die Krankenkasse bezahlt, zur Zeit besucht sie mich ehrenamtlich).

wertvoll (die ihren kleinen Kämpfer im Sept. 2010 verloren hast)