Ich habe mich gestern geärgert

Archiv des urbia-Forums Leben mit Handicaps.

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von ohmama 04.02.11 - 10:24 Uhr

Guten Morgen!

Gestern war ich mit meinen Kindern beim Arzt. Im Wartezimmer war ein Junge (ca. 5 Jahre), der mit seiner großen Schwester (etwa 13) und seiner Mutter wartete. Nun bin ich kein Arzt und kenne mich mit Krankheitsbildern nicht so sonderlich aus, aber ich denke er war evtl. Autist.
Er hat gespielt, dabei in eigener Sprache "gesingsangt", manchmal auch etwas lauter. Zwischendurch ist er immer mal wieder rausgerannt und seine Schwester hat ihn dann wieder geholt.
Er ist auf mich zugekommen und hat mich an den Armen fefasst und leicht gerüttelt, das gleiche bei meinem großen Sohn 2 oder 3 mal. Die Schwester hat ihn dann zu sich geholt.

Die Familie musste ziemlich lange warten und der Junge wurde natürlich auch mit der Zeit ungeduldiger (wir waren zwischendurch schon dran und ich wartete dann noch auf meinen großen, da er alleine bei der Ärztin war).
Die große Schwester hat sich sehr liebevoll um ihren Bruder gekümmert und weil er immer "nervöser" wurde, hat sie ihn auf den Schoß genommen und mit ihrem Handy leise Musik hören lassen.

Zwischendurch war eine junge Familie (Vater, Mutter und ein etwa 3 Monate altes Baby) ins Wartezimmer gekommen.

Sie saßen vielleicht 15 Minuten im Wartezimmer und fingen sofort an über den Jungen zu tuscheln.
Nachdem die Schwester ihren Bruder das Lied das 2. mal hat hören lassen (und es war wirklich nicht laut) hat der junge Vater das Mädchen und den Jungen angemotzt, sie sollten nun mal endlich die Musik ausmachen und leiser sein.

Ich hab gedacht, ich hör nicht richtig...

Mein großer war dann fertig und ich bin zur Infotheke um neue Termine zu machen. Plötzlich schießen wutentbrannt die jungen Eltern mit ihrem Baby an uns vorbei, zischen etwas von: "Wir setzen uns in die kleine Warteecke, da drin ist es ja unerträglich!" und gehen rüber in den anderen Wartebereich.

Das dämliche an der ganzen Sache war, dass es niemanden gestört hat, nicht einmal das Baby, das war die ganze Zeit total friedlich und hat keinen Mucks gemacht.

Manche Menschen kann ich nicht verstehen.

LG Bille

Beitrag von scrollan01 04.02.11 - 11:07 Uhr

ÄTZEND solche empfindlichen neu - Eltern, die vor allem Panik haben weil es ihr Baby ja stören könnte.

Ich kann bei so Aktionen nie den Mund halten und mir rutscht dann schon mal raus: dass die doch nicht die ersten auf der Welt sind, die Eltern geworden sind und dass sie peinlich sind!



Beitrag von ida-calotta 04.02.11 - 12:58 Uhr

Hallo!

So was kann ich auch nicht haben. Ich hab vor meinem BV mit Epilepsie-, Entwicklungsverzögerten und zum Teil schwerst behinderten Kindern gearbeitet. Es ist trauris was Eltern von kranken Kindern sich im Alltag gefallen lassen müssen.
Ich kann bei sowas nicht mehr den Mund halten.

Und Autismus zeigt sich nicht von Geburt an, die Diagnose wird frühstens mit 3 Jahren gestellt, also nur weil ein Baby augenscheinlich gesund ist muss es nicht so sein. Und hoffen wir mal für die intoleranten Eltern das ihr Baby weiterhin gesund bleibt.

LG Ida

Beitrag von gaeltarra 04.02.11 - 18:57 Uhr

Hi,

was ich nicht verstehe: warum haben die anderen im Wartezimmer, warum hast DU nicht etwas zu dem Mann gesagt? Warum haben alle geschwiegen? Es hätte gereicht zu sagen "uns stört das nicht, die Musik ist nun wirklich nicht laut" o. ä. Damit hätte man ihm den Wind aus den Segeln genommen und die Familie mit dem autistischen Kind moralisch unterstützt. So sagt niemand was, leider. Hinterher sich darüber zu echauffieren hilft nicht sehr viel.

VG
Gael

Beitrag von jindabyne 04.02.11 - 20:56 Uhr

Das sehe ich genauso.

Beitrag von ohmama 04.02.11 - 21:13 Uhr

Du hast sicherlich Recht.

Wenn man nicht in der Situation selbst ist, dann fällt es auch viel leichter etwas passendes zu sagen. Im Nachhinein hätte ich auch einen Spruch parat gehabt. Allerdings in dem Moment nicht.

Warum ALLE geschwiegen haben kann ich Dir nicht beantworten, weil ich nur für mich sprechen kann...


Und sich hinterher darüber zu echauffieren bringt sehrwohl etwas, denn Du hast mir ja nun mitgeteilt, wie man richtig reagiert -somit konnte ich daraus lernen. Also war es nicht umsonst und ich kann beim nächsten mal passend reagieren.

Gruß Bille

Beitrag von alocin1970 04.02.11 - 19:34 Uhr

Liebe Bille,

ja, das hätte mich auch geärgert, v.a. wenn man sieht, dass das Kind "krank" ist. Ich war letztens auch beim KiA. Im Wartezimmer saß ein Jugendlicher, der scheinbar versunken im Geo-Magazin blätterte. Mit der Zeit sah ich aber, dass er sich "merkwürdig" verhielt, immer mehr hin und her hibbelte, da ihn meine beiden Jüngsten (2 und 5), die in diesem Wartezimmer immer ziemlich viel Spaß haben und dabei nicht super leise sind, ziemlich nervös gemacht haben. Ich bin ziemlich sicher, dass er auch Autist war. Er fing an, meinen Kindern Beinchen zu stellen und sie vorsichtig zu schubsen. Mir war es egal, seinen Eltern total peinlich, aber das musste es ja nicht. Sie haben sich dann bei uns dafür entschuldigt, dass sie aus dem Wartezimmer raus sind und sich ins Babyzimmer gesetzt haben, weil der Junge keinen Lärm vertragen kann. Das Wartezimmer ist sowieso winzig, mitten drin eine Rutsche, sodass jeder der rutscht den anderen unweigerlich auf die Füße tritt ... Und wir mussten alle lange warten, da wurde das Gewusel und Gelache und Gerutsche meiner Kinder zu viel für den Armen.

Mir war eher peinlich, dass der Mann uns anhand meines Sohnes erkannte und auch unsere Adresse auswendig wusste - er war ein Fahrer unseres Pizzaservices. Da sieht man mal, wie oft wir Pizza holen lassen. Das nur am Rande ...

Schiebe es mal auf die schon angesprochene Neu-Eltern-Blindheit, wo man noch glaubt, dass sich um sein Baby die Welt drehen sollte. Haben die Sprechstundenhilfen nichts gesagt? Das hätte man eigentlich erwarten können ...

LG Nicola

Beitrag von ohmama 04.02.11 - 21:07 Uhr

Die Sprechstundenhilfen haben das nicht mitbekommen.

Denen kann man das nciht ankreiden.



LG Bille

Beitrag von sandra7.12.75 05.02.11 - 10:17 Uhr

Hallo

Bäh,ätzend solche Leute.

Genauso ätzend wie die Mutter die ihre gesunde Tochter mit unserer Epilepsie Tochter verglichen hat und sich mehr oder weniger an den Leistungen ihrer tollen Tochter aufgegeilt hat#schock.

lg

Beitrag von zanadu01 06.02.11 - 20:14 Uhr

Hallo, ich war als Junge Mutter mit Babies war ich auf alles sehr emfindlich. Zum Glück gib es bei uns einen extra Bereich für Eltern mit Babies. Irgendwie kann Mann sich kaum vorstellen , das aus seinen Baby auch ein unruhiges Kleinkind wird. Bei unserem Hausartz konnte ich anrufen, da kam ich dann soforet dran. Handies sind bei uns verboten.
Aber gestört hätte mich so ein Verhalten auch, währe allerdings nicht rausgerannt.