Sie ist so unkonzentriert...

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von bulaimei_1979 04.02.11 - 16:35 Uhr

Hallo,

unsere "große" Tochter ist von klein auf an schon immer sehr hibbelig gewesen. Sie ist ständig in Bewegung und macht für alle den Kaspar. Ein paar Freunde, die Erfahrung mit ADHS haben, haben die Vermutung geäußert, sie könnte betroffen sein. Aber damit habe ich mich bisher nicht weiter befasst.

Sie ist erst 5, kommt zum Glück erst nächstes Jahr in die Schule, und so hat sie noch ein Jahr Zeit zu "reifen". Dabei möchte ich sie so gut es geht unterstützen, habe aber irgendwie keine Ahnung, wie ich ihr am besten helfen kann.

Sie ist sensibel, panisch, unkonzentriert, hibbelig, rennt beim Essen ständig weg, fängt Spiele/Puzzle/Bilder an und macht sie nicht zu Ende, hat von klein auf an Kraftumsetzungsprobleme (sie konnte mit 2 Jahren immer noch nicht die Hupe vom Bobbycar bedienen oder Seifenblasen pusten...), kann "Stunden" auf der Toilette sitzen, obwohl sie längst fertig ist, ihr kleiner Mund hält fast niemals still, sie muss alles kommentieren und rastet zwischendurch auch mal aus, sie unterbricht uns, damit sie ihren Gedanken nicht vergißt und kann abends nicht einschlafen, weil sie noch so viele Dinge im Kopf hat. Wenn man sagt, sie soll etwas nicht anfassen (z.B. USB-Stick auf dem Tisch o.ä.) juckt es sie so lange in den Fingern, bis sie es wenigstens einmal angetickt hat. Außerdem ist sie überhaupt nicht sorgfältig. Alles wird angefangen und liegengelassen, bis es verknickt, zerreißt usw. Außerdem sind Taschen prinzipiell zum Vollstopfen da, so dass man nichts wiederfindet, alles wird aufbewahrt, sogar Bonbonpapier ("es glitzert so schön"), sie rennt ohne zu kucken über die Straße, geht hinter Fremden hinterher, weil sie einen süßen Hund haben oder sie rennt am Bahnhof einer Taube nach während ich auf den Plan kucke usw.

Ganz irritiert bin ich auch von ihrem Lernverhalten. Morgens kann sie gut lernen, sich alles gut merken, aber sie steckt voller Energie, so dass ihr die Konzentration fehlt - sie braucht Bewegung. "Lernzeiten" sind also nur kurz. Wenn wir dann mal zusammensitzen, dreht sie sich bei jedem Geräusch um und läßt sich von allem und jedem ablenken.

Nachmittags kann sie sich nicht konzentrieren, ist müde und hat alles vergessen, was sie sonst weiß. Einfaches Beispiel: Fragt man sie nachmittags nach einer Situation aus ihrem Lieblingsbuch, fängt sie an zu jammern, sie weiß das doch nicht, die Frage sei zu schwer. Fragt man sie morgens das gleiche, sabbelt sie die ganze Geschichte runter.

An sich hat sie schon eine ganze Menge gelernt. Sie liest Wörter, die in Großbuchstaben geschrieben werden, und hat auch bei der musikalischen Früherziehung eine gute Auffassungsgabe - obwohl sie sich von den anderen Kindern im Unterricht ständig ablenken läßt. Sie ist aber sicher nicht "hochbegabt", denn ihr logisches Denken lässt wiederum sehr zu wünschen übrig

Meine Frage also: Was ist das, und wie kann ich ihr helfen, sich besser auf eine Sache zu konzentrieren und sie zu Ende zu bringen? Ich fürchte, wenn sie es nicht bald lernt, wird es in der Schule nicht leicht für sie. Sie wird der Kaspar, sie wird schlurig sein, sie wird sich für alles interessieren nur nicht für die Lehrerin und den Stoff und im schlimmsten Fall findet sie nicht mal den Weg zur Schule, weil sie durch Blumen, Tiere und Menschen so abgelenkt ist. Oder glaubt Ihr, dass sich das alles im Laufe des nächsten Jahren von ganz alleine legt? Ist es einfach nur "das Alter"?

Ich bin dankbar für Tipps und Erfahrungen!

Schönen Tag noch,
Sandra mit Kimia (5) und Samira (3)

Beitrag von munirah 04.02.11 - 18:51 Uhr

Hallo Sandra!

Was du beschreibst, hört sich z.T. sehr normal an, z.T. auch nicht. Aber Ferndiagnosen stellen sollte man auch nicht. Und von ADHS reden viele, oft auch viel zu schnell.

Solltest du beunruhigt sein, solltest du besser mit dem Kinderarzt sprechen und evtl. die Problematik von einem Ergotherapeuten abklären lassen, der dann auch gleich bei Bedarf behandeln kann.

Vergiss nicht, dass deine Tochter ein Kind ist. Und wenn du ihr irgendwie helfen willst, dann sei verlässlich. Z.B. wenn du konsequent bist, weiß sie woran sie ist.
Für meine Kinder gilt z.B., dass sie bei mir bleiben sollen, wenn ich es sage. ich nehme mal wie du das Beispiel Bahnhof. Wenn ein Kind nicht hört, weil z.B. die Tauben zu interessant sind, nehme ich es an die Hand. Aber sobald ich die Situation unter Kontrolle habe und weiß, wo ich wann sein muss, lasse ich mein Kind auch Tauben jagen - natürlich nur, wo keine Gefahr droht.

Wie gesagt, lass evtl. Fachleute dein Kind ansehen!

LG Munirah

Beitrag von bulaimei_1979 05.02.11 - 09:38 Uhr

Danke für Deine Antwort!

Der Kinderarzt hier bei uns im Ort ist angeblich Spezialist in Sachen ADHS. Aber hier im Ort hat dadurch auch jedes 3./4. Kind (von mir geschätzt...) ADHS - ist das nicht ein komischer Zufall...?

Bei meiner Freundin diagnosituzierte er das schon an ihrem 3jährigen! Ich war total schockiert. Ich habe den Arzt schon im ersten Lebensjahr meiner Tochter gewechselt, nicht jedes hibbelige Kind muss gleich krank sein, und ich weiß, dass auch viel durch Nahrungsunverträglichkeiten passiert. Deswegen waren wir mit Kimia auch bei einem Heilpraktiker, und ich muss tatsächlich auf Weizen, Ei und Milchzucker bei ihr achten. Auch Zucker und Farb-/Konservierungsstoffe können verantwortlich sein, und so sieht unsere Ernährung sehr ausgewählt aus. Trotzdem merke ich an ihrem Verhalten keine Veränderung.

Mit dem Aufpassen habe ich echt Schwierigkeiten bei Kimia, weil ich ja auch noch die "Kleine" hab. Mittlerweile passt die 3jährige im Straßenverkehr schon besser auf als die Große. Ich sag zu Samira: "Komm bitte an die Hand", und im nächsten Moment finde ich Kimia schon mitten auf der Straße. Ähnlich war es am Bahnhof. Ich sagte zu Kimia: "Halt dich bitte am Buggy fest" dreh mich zum Plan um und schwubs war sie weg. Ich bin echt froh, dass wir nur in einer Kleinstadt wohnen!!!

Diesen Monat haben wir die U, da werde ich auf jeden Fall die Ärztin befragen. Vielleicht kennt sie ja noch nen anderen Spezialisten außer den hier im Ort. Ergotherapie ist auch ein guter Tipp. Da sprech ich sie drauf an.

LG und schönes Wochenende!
Sandra