Altenpfleger/Krankenschwestern hier? Frage zu Demenz nach vielen Op´s

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Forum: Gesundheit & Medizin

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Beitrag von derhimmelmusswarten 04.02.11 - 20:48 Uhr

Vielleicht können die Fachfrauen bzw. -männer mir ihre Meinung sagen:

Meine Oma (75) ist Mitte Dezember gestürzt und hatte ein Kompartmentsyndrom verbunden mit akutem Nierenversagen. Es folgten 7 Operationen am Unterschenkel, ein fast dreiwöchiger Aufenthalt auf der Intensivstation und ein insgesamt sechswöchiger Krankenhausaufenthalt. Am Tag des Unfalls war sie noch völlig klar. Aber nach der ersten OP war sie dann schon verwirrt. Hat nicht gegessen, sich permanent beschwert über die Schwestern und vor allem die Physiotherapie nicht mit gemacht. Sie weigert sich, wieder laufen zu lernen und kann allenfalls in den Rollstuhl gesetzt werden. Sie ist nun in einer Reha-Klinik und der Arzt dort meint, sie wäre dement und würde nie wieder laufen und wäre ein Fall fürs Altenheim. Da sie momentan in einem schlechten Zustand ist, wird sie da auch vorerst hin müssen.

Meine Frage an euch ist: Kann eine solche Verwirrtheit auch von den ganzen Narkosen kommen? Sie hat vorher noch selbst gekocht und ihr Insulin gespritzt, sogar kurz auf meine kleine Tochter aufgepasst, Fernseh geguckt, gelesen. Zwar haben wir ihr einige Sachen abgenommen wie einkaufen, waschen etc. Aber sie war vorher kein Pflegefall. Innerhalb von sieben Wochen ist sie nun total "verkalkt" und man kann rein gar nichts mehr mit ihr anfangen. Sie liegt nur im Bett und redet wirr.

Kann eine Demenz so schnell fortschreiten? Oder kann es sich auch um etwas ganz anderes handeln? Habt ihr schon mal erlebt, dass sich so ein Zustand nochmal gebessert hat? Ich muss dazu sagen, dass sie 2009 einen Schlaganfall hatte, aber rechtzeitig gefunden wurde und danach auch wieder normal war. Sie hat auch Diabetes und hat sich über Jahrzehnte nie an eine Diät gehalten.

Beitrag von muckel1204 04.02.11 - 20:54 Uhr

Ich würde ja auf ein Durchgangssyndrom tippen. Such dir doch das mal raus, klingt mir sehr danach.

LG und alles Gute für deine Oma

Beitrag von frau-mietz 04.02.11 - 21:30 Uhr

Nun, ob es an der Narkose liegt, kann ich Dir nicht sagen.

Aber ich weiß, das ältere Menschen abbauen, wenn sie aus ihrer gewohnten Welt herausgerissen werden und nicht ihren normalen Tagesablauf durchführen können.

Vielleicht versucht ihr, sie mit Kleinigkeiten wieder an ein selbständiges Leben zu gewöhnen.
Soetwas wie:

Das sie sich selbst kämmt,
Zähne putzt, Gebisspflege macht.
Auch wenn sie im Bett liegt, selbst den Lappen zum waschen zur Hand nimmt...

Solche Dinge werden oft aus zeitlichen Gründen, schnell vom Personal übernommen, was jedoch kontraproduktiv ist.

Versuche sie nicht zu überfordern,
auf ihre Wünsche und Bedürfnisse einzugehen.
Immer sagen, dass Du sie verstehst, auch wenn Du eigentlich anders denkst.
Sie braucht Sicherheit und Zuspruch von der Familie.

LG

Beitrag von aakon2007 04.02.11 - 22:10 Uhr

Hi, bekommt sie denn irgendwelche Medikamente???#kratz Könnte das der Grund sein?? (Nebenwirkungen??) Ansonsten tippe ich auch auf Durchgangssyndrom.Ist die Durchblutung mal kontroliert worden?? Diabetes entgleist?? Gefäß zu??(Hatte ja schon mal Schlaganfall) Du siehst es gibt viele mögliche Ursachen...schon CT vom Kopf gemacht worden?? Nieren funktionieren gut??
Lg Elfi (Altenpflegefachkraft)

Beitrag von walli-biene77 04.02.11 - 23:01 Uhr

Hallo!

Hört sich ganz nach einen Durchgangssydrom an. Bei so vielen Op's muß der Kopf irgendwann mal "aussteigen". (Auch wenn offiziell die Narkose keine Schäden hinterläßt - sind viele Narkoseärzte da anderer Meinung - aber das wird offziell meist abgestritten) Meist gibt sich das aber nach einer Zeit aber wieder. So ist und war es bei unseren Patienten.

In meiner Ausbildung habe ich mal gelernt, das der IQ pro Woche Krankenhausaufenthalt sinkt - aber ich weiß nicht mehr ob es 10% war oder 10 Punkte. ...ist eigentlich auch egal um wieviel er durchschnittlich sinkt - er sinkt definitiv. Und dann kommen noch die vielen Op's und die vielen Schmerzmittel, evtl. neuen Medikamente (da vertragen sich auch manche nicht miteinander und können auch mal eine Demenz vortäuschen) dazu und fertig ist das erschöpfte Gehirn.

Gib ihr Zeit und laßt dich von dem Arzt nicht runterziehen. Sicherlich ist ein Altenheimaufenthalt in dem Zustand zur Zeit der Bessere - aber vielleicht könnt ihr sie ja auch erst einmal in die Kurzzeitpflege geben und dort lassen bis sie sich wieder erholt.

Ich hab in den vielen Jahren meiner Arbeit als KS hab ich so viele mit Durchgangssydrom erlebt und kann sagen - je fitter sie vorher waren desto eher besteht die Chance das sie wieder auf die Beine kommen. Deshalb würd ich deine Oma auf keinen Fall abschreiben...

Und auf keinen Fall locker lassen. Mobilisieren (laufen, wenn das nicht geht in den (Roll-)stuhl setzten, am Tisch essen lassen {nicht im Bett} nicht im Bett waschen), an die Frische Luft gehen, über alte Zeiten reden, aktuelle Tageszeitung vorlesen oder aus Büchern die sie schon kennt... das Gehirn braucht Abwechslung/Anregung im Wechsel mit Ruhe...

Ich wünsche euch alles Gute und drücken beide Daumen

lg
Biene

Beitrag von lene77 05.02.11 - 08:32 Uhr

Ich denke nicht das es sich bei Deiner Oma um eine temporäre Phase der Desorientierung (Durchgangssyndrom) handelt, weil so, wie ich es aus Deinen Ausführungen herauslese (sieben Wochen OP - Marathon), geht es ihr schon seit mehr als ein paar Tagen so wie Du es schilderst.
Es ist nun mal so das das schlimmste, was einem alten Menschen passieren kann, eine OP, oder einfach nur eine längere Bettlägrigkeit (zb. bei einem Bruch) ist. Natürlich kann sich ihr Zustand verbessern, aber das sie wieder so auf die Höhe kommt wage ich zu bezweifeln.
Und nur in den seltensten Fällen ist ein Mensch, der zur Kurzzeitpflege in ein Altenheim kommt, danach wieder nach Hause gegangen (Ausnahmen sind zb. wenn pflegende Angehörige eine Auszeit brauchen).

LG, Lena

Beitrag von best2108 05.02.11 - 10:05 Uhr

Hi,

Dein Fall ist sehr komplex.

Schon vor der OP hat Deine Oma ein hohes Alter gehabt, hatte bereits eine Schlaganfall und einen seit Jahren schlecht eingestellten Diabetes. Das sind bereits in sich schon Faktoren die zu einer reduzierten Gedächtnisleistung führen können, die Frage ist nun ob Deine Oma nicht schon vor der OP vielleicht auch leichtgradige Demenzerscheinungen hatte und in ihrer Umgebung nur grenzkompensiert war. Ich meine Vergesslichkeit oder z. Bsp. auch leichtgradige Orientierunglosigkeit in neuen unbekannten Situationen.

Nun zu der akut Situation im Dezember.
Ein alter bereits geschwächter Geist (75 Jahre mit Z.n. Apoplex) hat in sich schon immer eine gute Chance in ein Durchgangssyndrom nach OP und Intensivstation zu kommen. D.h. Orientierunslosigkeit, Aggessivität oder auch Vernachlässigung der eigenen Körperfunktionen (Weigerung der KGz. Bsp.)
Nicht nur eine Narkose sonder auch die Begleitumstände (Kompartment, wahrscheinlich auch Sepsis, deswegen auch akutes NV, neue Umgebung, etc.) führen zu einem postoperativen Durchgangssyndrom.

Nun zu der aktuellen Situation von heute:

sicherlich ist Deine Oma heute nicht mehr in einem Durchgangssyndrom, sondern eine schon vorgeschädigte Frau hat in einem hohen Alter eine schwerstweigende intensivmedizinische Situation durchgemacht. Dazu kommen anscheinend auch Depressionen (Verweigerung der KG, etc.).

All diese Gesamtumstände machen heute das traurige Bild Deiner Oma aus..und ich muss sagen wenn die Rehaangelegenheiten ausgereizt sind evt. vielleicht auch ein gerontopsychatrischer Aufenthalt (vielleicht auch wegen Depessionen) wirst Du nicht mehr viel unternehmen könne.

Leider harte aber ehrliche Worte, da ich solche Fälle täglich erlebe. Viel familiäre und positive Zuwendung kann deiner Oma vielleicht helfen den Alltag zu erleben.

Grüße

Beitrag von derhimmelmusswarten 05.02.11 - 12:13 Uhr

Danke für die Antworten. Ich denke, dass deine Meinung wohl (leider) am ehesten zutrifft. Dieses Durchgangssyndrom scheint es nicht oder nicht mehr zu sein. Die letzte OP ist ja auch schon ca. 3 Wochen her. Dennoch hat sich der Zustand in der Reha verschlechtert im Vergleich zum Krankenhaus. Momentan wirkt meine Oma wie ein schwer demenzkranker Mensch. Erschreckend dabe ist, dass sie sich bis Mitte Dezember noch weitestgehend selbst versorgt hat.

Beitrag von best2108 05.02.11 - 14:47 Uhr

Hi,

trotz Deiner klaren Tendenz in Richtung Demenz, nur Du hast Deine Oma vor Augen, wir alle hier können nur schwer die Situation von außen beurteilen,....denke bitte auch an eine akut prolongierte Depression.
Was für Medikamente nimmt Deine Oma??

Grüße