Entspannte Hausgeburt von Daniel am 30.12.10 mit HypnoBirthing

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Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von magdalena70 05.02.11 - 15:27 Uhr

Unser Sohn sollte zuhause auf die Welt kommen. Die drei Schwestern (13, 10, 5 Jahre) hatten angekündigt, dabei sein zu wollen. Also habe ich sie seit vielen Wochen auf das große Ereignis vorbereitet. Wir haben viel geredet, Bücher, eine Computeranimation einer Geburt und einige sehr schöne Hypno-Geburtsvideos angesehen.
In freudiger Erwartung schauen sie nun dem großen Ereignis entgegen.
„Meine“ Hebamme Andrea hat mich bereits während der Schwangerschaft betreut. Zu ihr hatte ich sofort großes Vertrauen, denn sie hat eine sehr klare, direkte, humorvolle und herzliche Art. Bei jedem ihrer Besuche bin ich völlig entspannt – ganz gleich, was sonst im Alltag ansteht. Es fühlt sich einfach alles richtig und stimmig an.
Für sie ist es auch kein Problem, dass die Kinder bei der Geburt dabei sein wollen. Sie gibt uns stattdessen sogar zusätzlich Sicherheit, weil sie bereits Geburten begleitet hat, bei denen Geschwisterkinder dabei waren. Außerdem findet sie es gut, dass ich mich mit HypnoBirthing vorbereitet habe. „Das wird eine schnelle, einfache Geburt“, ist ihre feste Überzeugung.

Der eigentliche Geburtstermin ist der 24.12.2010. Doch unser Sohn lässt sich Zeit – obwohl ich bereits seit Ende November immer wieder spürbare Vorwehen habe.

Am Mittwoch, 29.12.10 habe ich einen letzten Osteopathie-Termin, um mein Becken und Steißbein möglichst geburtsfreundlich zu beeinflussen. Für eine Autofahrt alleine fühle ich mich nicht mehr sicher genug. Also fährt mein Mann mich - 30 km einfach - dorthin. Ihm geht es an diesem Tag auf andere Weise nicht besonders gut: er kämpft mit einem heraufziehenden grippalen Infekt.
Bereits während der Behandlung merke ich, wie leichte Wellen durch mein Becken strömen. Die Osteopathin erklärt mir, dass dies ein Effekt der Behandlung und ein Zeichen sei, dass mein Becken gut auf die Impulse reagiere. Auch ich selbst mache mir keine weiteren Gedanken, solch ein Ziehen kenne ich ja nun schon und mehr als einmal hatte ich geglaubt, dass es nun bald losgehen würde.
Abends gehe ich früh ins Bett, ich bin steinmüde. Nachts gegen 23.30 Uhr werde ich davon wach, wie ich langsam und tief ein- und ebenso lange und ruhig wieder ausatme (jeweils etwa zwanzig Sekunden). Ganz automatisch habe ich „im Schlaf“ die Langsame Atmung des HypnoBirthings zur Wellenveratmung angewendet! Ich bin überrascht, wie gut mir diese Atemtechnik plötzlich sogar in der Seitenlage gelingt. (Das war beim Üben für mich die schwierigste Position für diese Atemtechnik.)
Alle acht bis zehn Minuten spüre ich nun Wellen. Manchmal gibt es auch etwas längere Pausen, dann kommen sie wieder in kürzeren Abständen. Zwischen den Wellen entspanne ich mich bewusst mit der Schlafatmung (etwa vier Sekunden einatmen, dann doppelt so lange ausatmen). Gegen 0.30 Uhr sehe ich nach meinem Mann, der sich auf dem Sofa im Esszimmer ausgestreckt hat und inzwischen Fieber hat.
Wieder im Bett veratme ich die nächsten, immer noch gut zu veratmenden Wellen. Gegen 2.30 Uhr kommt mein Mann ins Bett. Einerseits bin ich froh, dass er da ist, andererseits würde ich zu diesem Zeitpunkt gerne die Regenbogenentspannungs-CD hören, doch ich will meinen Mann nicht wecken. Immerhin ist er sehr angeschlagen und ich werde ihn später noch brauchen. Langsam wird mir bewusst, dass diesmal die Geburt tatsächlich losgeht.
Gegen drei Uhr kommen die Wellen ungefähr alle fünf bis acht Minuten und ich nehme mir vor, um 4.00 Uhr Andrea, meine Hebamme, anzurufen, wenn die Wellen weiterhin so regelmäßig kommen. Sie sind nun schon recht kraftvoll, aber immer noch gut mit der Langsamen Atmung zu veratmen.
Um vier Uhr klingele ich also Andrea aus dem Bett; ich habe das Bedürfnis, sie zu hören, um mich sicherer zu fühlen.
Der kurze Dialog geht dann sinngemäß so:
Ich: „Ich habe schon seit Stunden regelmäßig Wehen und sie werden immer stärker.“
Andrea: „Ist es schon arg? Soll ich gleich kommen?“
Ich: „Ich kann es noch gut veratmen, aber sie sind schon sehr regelmäßig und kraftvoll.“
Andrea: „Gut. Dann ruf mich doch in einer Stunde noch mal an und dann sehen wir weiter.“
Die Aussicht darauf, sie so schnell wie möglich da haben zu können, wenn ich sie brauche, entspannt mich so sehr, dass ich glatt noch einmal einschlafe – trotz Wellen. Erst gegen 7.00 Uhr morgens wache ich wieder auf. Die Wellen sind inzwischen so stark, dass ich meinen Mann bitte, meine Eltern anzurufen. Sie hatten gesagt, kommen zu wollen, wenn es losginge um während der Geburt für die Kinder da zu sein. Allerdings haben sie eine Anfahrtsdauer von einer Stunde. Während mein Mann telefoniert, veratmete ich inzwischen weiter fleißig meine Wellen. Noch geht das in Seitenlage auf dem Bett mit der Langsamen Atmung.
Mein Mann zu meinen Eltern: „Ja, es geht los. Ihr solltet kommen. Sie hat schon ganz scheußliche Wehen.“
Nachdem er aufgelegt hat und ich gerade eine Welle fertig veratmet habe, korrigiere ich ihn: „Das heißt nicht ‚scheußliche Wehen’, das sind intensive Wellen. Anders kann unser Sohn ja nicht zur Welt kommen.“ (HypnoBirthing lässt grüßen ;-))
Nachdem das geklärt ist, rufe ich Andrea an. Andrea: „Na endlich, ich hätte dich eh gleich angerufen. Haben die Wellen wieder aufgehört?“
Ich: „Nein, im Gegenteil. Aber ich bin noch einmal eingeschlafen.“
Andrea: „Das ist gut! Ich mache mich jetzt gleich auf den Weg.“
Langsam halte ich es im Bett nicht mehr aus. Die Wellen werden sehr intensiv und ich merke, dass mir ein Positionswechsel gut täte. Ich schnappe mir die vorbereiteten Isomatten, lege sie vor unser Bett und knie mich vor unser Bett hin, die Arme auf die Bettkante gestützt. So ist es für mich besser auszuhalten. Auch werden die Wellen inzwischen so kraftvoll und lang, dass ich mit der Langsamen Atmung alleine nicht mehr zurechtkomme. Ich werfe alle Buchtipps über Bord; hier komme ich nur mit meiner individuellen Methode weiter: Ich versuche, so weit wie möglich, das langsame Einatmen beizubehalten und töne beim Ausatmen, wie ich das im Schwangeren-Yoga gelernt habe. Für eine Welle brauche ich drei solcher Durchgänge. Damit komme ich sehr gut zurecht. Mein Mann ist inzwischen aufgestanden und streicht mir mit kraftvollen Abwärtsbewegungen den Rücken nach unten aus, wie er das auch bei der Geburt unserer zweiten Tochter gemacht hat. Das tut so gut und ich bin ihm sehr dankbar dafür – auch wenn diese Methode wieder nicht „korrekt nach HypnoBirthing“ ist – Die grundsätzliche Haltung ist es dagegen allemal!
Um 8.05 Uhr ist Andrea da. Derweilen knie ich immer noch vor dem Bett im Vierfüßlerstand. Andrea beobachtet meinen Umgang mit den Wellen und gibt mir das gute Gefühl, alles richtig zu machen. Einige Male atmet sie mit mir mit und das macht die Wellen um einiges leichter – als ob sie einen Teil der Energie für mich mit übernähme!
Dann fragt sie mich nach der Regenbogenentspannungs-CD. Sie weiß, dass ich mich damit auf die Geburt vorbereitet habe und wie gut mir diese CD getan hat. Zwischen zwei Wellen erkläre ich ihr kurz, dass die CD im CD-Player gleich beim Fenster sei. Sie schaltet das Gerät ein und achtet die ganze Zeit darauf, dass die CD immer wieder von vorne abspielt, wenn sie jeweils am Ende angekommen ist. Ich kann nicht sagen, dass ich während der Geburt großartig bewusst etwas von den Texten mitbekommen hätte, aber alleine die Musik und die vertraute Stimme der Entspannung im Hintergrund unterstützen meine Konzentration auf meine Wellenarbeit. (Das war auch beim Üben stets der Fall gewesen – da bin ich beim Üben immer eingeschlafen )
Diese Geburt empfinde ich durchgehend sehr stark als körperlich intensive Arbeit und die Wellen als kraftvollen Druck – zu keiner Zeit jedoch als schmerzhaft. Ich merke, wie sehr sich meine Haltung verändert hat. Aus jeder meiner Geburten habe ich mir in den Wochen davor die jeweils hilfreichen Erfahrungen bewusst gemacht. Dazu kommen das Wissen aus dem HypnoBirthing-Buch sowie die Übungen mit den Geburtsaffirmationen auf der Regenbogenentspannungs-CD. Außerdem stelle ich mir unter der Geburt immer wieder die Gebärmuttermuskeln als blaue Satinbänder vor, die sich nach oben hin verkürzen oder den Muttermund als Blüte, die sich langsam öffnet.
Gegen 8.45 Uhr sind meine Eltern da. Unsere Töchter haben sich bis dahin ruhig in ihren Zimmern verhalten. Nun stehen sie auf und kommen zum ersten Mal zu mir ins Schlafzimmer. Sie sehen zu, wie ich meine Wellen veratme und hören mein Tönen. Auch meine Mutter schaut kurz ins Zimmer. Zwischen zwei Wellen lächle ich ihnen kurz zu und konzentriere mich dann weiter auf meine Wellenarbeit.
Andrea meint: „Das dauert noch etwas, bis euer Bruder auf die Welt kommt. Werdet bloß nie Hebamme, die meiste Zeit muss man da warten.“
Nach ein paar veratmeten Wellen gehen die drei wieder aus dem Zimmer; es wird ihnen dann doch langweilig. Meine Eltern haben Semmeln mitgebracht und so gehen sie gemeinsam frühstücken. Später erfahre ich von meiner Mutter, dass unsere Mittlere ihr in ganz beruhi-gendem Tonfall beim Frühstück erklärt hat: „Die Mama macht das ganz gut!“ #schein
Um 9.00 Uhr untersucht mich Andrea zum ersten Mal. „Fünf Zentimeter“, stellt sie fest.
Ich bin glücklich: „Dann schaffe ich das ja bis zum Mittag!“ „Locker“, kommt die Antwort.
Hoch motiviert gehe ich die weiteren Wellen an. Die nächste Stunde verbringe ich abwechselnd im Vierfüßlerstand vor dem Bett, dann will ich mich gerne wieder hinlegen. Nach einigen Wellen stellen jedoch sowohl Andrea als auch ich selbst fest, dass die Wellen so nicht effektiv genug sind. So wandere ich auf ihren Vorschlag hin in den kurzen Wellen-Pausen Richtung Klo. Der beste Gebärhocker sei die fest installierte WC-Schüssel von Villeroy und Boch, scherzt Andrea. Ich kann immer noch lachen. Außerdem tut mir ihre betont normale, heitere Art unglaublich gut und unterstützt meine positive, konzentrierte Stimmung.
Unterdessen bemerkt Andrea, dass sie ihre Nabelklemmen vergessen hat. Also wird mein Vater losgeschickt, von einer nahe gelegenen Firma Kabelbinder zu besorgen. Sofort fährt er los und kommt bereits kurze Zeit später mit den gewünschten Kabelbindern zurück. Allerdings, berichtet er, wollte die Frau dort wissen, wozu er die Teile bräuchte. Als er seine Geschichte zum Besten gibt, schüttelt diese ungläubig den Kopf und meint, da solle dann später mal die junge Mutter mit dem Baby kommen, für den die Kabelbinder bestimmt seien.

Während der nun folgenden „Sitzung“ achtet Andrea darauf, dass ich nicht vergesse, langsam und tief in den Bauch zu atmen und dass meine Füße guten Bodenkontakt haben. Das ist gar nicht so einfach für mich, denn es bedeutet, der intensiven Wellenkraft noch mehr Raum zu geben und wirklich komplett loszulassen. Aber was bleibt mir anderes übrig? Andrea unterstützt mich, indem sie wieder einige Atemzüge mit mir mitatmet. Wieder ist mir, als ob sie damit einen Teil der Energie für mich übernähme. Es wird leichter.
Außerdem kann ich selbst von hier aus die Stimme von der Entspannungs-CD leise wahrnehmen und auch das hilft mir.
Nach einigen Wellen geht es wieder zurück ins Schlafzimmer. Um 10.20 Uhr untersucht mich Andrea erneut: Es steht nur noch ein kleiner Saum und die Fruchtblase ist noch intakt. So soll ich mich nun im Vierfüßler-Stand aufs Bett begeben und abwechselnd mal nach links, mal nach rechts mit dem Ausatmen nach hinten zurückwippen. Dies soll dem Baby helfen, trotz des leichten Widerstandes der prallen Fruchtblase seinen Kopf besser ins Becken zu drehen. Einige Wellen lang konzentriere ich mich nun auf diese Rückwärts-Vorwärts-Bewegung im Rhythmus meines Atems, dann untersucht mich Andrea um 10.55 Uhr wieder: Der Kopf ist nun gut eingestellt und der Muttermund vollständig eröffnet. Da entscheidet Andrea, dass wir es noch mal mit dem Villeroy-und-Boch-Gebärhocker versuchen sollten. Also wandern wir wieder langsam und geduldig Richtung Bad. Um 11.05 Uhr ist dies geschafft und nun weiß ich außerdem bereits, wie das mit dem tiefen Bauchatmen und der richtigen Fußhaltung sein soll. Andrea hört zwischendurch immer wieder die Herztöne des Babys ab. Sie sind jedes Mal in Ordnung. Außerdem mache der Kleine super mit, meint sie. Wieder bin ich glücklich und stolz auf meinen Sohn im Bauch.
Um 11.13 Uhr, während einer kräftigen Welle, kommt der erlösende „Platsch“ – die Fruchtblase ist geplatzt! Unser Gebärhocker hat seinen Dienst getan und es geht nach einigen weiteren Wellen wieder zurück ins Schlafzimmer - in den Vierfüßlerstand vors Bett. Vor dem Muttermund steht nun wieder ein kleiner Saum. Das frustriert mich. Andrea beruhigt mich jedoch und meint, das sei normal nach dem Blasensprung. Es gehe bald wieder weiter.
So langsam bekomme ich nun das Bedürfnis, unser Baby nach unten zu schieben und verändere meine Atmung.
Es ist 11.26 Uhr. Ich atme eher kurz und kräftig ein und lenke meine Kraft und Konzentration beim Ausatmen in den Rücken und nach unten und gebe dabei Töne von mir, die wie leises Stöhnen klingen. Andrea fragt mich, ob ich pressen würde, oder ob ich das Gefühl hätte, die Wellenkraft zu unterstützen. Mir ist nach letzterem und damit ist sie einverstanden.
11.35 Uhr: Andreas erneute Untersuchung bestätigt, dass der Muttermund wieder vollständig eröffnet sei. Ich darf richtig mitschieben. Auf nichts habe ich sehnlicher gewartet. Bald würde unser Sohn da sein!
Bislang war der Augenblick des Kopfdurchtritts stets der, vor dem ich mich immer am meisten gefürchtet habe und den ich regelmäßig sogar hinausgezögert habe. Diesmal ist alles anders, denn ich bin entschieden, nicht zu jammern sondern bewusst meine Gedanken auf das Eigentliche zu lenken: Mein Kind wird geboren! Alles nimmt seinen Verlauf, wie es zu sein hat. Hier war die regelmäßige Damm-Massage bei der Vorbereitung für mich sehr wichtig, weil mir dadurch bewusst wurde, dass es stets meine Gedanken – und damit die Angst – vor und während des Kopfdurchtritts waren, die mich gehemmt hatten und die diesen Moment so unangenehm werden ließen. So aber ist es möglich, ganz „offen“ zu werden.
Andrea fragt mich, ob die Kinder dabei sein dürfen. Mir ist alles egal, sie sollten selbst entscheiden. So läuft sie schnell ins Wohnzimmer zu unseren Töchtern: „Also, ihr dürft jetzt kommen. Die Mama hat’s erlaubt.“ Innerhalb einer Minute ist Andrea wieder bei mir und mit ihr meine beiden ältesten Töchter. Unsere Jüngste will nun doch lieber bei Oma im Wohnzimmer bleiben.
Andrea übernimmt nun wieder die Initiative und sagt zu meinem Mann:
„Stell dich vor deine Frau hin und halte deine Arme mit den Unterarmen angewinkelt.“ Zu mir gewandt sagt sie: „Und du stellst dich vor ihn hin, die Beine lassen gut Platz, schließlich muss da ein Kinderkopf durch! Halte dich bei deinem Mann fest. Er hält das aus. Dann geh mit jeder Welle in die Hocke und nach hinten. Es kann dir nichts passieren. Vorne hält er dich und hinten stehe ich und passe auf.“ Es ist ein gutes Gefühl für mich, so gehalten und gleichzeitig aktiv zu sein. Obwohl mein Mann eigentlich krank ist und fiebert, ist er von dem Geschehen offensichtlich ebenfalls so eingenommen, dass sein Infekt in diesem Augenblick keine Rolle mehr spielt. Er ist voll dabei. So ist mein Mann für mich im richtigen Moment mein Fels in der Brandung, dem ich mich, unser Baby und diese unglaubliche Geburtsenergie bedenkenlos zumuten kann. Ich lasse mich nun völlig auf die Geburtswellen ein, atme mit jeder Welle kurz und intensiv ein und gehe bei jedem Ausatmen tönend wie ein Gewichtheber in die Knie. Mein Mann ist völlig überrascht von der Mächtigkeit der Energie, die er so buchstäblich „mit aus-zu-halten“ hat.
Trotz der hohen Konzentration auf das Geburtsgeschehen hat Andrea noch die Kinder im Blick und will ihnen erklären, was nun vor sich geht. Sie sagt ihnen, dass ich das Tönen bräuchte, um mit dieser starken Kraft umzugehen. Ich würde aber nicht leiden. Doch die beiden sind völlig im Bilde und meine Mittlere meint ganz abgeklärt: „Das ist die Kraft, die drückt. Die Laute helfen der Mama dabei.“
Die nächsten Minuten schiebe ich mit den Wellen mit und es drückt immer stärker. Die Gewichtheberin in mir tönt immer lauter. Nebenbei merke ich, dass Andrea mit warmem Kaffee meinen Damm stützt. In mir ist nur ein Gedanke: Jetzt kommt mein Sohn. Gleich ist er da.
11.46 Uhr: Der Kopf ist da. Für mich gibt es kein Halten mehr. Ich will es zu Ende bringen und schiebe immer weiter. Es ruckelt da unten, irgendetwas geht da vor sich. Da geht es wieder weiter. (Später erklärt mir Andrea, dass unser Sohn ein klein wenig Schwierigkeiten hatte, sich vollständig durch das Becken zu drehen und so versuchte sie, ihn zu unterstützen. Außerdem lag die Nabelschnur um seinen Hals und sie streifte sie während der Geburt über die Schultern nach unten.)
11.48 Uhr: Unser Sohn ist da! Andrea fängt ihn auf und reicht ihn mir dann sofort zwischen meinen Beinen durch. Er ist ganz glitschig und zuerst ganz schlaff. Ich muss aufpassen, dass er mir nicht aus den Händen rutscht. Schnell breitet Andrea eine Unterlage auf dem Bett aus und endlich kann ich mich mit meinem Sohn hinsetzen. Alles geschieht nun scheinbar gleichzeitig: Ich halte meinen Sohn, streichle ihn, rede mit ihm und lache in einem Fort. Er selbst öffnet die Augen und macht ganz ruhig seine ersten Atemzüge. Währenddessen laufen unsere beiden Töchter aufgeregt ins Wohnzimmer und rufen: „Er ist da, er ist da!“ Da meldet sich auch unser Sohn zu Wort und verkündet mit seiner eigenen lauten Stimme, dass er angekommen ist.
Mir ist in diesem Moment nur noch eines wichtig, unseren Sohn zu halten und zu betrachten. Umgekehrt schaut auch er, inzwischen wieder ruhig, ganz aufmerksam umher. (Die nächsten Stunden ist er ganz wach und wird erst am Nachmittag für einige Stunden schlafen.)
Als die Nabelschnur auspulsiert hat, kommen unsere Spezial-Nabelklemmen zum Einsatz. Sie halten wirklich sehr gut und sind sehr effektiv. (Der Nabelschnurrest fällt bereits fünf Tage später ab.)
Dann macht sich die erste Nachwehe bemerkbar und erinnert mich daran, dass die Geburt ja noch nicht zu Ende ist. Oh weh, da war ja noch was... Die Plazenta muss noch geboren werden und das zieht sich leider etwas hin.
Doch um 12.20 Uhr ist auch das endlich geschafft. Bereits sechs Minuten später trinkt unser Sohn an der Brust. Währenddessen holt Andrea noch einmal die Kinder. Sie dürfen dabei sein, als die Plazenta von ihr begutachtet wird. Dabei erklärt sie ihnen alles ganz genau: wo das Baby sich befunden hat, welche Seite der Plazenta an der Gebärmutter anlag, wie die Nabelschnur verlief... Die Kinder sind völlig fasziniert. Nachdem alles ganz genau untersucht ist, kommt die Plazenta in einen Gefrierbeutel und harrt danach im Gefrierschrank darauf, im Frühling unter einen Baum gepflanzt zu werden.
Einige Zeit später wird unser Sohn gewogen und gemessen. Er ist 55 cm groß und 3840 g schwer. Sein Kopfumfang misst 35 cm.
Andrea fragt uns nach seinem Namen. Doch wir lassen uns damit noch bis zum nächsten Tag Zeit. Wir möchten ihn noch alleine in Ruhe betrachten und sehen, welcher Name von denen zu ihm passt, die für uns in Frage kommen. Als mein Mann und ich abends alleine sind und unseren Sohn ansehen, stellen wir fest, dass wir denselben Namen für ihn im Kopf haben: Daniel Johannes!
Nachdem Andrea den Kleinen angezogen hat, begleitet sie mich zum Duschen. Ich merke jetzt, dass ich einen ziemlichen Muskelkater von den vielen „Turnübungen“ habe
Schließlich essen wir alle gemeinsam zu Mittag: Andrea, meine Eltern, unsere Kinder, mein Mann und ich. Wie könnten wir Daniels tatsächlichen Geburtstag besser feiern als im Kreis unserer Familie und mit unserer Hebamme!

Beitrag von gizmo331 05.02.11 - 16:24 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zum kleinen Sonnenschein #sonne

Als Kaiserschnitt-Mama könnte man bei so einer tollen Geburt fast neidisch werden. ;-)
aber das Ergebnis ist ja schließlich das was zählt #verliebt

Alles liebe für dich und deine Familie
und eine tolle Kennenlernzeit #baby

LG

Beitrag von magdalena70 05.02.11 - 17:00 Uhr

Danke für Deine Glückwünsche :-)

Auch für Dich und Deine Familie alles Gute!

Beitrag von janine79669 05.02.11 - 16:29 Uhr

herzlichen glückwunsch

ganz toll geschrieben, wahnsinnig beeindruckend finde ich...

Beitrag von magdalena70 05.02.11 - 17:03 Uhr

Danke schön #schein

Alles Liebe für Dich!

Beitrag von jalin 05.02.11 - 19:14 Uhr

Liebe Claudia

was für ein toller Bericht, ich habe richtig mit gefiebert und mit erlebt!
Liebe Grüsse!!

Simone

Beitrag von magdalena70 05.02.11 - 19:23 Uhr

Liebe Simone,
#hicks danke schön für Deine Worte!
Ich wünsche Dir, dass Du zur rechten Zeit eine ebenso wunderbare Geburt erleben darfst!
Herzliche Grüße
Claudia

Beitrag von angie1974 05.02.11 - 19:36 Uhr

Liebe Claudia!

Dein Bericht ist einfach "Hammer"... super toll zu lesen... es kommt einen vor, als wenn man direkt dabei war...

einen tollen Namen hat euer Sohnemann..

Alles gute weiterhin..


LG
Angie

Beitrag von magdalena70 05.02.11 - 19:41 Uhr

Liebe Angie,

danke für Deine Rückmeldung und Deine lieben Worte!

Auch für Dich und Deine Familie alles Liebe!

Beitrag von elaschnela 05.02.11 - 20:17 Uhr

So ein wundervoller Bericht!#herzlich

Er rührt zu Tränen, ist aber trotzdem nicht schmalzig oder so. Einfach perfekt. #danke

Eine Hausgeburt ist doch etwas ganz, ganz besonderes. Dieses Erlebnis wirkt noch so lange nach. Ich selbst kann es manchmal immer noch nicht glauben, dass auch ich das geschafft habe, was vor und auch nach mir noch so viele Frauen schaffen werden. Uns wohnt eine Kraft inne, die uns im Alltag gar nicht bewußt ist, oder?#liebdrueck

Alles, alles Liebe für dich und deine Familie!#herzlich

Ela:-)

Beitrag von magdalena70 06.02.11 - 13:22 Uhr

Liebe Ela,

hab vielen lieben Dank für Deine Rückmeldung! Ich freue mich so sehr darüber.
Ich bin wirklich dankbar für die drei Hausgeburten, die ich hatte. Und ich bin sehr glücklich darüber, jedes Mal eine natürliche Geburt gehabt zu haben. Das gibt mir im Alltag gerade dann Kraft, wenn irgend etwas "zu schwer" erscheint.
Aber hey, wir Frauen sind stark, da haben wir ja sogar Geburten bewältigt! Also gibt es für alles andere auch Wege - immerhin hatten wir es schon mit ganz anderen Urgewalten zu tun, oder? #liebdrueck

Auch für Dich und Deine (noch wachsende?) Familie alles Liebe!

Beitrag von mama08012002 06.02.11 - 11:04 Uhr

Ein wirklicher beeindruckender und toller Bericht! So eindrucksvoll beschrieben, man (frau ;-) ) kann sich richtig reinversetzen.

Viel Spaß mit eurer Rasselbande und alles Glück dieser Welt!!!

LG
Elli

Beitrag von magdalena70 06.02.11 - 13:24 Uhr

#danke schön liebe Elli!

Auch für Dich und Deine Lieben alles, alles Gute! #klee

Beitrag von paulina510 15.03.11 - 21:42 Uhr

Noch ein weiterer Grund für mich, die Geburt meines Kindes auch mit Hypnobirthing anzugehen.

Habe mir das Buch bei Amazon bestellt

http://www.amazon.de/HypnoBirthing-nat%C3%BCrliche-sicheren-sanften-leichten/dp/3938396202/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1300221106&sr=8-1#_

Ist das auch die Regenbogen-CD, die Du hast? Oder kannst Du mir noch was empfehlen?

Alles Gute für Dich und Deine Familie!

Paula

Beitrag von paulina510 15.03.11 - 21:43 Uhr

Ach, wenn Du mir antwortest, dann bitte hierauf, dann bekomme ich automatisch eine Mail ;-)

Habe ich bei meinem 1. Beitrag vergessen anzuklicken. Danke!

Beitrag von magdalena70 16.03.11 - 12:29 Uhr

Hallo Paula,
was ich gesehen habe, bist Du ja bereits auf einem sehr guten Weg ;-) (hab Deine Anmeldung im Club gesehen :-))
Dann weißt Du vermutlich schon, dass die Regenbogenentspannungs-CD extra zu bestellen ist über das Hypnobirthinginstitut in der Schweiz. Geht aber total einfach und schnell.
Ansonsten kann ich noch sehr das Buch von Ina May Gaskin "Die selbstbestimmte Geburt" empfehlen. Außerdem hat mir meine Hebamme die deutsche Version von "Spirituelle Hebammen" (ebenfalls von I. M. Gaskin) geliehen (die gibt es leider nicht mehr so zu kaufen - nur in der englischen Version als "spiritual midwifes" oder so ähnlich #kratz).
Mir hat einfach die Unterstützung meiner Hebamme sehr geholfen und die Infos und der Austausch im "Club".
Wenn Du weitere Fragen hast, gerne her damit, auch über PN oder im Club.
Liebe Grüße und alles Gute!