Heute ist der letzte Tag mit unserem Kind...

Archiv des urbia-Forums Frühes Ende.

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von oli81 06.02.11 - 09:13 Uhr

...in meinem Bauch.

Freitag vor einer Woche bekam ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmen könnte und am letzten Mittwoch würde die Befürchtung bestätigt. Wir wurden von der Arztpraxis in die Medizinische Hochschule Hannover überwiesen. Dort wurde uns einfühlsam, aber für uns unfassbar, mitgeteilt, dass unser Kind multiple Fehlbildungen hat, die mit dem Leben nicht vereinbar sind.
Als mögliche Diagnosen kommen eine Body Stalk Anomalie oder ein OEIS Komplex in frage.
Wir haben eine 4 jährige Tochter, die sich sehr darauf gefreut hat große Schwester zu werden. Wir sind unendlich traurig...
Durch ein Telefonat mit meinem Cousin, der Psychologie studiert hat, haben wir den Weg gewählt ihr zu erzählen, dass unser Baby sehr krank ist und nicht bei uns sein kann. Es wird erstmal wieder gehen müssen um dann vielleicht irgendwann zu uns zurück zu kommen. Damit kann sie erstaunlich gut umgehen. Irgendwann gestern viel die Bemerkung, dass sie erstmal keine große Schwester wird, daraufhin protestierte sie sofort und sagte:"Doch!Wenn unser Baby wieder gesund ist und wiederkommt!" Es erleichtert mich zu wissen, dass dieser Weg es erstmal begreifbar macht für sie. Ich hatte außerdem gelesen, dass Kinder im diesem Alter es nicht verstehen können wenn ein Mensch das Leben hier auf der Erde gegen ein Leben im Himmel eintauscht...
Morgen um 10Uhr muss ich im Krankenhaus sein. Ich habe Angst vor heute Abend, dann ist auch der letzte Tag den ich vor mir her schieben kann beendet. Ich habe Angst vor dem, für mich im Moment, unmenschlichen - unser Kind bei 18+2 SSW auf die Welt zu bringen. Und es wird nicht leben...
Ich weiß, dass viele schon soetwas erleben mussten, deshalb fühle ich mich hier gut aufgehoben und schreibe das hier.

Grüße voller Angst und Traurigkeit,
Olivia

Beitrag von josy1984 06.02.11 - 09:22 Uhr

Hi,

oh Gott, was Dir gerade passiert ist einfach nur schrecklich und mit Worten nicht zu beschreiben. Ich kann nur erahnen wie du dich fühlst... Ich selbst musste mein Sternchen in der 6. SSW ziehen lassen, da es sich am falschen Ort eingenistet hat (ELSS). Auch das war schon sehr schlimm, aber nichts im Vergleich zu dem, was Du durchmachen musst. Ich hoffe, dass die Mädels hier, die ähnliches durchmachen mussten, Dir ein bisschen Mut machen können bzw. Dir zumindest die Angst vor morgen nehmen können.
Die Art wie du mit Deiner Tochter darüber sprichst, finde ich auch sehr passend (ich habe auch Psychologie studiert ;-) ). Wenn sie älter ist, wird es sicher den richtigen Moment geben um ihr die traurige Geschichte zu erzählen.

Mir bleibt nur Dir ganz ganz ganz viel Kraft zu wünschen und das Du viele lieben Menschen um Dich hast, die dich in dieser schwierigen Zeit unterstützen!

Fühl Dich fest gedrückt! #liebdrueck

Josy

Beitrag von oli81 06.02.11 - 19:13 Uhr

Es ist wirklich hilfreich und schön soviel Mitgefühl zu erfahren und auch von anderen zu lesen, wie es ihn ergangen ist.
Danke auch nochmal dafür, dass du mich darin bestärkst, wie wir mit Mia darüber sprechen. Am Mittwoch hätte ich mir nicht vorstellen können ihr das alles nahe zu bringen.
Nun hoffe ich nur, wie du mir auch schon gewünscht hast, dass ich neben all unseren Freunden auch in der Klinik einen sensiblen Umgang erfahre. Aber die Antwort von "wertvoll" gibt mir sehr viel Hoffnung...

Vielen lieben Dank für den Drücker! #liebdrueck
Olivia

Beitrag von lieke 06.02.11 - 10:10 Uhr

Hallo,

meine Kinder waren auch fast 4 als ihr Bruder tot zur Welt kam. (30.SSW).

Es stimmt, Kinder gehen anders damit um, offener, leichter. Wir haben uns damals vor allem auf Erfahrungsberichte verlassen, und sind sehr offen den Kindern gegenüber damit umgegangen. Ich war selber zuerst sehr skeptisch, ob das der richtige Weg ist. Sie haben ihren Bruder gesehen und waren auch bei der Beerdigung dabei, jeweils soweit, wie sie selber gehen wollten.

Heute bin ich froh, es so gemacht zu haben. Es geht ihnen gut und ihr Bruder ist selbstverständlich ein Teil der Familie. Sie können besser darüber reden. als manche Erwachsenen.

Ich hoffe, dass ich dir ein bisschen Mut machen kann, dir nicht zuviele Sorgen um deine Große zu machen. Sie packt das schon! Erstmal musst DU das jetzt morgen packen, aber auch das geht. Ich kann mich gut an diese unmögliche Situation erinnern, bei mir wurde die Geburt auch an einem Montag eingeleitet und auch ich hatte so einen "letzten Sonntag"...

Man kann sich nicht vorstellen, was da auf einen zukommt, aber wenn das Baby dann da ist, dann ist es doch einfach nur dein Kind, was du gerade geboren hast und es ist -trotz aller Trauer- auch ein Grund, glücklich und stolz zu sein.

Ganz viel Kraft für morgen und die Zeit danach!

Beitrag von oli81 06.02.11 - 19:33 Uhr

Mensch, in der 30.SSW! Es muss mit jeder SSW schwieriger werden...
Es hat mich erleichtert heute schon zu merken, dass Mia die Erklärung so gut aufgenommen hat. Einerseits merkt sie ganz genau wenn ich traurig bin und andereseits tobt sie hier rum wie immer. Das ist gut so...
Und die Erfahrungen, die ich hier lese sind eine große Hilfe! Wie so ein "letzter Sonntag" dann verbindet...

Ich danke auch dir für deine Antwort und für die Kraft!

Olivia

Beitrag von francie_und_marc 06.02.11 - 11:10 Uhr

Liebe Olivia!

Ich bin bestürzt, wirft mich dein Thread doch in der Zeit zurück. Mein letzter Tag zuhause mit meinem Sohn im Bauch war der 15.09. und ich hatte solche Angst, der Tag war die Hölle. Man versucht stark zu sein mit aller Macht. Gerade für sein erstes Kind. Unser Sohn war 6 Jahre alt als wir ihm das sagen mussten. Wir haben ihm erzählt das Marten gestorben ist und jetzt im Himmel wohnt. Das ich eben noch ins Krankenhaus muss, da Marten ja aus meinem Bauch rauskommen muss. Wenn er erwachsen ist werden wir ihm erzählen das wir einen medizinisch, indizierten Abbruch vorgenommen haben. Kinder können sehr unbefangen mit dem Thema umgehen. Wir erzählen viel über seinen Bruder, er gehört zu uns und Marc kann sehr gut damit umgehen.

Diese Entscheidung treffen zu müssen zereisst einem das Herz. Der Verstand sagt das man nur das Beste für sein Kind tut, aber das Herz zerbricht. Ich denke dein Mann fährt mit ins Krankenhaus? Mein Mann war die ganze Zeit bei mir. Wir hatten ein Familienzimmer, unser Großer war bei meinen Eltern untergebracht. Bei mir hatte es sich dann auch noch hingezogen. Von den ersten Tabletten bis zur Geburt vergingen 4 Tage. Das liegt aber an meinem Körper, also keine Angst das kann bei dir ganz anders sein. Mir haben im Nachhinein betrachtet die vier Tage aber auch gut getan, ich hatte ausreichend Zeit mich von meinem kleinen Marten zu verabschieden. Ich wünsche dir für morgen ganz viele verständnisvolle Menschen um dich herum, einfach eine liebevolle Betreuung in den schlimmsten Stunden deines Lebens.

Alles, alles Liebe Franca mit Marc fest an der Hand, Marten still geboren 21.SSW am 19.09.2010 tief im #herzlich und Bauchwunder #ei 11.SSW.

Beitrag von oli81 06.02.11 - 22:00 Uhr

Liebe Franca!

Ja, das Ganze Geschehen einem 6-jährigen nahe zu bringen ist dann nochmal wieder was anderes. Aber ich finde toll, dass ihr den Weg gefunden habt und er unbelastet damit umgehen kann.
Die Entscheidung des Abbruchs wurde uns zum Glück abgenommen, worüber ich ein Stück weit froh bin. Durch die gestellten Diagnosen ist klar, dass unser Kind nicht atmen könnte. Hätte ich wirklich noch eintscheiden müssen - eine noch grausamere Situation.
Mein Mann kommt morgen mit, ja. Und ich hoffe, dass er die ganze Zeit bei mir sein kann. Wenn ich mir vorstelle, dass er zu irdendeinem Zeitpunkt nach Hause fahren muss, z.B. weil ich nicht alleine im Zimmer liege, ich weiß nicht wie ich das machen soll. Und dann bleibt noch die Angst auf unsensible Menschen zu stoßen...Ich muss es wohl auf mich zukommen lassen.

Liebe Grüße und alles erdenklich Gute für dein kleines Bauchwunder!
Olivia

Beitrag von oli81 06.02.11 - 12:31 Uhr

Ich danke euch allen für die lieben Worte...
Meine Schwägerin holt Mia heute Mittag zum Schwimmen ab - sie freut sich riesig drauf.
Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt in Ruhe auf jeden Beitrag von euch antworten denn es hilft mir sehr das alles zu lesen und so viel Mitgefühl zu erfahren.

Liebe Grüße,
Olivia

Beitrag von darismama 06.02.11 - 13:13 Uhr

Hallo Olivia,
oh je, das tut mir leid für euch und euern kleinen Krümel. Es ist ein Alptraum, so vor vollendeten Tatsachen gestellt zu werden, vor allem wenn man sich so riesig drauf gefreut hat. Und eure Tochter erst. Aber es ist gut, wie offen ihr mit ihr umgeht. So haben wir es auch gemacht. Unsere Tochter war 3 und unser Sohn 6 als ihr Bruder in der 32. SW plötzlich starb. Unsere Kinder sprechen fast jeden Tag noch von ihm, wir besuchen ihn am Friedhof, sie "sehen" ihn immer am Himmel, decken für ihn einen Teller mit ein, malen Bilder für ihn. Ich musste mich an den "spielerischen" Umgang erst gewöhnen, aber jetzt nach über 1 Jahr ist es ok, er gehört genauso zur Familie wie alle anderen und das ist gut so.
Ich wünsche dir ganz viel Kraft und ganz viel liebe Unterstützung durch deinen Mann und ganz liebe Pflegekräfte, die ganz einfühlend sind. Dass ihr gut aufgefangen werdet in den schweren Stunden, ich bin in Gedanken morgen bei dir... liebe Grüße Meike#liebdrueck

Beitrag von oli81 06.02.11 - 22:05 Uhr

Liebe Meike!

Ich danke dir für deine lieben Worte und für das in-Gedanken-bei-mir-sein!
Ich finde es toll wie offen ihr mit der Situation umgeht und auch ich glaube, dass wir damit den richtigen Weg gewählt haben. In unserem Freundekreis weiß jeder was passiert ist, so ist es auch für alle anderen leichter mit uns umzugehen.
Danke für deine Antwort!

Liebe Grüße,
Olivia

Beitrag von haseundmaus 06.02.11 - 13:54 Uhr

Hallo..

.. ohje, das tut mir sehr leid. Lass dich drücken.

Ich kann dir und euch nur viel Kraft wünschen. Ihr habt eine schwere Zeit vor euch, leider kann man das nicht schöner ausdrücken.
Nimm dir die Zeit um dich von deinem Baby zu verabschieden. Das ist das einzige was ich dir raten kann. Seht euch euer Baby an, nehmt es in den Arm und gebt ihm/ihr einen Namen. Sicher werdet ihr die Möglichkeit haben, Momente in Fotos festzuhalten. Das klingt vielleicht absurd, aber es sind Erinnerungen, die du nicht aus deinem Gedächtnis verlieren möchtest. Ich habe von meinen Kindern leider nur ein Bild (naja, was heißt leider, ich bin ja froh, dass ich eins habe), gemacht von den OP-Schwestern gleich nach dem KS. Später als wir unsere Kinder bei uns im Zimmer hatten, habe ich leider nicht daran gedacht, dass wir sie hätten noch einmal fotografieren dürfen. Darüber bin ich heute etwas traurig.

Ich wünsch euch was! Ich hoffe, ihr könnt es verarbeiten. Es ist einfach so schwer..
Alles Liebe für euch!

Manja mit Lisa Marie #verliebt *18.09.2009 und Jana & Talina #herzlich#herzlich still geboren am 8.06.2007 in der 25. Woche

Beitrag von oli81 06.02.11 - 22:15 Uhr

Liebe Manja!

Du hast recht, die Zeit wird sicher schwer werden.
Wir werden sicher Fotos machen denn mir ist es auch ganz wichtig Erinnerungen festzuhalten! Leider ist es so, dass das Kind viele Fehlbildungen hat, vor allem im unteren Bereich des Körpers. Ich bin froh, dass morgen um 15Uhr gleich eine Psychologin zu uns kommt denn dann werde ich mit ihr nochmal darüber sprechen. Ich bin mir sicher, dass ich unser Kind sehen will aber wegen der Fehlbildungen habe ich natürlich auch Angst.
Ich hoffe auf Sensibilität und darauf, dass es so wird, das wir später gut damit zurecht kommen...

Alles Liebe auch für dich
Olivia

Beitrag von haseundmaus 07.02.11 - 08:18 Uhr

Ihr schafft das ganz bestimmt! #liebdrueck

Ja, das mit der Psychologin ist eine gute Idee. Ich hatte damals eine Seelsorgerin und mit ihr habe ich heute noch Kontakt.

Alles Liebe und Gute für euch!

Manja

Beitrag von wertvoll 06.02.11 - 14:53 Uhr

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für diesen Weg.
Wollte Dir nur sagen, dass wir uns in der Medizinische Hochschule Hannover sehr wohl (wie man das in so einem schweren Moment halt kann) und sehr gut betreut fühlten.
Ich hatte aufgrund einer Platainsuffizenz in der 27. SSw. einen Notkaiserschnitt. Leider reifte die Lunge nicht richtig aus und unser Sohn starb nach drei Tagen. Ich bin dem KH unendlich dankbar, dass unser Sohn in Papas Arm einschlafen durfte, wir ihn Baden und Anziehen durfte, ganz dezent ein paar Fotos gemacht wurden, wir ganz einfühlsam betreut wurden. Das Kh hat uns einen liebevollen und würdigen Abschied gestaltet.
Ich wünsche Euch sehr, dass ihr es ähnlich erleben dürft.

wertvoll mit ihrem kleinen Kämpfer fest im #herzlich



Beitrag von nadineriemer 06.02.11 - 18:43 Uhr

Hallo,
es tut mir so leid für dich/euch!:-(
Meine Tochter kam in der 27 Woche zur Welt und verstarb am 3 Lebenstag.Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich mit dir mitfühle.Versuch Abschied von deinem Kind zu nehmen,macht Fotos und Fußabdrücke,später wird es für dich sehr wichtige Erinnerungen sein.Ich#liebdrueckganz doll und denke morgen ganz feßt an dich!

Nadine

Beitrag von oli81 06.02.11 - 22:19 Uhr

Hallo Nadine!

Danke für deine lieben Worte. Heute morgen habe ich noch überlegt ob ich hier wirklich schreiben soll und jetzt bin ich froh darüber. So viele liebe Worte, Mitgefühl und einfach Geschichten von Menschen die ähnliches durchmachen mussten - das hilft schon sehr. Auch mein Mann hat die Beiträge gelesen und sich darüber gefreut.

Danke, dass auch du an mich denken wirst!
Olivia