Was kann ich machen??? Entwicklung fördern

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Beitrag von nine85 06.02.11 - 11:28 Uhr

Hallo ihr lieben.
In 14 tagen wird mein schatz 1 Jahr.
Ich habe mich immer sehr gut um meinen kleinen gekümmert, ihm vorgelesen, gesungen usw habe ich auch alles.
Beim singen habe ich oft geklascht.
Nun hatte ich die U6 vor ein paar tagen und meine KiÄ wollte, das er in die Hände klatscht.
Das kann er aber gar nicht. Ich habe es ihm zwar auch immer gezeigt, wie es geht, aber er wollte nicht, schaute mich immer nur an, so nach dem Motto "mama was machst du da mit mir"
Das gleiche spiel haben wir auch mit der Flasche. Ich habe ihm immer versucht beizubringen, diese selber zu halten. Habe seine Hände immer an die flasche gehalten und wenn ich dann losließ, ließ auch er los.
Nun ist er seid einigen Wochen fleißig am laufen lernen. Überall dran hochziehen und entlang laufen. Aber sobald ich ihn an die Hand nehmen will und mit ihm ein paar schritte laufen will, will er nicht und zieht die beine ein.
Auch wenn wir ein paar schritte weiter etwas ganz interessantes hinstellen will er nicht. Locken bringt gar nix. lieber geht er wieder in den krabbelgang um an den Ort zu gelangen...
Meine KiÄ findet das etwas merkwürdig.

Ichn habe ihm immer vorgelesen. Seid ein paar wochen findet er es interessant ein Buch umzuschlagen und gibt es mir immer in die hand, sobald ich ihm aber erkläre, was zu sehen ist (z.B. Katze oder ente) nimmt er das Buch und wirft es weg.....

Ich habe das gefühl, ich versage und weiß nimmer weiter
Nun meine Frage.....

Was kann ich noch tun?
Habt ihr tipps, die ich ausprobieren kann, die bei euren kleinen geklappt haben???

LG

Beitrag von daisy80 06.02.11 - 11:30 Uhr

Ja, ganz einfach: lass deinem Schatz Zeit ;-)
Das wird schon. Sie lernen es alle. Einer früher, einer später :-)

Beitrag von angeleye1983 06.02.11 - 11:56 Uhr

Ich kann mich da meiner Vorschreiberin nur anschließen und mit einem Jahr müssen die doch auch noch gar nicht laufen können oder?? Also mein Neffe ist mit 10 Monaten schon gelaufen und da war der KiA sehr erstaunt und hat zu meiner Schwester gesagt, dass die meisten erst irgendwann zwischen 12 und 18 Monaten anfangen zu laufen. Und auch der Rest kommt mit Sicherheit noch. Lass ihm Zeit! #winke

Beitrag von sako2000 06.02.11 - 12:00 Uhr

Ich finde auch, Dein Kind ist voellig zeitgerecht entwickelt. Keine AHnung was fur ein Problem Dein KiA hat, aber seine Aussegen sind echt daneben.
Das Verhalten Deines Sohnes ist normal, also lass ihn, bedraeng ihn nicht so und alles wird sich von alleine finden.

Viel Geduld, Claudia

Beitrag von zotti28 06.02.11 - 12:03 Uhr

Hallo

also mein Murkel is zwar schon 12,5 Monate aber auch er zieht, trotz laufen lernen, die krabbestellung noch vor, ich denke weil es schneller geht #rofl und für ihn sicherer ist. So kann er nich tief fallen.

Ja und Bücher angucken auch nur allein. Vorlesen lässt er sich gar nicht.

Ich hab auch Hoffnung das es noch wird ;-)

Liebe Grüße

Beitrag von fascia 06.02.11 - 13:33 Uhr

Nee, nee, nee, liebe Nine,

du versagst kein bisschen!

Aber: Manchmal ist weniger auch mehr...

Beispiel Buch ansehen.
Du sagst ja, er liebt es zur Zeit, selbst umzublättern. Und wird sauer, wenn du "liest". (Dein Söhnchen blättert nicht gerne um, weil er dann das nächste Bild "lesen" kann - er blättert wegen des Umblätterns gerne um!)
Nur so - ohne tieferen Sinn: Pappseite nehmen, umschlagen - nächste Pappseite (oder zwei), umschlagen - mal rückwärts, mal vorwärts...
"Aus Spaß an der Freude" - kennst du diesen Spruch?
Aus Spaß an der Freude geht nicht, wenn du "liest"!

Verstehst du?
Du machst ihn glücklicher, wenn du nicht mehr als eine "Buch-Haltevorrichtung" bist. Sei mal stiller...nur im Hintergrund.


Beispiel Laufen.
Was er da zeigt, ist für diese Phase ganz normal.
Auch hier signalisiert er eigentlich deutlich genug: Lass mich selbst machen!
"Höre" auf ihn - und lass ihn selbst machen. Es reicht, wenn du ihm deine Hände anbietest. Aber erst, wenn du beobachtest, dass er sich von den festen Gegenständen abwendet. Wenn du sehen kannst, ob er überlegt: "Krabbel ich jetzt, oder bleib ich mal oben..." (Und "anbieten" heißt nicht: Seine Händchen zu nehmen! Inzwischen ist es so weit, dass du mit deinen "Förderhilfen" das Gegenteil erreichst...)
Man merkt, dass du gut beobachtest. Aber du ziehst die "falschen" Schlüsse - verzeih, wenn ich es so sage.
Fördern heisst: Attraktive Angebote machen und warten!


Beispiel Flasche.
Ab jetzt gilt: Das wird "geübt". D.h.: Du gibst ihm die Flasche überhaupt nicht in die Hände - und hältst sie auch nicht mit ihm zusammen fest.
Ab jetzt stellst du die Flasche in seine Reichweite und wartest. Er muss sie sich selbst nehmen. (Das kann er zur Zeit vermutlich nicht, oder? Er wird es lernen müssen. Und dein Job dabei ist: Auszuhalten, dass er es nicht tut. Auszuhalten dass es ihm misslingt, falls er es versucht. Auszuhalten, wenn er vor Frustration weint oder schreit. Auszuhalten, dass Du die Flasche immer wieder aufhebst, ohne sie für ihn mit seinen Händen zu greifen und zu halten. Du musst! es mit ihm aushalten!
Natürlich nicht den ganzen Tag. Nur zu einer bestimmten Tageszeit. Wenn wir aktiv sind. Nachts oder abends nicht - da soll er sich nicht aufregen. Aber 1X am Vormittag oder/und 1X am Nachmittag ist "Arbeitszeit".


Bei manchen Dingen gilt: Was du FÜR ihn tust, das tust du GEGEN ihn.


Dennoch möchte ich nicht mit Sicherheit sagen: Dein Sohn hat kein Problem. Möglicherweise hat er ja eines. Eins das nicht leicht zu ermitteln ist und das auch nicht dramatisch ist. Aber doch eine Irritation bedeutet.

Ich möchte gern wissen, wie er spielt. Nimmt er Gegenstände (andere als die Flasche) in beide Hände? Wechselt er einen Gegenstand von der einen in die andere Hand? Haben seine Hände miteinander gespielt, als er kleiner war? Hat er die Hände und Füße - alle Viere - zueinander gebracht früher (beim Wickeln z.B.)? Hat er Dinge zum Mund gebracht und belutscht - Schnuller oder Bauklötzchen?


Ich muss jetzt mal weg zwischendurch.
Soweit klar?

LG,
f.

Beitrag von nine85 07.02.11 - 13:58 Uhr

Vielen lieben dank für deinen laaaaaaaaaaaaangen bericht.
Harte worte machen mir nix aus. Bin kritikfähig ;)

DU wolltest ja wissen ob er die dinge kann, die du erfragt hattest.
Ja das kann er, macht es auch bis heut noch so.
Nur die füße hat er nie in den mund gesteckt, was ich jetzt auch nicht soooooo schlimm finde.....

Aber was mir aufgefallen ist, schon seid längerem, dass, wenn er sich die hände dreckig macht, er sie versucht, wie wild abzuputzen.
Er mag es ganz und gar nicht, wenn er flusen oder dreck (krümel) an den händen hat.....

Wenn du noch was wissen magst, schreib mich ruhig an.

Ich werde auch mal deine tipps beherzigen und nicht mehr alles tun..... ach ist das schwer.......

Beitrag von fascia 07.02.11 - 18:23 Uhr

Oh nine,

es sollten keine "harten" Worte sein!

Ich sehe allerdings, dass in meinem Text so eine Eindringlichkeit mitschwingt...
Nimm sie einfach als Ausdruck der Erfahrungen, die ich mit Kindern (und ihren Müttern) gesammelt habe. (Und des Wunsches, durch diesen Monitor hinein und bei dir wieder herausschlüpfen zu können, um selbst zu sehen, zu hören, zu fühlen...)

Ich erzähl mal was.
In etlichen Jahren sind viele Säuglinge und Kleinkinder zu mir zur Behandlung gebracht worden. Die meisten von ihnen hatten keinen organischen Befund, keine Erkrankung. Der Grund der Therapie war dann meist "motorische Entwicklungsverzögerung".
Die Begleitung war zumeist die Mutter. (Als nächstes Mutter+Großmutter. Selten Väter solo oder beide Eltern.)
Bei über der Hälfte dieser Kinder plus "Anhang", habe ich das Kind eigentlich gar nicht "behandelt". Sondern die Mama...oder die Beziehung - diese Symbiose" - der beiden.

Z.B.: Ein bildschöner Junge von 11 Monaten mit tiefschwarzen "sprechenden" Augen. Er kriecht nicht - er krabbelt nicht. Er sitzt nur. Kann sich auch hinsetzen. Von dort kann er weit nach vorne greifen - mit einer erstaunlichen "Technik".
Ich habe ihn untersucht und finde nichts an ihm zu "beanstanden". Alle Reflexe und Reaktionen wie sie sein sollen.
Der Junge macht einen hellwachen Eindruck. Er meckert ein bisschen, weil ich ihn untersuche. Übel nimmt er es mir nicht. Nach der Untersuchung sitzt er auf der Erde mit einem seiner Lieblingsgegenstände (ein Quitsch-Igel, eigentlich ein Hundespielzeug). Er ist zufrieden.
Die Mama kämpft mit den Tränen. (Wegen der Untersuchung noch.)

Ich bitte die Mama, auf ihrer Bank sitzen zu bleiben und freundlich aber neutral zu sein.
Ich rolle einen Riesenball langsam vor dem Kleinen entlang. Er ist abgelenkt. Der Igel ist "mein"...er merkt es nicht. Der Riesenball verschwindet wieder - der Junge sucht seinen Igel. Der liegt hinter ihm.
Er entdeckt ihn, dreht sich auf dem Popo um, beugt sich vor und erkennt: Zu weit weg. Er guckt. Probiert nochmal. Setzt sich zurück. Denkt. Nochmal.
Da fängt er an, wie ein "Alter" die Hände zu ringen, "Ma, ma , ma...", mit Tränen in den Augen schaut er seine Mutter an, große Augen voll erbarmungswürdigen Leidens...

Die Mutter sitzt, wie ein Sprinter in den Startlöchern steht.
Der Junge beachtet mich nicht. Er sieht nur seine Mutter an, mit seinen sprechenden Tränchen-Augen. Er hypnotisiert sie fast. Und ihr laufen die Tränen nur so herunter.
Die Mutter und ich spazieren durch den Raum. Er lässt sie nicht aus den Augen. Nach einer Weile setzt sich die Mutter wieder. Der Junge versucht nochmal, seinen Igel zu erreichen.

Was passiert jetzt?


Nix.
Der kleine Kerl ignoriert den Igel plötzlich.

Das ist Intelligenz. Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, dann soll der Berg ihm eben gestohlen bleiben!
Keine Tränen mehr.
Er hat mich übertölpelt.
Diese Stunde ist scheinbar ergebnislos verstrichen.


Bei der nächsten Stunde gibt es kein Spielzeug mehr.
Es gibt nur noch "uns".

In dieser Stunde hat er eine eigene Technik des Fortkommens entwickelt, etwas zwischen Krabbeln und einseitigem Fersensitz. Das Ziel: Die Mutter, der "Sprinter".

In der dritten Stunde spielte der Igel wieder mit.
In einer der nächsten Stunden konnte man von Krabbeln sprechen.

Die letzten (von 12 Sitzungen) sind wir (er und ich) durch die ganze Praxis gekrabbelt. Die Mutter hinter! uns.
Ich habe den Jungen während dieser Zeit nur selten berührt. Und nie habe ich ihm "geholfen" - ich habe ihn eigentlich immer nur "gestört".

Gelernt habe wir alle drei - und ich kann nicht sagen, wer am meisten gelernt hat....


Kinder gestalten ihre Umwelt.
Wenn man sie lässt.

Manche muss man berühren, um sie zu bewegen.
Manche bewegen sich, weil man sie nicht berührt.

Der eigene Antrieb ist das beste, sicherste und stärkste Fördermittel für ein gesundes Kind.
Und ein wenig oder etwas mehr Geduld.

Ich habe viele Mütter "behandelt".
Das Rezept war allerdings auf ihre Kinder ausgestellt.


Vor etwa 15 Jahren war ich mit meinem Sohn bei einer U-Untersuchung.
Mittendrin sagte der KA zu mir:
"Setzen Sie sich jetzt endlich da hin. Sie gucken - und wir (er meinte meinen Sohn und sich selbst) wir machen! Sie tun zu viel, Sie reden zu viel - wie soll er da mal ein richtiger Mann werden...?"
Ich schwöre, mir war nicht bewusst, dass ich wie eine Glucke immer drumrum geeiert bin...
Total blind für das, was ich bei anderen doch so deutlich sehen konnte.
War das peiiiinlich...!

Manchmal hilft eine außenstehende Person.
Ein Monitor.


Plapperplapper...

Wenn dein Sohn seine Hände also vor dem Körper, vor seiner Mittellinie zusammenführen und dort mit einem Gegenstand spielen kann - dann bin ich "zufrieden".

LG,
f.