Sprachverzögerung, viele fragen

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von msfilan78 07.02.11 - 11:14 Uhr

Hallo

Ich schreibe hier eigentlich selten. Habe folgendes Anliegen.
Mein Sohn, 6,5jahre, kommt im August zur Schule. Nun ist er wirklich ein sehr schlauer Kerl, selbst bei der Schuluntersuchung staunte der Arzt nicht schlecht.
Sein größtes Problem ist aber seine Sprache, sprich er kann das K und G nicht aussprechen. Dann spricht er sehr undeutlich, wenn er nicht in seiner gewohnten Umgebung ist. Im Kiga wenig bis keine Freunde, Erzieher reden kaum mit uns Eltern.
Nun geht er seit 1,5 Jahren zum Logopäden, die gute Frau meinte immer, er holt auf, er ist sicher hochbegabt ( sollte ihn testen lassen, habe es abgelehnt). Leider merkte ich zu Hause nix, von wegen er holt super auf. Habe mit ihm immer geübt ( wörter wie Pfau __ wo er vorher Sau gesagt hatte) klappten prima.
Jetzt geht es natürlich um die Schulwahl. Plötzlich meinte die Logopädin, nachdem sie erst gesagt hat, er wird auf eine normale Grundschule gehen, nee normale Grundschule ist nicht, muß auf ne Sprachheilschule ( wohlgemerkt jedes 2te Kind wird von ihr auf so eine Schule geschickt)
Okay war ein schock für mich. Zumal ich mich von ihr schon hintergangen fühle__ wo sie mir doch immer sagte, er ist topfit in allen, aber in ihren Berichten ( die ich jetzt letzte woche mal lesen durfte) das genaue gegenteil bezüglich Sprache steht.
Okay selbst der Schularzt meinte er muß auf so eine Schule, soll im März dort getestet werden.
Nun mache ich mir natürlich viele ( zu viele) Gedanken.
Sprachheilschule ist ja eigentlich ne gute Sache, aber was mir wirklich Bauchschmerzen bereitet, was mir auch von vielen Seiten bestätigt wurde, das die Kinder 2 (!!!) Jahre lang die 1te Klasse machen und dann wenn sie auf eine normale Schule kommen, dem Unterrichtsstoff nicht folgen können. Stimmt das wirklich, oder sind das Ausnahmesituationen? Wo z.b. ein paar Kinder das machen müssen, weil sie vielleicht langsamer lernen. Weil die Frau von der Sprachheilschule meinte sie unterrichten ganz normal den Grundschullehrplan.
Seitdem ich im Januar weiß, das er, wenn die Integration nicht bewilligt wird, habe ich arge Schlafprobleme, mache mir nur gedanken, wie ich mein Sohn intensiv fördern kann ( der arme junge muß hier jeden tag 1-2h üben)
Nun habe ich gelesen, es gibt Sprachrehas, das würde ich auch gerne ins Auge fassen wollen. Hat da jemand Erfahrung mit? Bringt es was, oder ist es wie meine Logopädin meinte sinnlos?
Dann möchte ich, das er mehr als 1mal die Woche Logopädie bekommt, weil es ja scheinbar nicht das erhoffte bringt.

Kann mir jemand was über die Sprachheilschule Dresden berichten.
Für mich wäre die Schulform wirklich der letzte weg, wenn alles andere garnicht fruchtet.

Danke fürs zuhören

Beitrag von girl08041983 07.02.11 - 11:48 Uhr

Hallo,

das tut mir leid, ich denke dass bei euch dann einiges von Seiten des Kitas schief gelaufen ist.

Mein Sohn ist entwicklungs und sprachverzögert, er hat seit er 4 ist Logopädie und seit 1,5 Jahren jetzt Ergotherapie. Er geht in eine Integrationskindergarten und wird dort super gefördert (war in dem Kita davor nicht so, obwohl er da ein I-Kind war und jetzt "nur" ein Förderkind mit I-Helferin).
Wir waren letztes Jahr im SPZ in Bremen, die wollten auch ggf. diesen Sommer eine Sprachreha veranlassen, was ich total schwachsinnig halte so kurz vor der Schule reißt das meiner Meinung nach nichts mehr raus, abgesehen davon hat er mittlerweile so gute Fortschritte gemacht, dass er auf keine Förderschule muss, sondern eine normale Schule besuchen kann, trotz noch kleinen Problemen und ggf. ein wenig zusätzliche Förderung braucht. Aber das liegt auch nur daran, dass wirklich intensiv die letzten Jahre gearbeitet wurde und er ein Jahr zurückgestellt wurde. Wäre er letztes Jahr mit 6,5 Jahren zur Schule gekommen, hätte er in eine Förderschule gemusst und den Unterschied zu letztes Jahr und diesen Jahr viel extrem positiv bei der Schuluntersuchung auf. Er hatte sie zwar da auch gut gemeistert, aber vorallem das sprachliche und motorische hat er sehr gut nachgeholt, dass die auch keinerlei Probleme sehen, dass er normal in die Schule gehen kann.

Ich würde an deiner Stelle mit der Kinderärztin reden und versuchen noch mehr Std für deinen Sohn zu bekommen. Ich bin froh, dass bei uns wirklich das eine Jahr mit 1 Std Logo gereicht hat, aber er hatte eben noch Ergo und so ne Art Vorschule im Kindergarten und seine I-Helferin hat sich intensiv um ihn gekümmert. Denn eben alle vom Kia über die Therapeuten bis zu den Erzieherin im Kita wollen, dass er es wirklich in der normalen Schule schafft und denken mittlerweile auch, dass er es meistern wird, auch wenn er evtl. Logo und Ergo im ersten Schuljahr weiterhin haben wird.


Lg

Beitrag von kleinemaus873 07.02.11 - 12:27 Uhr

Hallo


Leider kann ich dir zu dresden kein bericht geben komme aus bayern ;-) Meine nicht 6.J ist in so einer sprachheilschule/kiga(schule ab sep.) und wir sind bis auf ein paar kleinigkeiten super zufrieden.. Sie war kaum 4monate da sind die wörter nur so gerieselt...:-D

Sie wird nun dort noch die 1klasse machen(1jahr) und dann auf die normale wechseln.

Was ich nicht verstehe warum soll dort die 1.klasse 2 jahre gehen??? Gut vielleicht liegt es an dem anderen bundesland??

Hier ist die 1.klasse regel schule und sprachheilschule eigentlich fast gleich vom lehrnstoff.. nur die klassen sind kleiner und man nimmt sich ein bissl mehr zeit.



Lg und viel glück für euch kleinemaus

Beitrag von arite78 07.02.11 - 13:45 Uhr

Hallo

so ist es bei uns auch (Rostock-MV), den nehmen den ganz normal Lehrstoff durch wie in einer Regelgrundschule und können jederzeit wechseln.
Ich war letzens grad bei uns zum Tag der offenen Tür in der SHS und was ich festgestellt hab, waren deutlich kleinere Klassen (12-14 Plätze) und auf diesen Buchstabenkarten waren immer noch die Aussprache bildlich abgebildet.

Also ich wünsche mir für Marius sehr das er es auf diese Schule "schafft", dafür müss er im März 2 Tage zur Diagnostik dorthin.

LG Arite

Beitrag von kati543 07.02.11 - 14:37 Uhr

Hallo,
mein Sohn ist jetzt 4,5 Jahre und hat auch seit knapp 2 Jahren Logo. Er hat eine massive Sprachentwicklungsverzögerung. Aber....wenn ich deine Geschichte lese, dann frage ich mich ernsthaft, wieso bisher nichts unternommen wurde. Mit bereits knapp 3 Jahren haben wir angefangen, Omar zu therapieren und ihn bereit für die Schule zu machen. Unser Ziel seit knapp 2 Jahren ist einfach, dass er früher oder später auf eine Regelschule gehen kann. So wie ich dich verstanden habe, bekommt dein Sohn außer Logopädie gar keine Förderungen. Wie soll er denn seinen Rückstand je aufholen? Hat dein Sohn I-Status im Kiga? Bekommt er Frühförderung? Jetzt, 5 Minuten vor der Einschulung, ist es natürlich zu spät irgendeinen größeren Fortschritt in der Entwicklung zu machen. Zumindest so, dass es für die Schule reicht. Wenn seine Sprache so schlecht ist, wird er dort Probleme haben - nicht nur im Unterricht.
Deine jetzigen Möglichkeiten sind abhängig davon, wie ihr versichert seid. Generell gibt es die Möglichkeit von:
* stationärer Intensivsprachtherapie (Dauer 4-6 Wochen - Mitaufnahme eines Elternteils erforderlich)
* Sprachreha
Wenn du mit dem Logopäden nicht zufrieden bist, warum wechselst du dann nicht? Kämpfe für dein Kind. Ob dein Sohn hochbegabt ist, wird sich bald herausstellen, denn um auf die Sprachheilschule zu dürfen, ist ein IQ-Test Voraussetzung und ein durchschnittlicher IQ. Ansonsten unterrichtet eine Sprachheilschule nach dem normalen Lehrplan der Regelschulen und es ist jederzeit möglich, dass das Kind auf die Grunschule wechselt. Das mit der 1. Klasse in 2 Jahren ist falsch. Es gibt Schulen, die haben gemeinsamen Unterricht der ersten beiden Klassen. Also 1. und 2. Klasse in einer zusammen. Dieses Eingangsjahr kann man in einem, zwei oder 3 jahren machen. Diese Möglichkeit ist aber abhängig vom Bundesland. Das gibt es nicht überall. Schau mal im Internet nach. Da ist alles genau erklärt:
http://www.sachsen-macht-schule.de/schule/2927.htm
http://www.sn.schule.de/~fz-sprache-dd/hauptseite.htm
Klar wünscht man sich etwas anderes für sein Kind, als eine Förderschule. Aber der Vorteil der Sprachheilschule liegt ja darin, dass nach 4 Jahren eben Schluß ist. Danach geht es wieder in die regulären Schulformen zurück.

Beitrag von msfilan78 07.02.11 - 15:39 Uhr

Hallo

Ich danke euch erstmal für eure Antworten.

Förderung gab es, gerade Ergotherapie. Logopädie wollte ich schon haben, als es 3 war, das wurde abgelehnt, mit der Begründung erst ab 4. Okay hätte ich damals hartnäckiger sein müssen. Aber hatte da ja keine Ahnung. Bevor er in den Kindergarten kam, sprach er wirklich "ordentlich" Zwar nicht alterstypisch, aber die ersten wochen im Kiga machte er sprachlich einen riesen Sprung. Dennoch wollte ich ihn beim Logopäden vorstellen, weil er manche Buchstaben wie Bl oder Pf etc. nicht richtig aussprach. Das kann er mittlerweile.
Irgendwann hat wohl jemand zu meinem Sohn gesagt, das er mal die Zähne auseinander machen soll, bei reden. Und von da an fing es dann an, das er unsicher wurde.
Möchte aber sagen, das er nicht immer extrem undeutlich spricht, nur wenn er halt mehr erzählen soll, dann wirds kritisch.
Der Kindergarten ist meiner Meinung nach überlegt, zuviele Kinder, zuwenig Betreuer.
Am Mittwoch habe ich einen Termin bei Kinderarzt und werde ihn bitten bzw. ihn meine Lage schildern, gerade das er 2mal wöchentlich Logo bekommt und eine Reha bekommen.
Ich weiß selber, das die Sprachheilschule nix negatives ist und ihn geholfen wird, aber ich hoffe einfach noch, das wir es erstmal umgehen können. Wenn es nicht funktioniert, ist es auch okay. Nix ist schlimmer, als wenn man dem Kind irgendwas aufzwingt, wo er sich am Ende garnicht wohlfühlt. Und ich nehme mein Kind so an wie es ist. Dennoch macht man sich eben seine gedanken ;-)

Lg, Daniela

Beitrag von kati543 07.02.11 - 17:57 Uhr

Das tut mir leid. Ich dachte, dein Sohn war sozusagen schon immer verzögert. Hast du denn mal mit alternativen Angeboten versucht, ihn aus seiner Schüchternheit zu locken? Vielleicht braucht er gar nicht so sehr Logopädie, sondern viel eher etwas mehr Selbstvertrauen. Ich weiß, dass diesbezüglich gute und schnelle Erfolge mit Hippotherapien und Musiktherapien erfolgt werden können.
Habt ihr es denn mal mit unterstützter Kommunikation versucht? Meinem Großen bastle ich gerade ein "Ich-Buch" und ein "Erlebnis-Buch". Da kann er sich sozusagen an dem Bild festhalten und dann erzählen, was er erlebt hat. Das soll er dann im Stuhlkreis im Kiga und bei den Therapien nutzen. Also jedes Wochenende ein Bild machen und er nimmt das dann mit und kann anhand des Bildes erzählen. Ich habe auch nie gedacht, dass das wirklich hilft - eigentlich war ich sogar dagegen, als unsere Ärzte das für ihn vorgeschlagen haben - denn er spricht ja. Aber zufälligerweise hat meine Mum ihm ein Mini-Photoalbum zu Weihnachten geschenkt (nur 10 Bilder drin). Und er erzählt und erzählt und erzählt. Und richtig lang auch. Das ging vorher gar nicht. Er hat dadurch einen riesen Schritt gemacht. Selbst am Telefon kann er jetzt richtig lange reden. Du kannst es ja einfach mal versuchen. Ich habe bei DM so ein Mini-Photoalbum gekauft mit so einem Marienkäfer vorn drauf und dann immer auf eine Doppelseite ein Bild und gegenüber die Erklärung (falls er doch mal hängt, können Erzieher und Therapeuten gezielt fragen).

Beitrag von bi_di 07.02.11 - 19:57 Uhr

Mein Grosser hat multiple Dyslalie.

Er hat Logopädie seit er drei ist. Und es ging nur in Minischritten voran. Mit 6 konnte er immer noch kein 'k' 'g' und 'ch' (das weiche in 'Ich'). Seine Kinderärztin sah darin kein Problem, die Ärztin der Schuluntersuchung auch nicht. Nun geht er seit Sommer in eine Regelgrundschule. Alles läuft prima. 'k', 'g' und 'ch' kann er jetzt bilden, nur in seinem Alltagswortschatz ist es noch nicht immer ganz angekommen. Aber es wird zusehends besser.

ABER: Er hat immer gerne und viel gesprochen. Wir sind ganz offen mit seinen Sprachproblemen umgegangen und haben zugesehen, das es nicht zum Bestimmenden in seinem Leben wird. Das er selbstbewusst damit umgeht. Das hat ganz gut geklappt :).

UND: Wenn er nicht mehr zur Logopädie wollte, hat er mehrmonatige Pausen bekommen. Er musste nie 1 - 2 Stunden üben. Wie soll ein Kind den Spass an Sprache behalten, wenn man es ständig zwingt zu üben? Wie soll ein Kind selbstbewusst TROTZ dieser Behinderung werden, wenn dein Leben schon so von diesem 'Defekt' bestimmt wird.

Nimm' doch mal den Druck 'raus. Selbst eine Sprachheilschule ist doch nicht das Ende der Fahnenstange. Viel wichtiger als das perfekte 'k', ist doch ein selbstbewusstes, fröhliches Kind.

Grüsse
BiDi

Beitrag von msfilan78 08.02.11 - 04:58 Uhr

Danke für Deine Antwort.

ALso mit 1-2 h üben meinte ich nicht, das er 2 h straff am tisch sitzt, sondern über den Tag/Alltag verteilt. D.h. ich lese ihm nochmehr vor als vorher, wir spielen Spiele etc. Das und nicht zwingen er muß das jetzt bringen. Weil wenns im Kopf nicht klick macht, bringt auch das ganze geübe nix.

Es ist jetzt auch nicht so, das ich mir nur Gedanken mache, wie er spricht, weil ich verstehe seine Aussprache ja. Zu Hause redet er auch viel, und singt auch. Zumal er auch sehr schüchtern ist, wenn er nicht in seiner gewohnten Umgebung ist. Selbst seine Erzieherin meinte, das er, wenn er nicht so zurückhaltend wäre, er sicher noch mehr Freunde hätte. Aber man kann ja ein Kind nicht zwingen, selbstbewußt zu sein
Dennoch ist er ein sehr fröhliches Kind.
Logopädie hatten wir auch schon für 4 monate pausiert, da hatte er auch den größten Sprung gemacht.

Wie gesagt ich setze ihn nicht unter druck, wenn er nicht will, lass ich ihn auch.