Schwiegermutter will uns nicht dabei haben

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von coronacora 07.02.11 - 11:23 Uhr

Hallo,

heute mal ein Schwiegermutter- Problem anderer Art ;-). Nein, eigentlich ist das Thema viel zu ernst, um Scherze zu treiben.

Meine Schwiegermutter wird dieses Jahr 70 Jahre alt. Sie kann sich im Grunde nicht mehr wirklich selbst versorgen. Ihre Wohnung ist nicht wirklich sauber (aber auch nicht verwahrlost) und die Köperhygiene wird auch nicht regelmäßig durchgeführt. Sie lebt recht einsam, hat höchstens telefonische Kontakte und verlässt das Haus nur, wenn es unbedingt sein muss. Ansonsten "gammelt" sie den ganzen Tag im Nachthemd in ihrer Wohnung herum. Sie hat aber keine Depression, sondern vermutenlich eine beginnende Demenz. Alle Frauen in der Familie meines Mannes hatten bzw. haben im Alter eine hochgradige Demenz entwickelt.

Es fällt schon auf, dass sie vieles vergisst oder sie ein und dieselbe Geschichte verschiedenen Personen in gänzlich anderen Versionen erzählt. Was Wahrheit und was Dichtung ist, ist kaum nachvollziehbar. Spricht man sie auf die Widersprüche an (was nicht immer vermeidbar ist, je nach Ernsthaftigkeit des Themas), wird sie wütend.

Der Grund, warum ich so ausschweife ist: Meine Schwiegermutter ist schwer krank. Sie ist vor zwei Jahren an Brustkrebs operiert worden. Die OP war langwierig und komplikationsreich. Sie wäre beinahe gestorben.

Im Herbst bekam sie gesagt, dass ihre Gebärmutter "auffällig sei" und nach Biopsien wurde ihr angeraten, diese entfernen zu lassen. Nächste Woche soll sie nochmal ambulant ins KH, um weitere Untersuchungen durchführen zu lassen.

Ich weiß, dass meine SchwieMu mit der Thematik überfordert ist. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass sie das, was die Ärzte ihr erklären, nicht versteht und um nicht "dumm dazustehen" sie nicht näher nachfragt. Ausserdem ist sie auch noch schwerhörig (ihr komplettes linkes Innenohr musste nach einer schweren Mittelohrentzündung in Jugendjahren rausoperiert werden).

Ich habe ihr angeboten, dass sie die Termine so legt, dass ich sie begleiten kann, um bei den Gesprächen mit den Ärzten dabeizusein. Doch sie lehnt kategorisch ab. Sie möchte das "alleine durchziehen". Auch meinen Mann (ihr einziges Kind), lehnt sie als Begleitung ab. Leider weiß ich jetzt schon, dass sie uns das, was die Ärzte ihr erzählen, nicht genau wiedergeben kann. Sie vergisst einfach wichtige Details. Das war vor zwei Jahren, als es um ihren Brustkrebs ging genauso.

Das soll jetzt nicht hinterhältig klingen, aber: Gibt es für Angehörige trotzdem die Möglichkeit, Informationen aus erster Hand von Ärzten zu erhalten? Oder habt ihr Tipps, wie ich sie doch noch überzeugen kann, die Termine nicht alleine wahrzunehmen?

Liebe Grüße,

cora

Beitrag von docmartin 07.02.11 - 11:30 Uhr

Wende dich an den behandelnden Arzt, erläutere ihm die Problematik udn vielleicht hat er eine Idee.
Gruß docmartin

Beitrag von coronacora 07.02.11 - 11:34 Uhr

Ja, die Idee hatte ich vor längerer Zeit auch mal, aber ich hab sie aus purem schlechten Gewissen wieder verworfen.

Beitrag von alkesh 07.02.11 - 12:23 Uhr

So lange Deine SM für sich selbst entscheiden darf, habt Ihr ohne ihr Einverständnis keine Chance!

Was macht Dich denn so sicher das sie keine Depression hat? Nur weil alle anderen auch dement waren? Vermutlich kann man auch beides sein.
Depressionen im Alter sind ja nun keine Seltenheit.

Vielleicht möchte sie Euch auch aus anderen Gründen nicht dabei haben. Vielleiocht möchte sie völlig ungezwungen dem Arzt sagen was sie zu sagen hat und könnte das nicht wenn ihr anwesend seid.

Übrigens, die wenigstens Menschen merken sich was ihnen Ärzte sagen, sie vergessen oder verheimlichen Details ganz unabhängig von Alter und Vorerkrankung!

LG

Beitrag von shandor 07.02.11 - 13:52 Uhr

Hallo Cora

Vielleicht lässt sie ja einen vor euch mit zum Arzt reingehen, wenn sie zuvor alleine zur Untersuchung gehen kann.
Meine Mutter ist 78 Jahre alt und wird auch böse, wenn man ihr etwas vorschreiben will. Aber manchmal ist es eben nötig, dass von uns Kindern Jemand dabei ist-------------da muss man eben etwas diplomatisch vorgehen.

Eva

Beitrag von coronacora 07.02.11 - 14:44 Uhr

Wir wollen ihr ja auch nichts vorschreiben. Aber ich habe wirklich ein schlechtes Gefühl, sie einfach machen zu lassen.

Als es um ihre Knie- OP sollte ich unbedingt bei der Besprechung dabeisein, um mit den Ärzten zu sprechen. Auch als es um ihre Augen- OP ging, wollte sie von uns begleitet werden. Ich war auch nach der Brustkrebsuntersuchung bei der Besprechung dabei. Sie hat selbst zugegeben, dass die nicht versteht, was die Ärzte sagen. Und jetzt auf einmal kann sie alles allein? #kratz

Natürlich kann sie alleine zur Untersuchung gehen. Ich habe ihr angeboten, bei der Nachbesprechung dabeizusein. So, wie es eigentlich in den letzten Jahren der Fall war...

Beitrag von bruchetta 07.02.11 - 22:00 Uhr

Hallo Cora,

ich habe ähnliche Probleme mit meiner Mutter.
Ihr häuslicher und persönlicher Zustand ist so, wie von Dir beschrieben.
Mittlerweile ist es so, dass sie zeitweise fast gar kein Kurzzeitgedächtnis mehr hat, manchmal geht's ein bißchen besser.

Ich habe mich schon viel beraten lassen, was diese Erkrankung und den Umgang mit Demenzkranken betrifft.

Was Eure momentane Situation betrifft, so gehen die Meinungen auseinander.
Manche sagen, man muß sie energisch an die Hand nehmen und sie in dem Fall einfach begleiten.
Andere sagen, man muß sehr feinfühlig vorgehen.
Vielleicht fällt Euch ein kleiner Trick ein, den sie nicht durchschaut, um bei dem Arzttermin anwesend zu sein.

Es wäre grundsätzlich gut, wenn die Demenz diagnostiziert würde, dann habt Ihr mehr Freiheiten.
Eine Anbindung an einen Pflegedienst wäre auch gut, vielleicht erstmal nur zu täglichen Vergabe der Medikamente (zahlt KK).

Ich wünsche Euch viel Kraft!

Beitrag von ang3lina 08.02.11 - 21:26 Uhr

Hallo!

Bei meinem Großvater hat man ein paar Tage vor Weihnachten Krebs diagnostiziert. Inoperabel, Chemotherapie nützt auch nix.

Seit dem Tod meiner Großmutter vor fast 4 Jahren lebt er alleine - er kommt ganz gut klar. Geht mittags und abends abwechselnd in seine Stammlokale zum Essen, am Wochenende isst er bei meinen Eltern.
ABER: Sein Kurzzeitgedächtnis ist leider komplett hinüber.. Er selbst kann und will das noch nicht akzeptieren (was für uns alle natürlich verständlich ist) und er wird auch nur wenns unbedingt notwendig ist in seinen Aussagen korrigiert.

Nach den ersten paar Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass er meinem Vater jedesmal andere Informationen gab und sich selber widersprach.. Da er anfangs zu stur war, um sich bei den Arztterminen begleiten zu lassen, haben sich meine Eltern kurzerhand einen Termin beim behandelnden Arzt geben lassen und dem die Situation erklärt.
Sie haben dann auch Auskunft bekommen und schlussendlich hat mein Großvater dann von selbst darum gebeten, dass ihn meine Eltern bei den Arztgesprächen begleiten sollen, er würde die Hälfte ja eh nicht verstehen...


Nehmt also auf jeden Fall Kontakt zu dem behandelnden Arzt auf, erklärt die Situation, fragt wie ihr am Besten vorgehen sollt.
Denn einfach überrumpeln und bevormunden halte ich eher für eine schlechte Idee..

Ich wünsche euch alles Gute!!

Liebe Grüße,
ang3lina