Erste Bewerbung nach dem Studium

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von knutschka 07.02.11 - 12:34 Uhr

Hallo,

ich komme mir gerade vor wie der größte Trottel. Ich habe mein Studium mit dem 1. Staatsexamen abgeschlossen und bin nun auf der Suche nach einem Plan B, wenn ich nicht gleich einen Referendariatsplatz bekommen sollte und studiere die Stellenangebote im Netz. Nun habe ich ein Angebot gefunden, bei dem ich max. drei Referenzen beilegen kann - da ich noch nicht gearbeitet habe, habe ich ja auch keine entsprechenden Arbeitszeugnisse. Wirkt es total daneben, wenn ich meinen Professor um ein Empfehlungsschreiben bitte (es handelt sich um eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter)? Ich bin wirklich ratlos und will mich auch nicht blamieren (und wenn, dann lieber hier vor euch als vor meinem Prof. oder vor meinem potentiellen Arbeitgeber ;-) )...

Ging es euch nach dem Studienabschluss auch so? Also, habt ihr euch auch so ratlos gefühlt? Ich habe geisteswissenschaftliche Fächer studiert und habe nun, nach dem Studium, immernoch das Gefühl im Grunde für nichts (außer das Referendariat) qualifiziert zu sein... Das ist wirklich kein schönes Gefühl...

Danke schon einmal und liebe Grüße
Berna

Beitrag von moeriee 07.02.11 - 13:10 Uhr

Hi Berna! #winke

Darf ich fragen, welches Lehramt und welche Fächer du studiert hast? Ich habe L1 (Grundschullehramt) in Hessen studiert und habe mit einem Schnitt von 2,2 abgeschlossen. Schlecht, ich weiß... :-( Hab' leider in zwei mündlichen Prüfungen beim 1. SE verka*kt (wobei ich die Schuld auf die Prüfer schiebe, die nicht mal aus dem Schulbereich kamen und von Unterrichten überhaupt keine Ahnung hatten), sowie auf meine Examensarbeit nur 8 Punkte bekommen. #schmoll Jedenfalls sagte man mir beim Amt für Lehrerbildung, dass ich mind. drei bis vier Jahre Wartezeit einkalkulieren müsse. Mein Mann und ich entschieden uns dann, die Familienplanung vorzuziehen. Weißt du, was das Ende vom Lied war? Ich hatte nur ein Semester Wartezeit und habe jetzt zum 1. Februar eine Stelle bekommen (gehe allerdings direkt in Elternzeit) ... #rofl

Was für dich in Frage käme, wären folgende Optionen:

1. Du bewirbst dich in allen möglichen Bundesländern (beachte: Bewerbungsschluss ist in anderen Bundesländern möglicherweise schon viel früher, als im eigenen). Diejenigen, die mit mir zusammen studiert haben und das so gehandhabt haben, haben sofort einen Platz bekommen.

2. Du machst das, was du kannst. Hier in Hessen ist es so, dass du dich bei den zuständigen Stellen erkundigen kannst, ob Schulen in deinem Umkreis Vertretungskräfte benötigen. Bei uns war nichts zu bekommen (sehr ländlich), aber eine Freundin von mir, die in Neu-Isenburg wohnt, konnte sich vor Angeboten nicht retten. Sie hätte mind. 5 Vollzeitstellen antreten können. Und die Bezahlung ist auch nicht schlecht. Sie hatte, wenn mich nicht alles täuscht, 1.700€ netto (Lohnsteuerklasse 1), bei 27 Wochenstunden. Vorteil (zumindest hier in Hessen): Du bekommst diese Zeit später angerechnet, wenn du dich nach dem Ref. für eine Stelle bewirbst und wirst bevorzugt eingestellt. Andere Variante wäre, dass du Nachhilfe anbietest. Die Nachfrage ist wirklich hoch. Ich habe das während des Studiums auch gemacht und hatte bis zu 5 Schüler pro Woche (hätte aber noch mehr annehmen können, wenn ich die Zeit dafür gehabt hätte). Verlangen kannst du auch mind. 15€ für 90 Minuten. Ich habe 21€ genommen (war aber mit Anfahrt).

3. Du suchst dir einen anderen Job, z.B. an der Tankstelle oder als Bedienung. Der Vorteil ist, dass du etwas zu tun hast. Nachteil: Die Bezahlung für ungelernte Kräfte ist teilweise echt mies. Ich habe an der Tanke 6,19€ pro Stunde verdient. Das ist gar nix, wenn du dir überlegst, dass ich noch 25 km Anfahrt (einfache Strecke) hatte.

Mehr fällt mir derzeit auch nicht ein, aber ich kann dein Gefühl nachvollziehen. Mir ging es auch so. Studium geschafft, aber man steht mit fast leeren Händen da, weil man mit dem 1. SE einfach nicht viel anfangen kann.

Liebe Grüße und viel Glück! #klee

Marie

Beitrag von moeriee 07.02.11 - 13:13 Uhr

PS: Natürlich kannst du deinen Dozenten um ein Empfehlungsschreiben bitten. Wenn du dich immer entsprechend engagiert gezeigt hast und gute Leistungen abgeliefert hast, dann wird das kein Problem sein. Im Gegenteil! Ich würde es an der Stelle deines Dozenten löblich finden, wenn ein Student die Zeit zwischen Studium und Ref. sinnvoll nutzt. #pro

Beitrag von knutschka 07.02.11 - 18:26 Uhr

Hallo Marie,

danke für deine ausführliche Antwort. Ich habe trotz ordentlicher Prüfungen noch schlechter abgeschnitten als du (dank verhunzter Examensarbeit). Aber das ist nun nicht mehr zu ändern.

Ich habe Französisch und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien studiert. Während des Studiums ist unsere Tochter geboren. Durch sie und auch durch die Tatsache, dass mein Partner hier Arbeit hat, bin ich nicht ganz so örtlich flexibel, aber natürlich bewerbe ich mich auch für die anliegenden Bundesländer. Einen Nebenjob im Eiscafe habe ich auch. Der ist im Grunde recht fair bezahlt und macht auch Spaß, aber wenn ich mir vorstelle, dass ich mehrere Jahre auf mein Ref warten muss, möchte ich ehrlich gesagt lieber etwas "Ordentliches" im Lebenslauf zu stehen haben... ;-) Da gefällt mir die Option Vertretungslehrer schon deutlich besser. Da werde ich mich mal noch schlau machen, ob es dies hier auch gibt und wie man dran kommt.

Ich habe meinen Prof. nun schon gefragt und er meinte, er hilft mir gern. Dann lasse ich mich mal überraschen.

LG Berna