Wie kann man damit umgehen?

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Beitrag von conina22 08.02.11 - 13:27 Uhr

Hallo,

ich bin nicht sicher, ob ich hier richtig bin.

Seit knapp einem halben Jahr gehe ich wieder arbeiten, meine Kinder sind mittlerweile 3 und 5 Jahre alt.
Ich arbeite im Strafrecht, habe also sehr viel mit allen möglichen Verbrechen zu tun. Früher war das für mich nicht so das PRoblem, heute habe ich Kinder und ich merke doch wie sehr es mich beschäftigt, vor allem weil ich eine Zeit lang sehr viel mit Sexualstraftätern zu tun hatte.
Eine andere Arbeit kommt nicht in Frage, das ist also kein Thema.

Nun meine eigentliche Frage ... so etwas betrifft ja nicht nur mich, so etwas betrifft wahrscheinlich auch Ärzte, Krankenschwestern Polizisten, Sozialarbeiter und noch so einige Berufssparten. Wie geht ihr damit um? Denkt ihr nach Feierabend nicht darüber nach oder habt ihr einen Weg gefunden damit zu leben?

Was mich eigentlich am meisten daran stört ist, dass ich .. wie soll ich das erklären? Vorhin zB folgende SItuation: Ich denke darüber nach meinen Kindern Reitstunden zu ermöglichen, überlege wie man das machen könnte, wer da wohl der Reitlehrer ist (kenne den Hof nur vom "Sehen") und der nächste Gedanke ist, dass ich sie wohl nicht allein da lasse, weil man ja nicht wissen kann was dem Reitlehrer einfällt.. Nein, ich bin keine Glucke und ich misstraue nicht grundsätzlich jedem Mann, aber ich merke doch wie genau ich Männer beobachte, die mit meinen Kindern zu tun haben. Und ich finde das blöd, es sind ja nicht alle Menschen "böse".

Kann man das ablegen? Oder gehört das nun einfach zu mir, weil ich einfach zu viele Einblicke in "das Böse" der Menschen habe ?


Liebe Grüße
Conina

Beitrag von diebina 08.02.11 - 14:01 Uhr

ich finde nichts Ungewöhnliches daran, wenn Du Deine Kinder nicht gleich unbeaufsichtigt in die Obhut von Fremden gibst. Egal, welchen Beruf Du ausübst!

Mein Sohn geht in den ersten Monaten nicht ohne mich zum Fußballtraining, bei meiner Tochter begleite ich den Kindergartenstart ja auch, um ihr zu zeigen: diesen Menschen kannst Du vertrauen, denn Mama hat sich ein Bild gemacht.

ich habe keine derartigen Beruf, weiß aber von einer guten Freundin (Kinderkrankenschwester, immer öfter Missbrauchsopfer auf der Station), dass sie sich schwer tut. Wer mit Bösem zu tun hat, misstraut auch schneller - das ist normal, denke ich!

Liebe Grüße
die bina

Beitrag von marianne22 08.02.11 - 14:21 Uhr

Hallo,

ich glaube, das ist normal!Ich bin Krankenschwester auf einer Neuropädiatrie gewesen, jetzt habe ich 3 Kinder! Die kleinen Patienten haben schwerste Schädelverletzungen nach Verkehrsunfällen, Stürzen...Wachkoma durch Beihnahe-Ertrinken usw...meine Kinder dürfen an keinem Tümpel, Weiher oder Regenfass spielen....wie wenig Wasser da auch drin sein mag! Auf Station hab ich gelernt...es gibt nichts, was es nicht gibt!
Aber die meiste Zeit bin ich entspannt, vielleicht weil ich aktuell da nicht arbeite!

Mich hat aber der Fall Mirco wieder zum Zweifeln gebracht...mir ist wieder bewusst geworden, dass sich wirklich jeder über meine Kinder hermachen könnte...bis jetzt hat mich immer ein bisschen beruhigt, wenn der Fussballtrainer oder andere selber Kinder hat...aber, das scheint ja nix zu heißen!

Wahrscheinlich braucht man einfach etwas "Gottvertrauen" das alles gut geht!! Aber ich kann dich verstehen!

Lieben Gruß,
Marianne

Beitrag von alkesh 08.02.11 - 17:42 Uhr

Ich glaub das ist normal!

Bei uns gibt es auch "Regeln" auf die andere Familien nie kommen würden, eben weil ich von Berufswegen her weiß wie schnell was passieren kann!

LG

Beitrag von gunillina 08.02.11 - 17:52 Uhr

Supervision hilft.

Sich austauschen mit anderen Kollegen. Damit du abschalten kannst.

Ich (Sozialarbeiterin, Einzelfallhilfe) gehe durch die Strassen und schaue mir die Fenster an und kann mir denken, wie es hinter einigen davon aussehen mag.
Ich sehe alte Menschen beim Einkaufen und weiss, wie die Wohnung aussieht, wie ihr Tagesablauf sein wird.
Und es gibt so ungemein viele von ihnen.

Eine Freundin von mir ist Trauma-Therapeutin, sie sitzt in der Strassenbahn und kann an ihren Fingern abzählen, welcher Mitfahrende betroffen ist. Also, wer ein schlimmes Trauma erlitten hat in seinem Leben und eigentlich behandelt werden müsste, um mit seinem Leben besser zurecht zu kommen. Und sie weiss, was für Traumata es gibt, von denen "normale" Menschen nicht einmal träumen, so schlimm sind sie.

Wenn du deine Arbeit gut machst, hörst du nicht auf zu denken. Aber du musst auch ein Ende finden beim Denken, damit es dich nicht zerreibt.

Also, die Welt ist grausam, es gibt unzählige kranke und kaputte Menschen in unserer Gesellschaft. Aber du musst loslassen lernen. Sonst gehst du nämlich selbst kaputt.

Kopf hoch, Rücken gerade, Atmen. Die Sonne anschauen, aufhören, an das Böse zu denken, das Schöne sehen. Und es geniessen. So kannst du deine Arbeit besser machen als mit dem Bösen vor Augen.

Ehrlich wahr.

Alles Liebe
G

Beitrag von marianne22 08.02.11 - 20:39 Uhr

Deine Beiträge lese ich gerne! Du schreibst immer sehr treffend!

Lieben Gruß,
Marianne

Beitrag von gunillina 08.02.11 - 20:41 Uhr

Danke für das Lob.
Manchmal geht ja auch was mit mir durch. Aber was ernst ist, muss mit Ernst beantwortet werden. Meistens zumindest.
L G
G:-)

Beitrag von marianne22 09.02.11 - 11:08 Uhr

Naja, aber auch wenn was mit dir durch geht...bleibst du eigentlich immer sachlich und "nett"! Ausserdem mag ich deinen Humor...du merkst, ich lese öfter von dir, meist aber in "Liebesleben"!

Schönen Tag,
Marianne