Soledum Kapseln Darf ich ?

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Beitrag von babe2099 08.02.11 - 19:26 Uhr

Hallo,

ich bin fast ende 5monat. und bin echt gut erkältet bin auch schon kräftig am innalieren jetzt habe ich noch soledum kapseln gefunden noch nicht abgelaufen und gelesen das es kein bekannt ist das ich sie nicht nehmen könnte in der schwangerschaft darf ich nun die nehmen oder lieber finger weg?!:-(

Beitrag von pupsi2011 08.02.11 - 19:29 Uhr

Bin zur Zeit auh sehr Erkältet und meine Frauenärztin meinte gestern zu mir die soledum produkte wären wohl für die Schwangerschaft geeignet..
hoffe es hilft dir weiter

LG und Gute Besserung

Beitrag von uta27 08.02.11 - 19:33 Uhr

Hallo!

Diese Kapseln enthalten einen Hilfsstoff (Dibutylphthalat), der sehr umstritten ist! Fast alle "Erkältungskapseln", die einen Wirkstoff enthalten, der sich erst im Darm auflösen soll, enthalten diesen Hilfsstoff, um die Kapseln magensaftresistent zu machen (Soledum, Gelomyrthol forte etc)

Beim Menschen könnten Phthalate vor allem in der Schwangerschaft und beim Stillen für das Kind gesundheitsschädlich sein. Man befürchtet ein häufigeres Auftreten von Hodenhochstand, kleineren Genitalien bei Jungen und eine eingeschränkte Hormonproduktion.
Phthalate sind also vor allem für schwangere Frauen und Kleinkinder problematisch!
Aus Kinderspielzeug und Kosmetika hat die EU die Chemikalie schon verbannt - um Babys und ungeborene Kinder zu schützen.

Ich häng dir mal nen`Text ran, sehr interessant!

Mein Tip: Bei Husten- Monapax Saft / bei Erkältung: Infludo-Tropfen von Weleda / festsitzender Schleim in der Nase: Majoranbutter oder Engelwurzbalsam um die Nase herum schmieren!

Liebe Grüße, Uta





Gefährlicher Hilfsstoff in Arzneimitteln
Neue Studien zur Wirkung von Dibutylphthalat

Für den Weichmacher Dibutylphthalat sind Medikamente eines der letzten Einsatzgebiete. Ein Verbot ist nicht geplant, obwohl mit deren Einnahme der Vorsorgegrenzwert für das Phthalat um ein Vielfaches überschritten werden kann. Neue Studien weisen zudem auf ein Risiko bereits bei alltäglicher Belastung hin.
Keiner nimmt gern Medikamente. Die Furcht vor Nebenwirkungen lässt insbesondere Schwangere und Eltern kranker Kinder vorsichtig sein. Bei Vitamintabletten oder «natürlichen» Präparaten sind die Bedenken meist geringer. Kleinere Studien mahnen jetzt jedoch auch hier zu grösserer Achtsamkeit - nicht wegen eines Wirkstoffs, sondern wegen des Hilfsstoffes Dibutylphthalat (DBP), den etliche Präparate enthalten. Insgesamt machen diese Produkte allerdings weniger als ein Prozent der zugelassenen Präparate aus. Es ist bekannt, dass DBP die Fortpflanzung und Entwicklung schädigen kann, indem es in das Hormonsystem eingreift.

Alarmiert durch Reihenuntersuchungen
Verschiedene Forscher sind rein zufällig auf das Problem gestossen. Unabhängig voneinander fielen in Reihenuntersuchungen der Universität Erlangen, der Universitätsklinik Tübingen und der Harvard School of Public Health in Boston einzelne Personen, unter ihnen auch zwei Kinder, mit extrem hohen Konzentrationen von Monobutylphthalat (MBP), dem Hauptabbauprodukt des DBP, im Urin auf. Statt im durchschnittlich gemessenen Mikrogrammbereich (ein tausendstel Milligramm) pro Liter, bewegten sich deren Werte um einige Milligramm, das heisst, sie waren zehn bis mehrere hundert Mal höher. Nachforschungen ergaben, dass diese Personen zum Zeitpunkt der Urinsammlung jeweils unterschiedliche DBP-haltige Medikamente eingenommen hatten.

Diesem Phänomen sind jetzt Jürgen Angerer und Holger Koch von der Universität Erlangen nachgegangen und haben einen Freiwilligenversuch mit einem in Deutschland und der Schweiz in Apotheken frei verkäuflichen Präparat zur Behandlung akuter und chronischer Bronchitis gestartet.[1] Dessen Wirkstoff (ätherisches Öl) wird in DBP-haltigen Kapseln verabreicht. Nachdem ein junger Mann zwei dieser Kapseln geschluckt hatte, wurde sein Urin 24 Stunden lang gesammelt und auf den MBP-Gehalt untersucht. Über die gemessenen Konzentrationen errechneten die Forscher die aufgenommene DBP-Menge mit 17,2 Milligramm und schlossen daraus, dass eine Kapsel 8,6 Milligramm des Phthalats enthält.

Da DBP-haltige Medikamente auch zur Langzeitbehandlung zugelassen sind, verglichen die Erlanger Phthalat-Experten die errechnete Aufnahmemenge vorsorglich mit der Menge von 100 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. So viel kann nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Ausschusses für Toxikologie, Ökotoxikologie und Umwelt der Europäischen Kommission und der amerikanischen Umweltbehörde EPA lebenslang unbedenklich täglich konsumiert werden: Schon bei der Einnahme von zwei Kapseln überschritt die Aufnahmemenge bei dem 86 Kilogramm schweren Mann diesen Vorsorgegrenzwert am entsprechenden Tag um das Zweifache, bei vier Kapseln - wie bei chronischer Bronchitis vom Hersteller empfohlen - um das Vierfache. Würden Frauen und Kinder das Präparat einnehmen, wären die Verhältnisse noch deutlicher.

Empfindlicher männlicher Fetus
Gerade für Frauen im gebärfähigen Alter und Knaben in der sexuellen Entwicklung ist DBP besonders riskant. In Tierversuchen verringerte DBP ab einer täglichen Dosis von 52 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht das Geburtsgewicht und die Anzahl lebender Nachkommen. Während Fehlbildungen der männlichen Genitalien erst bei höherer Exposition der Mütter beziehungsweise der jugendlichen Männchen selbst beobachtet wurden, scheinen nach neuen Studien bereits niedrigere Dosen eine Verringerung der Testosteronwerte zu verursachen. Forscher gehen davon aus, dass Belastungen während einer erst jüngst bestimmten kurzen Phase der fetalen Entwicklung besonders kritisch sind. Jedoch lagen die bei Nagern bisher ermittelten wirksamen Dosen erheblich über den Mengen, mit denen Menschen im Alltag belastet sind, so dass die Gesundheitsgefahren umstritten waren. Neue Studien erhärten nun allerdings den Verdacht auf ein Risiko schon bei geringen DBP-Belastungen.

So beobachteten die amerikanische Forscherin Shanna Swan von der Universität Rochester und Kollegen kürzlich eine Korrelation zwischen der Belastung von Frauen mit DBP in der Schwangerschaft und subtilen Veränderungen im Genitalbereich ihrer männlichen Kinder:[2] Je höher die Konzentrationen von MBP und von Abbauprodukten dreier anderer Phthalate im Urin von 85 Schwangeren waren, desto kürzer war die Dammlänge ihrer Söhne. Mit Abnahme dieses sogenannten anogenitalen Abstands stieg bei den Knaben der Anteil derjenigen mit Hodenhochstand, kleinem und schlecht abgegrenztem Hodensack und geringerer Penisgrösse.

Bei erwachsenen Männern hatten Forscher der Harvard School of Public Health schon vor zwei Jahren eine Korrelation zwischen höherem MBP- Gehalt im Urin und verminderter Spermaqualität gefunden. In beiden Studien wiesen die Untersucher keine aussergewöhnlich hohen MBP-Konzentrationen im Urin auf; die Werte spiegelten vielmehr die alltägliche Nutzung DBP-haltiger Produkte. Auch wenn die Ergebnisse noch in weiteren Studien überprüft werden müssen, sind sie doch beunruhigend, besonders für Europa. Denn Amerikaner scheinen - ausser bei der Einnahme DBP-haltiger Medikamente - durchschnittlich geringer belastet zu sein als Europäer, zumindest als Deutsche, bei denen die Erlanger Wissenschafter besonders hohe MBP-Konzentrationen im Urin gemessen haben.

Swissmedic nennt keine Namen
In Deutschland enthalten laut der dortigen Arzneimittelbehörde (Bfarm) 190 Humanarzneimittel DBP, viele mit pflanzlichen Wirkstoffen. Eingesetzt werden sie als Mineralstoff- und Vitaminpräparate sowie als Mittel gegen Verstopfung, Venenleiden, Schmerzen, Entzündungen und vieles mehr - auch speziell für Kinder und Schwangere. Über die Anwendungsgebiete der 49 in der Schweiz zugelassenen DBP-haltigen Medikamente wollte die Arzneimittelbehörde Swissmedic aus Gründen des Datenschutzes keine Angaben machen.

In der Schweiz ist DBP als Hilfsstoff nicht deklarationspflichtig. Dagegen muss in Deutschland seine Verwendung, wie die anderer Hilfsstoffe, in der Packungsbeilage angegeben werden: Mengenangaben fehlen aber auch hier. Ein Warnhinweis, wie für einzelne andere Hilfsstoffe vorgeschrieben, ist für Phthalat nicht Pflicht. Pharmahersteller verwenden DBP und andere Phthalate als Weichmacher für die Überzüge von Tabletten, Kapseln, Dragées oder Granulaten; die Mengen schwanken laut Bfarm zwischen 0,009 und 23,6 Milligramm pro Einheit. Zugelassene Ersatzstoffe mit gleicher Funktion sind auf dem Markt.

Für Behörden kein Handlungsbedarf
Im Gegensatz zur Zulässigkeit von DBP in Medikamenten ist dessen Verbannung aus Kosmetika und sogenannten Zubereitungen wie Farben und Klebstoffen für den privaten Gebrauch innerhalb der Europäische Union noch in diesem Jahr abzusehen. Hier fehlt nur noch teilweise die Umsetzung in nationale Regelungen beziehungsweise deren Inkrafttreten. Auch in der Schweiz wird das Verkaufsverbot für DBP-haltige Zubereitungen nächsten Sommer kommen, für Kosmetika frühestens 2007. Schon seit Jahren ist DBP in Beissringen, Schnullern und Ähnlichem für Kleinkinder verboten. Über das noch fehlende, lange umstrittene Verbot von DBP in Spielzeug für alle Altersgruppen einigten sich die Gremien der EU im letzten Jahr; die Verbannung aus den Verkaufsregalen ist aber nicht vor Mitte 2007 zu erwarten.

Für Medikamente ist bisher kein DBP-Verbot geplant. Trotzdem arbeiten einige Hersteller an seinem Ersatz - auch in der Hoffnung auf einen Wettbewerbsvorteil. Die Arzneimittelbehörden hingegen sehen keinen Handlungsbedarf. Swissmedic begründet dies mit der Abwägung von Nutzen und Risiko bei der meist zeitlich beschränkten Einnahme von Medikamenten; hiefür sei die Dosis heranzuziehen, die in Tierversuchen noch keine Schäden verursachte. Diese liege für DBP bei 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Die Aufnahmemenge des von den Erlanger Forschern getesteten Medikaments würde diesen Wert unterschreiten. Mit dieser Argumentation berücksichtigt Swissmedic allerdings weder die Unsicherheiten bei der Übertragung von Tierversuchs-Ergebnissen auf den Menschen, noch entspricht sie damit dem Vorsorgeprinzip - und das bei einem leicht ersetzbaren Hilfsstoff.

Eva Kaspar

[1] Umweltmedizin in Forschung und Praxis 10, 144-146 (2005). [2] Environmental Health Perspectives. Online-Publikation vom 27. Mai 2005 (doi: 10.1289/ehp.8100).