Meine Mama

Archiv des urbia-Forums Trauer & Trost.

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Forum: Trauer & Trost

Fehlgeburt, Tod eines geliebten Menschen, Angst, nicht enden wollende Trauer um ein Sternenkind: Leider stehen wir nicht immer auf der sonnigen Seite des Lebens, diese Erfahrung muß jeder von uns machen. Oft hilft es, mit anderen darüber zu sprechen...

Beitrag von lemon007 08.02.11 - 21:53 Uhr

Liebe Mama,

ich sitze hier vor dem PC (sorry, ich weiß, du magst das Internet nicht ;-)) und weine. Dass du bald von uns gehen wirst, tut mir so sehr weh. Wem erzähle ich dann meine Sorgen und bei wem lästere ich über meine Arbeit? Mit wem lache und mit wem weine ich dann? Die letzten 3 1/2 Jahre war nichts mehr wie vorher. Du hast viel leiden müssen. Ich gönne dir ja deine Erlösung und wünsche mir nichts mehr, als dass du keine Schmerzen mehr haben musst.....aber es tut sooo unendlich weh. Ausprechen kann ich es nicht. Man muss ja funktionieren, denn die Kinder sind ja da. So bleibt einem der Abend und die Nacht zum Trauern. Am nächsten Tag geht es dann von vorne los. Du hast dein Leben lang auch immer nur "funktioniert". Du warst so oft traurig in deinem Leben, hast es selten genießen können. Zu sensibel für diese Welt. Ich bin auch so sensibel und deine Enkelkinder auch. Das haben wir von dir. Ich hoffe, dass wir auch deine Stärke geerbt haben.

Hast du Angst? Immer hast du gesagt, dass du Angst vor dem Sterben hast. In letzter Zeit redest du nicht mehr darüber. Vielleicht hast du dich damit abgefunden....kann man das? Immer wieder hatten wir Hoffnung, aber auch Angst, denn es ist und war uns immer klar, dass es plötzlich sehr schnell gehen kann. Trotzdem wird es mich wie einen Schlag treffen. Ich bin nicht vorbereitet. Ich weiß, dass es bald passieren wird, aber ich will es nicht!!! Egoistisch, oder? Man ist so hin und her gerissen. Ich habe Angst.

Fühl dich geküsst und umarmt. Wir haben dich sooo doll lieb......bis zur Milchstraße und zurück ;-)

Deine Tochter

Beitrag von lemon007 08.02.11 - 21:59 Uhr

Sorry #hicks. Hab sowas noch nie gemacht, aber jetzt geht es mir etwas besser, zumindest bis morgen. Mit fehlt das abendliche sms´en mit ihr #heul

Beitrag von pechawa 08.02.11 - 22:02 Uhr

Liebe lemon,

wir Menschen halten schon eine Menge aus. Diese schwere Zeit, die du jetzt mitmachst - jeder von uns hat es schon mal erlebt oder wird es erleben, es gehört zum Leben :-( Mehr als deiner Mama sagen, dass du sie lieb hast, kannst du nicht mehr. Ich wünsche dir viel Kraft für die kommende Zeit #liebdrueck

Liebe Grüße
Pechawa

Beitrag von lemon007 08.02.11 - 22:05 Uhr

Ich danke dir für deine netten Worte #klee

LG

Beitrag von downtown-lady 08.02.11 - 22:06 Uhr

Hallo, lemon007,

deine Worte haben mich sehr berührt und zeugen von der Liebe und Zuneigung, die du zu deiner Mutter empfindest.

Ich habe nach dem Lesen einen dicken Kloß im Hals...

Du hast Recht, man ist nicht vorbereitet, auch wenn man lange Zeit weiss, dass das Leben eines geliebten Menschen zu Ende gehen wird.

Auch ich wusste, dass mein Vater sterben wird, ich wusste, es kann nicht mehr lange dauern, und im Herzen habe ich ihm "gegönnt", gehen zu dürfen, weil er sich nur noch gequält hat.

Und doch war es ein Schock, als morgens kurz nach vier meine Oma in meinem Zimmer stand und sagte "der Papa ist eingeschlafen" #heul

Obwohl ich es vorher lange wusste, habe ich geschrien. Ein lautes "NEIN" durch's ganze Haus gebrüllt, weil die Wahrheit doch so schmerzhaft war.

Ich wünsche dir alles Gute... und die Kraft, mit dem Unausweichlichen umzugehen.

Herzlich

Lady

Beitrag von lemon007 08.02.11 - 22:17 Uhr

Danke für deine lieben Worte.

Irgendwie bin ich entweder am weinen, oder ich mache mir immer wieder Hoffnungen, dass es doch noch wird. Sie rennt dem Tod nun schon seit 3 1/2 Jahren davon. Leider oder zum Glück sieht es so aus, als würde sie diesmal nicht mehr rennen. Sie nimmt es hin. Oft hat sie gesagt, dass sie sterben will, sie kann schon jetzt nicht mehr am Leben teilnehmen und das schmerzt sie so (und auch uns). Sie ist schwach. Dann widerum sagte sie, dass sie doch noch nicht bereit ist und solche Angst hat.

Sie tut mir so leid!!!

Dass mit deinem Vater tut mir leid. Wie alt warst du, als er gegangen ist?

LG

Beitrag von downtown-lady 10.02.11 - 21:58 Uhr

hallo,

ich verstehe, dass du verzweifelt/ traurig bist und dich doch immer noch an den kleinsten Strohhalm klammern möchtest, den es gibt. Wer möchte schon einen geliebten Menschen gehen lassen... ?

Mein Vater war 57, als er gestorben ist, ich war da 20 und gerade mit der Ausbildung fertig.

Es ist wirklich mehr als schwer, das alles zu verkraften, und ich weine noch heute, in diesem Jahr 10 Jahre nach seinem Tod, weil er mir so fehlt.

Weisst du, eins hat mir geholfen:
am Tag, bevor er gegangen ist, habe ich mich an sein Bett gesetzt, habe seine Hand genommen (und wusste nicht mal, ob er wirklich merkt, dass jemand mit ihm im Raum ist) und habe ihm alles gesagt, was mich bewegt hat. Dass ich ihm die schwierigen Zeiten, in denen auch er Fehler gemacht hat, verzeihe. Dass es mir leid tut, dass ich selbst Fehler gemacht habe. Dass er trotz alles Probleme, die wir miteinander hatten, ein guter Vater war. Und: dass ich ihn liebe.

Er hat am Ende meine Hand gedrückt, reden konnte er schon nicht mehr, doch da wusste ich, er hat verstanden. Ich hatte mich verabschiedet... wie ich damit umgehen würde, hätte ich es nicht getan, weiss ich nicht.

Red mit deiner Mama, so viel es geht, lach mit ihr, wenn sie lachen will, wein mit ihr, wenn sie weint... füllt die Zeit, die ihr noch bleibt, mit allem, was sie mag...

Und wenn du mal wen zum Reden suchst, einfach so, kannst du dich auch gern über VK bei mir melden... #liebdrück

Alles Liebe

Lady

Beitrag von followme 09.02.11 - 03:40 Uhr

Hey Hallo,

dank deines Beitrags hab ich auch wieder Tränen in den Augen.

Ich musste meine Mama am 22.12.10 gehen lassen.

Wir haben STUNDENlang telefoniert, über alles geredet, fast täglich.

Mit einem Schlag war sie weg, ohne das ich mich verabschieden konnte.

Ich warte immer noch jeden verdammten Tag, jede Minute, das endlich dieses verdammte Telefon klingelt und sie dran ist. Aber das ...nein...das wird leider nie wieder passieren.

Es zerreißt mir das Herz, wir waren uns so Nahe.(aber doch soooo fern...da ich 550 km von ihr weg wohnte)

Aber auch ich brauche Kraft, muss den Alltag meistern, die Kids brauchen mich ja.

Aber in jeder ruhigen Minute blutet mir das Herz.



Nimm dir die Zeit, nimm ausgiebig Abschied! Verbringe jede freie Minute mit ihr, alles andere wirst du bereuen.


Liebe mitfühlende Grüße Dana (du kannst dich gern melden)

Beitrag von hannah.25 09.02.11 - 07:38 Uhr

Das hast du einfach nur wunderschön geschrieben! Ich hab Tränen in den Augen.
Ich bin mir sicher, dass deine Mama merkt, sie ist nicht allein und du liebst sie so sehr!!

Ich wünsch dir und deiner Mama ganz viel Kraft für diese schwere Zeit. Und ich wünsch dir viel Halt! #liebdrueck

Liebe Grüße
Hannah mit #stern Niklas und #stern Sarah fest im Herzen und Per ganz fest im Arm