In der Schule ein ganz anderes Kind???

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Beitrag von leomama 09.02.11 - 15:03 Uhr

Hallo, mein Sohn ist 7 und geht in die 2. Klasse. Die erste Klasse lief an sich ganz gut, es kam immer wieder der Hinweis, dass er Konzentrationsprobleme hat, aber seine Leistungen waren immer gut. In der 2. Klasse wurde es nach und nach schwieriger, zu Schuljahresbeginn hatte die Klasse (29 Kinder!) keine Lehrerin, die kam erst nach 2 Wochen, bis dahin wurden die Kinder rumgeschoben, auf alle anderen Klassen der Schule verteilt u.s.w. Die Lehrerin war dann auch nur bis Ende Oktober da. Nun haben die Kinder wieder eine neue Lehrerin, die aber auch nur bis zum Ende des Schuljahres bleiben wird. Alles in allem eine schwierige Situation.

Leo ist ein absolut liebenswerter kleiner Junge, im privaten Umfeld eher ruhig, zurückhaltend und sensibel. Hausaufgaben sind überhaupt kein Problem, er setzt sich nach der Schule von alleine hin und braucht kaum Unterstützung. In der Schule scheint er allerdings zu einem "kleinen Monster" zu mutieren, er stört den Unterricht, steht auf und läuft rum, kaspert, schmeißt Stifte von anderen Kindern durchs Klassenzimmer, passt nicht auf und findet das alles wohl sehr lustig. Die Einträge im Hausaufgabenheft häufen sich und ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich lasse ihn im Augenblick auf ADHS testen, ich arbeite in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und ich war mir fast sicher, dass sich der Verdacht nicht bestätigen wird, so ist es auch. Er hat zwar grenzwertige Ergebnisse im Bereich Konzentration, Aufmerksamkeit und Hyperaktivität, aber kein ADHS. Er hat ein sehr geringes Selbstwertgefühl und wohl auch eine depressive Symptomatik.

Ich frage mich, was da mit ihm passiert, wenn er die Schule betritt. Ich kenne ihn so einfach nicht... Als würde es einen Hebel umlegen. Ich habe die Lehrerin gebeten, dass sie, anstatt immer nur Einträge zu verteilen, ihn positiv bestärken soll, also auch mal einen lachenden Smiley, wenn es gut gelaufen ist, das schafft sie aber bei so vielen Kindern nicht. Ich habe mit Leo gesprochen, warum er in der Schule so anders ist, er weiß es nicht... Nun bin ich halt im Zugzwang, ich kann die Einträge ja nicht nur unterschreiben und so hinnehmen, er muss ja eine Konsequenz spüren, reden bringt nichts! Nun haben wir vereinbart, dass er alle Vergünstigungen (Freunde einladen, TV, CD hören) nur noch als Belohnung erhält, wenn es in der Schule gut gelaufen ist, kommt ein Eintrag, gibt es diese Vergünstigungen eben nicht.

Sorry, das ist ziemlich lang geworden, aber ich weiß mir langsam echt keinen Rat mehr. Er hat gute bis sehr gute Leistungen und fühlt sich auch wohl in der Klasse und in seinem Freundeskreis. Was kann das sein, dass er trotzdem so "austickt"? Ist es das geringe Selbstwertgefühl, dass er so kompensiert? Ist es die Rolle des "Klassenkaspers" und die Aufmerksamkeit, die ihm dadurch zu Teil wird? Ich weiß es nicht...

Vielleicht kennt jemand eine ähnliche Situation oder hat mir einfach einen Tip, wie ich von zu Hause aus agieren kann. Ganz lieben Dank.

Traurige Grüße von Dani

Beitrag von janamausi 09.02.11 - 16:26 Uhr

Hallo,

<<In der Schule scheint er allerdings zu einem "kleinen Monster" zu mutieren, er stört den Unterricht, steht auf und läuft rum, kaspert, schmeißt Stifte von anderen Kindern durchs Klassenzimmer, passt nicht auf und findet das alles wohl sehr lustig. <<

Wie reagiert denn die Lehrerin außer mit Einträgen? Wenn er es lustig findet, läuft doch da etwas mit der "Bestrafung" schief sonst würde er es ja nicht lustig finden?!

Ich glaube schon, dass es Richtung Klassenkasper geht, da Du ja schreibst, dass er eher ruhig ist und ein geringes Selbstwertgefühl hat. Vielleicht ist das seine Art, seine Schüchternheit zu überwinden und im Mittelpunkt zu stehen.

Du möchtest gern, dass die Lehrerin ihn positiv bestärkt, überlegst aber selber, ob Du ihn daheim bestrafen sollst?

Deine aufgezählten "Vergünstigungen" (wie Freunde treffen) sind doch eigentlich der normale Alltag und keine Belohnung. Daher glaube ich nicht, dass es funktioniert.

Macht er denn Sport? Evtl. hilft im ja eine Sportart in der er Gut ist, so dass er dadurch positiv bestärkt wird und selbstbewußter wird.

LG janamausi

Beitrag von leomama 09.02.11 - 16:42 Uhr

Du hast vollkommen recht, ich sehe diese "Bestrafungen" hier zu Hause, wo er ja völlig unauffällig und lieb ist, auch sehr kritisch, ich weiß mir nur nicht mehr anders zu helfen. Er kann ja nicht morgens in der Schule völlig aus dem Rahmen fallen und sein Nachmittag hier zu Hause läuft dann nach seinen Wünschen... Ich habe ihm das als "Vergünstigungen" verkauft, damit ich ihn eben nicht mit TV-Verbot etc. bestrafe sondern diese Dinge als Belohnung einsetze, die er sich verdienen muss. Herrje, ich hasse so etwas, Bestrafen, Belohnen, Verdienen... Er ist doch ein Kind und kein Roboter, der funktionieren muss, naja, aber in der Schule muss er das halt doch. Und es ist ja nicht nur so, dass er sich selbst im Weg steht mit seinem Verhalten, sondern auch die anderen Kinder stört und ablenkt...
Danke für Deine Antwort.
Liebe Grüße

Beitrag von sunshine80404 09.02.11 - 18:42 Uhr

Hi Dani!

Wir sind mit unserem 6-jährigen auch grade in der KJP in Behandlung. Wir haben hier genau so einen Fall...

Ich habe auch an Bestrafungen und was nicht alles gedacht.
Aber mal ehrlich, wenn die Probleme vor allem in der Schule auftreten, sind dann nicht die Lehrer mal am Zug?
Schließlich sind die ja die Pädagogen, nicht wir (wurde uns schon so gesagt als wir einen Tip hatten).

Bei uns ist es jetzt so, alles was er in der Schule nicht geschafft hat weil er Unsinn gemacht hat, lasse ich ihn mittags nachholen. Ich hab halt die Hoffnung, dass er so merkt das man die Zeit sinnvoller nutzen könnte und er um die Arbeiten nicht rum kommt.
Aber unsere Schule ist auch nicht sehr kooperativ, zb hat die Klassenlehrerin den Fragebogen wegen ADHS nicht ausgefüllt...

Gruß, Sunshine80404

Beitrag von sunny42 10.02.11 - 11:23 Uhr

Liebe Dani,

es klingt wirklich so als ob er sich seinen Platz in der Klasse auf diese Art und Weise sichern will.
Du schreibst er ist eigentlich sensibel und zurückhaltend.
In einer so großen Klasse, die einen ständigen Lehrerwechsel erlebt,
haben es diese Kinder besonders schwer.

Da ich die Klassensituation nicht ändern kann, würde ich, glaube ich,
versuchen ihm eine andere Position in der Klasse zu ermöglichen.
Ich würde mit der Lehrerin sprechen, welche Kinder auch sensibel und zurückhaltend sind und würde diese dann immer wieder zu uns einladen.
Vielleicht würde ich sogar mit den Kindern auch zu Hause etwas machen, was Konzentration benötigt (basteln, backen, einen großen Plan zeichnen auf dem man anschließend mit Autos fahren kann, Experimente ...etc.)
Wenn er entdeckt das sich die anderen auch bei anderem Verhalten für ihn interessieren könnte es sein das es ihm in der Schule leichter fällt und er irgendwann den Clown nicht mehr braucht.

Liebe Grüße
und ganz Geduld
Sunny