ist es eine ausrede?

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Forum: Forum für Väter

Ob ihr gerade Vätermonate nehmen, werdender Vater seid oder einfach eine engagierte Vaterrolle einnehmt: Hier ist der Platz für männerspezifische Fragen und Probleme. Mütter sind in dieser Rubrik als antwortende Gäste willkommen. Neu: Unser Newsletter für werdende Väter.

Beitrag von buexe 09.02.11 - 15:03 Uhr

hallo liebe männer,

entschuldigt, dass ich hier poste, doch nur so erreiche ich wirklich die, an die die Frage gerichtet ist...
ich hoffe sehr, ihr könnt mir etwas weiterhelfen.

ich habe mich hals über kopf in einen mann verliebt - er sich wohl auch in mich.
unsere konstellation ist sehr schwierig, da ich derzeit (noch) verheiratet bin und zwei kinder habe. er weit weg lebt.
ist aber alles zu überwinden - wenn da nicht dieses eine schlimme problem wäre...

er (26) zweifelt, oder anders gesagt grübelt darüber nach, ob er jemals meine kinder lieben kann, oder sie als "seine" ansehen kann - mit dem wissen, dass sie nicht die eigenen sind. er wünscht sich familie - hat aber gleichzeitig angst vor uns (angst davor, meinen erwartungen in bezug auf meine kinder nicht gerecht werden zu können- es nicht schaffen wird sie zu lieben-dass wir uns ins unglück stürzen)

ich weiß, dass hier wahrscheinlich ausschließlich väter unterwegs sind, aber dennoch hoffe ich, ihr könnt mir eine unabhängige, neutrale und ernstgemeinte antwort auf meine frage geben (vielleicht auch aus der sicht eines 26 jährigen singles)

habt ihr auch eine frau mit kindern "genommen"?
hattet oder habt ihr probleme mit bereits "vorhandenen" kindern?
wie seid ihr "zusammengewachsen"?
gab oder gibt es schwierigkeiten?
könnt ihr seine ängste verstehen?

oder glaubt ihr, dass das alles reine ausreden sind? er in wirklichkeit einfach noch nicht bereit ist? liebe noch etwas in "freiheit" leben möchte?

vielen dank an alle die versuchen werden (mir zu helfen) seine gedankengänge zu verstehen.

Beitrag von hauke-haien 09.02.11 - 15:18 Uhr

Hallo,

wer hat ihm denn in den Kopf gesetzt, dass er deine Kinder "lieben" muss, oder sie als seine eigenen ansehen soll?
Damit setzt er sich oder jemand anders ihn zu sehr unter Druck.
Und wer das verlangt, kann eigentlich nur enttäuscht werden!

Er soll es mal locker angehen:
- Die Kinder gehören zu dir, sind ein Teil von dir und, wenn er dich liebt, kann er sie kaum hassen.
- Er darf, ja muss, ein eigenes Verhältnis zu ihnen aufbauen, dass sich sehr positiv für das Familienleben auswirken kann, gerade weil er nicht der Vater ist und damit dieser Rollen nicht entsprechen muss.
- Er kann ein Freund der Kinder sein und zugleich Vermittler zwischen dir und den Kindern.
- Und ja: es wird Schwierigkeiten geben, hast du etwas anderes erwartet?

Schwieriger wird es, wenn ihr auch ein gemeinsames Kind bekommt, denn dann wird es schwer, alle Kinder gleich zu behandeln, denn dort ist er dann auch Vater...

Alles Gute,
H.H.

Beitrag von zenturio 09.02.11 - 20:52 Uhr

Bereitschaft hat etwas damit zu tun, ja - und mit 26 kann man durchaus noch nicht bereit dazu sein.

Aber das ist lange nicht alles. Geht man eine Beziehung zu einer Frau ein, die schon Kinder aus einer anderen Beziehung hat, so muss auch das Verhältnis zu den Kindern entsprechend gut sein. Das heißt, die Kinder müssen den Partner mögen und der Partner muss die Kinder mögen und alle müssen einander respektieren. Klingt selbstverständlich, ist aber eine schwierige Voraussetzung.

Hinzu kommt, dass man irgendwann einmal eine häusliche Gemeinschaft wird gründen wollen und in einem solchen Fall die Richtlinienkompetenzen neu geordnet werden müssen. Als Mann hat er kein Erziehungsrecht bei den Kindern, das haben lediglich die Eltern. Innerhalb einer häuslichen Gemeinschaft muss er als ältestes männliches Mitglied gegenüber den Kindern aber weisungsbefugt bleiben, was in meinen Augen erzieherische Maßnahmen in Fragen des Zusammenlebens einschließen muss. Hiermit haben manche Mütter ein Problem, da dann irgendwann doch wieder Blut dicker als Wasser ist und der Mann der Eindringling, gegen den sie die eigenen Nachkommen in Schutz nimmt. Ein natürliches Verhalten, würde ich sagen.

Und letztlich denke ich auch, dass alle Männer irgendwann in einer solchen Konstellation das starke Gefühl bekommen, dass sie lediglich als Ersatz für den ausgefallenen Versorger herhalten müssen. Gibt es mal eine Krise oder die Beziehung läuft nicht so gut, stellt sich wohl jeder mal die Frage, warum man überhaupt zusammen ist. Hat man eigene Kinder, so ist die Frage ganz schnell beantwortet, ohne dass man sich ausgenutzt fühlt, weil das Band der Verbindung zu den eigenen Kindern in der Regel sehr stark ist. In einer Patchworkfamilie aber ist diese Bindung oft nicht so eng und dann kann eine hohe Belastung im täglichen Zusammenleben zur Zerreißprobe werden.

Beitrag von alltagsphilosoph 10.02.11 - 07:53 Uhr

Liebe buexe,

Ich finde es immer wieder befremdlich, wieso manche Userinen wie selbstverständlich davon ausgehen, für sie würde die Ansage in der Sub-Forums-Beschreibung "das Eröffnen von Beiträgen ist aber unseren männlichen Usern vorbehalten" nicht gelten.
Und dass wir den ganzen Tag nur die paar Beiträge hier durchlesen und nie ein anderes Urbia-Forum besuchen gehört wohl ehr in die Welt der Sagen und Mythen.

Weil ich aber nicht so bin, will ich dennoch auch ein paar Tackte zur Sache sagen - ich hoffe darauf, dass ich mir die Mühe nicht umsonst mache, da solche Themen auch gern mal gelöscht werden. ;)

Ich bin 30 Jahre alt und mit 22 mit meiner Frau zusammengezogen.
Ihre Tochter war damals grade 6 geworden.
Da der "Vater" durch glorreiche Anwesenheit so 3-4 mal im Jahr glänzte, war ich also innerhalb von kurzer Zeit die männliche Haupt-Bezugsperson. Nicht zuletzt, weil ich sie zur Schule brachte und wieder abholte, ihr ihr Brot machte und mit ihr die Hausaufgaben durchging, da ihre Mutter lange arbeiten musste.
Wir haben uns zusammengerauft - und im direkten Vergleich zu meinen Vorgängern konnte ich einfach nur gewinnen.

Aber wie schon ganz richtig gesagt wurde:
Unser Zusammenleben stand von Anfang an unter bestimmten Bedingungen.
- Ich als Erwachsener war klipp und klar weisungsbefugt, sofern es die Dinge des täglichen Lebens anging. Alica hat das schnell akzeptiert, da:
- ich von Anfang an viel in die Beziehung zu dem Kind meiner Partnerin investiert habe. Wir haben viel mit ihr zusammen gemacht, damit ihr klar werden konnte dass sie in dieser Liebesbeziehung (zwischen ihrer Mutter und mir) einen Platz hat, wenn sie denn einen will.


Als die Vorpubertät so richtig in die Vollen ging, war unsere Beziehung schon etabliert und verkraftete die natürlichen Turbolenzen dieser Zeit problemlos. Heute ist unser Verhältnis fast besser als zwischen ihr und ihrer Mutter - auch eine Sache, die für diesen Lebensabschnitt nicht untypisch ist.
Ich liebe sie wie meine eigene Tochter und betrachte sie auch als meine eigene. Das Wort "Stieftochter" nehme ich nur extrem selten und auch nur zu Erklärungszwecken in den Mund.

Um das Ganze zusammen zu fassen:
Ich war noch jünger als Dein Freund, als es bei mir ernst wurde.
Wir haben all das erreicht, woran Dein Freund heute zweifelt.

Dennoch würde ich davon abraten, dieses Beispiel unreflektiert zu übertragen.
In Alicas Fall war der KV Jahre lang einfach nicht da, total unzuverlässig und vielleicht auch desinteressiert. Ein vorhandener liebender Vater, der sich häufiger gekümmert hätte, hätte die Situation möglicherweise verändert und heute würde unsere Familienkonstellation anders aussehen (was nicht notwendiger Weise schlecht wäre - für mich nur aus heutiger Sicht unvorstellbar). Alica hätte eine neue Vaterfigur aber auch einfach nicht nötig gehabt und unser Zusammenleben hätte einen anderen Weg eingeschlagen - mehr WG-mäßig.

Sich jetzt schon darüber Gedanken zu machen, ob er Deine Kinder je wie seine eigenen lieben können wird .... also ich bin schon philosophisch veranlagt (#rofl), aber das ist doch schon etwas weit vorausgedacht.
Lieben muss er nur Dich - mit Deinen Kinder muss er nur ein von Dir unabhängiges gutes Verhältnis aufbauen. Der Rest kommt mit der Zeit von selbst, oder auch nicht. Vielleicht wollen Deine Kinder auch keinen neuen Papa - vielleicht ist "(hier Vornamen einsetzten), der Freund meiner Mama" aber auch mehr als genug.

Alles Liebe,
Christian

Beitrag von urbia-Team 10.02.11 - 08:46 Uhr

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