Kinderwunschklinik und mein Mann hat Zukunftsängste

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Beitrag von 77pippilotta 10.02.11 - 10:08 Uhr

An Alle,
ich bin verzweifelt. Mein Mann und ich versuchen seit einem halben Jahr schwanger zu werden. Nun befinden wir uns in einer Kinderwunschbehandlung. Ich fange Ende der Woche mit Hormonspritzen an.

Am Montag habe ich meinen Chef darüber informiert, das ich mich in eine Kinderwunschklinik begeben habe. Dies habe ich nur getan, weil ich nicht wusste wie ich die vielen Kontrolltermine in der Klinik einhalten soll und ich unter einem starken seelischen Druck stand und keinen anderen Rat wusste, als es ihm zu sagen.

Abends informierte ich meinen Mann darüber. Der war sauer und meinte, ich hätte das nicht sagen dürfen. Wie es denn jetzt weitergehen würde. Jetzt würde mein Chef versuchen Ersatz für mich zu finden und ich könnte, wenn das Kind mal da wäre, nicht mehr weiter arbeiten. Dazu habe ich ihm mitgeteilt, das dies doch sowieso erst mal nicht machbar wäre. Vielleicht, wenn mein Chef mir die Möglichkeit gibt, könnte ich Samstags oder vielleicht in den Abendstunden, wenn mein Mann aufs Kind aufpasst, etwas hinzu verdienen. Aber das ist doch dann nicht so viel, als wenn man Vollzeit arbeitet.....und hinzu kommt, wer weiss, wie es mir oder dem Kind gesundheitlich geht....das muss man ja auch noch beachten. Viele haben keine einfache Geburt oder die Kinder kommen zu früh und sind noch gar nicht richtig lebensfähig und und und. Ich weiss nicht wie er sich das vorstellt. Wenn ich in der Lage bin, nebenher etwas zu arbeiten, dann werde ich das ganz sicher tun. Das habe ich immer gesagt. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die sagen "Ja jetzt habe ich ein Kind, alles erreicht und jetzt tu ich nix mehr". Das würde finanziell gar nicht gehen.

Ich muss dazu sagen, mein Mann ist KFZ-Mechaniker und ich bin Sachbearbeiterin. Nach allen Abzügen wie Versicherungen, Miete, Haushaltsgeld, Telefon und was man sonst noch hat, bleibt uns nicht wirklich viel aber es reicht für uns zwei.

Mir durchaus bewusst dass ich Geld hinzu verdienen muss, sobald das Kind mal da ist, denn sonst werden wir es nicht schaffen. Das werde ich auch tun und falls mein Chef mit dazu keine Möglichkeit gibt, dann gehe ich halt putzen.

Jetzt kommt mein eigentliches Problem:
Nun eröffnet mir mein Mann gestern unter Tränen, dass er Zukunftsängste hat. Er sieht sich natürlich als "Mann" der die Familie ernähren muss. Hat Angst in den finanziellen Ruin zu geraten. Denk daran, was in Zukunft mal alles kommt. Die Kosten die auf einen zukommen. Wie soll er mit nur seinem Gehalt eine Familie ernähren. Was passiert, wenn mal Kosten auf einen zukommen, an die man nicht gedacht hat. Das Auto mal kaputt geht und und und. Mein Mann wird später mal sein Elternhaus erben. Er fragt sich, wie er das halten kann bzw. soll mit Familie, mit Kind??? Ein Kind hat doch auch Bedürfnisse und und und.

In seinem Kopf dreht es sich nur noch um "Angst".

Ich weiß nicht mehr weiter, nun steh ich doch schon mitten in der Behandlung. Ich weiß nicht mehr weiter. Ich habe Angst, dass mein Mann jetzt nicht mehr mitzieht. Ich brauche ihn doch als Unterstützung. Für mich ist das schon schwer genug zu Wissen, auf natürlichen Weg, kann ich kein Kind bekommen. Nun muss ich mir Hormone spritzen und auf "Zuruf" Geschlechtsverkehr haben. Das machen wir jetzt schon seit Monaten und es zerrt an den Nerven und an der Partnerschaft.

Ich kann mit ihm nicht reden. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Mir fehlen die richtigen Worte um ihn zu sagen, wir schaffen das schon.

Ich bin so verzweifelt. Hilfe!!!!

Beitrag von lumi71 10.02.11 - 10:29 Uhr

Hallo,

es tut mir sehr leid deine Zeilen zu lesen. Ich kann dich sehr gut verstehen.
Das Wichtigste ist, dass ihr beide das Gleiche wollt und am selben Strang zieht. Da das momentan nicht der Fall ist würde ich das weitere Vorgehen erst mit meinem Mann klären.
Die Behandlung zerrt an den Nerven, wenn dann auch die Partnerschaft nicht im Einklang ist wird das schwierig.

Rede mit deinem Mann und findet eine vernünftige Lösung für euch beide!!

Drücke die Daumen! Alles Gute für dich.

LG Lumi

Beitrag von tabeya70 10.02.11 - 10:34 Uhr

Oh je, du Arme,
da steht ja ganz viel Panik im Raum!

Also - mit dem Chef sehe ich das entspannter als dein Mann!

Erstmal wird er sich sicher nicht direkt Ersatz suchen - denn KiWu-Klinik bedeutet ja noch nicht schwanger und Kind. Erstmal nur, dass man es versucht. (Ist ja leider eine Tatsache, und wenn es so einfach "flupps" gehen würde, bräuchte man ja die Klinik nicht)

Du arbeitest also jetzt Vollzeit, ja?
Dann bleibt der Vertrag auf Vollzeit unberührt solange du Elternzeit beantragst.
Nun könntest du Elternzeit für 3 Jahre beantragen, damit du diesen Vertrag sicher stellst und sie dir nach 3 Jahren einen adäquaten Vollzeitjob anbieten müssen!!!

In der Zwischenzeit kannst du aber, ohne dass die Elternzeit-Rentenansprüche oder der Vollzeit-Vertrag davon berührt würden, bis zu 30 Wochenstunden teilzeit arbeiten!
Das bringt Geld nach Haus und die Betreuung kann man halbtags regeln (wenn du 8-14 Uhr im Büro bist, hast du ja 30 std)

Du kannst auch weniger Stunden machen, aber der Chef muss nur ab 15 Std zustimmen, darunter kann er sagen "zu wenig, kann ich nicht gebrauchen". Aber dieses Chance finde ich zumindest eine super möglichkeit! Elterngeld gibt es trotzdem.

Also - es wird sich alles finden! Jetzt steht erst mal im Vordergrund, dass sich euer KiWu erfüllt! DAS ist die wirklich existenzielle Frage!
Was macht ihr denn? Nur Stimu und GV nach Plan oder IVF/ICSI/IUI?

Viel Erfolg dafür, dass es schnell klappt!

LG Tabeya

Beitrag von tabeya70 10.02.11 - 10:45 Uhr

Ganz wichtig, das hab ich noch vergessen:
bzgl der generellen Panik, zu wenig Geld zu haben.
Das haben ganz ganz viele Männer! Was auch oft der Grund dafür ist, dass der KiWu zu lange raus geschoben wird, und dann kommen erst recht Schwierigkeiten damit auf einen zu.

Versuch, mit ihm in ruhe durchzurechnen und nehmt euch ggf. Hilfe eines Finanzberaters. Bei uns ist es auch nihct dicke, und mit einem Gehalt schwer. Aber es wird gehen.

Die Frau bekommt bis 2 Monate nach ET volles Gehalt - während des Mutterschutzes! Kommt das Kind zu früh, bleibt der eigentliche Termin des Mutterschutzes erhalten! Der dauert dann nur länger, das Geld kommt aber so oder so. 8 Wochen nach Geburt (bzw während des Mutterschutzes) dar die Mutter gar nicht arbeiten! So könntest du Geburtsprobleme bei Mutter und Kind erst einmal bewältigen.

Wenn dann die Elternzeit beginnt, bekommt der Mann ja netto mehr wegen der Steuerklasse, zzgl Kindergeld!
Das ist wirklich ganz ok! Sooo viele Einbußen sind das dann nicht, und wenn du das Teilzeitangebot s.o. nutzt, kommt ja wieder was dazu. Auf lange Sicht bleiben Kindergeld und Steuerklassenverbesserung.
Ich kenne so viele Familien mit kleinem Einkommen - es geht wirklich!
Macht euch mal schlau, damit er auch beruhigt ist!

Weil du nun schon in Behandlung bist, ist es wirklcih wichtig, dass ihr das jetzt gemeinsam durchzieht! Es ist schon schwer genug psychisch, diesen Weg zu beschreiten.
Dein Mann hat wohl klassische Torschlusspanik, weil es jetzt konkret wird. Aber - es kann u.U. auch ein langer, beschwerlicher Weg zum Kind werden, und da braucht ihr euch und Kraft und Zusammenhalt!

Alles Gute!

Beitrag von 77pippilotta 10.02.11 - 11:28 Uhr

vielen Dank Tabeya für Deine helfenden Worte. sie muntern mich ein stück weit auf.

danke

Beitrag von 77pippilotta 10.02.11 - 10:49 Uhr

an Tabeya.

Vielen Dank für Deine Worte.

Ich muss mit ab Sonntag Hormonspritzen geben und dann GV nach Plan. Sehr romantisch!!!!:-(

Beitrag von shiningstar 10.02.11 - 10:52 Uhr

Gibt schlimmeres!
Bei einer künstlichen Befruchtung z.B. werden der Frau unter Narkose die Eizellen entnommen während der Mann seinen Teil dazu beitragen muss.

Freu Dich doch einfach, dass euch nun geholfen wird. Und GV nach Plan kann auch romantisch sein... Sag Deinem Mann am besten nicht, wann es soweit ist -reicht ja wenn sich eine Person unter Druck setzt. Und dann macht ihr euch einen gemütlichen Abend, vielleicht was essen gehen, Kerzen, ein Gläschen Wein, ein gemeinsames Bad... :-p

Beitrag von tabeya70 10.02.11 - 10:54 Uhr

Ja, Romantik ist was anderes. Aber seid froh, wenn es damit klappen sollte!
Eizellentnahme unter Vollnarkose und Samenabgabe im "Stübchen" in der KiWu sind dann wohl noch weniger romantisch zur Kindszeugung - aber man gewöhnt sich an alles!

Beitrag von shiningstar 10.02.11 - 10:41 Uhr

Ich muss ehrlich sagen, ich verstehe die Sorgen jetzt nicht so ganz.... Hätte es auf natürlichem Wege und sofort geklappt, wäre die Situation ja doch die gleiche mit dem finanziellen als jetzt in der Kiwu-Praxis?!

Beitrag von manumausi29 10.02.11 - 10:53 Uhr

Hallo!

Bei uns war ich diejenige mit finanziellen Sorgen aber ich habe mich mal hingesetzt und alles ausgerechnet ubd muss sagen mit Elterngeld, Kindergeld und der besseren Steuerklasse für meinen Mann gibt es bei uns keine finanziellen Einbußen. Da war ich zumindest etwas beruhigter denn wir bekommen Zwillinge und die Kosten einiges.

Du sagst das du trotzdem etwas arbeiten möchtest, dann braucht dein Mann doch keine Zukunftsangst haben? Rede mit ihm und rechnet mal beide zusammen aus was ihr an Geld bekommt, vielleicht lässt sich dein Mann ja so beruhigen. Außerdem wolltet ihr doch beide ein Kind oder? Ich finde es nicht so ganz fair von deinem Mann dich inmitten der Behandlung mit sowas zu belasten denn die Psyche spielt eine große Rolle für Erfolg oder Misserfolg.

Ich wünsche dir viel Glück für deine Behandlung und das du deinem Mann die Ängste nehmen kannst!

LG Manu

Beitrag von lucccy 10.02.11 - 11:21 Uhr

Hallo,

ich denke, irgendwann hat jeder diese Zukunftsängste. Nur der Moment, in dem einem die Tragweite der Entscheidung bewusst wird, ist ein anderer. Ich denke, Dein "Outing" hat Deinem Mann einen Schups gegeben.

Sprich mit Deinem Mann in Ruhe über seine Ängste und nimm ihn ernst. Sprecht über Elterngeld, Zuverdienstmöglichkeiten während der Elternzeit, ... Und darüber, dass Ihr beiden anscheinend genug Weitblick habt, dass keine unerwarteten Kosten kommen - Dein Posting klingt, als würdet ihr auf den Notgroschen fürs kaputte Auto achten.
Und wenn Du Deinem Chef so vertraust, dass Du Dich ihm anvertraut hast, dann wird er diese Ehrlichkeit hoffentlich auch zu schätzen wissen. Und das würde bedeuten, dass Du nach der Geburt gute Chancen auf einen Wiedereinstieg hast.

Gruß Lucccy

Beitrag von sheila06 10.02.11 - 11:36 Uhr

Hallo,

erstmal finde ich es total toll, dass dein Mann sich so geöffnet hat.
Das kommt wirklich nich oft vor, und das zeigt doch, dass er dir vertraut, und ihr eine tolle Partnerschaft habt!
Ich würde es gar nicht so als unbedingtes Problem sehen.
Versuche ihn zu verstehen (ich glaube das tust du bereits sehr gut) und zeig es ihm auch.
Versuche ihn zu überreden, und zeig ihm, dass ihr gemeinsam Entscheidungen trefft.

Ich glaube den richtigen Zeitpunkt gibt es nie um ein Baby zu planen...
Die wenigsten haben die dicke Kohle, und viele bangen ob sie es finanziell schaffen können. Da seid ihr nicht alleine!

Und wenn es dir ein Anliegen war es deinem Chef zu erzählen, dann war es auch in dem Moment das richtige!
Man malt sich immer das Schlimmste aus, doch oft passiert alles ganz anders!

Und vielleicht ist das alles für den Moment ein bisschen viel, was von dir abverlangt wird.
Also Kopf hoch, rede mit deinem Mann. Tu was gutes für dich, was dich vielleicht ein bisschen ablenkt, Mädelsabend oder so...

Liebe Grüße

Beitrag von sheila06 10.02.11 - 11:42 Uhr

uups, ich meinte natürlich: "versuch ihn NICHT zu überreden"

Beitrag von georgiasleute 10.02.11 - 12:37 Uhr

Hi,

mal von Frau zu Frau: das meiste von dem, was du an Ängsten und Sorgen beschreibst, ist irrational. Zum Glück. Und es ist total normal, was bei euch los ist, ich habe selbst eine Tochter mit meinem Mann, sie entstand durch unsere 2. ICSI nach vielen Monaten bzw. ein paar Jahren unerfülltem Kinderwunsch. Sie ist nun 2,5 Jahre alt. Ich weiss noch, dass mein Mann ganz ähnliche Sorgen und Ängste hatte wie deiner und auch ich habe alles total dramatisch gesehen - kein Wunder, der Kinderwunsch ist eine Zeit der Hoffnung und auch des (Ver-)zweifelns und die Hormone tun ihr Übriges dazu.

Dein Mann erlebt vielleicht gerade das Gefühl, dass er nicht "unter Kontrolle" hat, was nun geschehen wird, das geht schon werdenden Vätern so - Männern, die mit ihrer Frau eine Kinderwunschbehandlung machen, erleben das oft noch stärker. Immerhin - die Zeugung liegt quasi in der Hand von anderen, mit "Spaß" hat es auch nichts mehr zu tun und vor allem ist es nicht mehr "natürlich" - all das, zusammen mit einer durch die Hormonbehandlung und den "Druck, dass es klappen soll" sicherlich nicht gerade ausgeglichenen Frau und auch die finanziellen Sorgen, das kann einem ja auch zusetzen.

Aber de facto ist es so: du bist schon jetzt durch die Kinderwunschbehandlung im besonderen Kündigungsschutz genau wie werdende Mütter, da ist das AGG auf deiner Seite. Und finanziell ist es mit Kind im 1. Jahr dank Elterngeld komfortabel und auch danach ist es gut zu schaffen, durch Kindergeld, bessere Steuerklasse und vielleicht noch eine Teilzeittätigkeit - da kriegt man das schon gestemmt.

Ich arbeite seit dem 1. Geburtstag meiner Tochter wieder, mittlerweile sogar voll und habe keine Sicherheiten wie du, sondern war und bin selbstständig.

Demnächst starten wir den 1. Versuch für ein weiteres Kind in der Kinderwunschpraxis - und das, obwohl mein Mann beim 1. Kind dieselben Ängste äußerte wie deiner.

Macht euch nicht verrückt und tut euch viel Gutes - redet miteinander, aber steigert euch nicht in eure Ängste rein, das wird das schon.

Alles wird gut! Herzlich,

Daniela