Petzen

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Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von snoopster 10.02.11 - 10:32 Uhr

Hallo,

da mich das Thema schon länger beschäftigt, wollte ich jetzt mal hier nachfragen, wie Ihr das so seht, oder was ich machen soll...
Es ist so. Meine Große (fast 4) ist eine echte Petze.
Wenn jemand sie "attackiert", also was wegnimmt, ihr wehtut, oder halt was macht, was sie nciht möchte, stellt sie sich meistens vor ihn hin und sagt: "Lass dass, ich will das nicht, hör auf, gibt das zurück....!" Solche Sachen halt. Sie wehrt sich nicht. Wenn was weggenommen wird, versucht sie natürlich nicht loszulassen,a ber sonst haut sie nicht zurück oder schubst zurück oder sonst was.

Wenn ihre Worte nicht fruchten, kommt sie zu mir. Oft ist das natürlich im SPiel mit ihrer kleinen Schwester, weil die noch nciht so viel redet, dass sie sich verbal wehren könnten, also kratzt sie (die Kleine). Also rennt meine Große zu mir und sagt, dass die Kleine ihr weh getan hat.
Ich sag der KLeinen dann, sie soll das lassen, oder nehme sie raus aus dem Spiel, und dder Großen dsag ich aber, sie soll nicht petzen.
Gestern waren wir bei Freunden, und sogar da ist sie zu der betreffenden Mutter und hat ihr gesagt, was ihr Kind falsch macht.

Ich weiß echt nicht, wie ich das sehen soll.
Einerseits bin ich froh, dass sie nicht haut, niemandem weh tut und auch anderen sagt, dass man das nicht macht.
Andererseits ist das ganze "Nicht-Wehren" auch nicht so ganz richtig, oder?? UNd petzen ist doch erst recht nicht die gute Lösung.
Allerdings, wenn sie halt nicht mehr weiter weiß, warum soll sie nicht Hilfe holen??

Ehrlich, ich weiß nciht, was ich machen soll. Aufs Petzen reagieren? Was mchen? Nichts tun??

Bitte sagt mir mal Eure Meinungen.

DAnke und LG Karin

Beitrag von susa31 10.02.11 - 10:56 Uhr

"Wenn jemand sie "attackiert", also was wegnimmt, ihr wehtut, oder halt was macht, was sie nciht möchte, stellt sie sich meistens vor ihn hin und sagt: "Lass dass, ich will das nicht, hör auf, gibt das zurück....!" Solche Sachen halt. Sie wehrt sich nicht. Wenn was weggenommen wird, versucht sie natürlich nicht loszulassen,a ber sonst haut sie nicht zurück oder schubst zurück oder sonst was. "

und wo ist jetzt dein problem? sie macht doch genau das richtige: artikulieren, was ihr nicht gefällt und dabei nicht aggressiv werden. und wenn ich lese, dass es einer mutter nicht gefällt, dass ihr kind sich an sie wendet, wenn sie hilfe braucht, wird mir ganz anders. was soll sie denn deiner meinung nach tun? deiner kleinen eins überziehen, wenn die kratzt und den anderen vors bein treten?

Beitrag von snoopster 10.02.11 - 11:10 Uhr

Ich habe nicht gesagt, dass mir das nicht gefällt, dass sie sich an mich wendet. Ich frage mich nur, ob das der richtige Weg ist.
Außerdem ist die Situation schon vorbei, wenn sie sich an mich wendet. Die KLeine spielt schon was anderes, und sie dann eben auch. Es geht halt um das petzen.

Irgendwann bin ich auch nicht mehr dabei, dann kann ich ihr nicht helfen, und wenn andere Kinder sehen, dass sie sich nicht wehrt, wird sie vielleicht bald das Opfer. Darin liegt meine größte Sorge. Und wenn die anderen dann noch mitbekommen, dass sie Ärger kriegen, weil sie das auch noch gepetzt hat wirds vielleicht noch richtig schlimm....

Beitrag von redrose123 10.02.11 - 11:23 Uhr

Ich find den weg schon richtig, frag am besten die Mütter deren Kinder nach anderen eben hauen beissen tretten und kratzen:-P

Beitrag von thea21 10.02.11 - 11:07 Uhr

Ist normal, wie soll sie sich denn anders helfen als mit Worten, oder es dder nächst höheren Instanz zu berichten.

Sie wird selbst lernen was wichtig für sie ist und was nicht.

Einerseits will niemand das das eigene Kind schubst, haut, tritt, beißt. Andererseits soll es sich wehren...ja, aber wie, wenn nicht mit Worten?

Beitrag von zahnweh 10.02.11 - 11:33 Uhr

"Ist normal, wie soll sie sich denn anders helfen als mit Worten, oder es dder nächst höheren Instanz zu berichten."

dazu fiel mir der Rechtsanwalt ein ;-)

wenn wir Erwachsene nicht mit Worten und Briefen weiterkommen, wenden wir uns auch an die nächste Instanz, den Rechtsanwalt. Auch erst mal um zu fragen, was WIR tun können und um Beratung zu erbitten. :-)

Beitrag von marathoni 10.02.11 - 11:09 Uhr

Dein Kind macht es doch absolut richtig!!!
Sie hat ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Und das ist gut so.
Lass sie !!!

Beitrag von scura 10.02.11 - 11:18 Uhr

Ich denke Deine Tochter verhält sich völlig korrekt. Sie versucht verbal den Konflikt zu lösen, gelingt es nicht, sucht sie Hilfe.
Was soll daran nicht richtig sein?
Ich würde ihr dann sagen, wie sie sich weiter verhalten soll aber nicht in den KOnflikt eingreifen.

Beitrag von zahnweh 10.02.11 - 11:29 Uhr

Hallo,

meine 3,5 jährige "petzt" auch noch und ich finde das gut. Also in dem Alter und weil ich weiß, warum sie es macht.


Meine "petzt" nicht, weil sie der anderen Person schaden oder sie reinreiten möchte. Meine kommt, weil sie mit ihrem Latein am Ende ist und Rat braucht.

Damit daraus kein Petzen wird - im Sinne von: ich renne zu Mama und die regelt das/die andere Person bekommt Ärger - mache ich es so:


Sie kommt zu mir, schildert die Sitution.
Ich tröste im ersten Moment/nehme sie ernst. Dann hinterfrage ich die Situation. Wer hat was gemacht? Was hast du gemacht? (sie sagt ganz offen: ich hab auch geschubst. und dann hat mich der ander gebissen)

Dann, wenn ich einen Überblick über die Situation habe, suche ich ZUSAMMEN mit IHR Lösungen. D.h. ich greife NICHT in das Geschehen ein. Ich begleite sie höchstens, wenn überhaupt.

Ich frage sie: wer hat was gemacht? Was könntest DU jetzt tun?
D.h. ich nehme ihr nichts ab, sondern bestärke sie darin, selbst zu überlegen und selbst zu handeln.

Da sie das aber in vielen Situationen noch nicht alleine kann. Oft noch nicht mal einschätzen, kommt sie zu mir und das finde ich gut.


Wenn sie mit 8 Jahren kommt mit der Erwartung, dass die andere Person Ärger bekommt, dann nenn ich das Petzen.
So sehe ich es als Hilfe suchen - Unsicherheit ausdrücken an.

Beitrag von lisasimpson 10.02.11 - 11:30 Uhr

sie weiß nicht ,wie sie den konflikt läse soll- daher sucht sie hilfe- was denn sosnt?!

Dein job ist es, mit ihr gemeinsam zu schauen, wie man konflikte lösen kann.
was kann sie tun, was kann sie sagen, wie soll sie reagieren, wenn sie gehauen, geschubst, gekratzt wird, wenn ihr jemand was wegnimmt?

petzen ist eines der dämlichsten wörter, die ich kenne

lisasimpson

Beitrag von natalia73 11.02.11 - 12:45 Uhr

Danke, danke!!!
Ich finde auch sie macht das richtig. So war auch mein Sohn und ich fand das Klasse. Die Eltern der Angreifer fanden das nicht immer lustig. Ihr Pech!

LG,
Natalia

Beitrag von snoopster 10.02.11 - 12:43 Uhr

Ich danke Euch Allen für Eure Antworten, Ihr habt mal wieder recht ;-)

Vielleicht hat es mich gestern schon so verletzt, weil eine der Mütter meinte, meine Tochter sei eine Petze. Ich dachte mir dann, wie das wohl später mal wird....

Aber dann weiß ich ja jetzt auch, was ich in Zukunft drauf sagen kann.

Lieben Dank!

LG Karin

Beitrag von witch71 10.02.11 - 14:19 Uhr

"Vielleicht hat es mich gestern schon so verletzt, weil eine der Mütter meinte, meine Tochter sei eine Petze. Ich dachte mir dann, wie das wohl später mal wird.... "

Das war sicherlich eine der Mütter, über dessen Verhalten sich Dein Kind beschwert hat, oder? Der war es sicherlich nur peinlich, dass ihr Kind sich irgendwie daneben benommen hat.

Petzen ist ein total veralteter Begriff. Sogar in der KiTa bekommen die Kinder von Anfang an beigebracht, dass sie gewisse Dinge - und eben auch das Fehlverhalten anderer Kids - den Erzieherinnen melden sollen.

Beitrag von natalia73 11.02.11 - 12:48 Uhr

Ich nehme an, es war die Mutter des "angreifendes" Kind, oder?
Das Problem hatten wir oft.
Tja, wenn ich von jemanden verprügelt werde, gehe ich zur Polizei und zeige ihn an, oder?
Ich finde, dieses Petzen verteufeln ist oft Schuld, dass sich Kinder monatelang von anderen Schüler "misshandeln", mobben lassen.
Mein Sohn weißt, egal was ist, kann er gutes Gewissen zu uns kommen.

LG,
Natalia

Beitrag von marion2 10.02.11 - 14:47 Uhr

Hallo,

sie ist 4. Da ist Petzen noch relativ normal. Aber erwünscht ist es nicht.
Kinder mögen Petzen nicht. Auf Dauer wird sie sich damit Freunde vergraulen.

Ich schick meine wieder los mit dem Hinweis, dass sie jetzt vier seien und das Problem allein lösen könnten. Können sie dann auch.

Gruß Marion

Beitrag von tauchmaus01 10.02.11 - 21:51 Uhr

#kratz genau das bring ich meinen Kindern bei.
Erstmal reden, versuchen mit Worten etwas zu klären eben. Und wenn das nicht hilft, dann lieber Hilfe holen dass Keile anzufangen.
Hat super geklappt. Meine Große, nun 8, schlichtet oft Streit in der Klasse indem sie mit Worten den Schwächeren hilft und wenn Gewalt droht eben Hilfe holt (in Deinen Augen ja petzen).

Mona

Beitrag von engelchen28 11.02.11 - 14:15 Uhr

hallo karin!
dein kind ist 4 - welche möglichkeiten hat sie denn da außer "ihr spielzeug festhalten", "mama zur hilfe rufen" und "hauen / kneifen / sich wehren"? ich finde, sie macht das ganz prima. sie versucht alleine, ihr spielzeug zu halten und wenn sie es nicht schafft, holt sie hilfe. das ist doch ein tolles sozialverhalten. von petzen in dem sinne würde ich nicht sprechen. ich mein, sie ist noch klein, da ist es doch toll, wenn sie dich ruft und deine hilfe ersucht.
petzen wäre in meinen augen etwas ganz anderes...!
lg
julia

Beitrag von ilva08 11.02.11 - 21:51 Uhr

"petzen" ist für mich, wenn das Kind Dinge an den Erwachsenen heranträgt, die es selbst gar nicht betreffen: "Der hat sich Schokolade genommen", "Die guckt heimlich fernsehen" oder ähnliches.

Wird es hingegen angegriffen und fruchten klare Ansagen nicht, so ist es kein petzen, sich Hilfe zu holen.

Beitrag von bine3002 11.02.11 - 23:00 Uhr

Petzen... echt doofes Wort.

Meine Tochter hat mit 2 gebissen. Sie konnte sich nicht anders wehren, weil sie sprachlich zurück war. Und ich habe immer wieder mit ihr geredet, dass sie sich doch bitte Hilfe bei Erwachsenen suchen und nicht beissen soll. Mit 2,5 hat sie das dann endlich gemacht und seitdem nie wieder gebissen oder gehauen. Und was sagt ein Bekannter? "Ich finde das doof, dass Du petzt!" Das ist doch bekloppt oder?