PC Sucht und Familie

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von klara001 10.02.11 - 13:29 Uhr

Ich befürchte ich muss weiter ausholen ...

Mein Mann ist sieben Jahre jünger wie ich (33/40). Nachdem wir relativ weit entfernt wohnten und beisammen sein wollten, beschlossen wir letzten Sommer zu heiraten und uns in der Nähe seiner Heimat eine Wohnung zu suchen. Ich wollte dann mit meinem 8jährigen Sohn zu ihm ziehen. Die Beziehung hatte immer schon Höhen und Tiefen. Abhängig davon dass ich seelisch zuweilen sehr angeschlagen bin und unter diversen Ängsten leiden die sich auf meine Kindheit und Jugend zurückschlagen, aber auch von seinem teilweise sehr verletzenden und zuweilen cholerischem Verhalten. Nichts desto trotz lieben wir uns aber und wussten dass wir füreinander bestimmt waren.
Im Herbst heirateten wir und zogen zusammen. Seither ist nichts mehr wie es war. Woran es genau liegt lässt sich schwer erfassen, weil man mit meinem Mann über solche Dinge schwer reden kann. Er fühlt sich dann an allem schuldig und dies endet dann immer im Streit. In der Folge behandelt er mich dann tagelang wie Luft, was mich fast in den Wahnsinn treibt.
Seit Dezember kam dann dazu, dass er sich wieder komplett in seine Internetwelt geflüchtet hat. Leider in einem Ausmass, der jedes Familienleben abstellt. Gespräche darüber endeten meist sehr heftig, er wurde regelrecht aggressiv. Ich weiß zwar selber nicht mehr wer wo "im Recht" ist, aber ich kenne hier keine Menschenseele. Bin auch erst mal Hausfrau, weil ich meinem Sohn den Start hier so unkompliziert wie möglich machen wollte. Und wir leben am Land. Also hier ist gar nichts. Ich habe also nur ihn. Und das wusste er. Und mit 40 Jahren sein ganzes Leben auf den Kopf stellen ist auch nicht unbedingt einfach, vor allem wenn man ohnehin von Ängsten geplagt ist. Der ganze Dauerstreit endete kürzlich darin, dass er beschloss seinen PC nie wieder anzugreifen. Mit der These dass er aber deshalb sein ganzes Leben unglücklich sein wird und ich irgendwann dafür die Rechnung präsentiert bekommen werde. Jegliche Versuche meinerseits für diese Sache einen gemeinsamen Konsens zu finden mit dem jeder leben kann schlagen fehl. Er schaltet auf stur. Ich weiß im Moment ehrlich gesagt nicht so recht was ich tun soll. Wenn ich ihn darauf anspreche geht er in die Luft, der Rest unseres Lebens wäre derzeit ohne PC relativ normal und harmonisch, also "richtig". Aber ich will auch nicht mein Leben lang einen Trauerkloß neben mir sitzen haben.
Ich verstehe auch nicht dass so ein lebloser Kasten wichtiger sein kann als seine Familie. Oder hat er sich einfach noch nicht an das neue Leben gewöhnt?
Vielleicht hat wer ähnliches erlebt oder weiß sonst irgendwie Rat. Ich möchte einfach dass sich alle wohlfühlen in dieser Familie. Sonst macht's doch keinen Sinn.

Beitrag von kutschelmutschel 10.02.11 - 14:13 Uhr

hallo liebe klara,

was du da beschreibst, könnte zu 100% auf meinen ex freund passen #schock

kennengelernt habe ich ihn las lieben, freundlichen menschen, dermir ruhe und kraft gegeben hat...verlassen habe ich ihn als cholerischen, aggresiven menschen, der mich fast mit dem auto totgefahren hat...

genau wie bei dir ist der knackpunkt immer der pc gewesen...er war morgens an, wenn ich aufgewacht bin und er war abends immer noch an, als ich zu bett gegangen bin. die kinder und mich wurden ignoriert, angebrüllt oder unter zwang etwas unternommen #aerger. das war kein schönes zusammenleben, ich habe mich trotz familie allein gefühlt. ich habe mich allein um alles kümmern müssen, ausflüge mit den kindern allein unternommen...

ich wollte so nicht leben, zumal mein ex freund dann noch anfing, mit frauen zu schreiben und sich mit diesen auch zu treffen. er verlies mich freitagsabends mit dem hinweiß, er sei bei einem kumpel und kam dann irgendwann sonntags früh zurück. und auf einmal schrieb mir eine dame, wie gut mein ex freund im bett sei #schock

alles bitten und streiten hat nichts gebracht, er hat seinen pc vor alles gestellt. ich habe mich dann getrennt, mir mit meinen kindern eine eigene familie aufgebaut und seitdem geht es uns bedeutend besser #pro es war sehr schwer, es hat mich unwahrscheinlich kraft gekostet, aber jetzt kann ich stoltz sagen: es hat sich gelohnt...

Beitrag von klara001 10.02.11 - 14:19 Uhr

Ja das "unter Zwang etwas unternommen" kenne ich auch. :-)
Warum ist das nur für einen Mann so schwer zu verstehen dass man sich vorkommt wie ein Volltrottel (man verzeihe mir diesen Ausdruck), wenn nur dieser Kasten wichtig ist und alles andere unwichtig ist.
Ich komme mir auch wenn er da ist oft mehr alleine vor als anders.
Seltsam: zum einen würde ich ihm gerne sein Hobby gönnen, zum anderen weiß ich dass es unsere Familie kaputt macht.
Vielleicht sollte ich die Situation ("ich greife das Ding nie wieder an und bin halt unglücklich") einfach so lassen.
Vielleicht schnallt er so irgendwann was wirklich wichtig ist und lacht in einem Jahr darüber welche macht dieses Teil auf ihn hatte.

Beitrag von kutschelmutschel 10.02.11 - 14:28 Uhr

versuche doch mal, ob er professionelle hilfe in anspruch nehmen kann? vielleicht ist er ja computersüchtig? ist mein ex freund auch, nur er sieht es nicht ein #aerger

und mich geht es ja nichts mehr an, ich bin ihn gott sei dank los...

wenn es schon soweit ist, das er alles andere um sich herum ignoriert, ist es schon nicht mehr nur ein hobby...

wie geschrieben, ich kann dich da sooooooo gut verstehen #liebdrueck

Beitrag von klara001 11.02.11 - 09:51 Uhr

Äh ja - wie du schon sagst - sie merken es ja selber nicht.
Ich habe ihm schon eine Paartherapie vorgeschlagen um das Problem in den Griff zu bekommen und eine Lösung für alle zu finden.
Lehnt er natürlich ab. Er hat ja kein Problem .... :-)

Beitrag von scura 10.02.11 - 14:30 Uhr

Das ist doch total albern! Er versucht mit seiner Schmoll-/Trauerhaltung Dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Schafft er ja auch!
Wenn er auf seinen PC ja jetzt "freiwillig" verzichtet, dann gestaltet eure Freizeit gemeinsam und thematisiere das nicht weiter. Er wird diese Haltung nicht lange aufrecht erhalten können.
Er setzt sich wieder an den PC. Ist es in Maßen dann lass ihn. Versuche dennoch, ohne darüber zu reden, ein Familienleben aufrecht zu erhalten. (Das heisst ihn mit einbeziehen und sagen wie schööööön es mit ihm ist) Auf jeden Fall solltest Du versuchen Dich auch unabhängig von ihm, irgendwo zu integrieren. (Auch wenn Du Dich erstmal im dörflichen Strickkurs anmeldest...)

Beitrag von klara001 11.02.11 - 09:54 Uhr

Stimmt, das mit dem schlechten Gewissen schafft er.
Ich merke nur, dass er wirklich ein viel angenehmerer Mensch ist wenn er den PC außer Acht lässt. Was mich eben immer mehr bestärkt in der Annahme dass es eine Art Sucht ist.
Natürlich sage ich ihm auch wie schön ich es finde wenn er mit uns was unternimmt oder einfach nur für uns da ist.
Er sieht das aber leider immer noch als eine Art "Kampf" an - also meint ich hätte dann "gewonnen" wenn ich es so schön finde.

Beitrag von pcp 10.02.11 - 16:43 Uhr

Hallo,

Du schreibst ihr wußtet daß ihr "füreinander bestimmt seid". Woran genau habt ihr das denn festgemacht?

Denn ganz offensichtlich habt ihr ja völlig unterschiedliche Vorstellungen von "Glück" und "Familienleben".

lg

Beitrag von gretchens.armee 10.02.11 - 18:09 Uhr

"Abhängig davon dass ich seelisch zuweilen sehr angeschlagen bin und unter diversen Ängsten leiden die sich auf meine Kindheit und Jugend zurückschlagen, aber auch von seinem teilweise sehr verletzenden und zuweilen cholerischem Verhalten. Nichts desto trotz lieben wir uns aber und wussten dass wir füreinander bestimmt waren"

Ich denke, das Kernproblem ist weniger die PC-Sucht, sondern das Gefühl, "füreinander bestimmt" zu sein. Und das nicht trotz, sondern wegen seinem "sehr verletzenden und zuweilen cholerischen Verhalten" und deinen Ängsten. Merkst du was?
Was wiederholt sich da?

Beitrag von klara001 11.02.11 - 09:59 Uhr

Nun ja, wir kommen da zwar auf einen anderen Punkt, aber unrecht hast du bestimmt nicht.
Klar wiederholt sich was. Allerdings ist das "füreinander bestimmt" auch nicht einseitig. Das sieht er selber genauso und hat auch genug Altlasten mitzuschleppen, hinter die ich allerdings noch nicht genau gekommen bin weil er sich da ziemlich ausschweigt.
Natürlich bin ich es gewohnt dass man mich sch.... behandelt und mit Liebesentzug bestraft. Natürlich reagiere ich auf alles was mich diesbezüglich "bedrängt" anders wie "normale" Menschen.
Nur auch ihn muss ja irgendwas dazu bewegen dass er sich in den Cyberspace flüchtet. Denn so hat er auch sein Leben vor unserer Beziehung verbracht.
Dass zwei extreme Personen aufeinanderkrachen war uns bewusst.