Aufenthaltsbestimmungsrecht .... groll....

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Forum: Allein erziehend

Als Alleinerziehende selbstbestimmt zu leben hat Vorteile, andererseits ist es oft sehr anstrengend, den täglichen Herausforderungen allein zu begegnen. In diesem Forum findet ihr die Hilfe und Unterstützung von Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Beitrag von lisamey 10.02.11 - 17:54 Uhr

Hallo an Alle Mädels ;)

Bin soooo sauer heute...ich hatte über einen Anwalt, den Vätern meiner Kinder zukommen lassen, das ich nä. Jahr 80 km wegziehen möchte, da mit den beiden leider kein normales Gespräch mehr möglich ist, und beide haben garnicht reagiert, nun muss der ganze Krempel vor Gericht.

Dabei habe ich mich bereit erklärt die Kids alle zwei Wochen her zu bringen und trotzdem .... wie sind denn Eure erfahrungen, kann da das Gericht dagegen sein, wenn man sich so Kompromissvoll gibt???

lg Lieschen-- die sich nun abreagieren muss #zitter

Beitrag von ppg 10.02.11 - 18:14 Uhr

Die Gerichte urteilen sehr Vaterfreundlich zur Zeit.

Du kannst hinziehen, wohin Du willst, Du kannst halt nur nicht die Kinder mitnehmen, wenn der Vater dem wiederspricht.

Die magische Grenze, wo Du ohne Zustimmung umziehen kannst sind 50 km - villeicht hilft Dir das schon.

Ute

Beitrag von lisamey 10.02.11 - 18:30 Uhr

Ach woher weißt Du das mit den 50 km???

Lg ;)

Beitrag von ppg 10.02.11 - 19:01 Uhr

http://dejure.org/gesetze/BGB/1687.html

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht ( ABR ) ist ein Teil der elterlichen Sorge. Daraus folgt, dass bei gemeinsamen Sorgerecht keiner der beiden aufenthaltsbestimmungsberechtigten Eltern berechtigt ist, dass Kind ohne Zustimmung des anderen Elternteils dauerhaft an einen neuen Wohnort zu verbringen.

Wenn die Eltern getrennt leben und sie die elterliche Sorge gemeinsam ausüben, müssen also Entscheidungen, die für das Kind von grundsätzlicher Bedeutung sind, im gegenseitigen Einvernehmen der Eltern getroffen werden.

Grundsätzlich gehören dazu:

- Wahl der Erziehungsmaximen
- Aufenthaltsbestimmungsrecht
- Auswanderung des Kindes
- Ferienaufenthalt des Kindes

und vieles mehr.

Somit fällt ein Umzug unter das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Dieses steht im geschilderten Fall offensichtlich den Elternteilen gemeinsam zu. Dass das Kind derzeit den gewöhnlichen Aufenthalt bei der Mutter hat, steht dem nicht entgegen.

Können sich die Eltern nicht einigen, kann das Aufenthaltsbestimmungsrecht trotz des gemeinsamen Sorgerechts auf einen Elternteil übertragen werden, wenn dies zum Wohle des Kindes erforderlich ist. Dazu müsste man beim zuständigen Familiengericht einen Antrag auf Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechtes auf sich stellen.

Falls ein Elternteil ohne die Zustimmung des anderen Elternteils oder alleiniges Aufenthaltsbestimmungsrecht umzieht, kann dies ein widerrechtliches Vorenthalten des Kindes darstellen, was dem jeweils anderen Elternteil einen Anspruch auf Herausgabe des Kindes geben würde.

Fazit:

Ein Wechsel des Wohnortes ( z.B. Umzug der Mutter mit dem Kind ) ist, soweit die Eltern die gemeinsame elterliche Sorge haben, ohne Zustimmung des Vaters nicht möglich, da dadurch auch das Umgangsrecht des Vaters mit dem Kind erheblich erschwert wird. Die Mutter kann also nicht ohne ihren Ex – Mann entscheiden.

Im Streitfall müsste das Familiengericht entscheiden.

Eine seriöse und insbesondere verlässliche Vorhersage, welche Chancen die Kindsmutter in einem Rechtstreit hätte, erscheint u.a. auch vor dem Hintergrund des Ermessensspielraum des Gerichts nicht möglich.

Der 50 km - Radius ist derzeit gängige Rechsprechung , weil bis zu dieser Entferung ein regelmäßiger Umgang mit den jeweils anderen Elterteil stattfinden kann und zumutbar ist.


Ute

Beitrag von marathonbaby 10.02.11 - 21:45 Uhr

Ich frag mich da übrigens immer: Was ist, wenn umgekehrt der Vater wegziehen will? Hab ich dann als Mutter auch ein Mitspracherecht, dass er das nicht darf, weil er sich dann ja plötzlich nicht mehr so um das Kind kümmern kann, als wenn er am gleichen Ort wohnt??

Viele Grüße, Marathonbaby

Beitrag von nadineriemer 10.02.11 - 22:04 Uhr

Hey
genau das frage ich mich auch.Die Mütter dürfen es nicht einfach so und was ist mit den Vätern?

Nadine

Beitrag von babylove05 11.02.11 - 09:25 Uhr

Hallo

es geht ja nicht um die Mütter , sondern um die Kinder . Diese dürfen nicht wegziehen , die Mütter dürfen es schon , aber eben ohne Kinder ...

Lg Martina

Beitrag von parzifal 11.02.11 - 12:40 Uhr

Warum sollte derjenige, der Umgang haben will diesen erschwert bekommen?

Jeder darf wegziehen wohin er will. Sowohl die Mutter als auch der Vater.
Nur halt nicht uneingeschränkt mit Kind.

Keiner wird also anders behandelt. Die Regeln sind die Gleichen.

Keiner soll aber dem anderen den Kontakt zum Kind zu erschweren (z.B. durch weiteren Umzug), wenn kein guter Grund vorliegt.

Ist das ungerecht?

Wenn Dein Kind beim Vater leben würde wärest Du dann auch dafür, dass er einfach so weiter wegziehen kann?

Dein Ansatz mit dem Bringen ist ja in Ordnung. Und wenn es gute Gründe gibt "lediglich" 80 km wegzuziehen ist das i.V.m. Deinem Angebot (wenn man es nicht später einfach "zurückziehen kann) auch moralisch in Ordnung.

Das Prinzip aber nicht einfach jederzeit wegziehen zu können wohin der betreuende Elternteil will, kann doch aber nicht generell in Frage gestellt werden.

Beitrag von little-thing86 10.02.11 - 18:43 Uhr

Voll nervig das auf einmal alles FÜR die Väter gemacht wird, ok gleiches recht für alle heißt es ja oft, sehe ich an sich genauso allerdings finde ich das weder Väter noch Mütter in sowelchen Sachen bevorzugt werden sollten.

Wenn die Mutter mit den Kindern umziehen will/muss und der Vater sagt nein, toll soll man sein leben dann nach dem richten oder wie?
Was ist wenn der Vater immer zu allem nein sagt?
Das ist ja leider kein Grund mehr irgendwas einzuklagen...? (übrigens das gilt auch umgekehrt wenn die Kinder beim Vater sind und die Mutter macht zicken)

Solange die Mutter sich bereit erklärt ihm mit dem Umgang dann bsp. durch das herbringen der Kinder entgegen kommt wieso sollte sie dann nicht umziehen dürfen .... hmmh???

Beitrag von ppg 10.02.11 - 19:19 Uhr

Villeicht würde es sehr viel bringen, wenn man sich als Frau deutlich bewußt macht, das man mit dem Vater des gemeinsammen Kindes 18 Jahre bis zum Ende des Lebens verbunden bleiben wird.

Am Besten sollte man diese Erkenntniss schon VOR Empfängniss haben!

Es geht hier nicht um die individuellen Entscheidungen und Bedürfnisse von Männern oder Frauen, sondern darum das es das Grundrecht jeden Kindes ist, Kontakt mit beiden Elternteilen zu haben. Und das ist nunmal bei 300 km deutlich schwieriger als bei 5 km

Ute

Beitrag von redrose123 11.02.11 - 10:31 Uhr

würdest du es hinnehmen wenn er mit den Kinder wegzieht?

Beitrag von parzifal 11.02.11 - 12:24 Uhr

"Die Gerichte urteilen sehr Vaterfreundlich zur Zeit."

Die Gericht urteilen überhaupt nicht nach dem Geschlecht!

Eine "väterfreundliche" Rechtsprechung gab es zu keiner Zeit in Deutschland und existiert auch jetzt nicht (und will man auch gar nicht, wenn es gerecht zugehen soll).

Der Einzug von Egalität in der Rechtsprechung heißt doch nicht, dass jetzt für eine Seite freundliche Entscheidungen getroffen werden.

parzifal




Beitrag von 16061986 10.02.11 - 19:03 Uhr

Natürlich kannst du umziehen,musst aber mit einer unterhaltskürzung rechnen,weil dann die kosten für die fahrt,die die väter auf sich nehmen müssen,angerechnet werden!
Der mann meiner freundin hat das erst durch. sie will nach frankfurt ziehen(ca. 300km weiter weg,jetzt sind es 5 minuten) und er kann nichts machen,außer eben den unterhalt kürzen wegen anfallender kosten für den umgang(also hin und rückweg,spritzkosten,er hätte sich in der zeit dort ein zimmer nehmen müssen etc.)

Beitrag von ppg 10.02.11 - 19:13 Uhr

Doch der Mann kann sehr viel dagegen unternehmen! Er kann den gesammten Umzug unterbinden - dauer so um die 3 Werktage bis der Eilantrag vor Gericht entschieden ist.

Voraussetzung ist aber, das er im Fall des Falles auch bereit sein muß, das Kind in seinem Haushalt aufzunehmen - denn die Mutter kann ja wohnen wo immer sie möchte.

Und genau an dieser Stelle hapert es bei den meisten Männern, sie wollen ihrer Ex gerne Knüppel zwischen die Beine werfen, aber die komplette Verantwortung für das Kind ist ihnen eher lästig. Da wird dann doch lieber um eine Unterhaltskürzung rumgestritten

Ute

Beitrag von redrose123 11.02.11 - 11:04 Uhr

Er kann klagen, 50 km sind ok weiter musst du die Einwilligung holen und Umgangskosten/Fahrtkosten kann man vom Unterhalt abziehen.

Würdet Ihr die Kinder ziehen lassen wenn es andersrum wäre? Würdet Ihr da denken ach ja ist ja nur zum wohle der kinder

Beitrag von lisamey 11.02.11 - 17:06 Uhr

Komisch ist nur das mir meine Anwältin nichts von diesen 50 km sagte...sie sagte nämlich das ist von Fall zu Fall unterschiedlich und sie denkt das man auch bei 80 km kein großes Ereignis macht bei Gericht...ich also gute Chancen hätte.

lg

Beitrag von ppg 11.02.11 - 18:08 Uhr

Dann laß es auf eine Klage ankommen, wenn du verlierst ist es eben gelaufen und Du trägst das Kostenrisiko.

Ja, Urteile sind immer individuell. Und Anwälte gehen bei Falschberatung keinerlei Risiko ein - sie bekommen ihre Kohle so oder so

Ute

Beitrag von lisamey 11.02.11 - 18:11 Uhr

was würdest Du machen??? Und wieso kennst Du Dich da so gut aus?

lg

Beitrag von ppg 11.02.11 - 18:47 Uhr

Weil mein Ex und ich 300 km Entfernung haben.

Ich hätte mit einer Klage nicht die geringste Chance auf Umzug ( troz Job ) gehabt. Auch die Tatsache das mein Ex dem Kindeswohl geschadet hat war nebensächlich.

Nur mit Erpressung habe ich von ihm die Einwillgung zum Umzug erhalten.

Ute

Beitrag von lisamey 11.02.11 - 18:56 Uhr

Würdest Du mir mehr darüber über vk erzählen? Lg

Beitrag von nestragon 13.02.11 - 15:02 Uhr

ich glaube dein "angebot" ist nicht kompromissvoll... denn soweit ICH weiß muss der, der weg zieht eh hin und her fahren...

Es kommt IMMER auf den Richter an!!! der eine entscheidet so, der andere so... wenn du an jemanden gerätst der z.B mit seiner Ex grade Theater hat wirst du es vermutlich nicht so einfach haben...
Du musst halt argumentieren warum du da hin willst etc.
Wie lange das dauern kann weiß ich leider nicht, kann dein Anwalt dir denn da nicht weiter helfen?

Beitrag von einfachich77 14.02.11 - 07:57 Uhr

Hallo,

ich arbeite in einem Anwaltsbüro und habe selbst einen sehr guten Familienrechtsanwalt als Hilfe an meiner Seite - nämlich meinen Chef. Ich bin damals jobbedingt 120 km weit weg gezogen und es gab keinerlei Probleme. Laut Aussage meines Anwalts sind die Grenzen da auch sehr schwammig.

Ich gehe fest davon aus, dass es bei 80 km überhaupt keine Probleme geben wird. Aber anstatt gleich zu klagen, sollte Dein Anwalt erstmal Deinen Ex-Mann anschreiben und um ein Statement bitten. Wenn dann keinerlei Reaktion erfolgt, dann wird das Gericht auch eher nicht zu seinen Gunsten entscheiden. Unkooperativ zu sein, hat nämlich noch nie genützt.

Ich halte 80 km auch für keine große Hürde. Da hat sich bei uns noch nicht mal was am Unterhalt getan. Da ist es Deinem Ex durchaus zuzumuten, die Kinder zu holen und zu bringen. Und wenn Du dann vielleicht sogar noch Strecken übernimmst und selbst kooperativ bist, um den Umgang weiter zu gewährleisten, wird der Richter auch zu Deinen Gunsten entscheiden.

Wichtig ist letztlich der Grund, warum Du umziehen willst. Ist es jobbedingt, kann Dein Ex relativ wenig ausrichten - schließlich geht es auch darum, seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.

LG und viel Glück

einfachich77