Familie ignoriert meine Fehlgeburten

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von heute in schwarz 10.02.11 - 19:27 Uhr

Hallo,

ich hatte im letzten halben Jahr zwei Fehlgeburten (15. SSW und 12.SSW) und bin immernoch sehr traurig deshalb.

Als ich meine erste Fehlgeburt hatte, kam von meinem Geschwistern (sie wohnen weiter weg, aber haben es von meinen Eltern erfahren) leider keinerlei Reaktion.

Sie haben nicht ein Mal angerufen und gesagt das es ihnen leid tut oder wie es mir geht.

Ungefähr zwei Monate nach der Fehlgeburt hat dann mein Bruder angerufen und tat am Telefon als wäre nie etwas gewesen (als wäre ich nie schwanger gewesen) und hat mir von seinem geplanten Urlaub erzählt und gefragt was es bei uns neues gibt.:-(

Ich dachte, meine Geschwister wissen vielleicht nicht, was sie sagen sollen, und habe mich dann damit abgefunden, das sie kein Wort über die Fehlgeburt verloren haben.

Kurz vor Weihnachten hatte ich nun leider eine zweite Fehlgeburt, ich habe meinen Geschwistern per Email frohe Weihnachten gewünscht weil ich noch nicht telefonieren konnte und ihnen berichtet, das ich leider wieder eine Fehlgeburt hatte.

Auch auf die Nachricht der zweiten Fehlgeburt kam keinerlei Rückmeldung von ihnen.

Ich hatte gedacht, sie melden sich vielleicht einmal bei mir und fragen wie es geht und das es ihnen leid tut, aber nichts...

Vor zwei Wochen bekam ich dann von ihnen eine Email, in der sie ein lustigers Video als Anhang mitgeschickt haben und geschrieben haben, wie ihr letzter Urlaub war.

Kein Wort davon, wie es mir geht oder wegen der Fehlgeburt.

Ich bin sehr traurig und enttäuscht, ich dachte meine Familie würde mir vielleicht wenigstens sagen das es ihnen leid tut, aber es kommt nichts.

Würdet ihr sie an meiner Stelle evtl. einmal darauf ansprechen oder es auf sich beruhen lassen?

LG

Sabine

Beitrag von knuffel84 10.02.11 - 19:38 Uhr

Hallo Sabine,

ich glaube, dass sie einfach nicht wissen wie sie sich verhalten sollen. Ich hatte auch innerhalb 3 Monate 2 FG und mich hat aus der Familie niemand darauf angesprochen. Hinterher stellte sich heraus, dass sie nicht wussten, ob sie mich darauf ansprechen sollten oder nicht, weil sie Angst hatten das sie dadurch alles noch schlimmer machen.

An deiner Stelle würde ich das Thema einfach mal ansprechen, aber auf keinen Fall würde ich jemandem Vorwürfe machen.

LG und alles Gute
Jasmin

Beitrag von heute in schwarz 10.02.11 - 20:02 Uhr

Hallo Jasmin,

vielen Dank für Deine Antwort und Deinen Rat.

Ich werde meine Geschwister dann demnächst einfach mal vorsichtig auf das Thema ansprechen und ihnen sagen das sie gerne mit mir darüber reden können und es mir auch gut tun würde, mit ihnen darüber erzählen zu können.

Vorwürfe werde ich ihnen auf keinen Fall machen, Du hast Recht, sie wissen sicher nicht, wie sie reagieren sollen und haben Angst, etwas verkehrtes zu sagen oder das Thema anzusprechen weil sie ja nicht wissen wie es mir geht.

Lieben Dank und LG
Sabine



Beitrag von daisy80 10.02.11 - 19:55 Uhr

Ich hatte im Freundeskreis auch ein paar FEhlgeburten, habe aber auch nie etwas gesagt, sondern gewartet, bis mich diejenige selbst persönlich darauf ansprach.
Ich wusste nie, wie ich darauf reagieren sollte, weil ich von "zu Tode geknickt" bis "macht nix, ist halt der Lauf der Natur, dann klappts halt nächstes Mal" schon alles mitbekommen habe und das Fettnäpfchen nicht grad mit einem Kopfsprung nehmen wollte.
Wie soll man sich als mehr oder weniger Außenstehender da verhalten?

Meine Sis hat neulich die Nachricht bekommen, dass sie wahrscheinlich gar keine Kinder bekommen kann. Ich hab erst mit ihr darüber gesprochen, als sie mich selbst darauf angesprochen hatte.

Beitrag von heute in schwarz 10.02.11 - 20:06 Uhr

Hallo,

vielen Dank für Deine Antwort.

Ja Du hast Recht, sie können sich ja nicht in meine Situation hineinversetzen und wissen wahrscheinlich gar nicht, wie sie reagieren sollen oder ob sie überhaupt etwas sagen sollen.

Ich werde demnächst mal in Ruhe das Thema anschneiden und ihnen sagen das sie keine Angst haben müssen, mit mir darüber zu reden oder etwas verkehrtes zu sagen.

Ich würde mich ja freuen, wenn sie mit mir deshalb reden würden.

Dann werde ich den ersten Schritt machen und sie darauf ansprechen.

LG und vielen Dank für den Rat
Sabine

Beitrag von daisy80 10.02.11 - 20:10 Uhr

*Dann werde ich den ersten Schritt machen und sie darauf ansprechen. *

Find ich gut :-)
#pro

Beitrag von moeriee 10.02.11 - 20:33 Uhr

Hallo Sabine! #winke

Es tut mir leid, dass du zweimal solchen Schmerz durchleben musstest und sicher immer noch musst. #kerze

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Leute einfach nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Es ist zwar vielleicht nicht mit deiner Situation vergleichbar, aber ich lag in meiner SS insg. über zwei Monate im KKH und hatte schließlich eine Frühgeburt. Sämtliche Verwandte und Bekannte machten sich in der Zeit rar. Freunde, mit denen ich ganz fest als Besucher gerechnet hatte, da sie einfach zu meinen engsten Vertrauten gehörten, kamen nicht einmal vorbei. Nach der Geburt gratulierte uns niemand. Als ob niemand davon wüsste. :-(

Meine Mutter erzählte mir, dass ihre guten Freundschaften alle während der Krankheit meines Vaters zerbrochen sind. Er hatte Krebs und verstarb schließlich. Sämtliche Freunde zogen sich in dieser Zeit komplett zurück. Meine Mutter kam sich in all dieser Zeit sehr alleine und auch verraten vor.

Was ich damit sagen will: Die meisten Menschen können nicht mit dem Leid anderer Menschen umgehen. Es hat meist nichts damit zu tun, dass sie kein Mitgefühl haben. Ich glaube z.B. nicht, dass deinen Geschwistern egal ist, dass du die Fehlgeburten hattest. Sie wissen schlicht und ergreifend nicht, was sie dir sagen könnten. Sie wissen wohl, dass es nichts gibt, das dich trösten könnte. Und damit haben sie ja auch Recht! Aber ich weiß, wie gut eine liebe und wortlose Umarmung tun kann! #liebdrueck Sprich' es offen an! Sag' ihnen, dass das Thema nicht vergessen ist, nur weil es totgeschwiegen wird. Deine beiden Sternenkinder werden immer ein Teil von dir sein! Und such' dir andere, denen es ähnlich geht. U.a. gibt es ja hier auch die Kategorie "Frühes Ende". Dort findest du 100%ig Gleichgesinnte, die mit denselben Problemen zu kämpfen haben!

Ich wünsche dir alles Gute! #herzlich

Marie

Beitrag von heute in schwarz 10.02.11 - 23:33 Uhr

Hallo Marie,

vielen Dank für Deine liebe Antwort.#liebdrueck

Du hast Recht, ich werde demnächst in Ruhe bei meinen Geschwistern das Thema vorsichtig anschneiden und ihnen damit hoffentlich ihre Berührungsängste nehmen.

Ich war so traurig und dachte, sie interessieren sich nicht für mich, aber Du hast Recht, sie wissen wohl einfach nicht, wie sie reagieren sollen, was sie sagen sollen oder dürfen...

Den meisten Menschen fällt es wahrscheinlich schwer etwas "passendes " zu sagen wenn man selber keine Erfahrung mit Fehlgeburten hat.

Und danke für Deinen Tip mit dem Forum "Frühes Ende" hier bei Urbia, dort werde ich auf jeden Fall reinschauen.

Es tut sicher gut, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und sich alles von der Seele zu schreiben.

Du hast übrigens einen supersüßen kleinen Sohn, die Bilder in Deiner VK sind wunderschön.#herzlich

GLG und alles Gute für Dich und Deine kleine Familie
Sabine

Beitrag von dina2009 10.02.11 - 21:13 Uhr

Hi Sabine,

ich hatte auch das Problem. Keiner hat mit mir gesprochen. Das hat sehr weh getan, ich hatte das Gefühl für sie war ich nie schwanger gewesen. Ich habe dann nach und nach jeden angesprochen und gesagt das ich enttäuscht bin - es gab viele Tränen. Es hat sich herausgestellt, das sie a) nicht wussten wie sie damit umgehen sollten un b) wenn sie mal fragten wie es mir geht habe ich immer schnell mit gut geantwortet damit auch ja jeder sieht das es mir "gut" geht. Ich dachte die ganze Zeit wenn ich sage das es mir gut geht dann vergeht der Schmerz. Im Endeffekt war es glaube ich auch mein Fehler. Ich wollte nicht wirklich mit ihnen darüber reden weil ich Angst hatte sie verstehen es nicht. Jemand der das noch nicht erlebt hat (egal in welcher SSW) kann es auch nicht nachvollziehen aber wichtig ist das man drüber reden kann und einem zugehört wird.

Geh ganz offen auf sie zu. Sie denken sich oft nichts dabei. Sie wollen keine Wunden aufreißen und denken vielleicht auch das du nciht permanent daran erinnert werden willst.

Ich wünsche Dir alles Liebe,
Dina

Beitrag von heute in schwarz 10.02.11 - 23:39 Uhr

Hallo Dina,

lieben Dank für Deine Antwort und den Rat, auf meine Geschwister zuzugehen.

Du machst mr auf jeden Fall Mut, das Gespräch mit meinen Geschwistern zu suchen weil Du ja (leider) in derselben Situation warst / bist wie ich.

Ich möchte so gerne mit meinen Geschwistern über die Schwangerschaften und die Fehlgeburten reden, ich denke es wird mir sehr gut tun wenn mir jemand zuhört und vielleicht sogar ein bißchen meinen Schmerz mit mir teilen kann.

Ich habe gemerkt, das es mir auf jeden Fall nicht guttut, diese Schwangerschaften zu verschweigen und zu tun, als wäre nie etwas gewesen.

Ich hoffe, das Gespräch wird ihnen nicht unangenehm sein und wir können endlich über alles reden.

GLG und alles Liebe #herzlich
Sabine

Beitrag von öpüäöpüäöp 10.02.11 - 21:33 Uhr

Hallo

Ich hätte absolut keine Lust mich mit Verwandten/Freunden zu unterhalten wenn ich eine FG hätte. Sicher gerne über deren Urlaub aber nicht über die FG.
Deshalb würde ich auch keine Verwandten/Freunde darauf ansprechen sondern warten bis sie kommen...oder ebend nicht.
Sprich du sie also an wenn du mit ihnen dadrüber reden willst.

Beitrag von rhenus11 11.02.11 - 08:34 Uhr

Hallo Sabine,

tut mir leid, was Dir gleich zweimal widerfahren ist. Meine Frau und ich, mussten auch schon mal damit fertig werden und es gab niemanden, der uns hätte helfen können.

Kann es sein, dass die ausbleibenden Rückmeldungen Deiner Familie nicht darin begründet sind, das Dein Schicksal ihnen egal sein könnte sondern, das sie mit dem Geschehen überfordert sind?

Mit den Aborten ist's wie mit der CA-Diagnose oder manchem Sterbefall, mitunter möchte niemand daran rühren, sprich darauf zu sprechen kommen, weil man selbst hilflos ist und keine Wunden offen halten möchte und vor allem unfähig ist, die Hilflosigkeit und Angst, das Falsche zu tun oder zu sagen, auszudrücken?

Versuch's mal so zu betrachten.
Ich denke, Deine Familie ist nicht ohne Mitgefühl für Dich sondern einfach hilflos.

Kopf hoch!

rhenus

Beitrag von erdbeertiger 11.02.11 - 08:44 Uhr

Hallo Sabine,

erst mal mein Beileid wegen deinen Fehlgeburten - das ist bestimmt sehr schwer für dich.
Jetzt zu deinem Problem: Was mir auffiel ist dieses hier "(sie wohnen weiter weg, aber haben es von meinen Eltern erfahren) ". Also hat du ihnen persönlich nichts von den Fehlgeburten gesagt, she ich das richtig?
ich muss ganz ehrlich sagen, ich würde auch niemanden auf so ein Erlebnis ansprechen, wenn ich es von Dritten gehört habe. Gerade Fehlgeburten sind sehr sensible Themen - vielleicht denken deine Geschwister, du willst nichts davon hören, nicht davon sprechen, weil du ihnen nicht persönlich davon etwas mitgeteilt hast....
ich denke nicht, dass das böse gemeint ist. Aber vielleicht solltest du sie trotzdem ansprechen und nachfragen, denn sonst belastet diese Situation eure Beziehung.

LG

Erdbeertiger

Beitrag von gemeinhardt 11.02.11 - 09:52 Uhr

Wenn Dir das weh tut, dann würde Dir raten es zu sagen, aber angemessen und lieb und nett, denn es ist nicht einfach für Unbeteiligte mit sowas umzugehn.
Nicht zu reagieren ist freilich naja... blöd, aber es ist halt ihre Art.
Fakt ist, das alles immer einfacher ist, wenn man die anderen so sein lässt wie sie sind und die ansprüche zurückschraubt.

Alles liebe Dir!
Cora

Beitrag von carrie23 11.02.11 - 10:59 Uhr

2006 hatte ich nahc zwei Jahren üben am Valentinstag ( zwei Tage nach meinem Geburtstag ) meine Fehlgeburt
Ich war damals in der 10. Woche und ich war überfordert weil ich dachte eine Fehlgeburt ginge immer mit Blutungen einher-hier nicht es war einfach ein MA.
Meine Mutter hat mich getröstet, sie hatte selber schon zwei aber alle anderen habens ignoriert und waren sogar wütend weil ich nicht so lustigt wie sonst drauf war.
Mit meinen Geschwistern wollte ich gar nicht drüber reden, eher mit meinem Mann der damals aber auch etwas überfordert mit der Situation war.
Bis heute denke ich dran und ich hab mittlerweile drei wundervolle Kinder, eine Schwangerschaft war problematischer als die andere aber ich habe meine Kinder bei mir und bin froh darüber.
Darüber reden auch alle gerne.
Ich denke sie wissen nicht wie sie mit dir darüber reden sollen, ich war auch überfordert wie ich mit meiner Tante damals reden sollte als sie ihre Fehlgeburt hatte.
Oder wie ich mit meinem Papa sprechen sollte als sein Bruder gestorben ist.
Man hat Angst das falsche zu sagen und in der Wunde zu stochern, da glaubt man es sei besser einfach gar nichts zu sagen.
Ich selber spreche kaum darüber, habs auch nicht in meiner VK vermerkt ( wieso auch ) und den Karton mit dem Strampler den ich damals biem positiven Test gekauft habe, habe ich nie geöffnet.
Ich kann es einfach nicht, mein Mann kanns auch nicht.

Beitrag von redrose123 11.02.11 - 11:14 Uhr

Für Dich ist der Verlust viel schwerer als für deine Geschwister, sind es Brüder? Meiner hat auch noch nie was über meine FG gesagt, warum auch? Ich habe für mich getrauert mit meinem Mann und das ist unser Ding ich hätte es damals gar nicht wollen das man mich bemitleidet oder was dazu sagt.....

Beitrag von seelenspiegel 11.02.11 - 15:25 Uhr

<<<Würdet ihr sie an meiner Stelle evtl. einmal darauf ansprechen oder es auf sich beruhen lassen? >>>

Das kommt darauf wie wichtig es DIR ist, mit den betreffenden Personen dahingehend einen Gedankenaustausch vorzunehmen.

Ich glaube nicht, dass sie nur desshalb nicht mit Dir darüber sprechen weil es ihnen egal ist, sondern weil sie sehr verunsichert sind, und einfach Angst haben, Dir damit unnötig weh zu tun.


Bei meiner Exfreundin ist einen Tag vor dem geplanten Geburtstermin festgestellt worden, dass keine Herztöne mehr zu hören sind, und das Kind tot ist, obwohl ein paar Tage vorher bei der Kontrolluntersuchung alles ok war.

Ich wusste erst auch nicht was ich ihr sagen soll.....wie ich reagieren soll.....ob Rücksicht nehmen, direkt sein....mir haben die Worte gefehlt, und glaube mir, das will bei mir EINIGES heissen.

Je mehr man mitfühlt, desto ratloser ist man, und man setzt zum reden an weil man denkt, "das willst Du fragen", und plötzlich erscheint einem das was man sagen wollte als unpassend....herzlos.....fehl am Platz, und man hält wieder den Mund.


Desshalb: Wenn DIR nach Reden zumute ist, mach bitte DU den ersten Schritt......du wirst wahrscheinlich staunen, was sich bei den Menschen die Dir am Herzen liegen alles angestaut hat.....genauso wie bei Dir auch.


Ich wünsche Dir alles Gute
TJ