was genau ist "das schädigende am TV"?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von bifi-wurst72 10.02.11 - 20:53 Uhr

hallo! Meine Kinder gucken kein Tv, finde ich auch nicht schlimm ehrlich gesagt. Aber es interessiert mich einfach, was denn nun genau das "Schlimme" am Tv ist? Sind es die schnell aufeinanderfolgenden Bilder? Ich meine nicht, die Tatsache, das Spongebob Schwammkopf pädagogisch nicht wertvoll ist etc. Natürlich kommt es ja darauf an, was man guckt (zusammen mit den kids). Aber ich las vor kurzem, das alles, was mehr als 20 Min. beträgt für Kinder unter 6 Jahren schlecht ist (egal, ob eine gut ausgewählte Sendung oder nicht).
Was schädigt?
Weiß das jemand?

Beitrag von sequoia 10.02.11 - 21:00 Uhr

Huhu,

ich persönlich find am "schädlichsten" die Fremdsteuerung bzw. Fremderziehung. Es ist sehr Meinungsbildend und teilweise sehr lieblos gestaltet - Hauptsache irgendwas passiert...
Kinder werden zu Konsumenten erzogen und zur Trägheit, weil sie sich ja auch nie was ausdenken müssen, sondern bloß rumhocken brauchen und "bespielt" werden.

Das find ich nicht gut.

Von dem Geflimmer und schnelle Bildwechsel mal abgesehen...

Liebe Grüße

Wir haben übrigens keinen Kabelanschluss und sehen sehr wenig fern, aber wenn dann darfs auch mal ein richtiger Film sein ;-) (In 20 min. schafft man ja nix..)

Beitrag von bifi-wurst72 10.02.11 - 21:34 Uhr

Vielen dank für Deine Antwort.
hast du gut erklärt, ich verstand, was Du meinst

Beitrag von keep.smiling 10.02.11 - 21:01 Uhr

Ich denke die Reizüberflutung, das Tempo der Bilder und Texte...Die Informationsflut.
Mein Sohn schaut gerne Winnieh Puuh, das ist zB viel langsamer, als Trickfilme in Spielfilmlänge, die ab 0 Jahren freigegeben sind.

Mehr als 30 min Fernsehen am Tag gibt es bei uns nicht.

LG ks

Beitrag von bifi-wurst72 10.02.11 - 21:36 Uhr

Falls meine beiden sich mal dafür interessieren würden, bedenke ich deinen Winnieh Puuh Tip Danke schön für deine schnelle Antwort.

Beitrag von bifi-wurst72 10.02.11 - 21:37 Uhr

Vielen lieben Dank für deine prompte Antwort

Beitrag von celi98 10.02.11 - 21:03 Uhr

hallo,

meine tochter guckt bei mir auch kein fern, bei oma darf sie, aber das ist selten.

ich denke, dass zum einen der inhalt von den kleinen gar nicht verarbeitet werden kann. zu viele bilder zu viele texte, das ist eher ein einlullen. außerdem fallen kinder ja in eine totale regungslosigkeit beim fernsehen. es stört so kommunikation, spiel und somit lernen und bewegung. fernsehen ist eine reine kopfsache, das passt nicht zu kleinkindern.

lg sonja

Beitrag von bifi-wurst72 10.02.11 - 21:38 Uhr

Vielen dank für deine prompte Antwort

Beitrag von hanni123 10.02.11 - 21:10 Uhr

Huhu,

Das hat viele Facetten...

http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_aktuelles/a_kindliche_entwicklung/s_742.html

Auf jeden Fall ist Fernsehen sehr intensiv und emotional, deswegen denke ich, dass zu langes Fernsehen am Stück Kinder einfach überfordert, dass sie es kognitiv nicht mehr verarbeiten können.

Wenn ich meinen sohn vor dem tv beobachte hat er dabei viel staerkere Reaktionen als beim vorlesen eines Buchs. Ausserdem sind Kinder durch den tv fremdgesteuert, sie können die Geschwindigkeit der Geschichte nicht selbst beeinflussen.

LG

Hanna

Beitrag von bifi-wurst72 10.02.11 - 21:39 Uhr

prima. Das ist ja super, was Du mir da so geschickt hast.
Großen DanK

Beitrag von jimmytheguitar 10.02.11 - 21:13 Uhr

Ich denke es ist vorallem ein Problem das die Kinder glauben sie würden etwas erleben aber im Endeffekt sitzen sie stumm vor der Glotze. Sie agieren nicht mehr aktiv sondern nur noch passiv als Beobachter und das auch noch in fiktiven Serien und Filmen. Mag vielleicht 20 Minuten lang am Tag nicht schlimm sein wenn ihnen Willy wills wissen eine Fabrik erklärt (als Beispiel) aber da macht es eben die tatsächlich die Häufigkeit.
Bei kleineren Kindern ist natürlich zusätzlich noch das Problem der Reizüberflutung (wobei dies auch auf Größere zutreffen kann). Die schnelle Bildabfolge. Ein Gesamtpaket...

Ich finde einfach persönlich die Entwicklung des Geistes und der Phantasie wichtig, und wenn Kinder schon zu früh vor den Fernsehapparat gesetzt werden kann dies nicht ungehemmt geschehen. Kinder brauchen Langeweile um sich neue Anregungen zu holen.

Ob meine Einschätzung sich nun mit dem wissenschaftlichen Stand deckt weiß ich aber nicht.

Beitrag von salome25 10.02.11 - 21:26 Uhr

Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, was daran schädigend sein soll. Wenn man es nicht übertreibt, ist es doch ok. Ich habe auch früher TV gucken dürfen, allerdings nicht den ganzen Tag und ich bin auch nicht geschädigt worden. Ehrlich gesagt, kann ich mir auch nicht vorstelle, dass alle Eltern ihre Kinder von diesem Medium fernhalten möchten/können. Spongebob ist nicht pädagogisch wertvoll, das stimmt wohl, aber es ist lustig und ich gucke es gern mit und wir lachen uns gemeinsam kaputt #freu

Beitrag von kati543 10.02.11 - 21:43 Uhr

Das schädigende ist nicht unbedingt das Flimmern oder die schnelle Bildabfolge (die gibt es auch bei 20 Minuten und außer Epileptikerkinder hat da niemand Schwierigkeiten). Das wirklich schädigende ist, dass das Kind passiv bleibt. Kinder wollen aber mitmachen. Sie sollen reagieren. Kinder versuchen mit den Figuren zu reden (da sie den Unterschied zwischen Realität und Fernsehen nicht kennen), aber die Figur antwortet nicht bzw. hört überhaupt nicht auf das, was das Kind gesagt hat. Das ist sehr frustrierend. Irgendwann hören Kinder dann auf mitzumachen und werden komplett passiv. Das ist dann wieder schädlich für Sprachentwicklung und generell die kognitive Entwicklung.

Beitrag von widowwadman 10.02.11 - 22:04 Uhr

Das einzige schaedliche ist, wenn man Kinder einfach stundenlang davor parkt. Wenn man zusammen etwas schaut und drueber redet, kann ich nichts schlimmes dabei sehen.

Das mit den schnellen Bildabfolgen halte ich ehrlich gesagt fuer unfundierten Bloedsinn. Aber man hat auch zu Beginn der industriellen Revolution geglaubt, dass das schnelle Tempo von Eisenbahnen das Hirn schaedigt...

Beitrag von hanni123 10.02.11 - 22:18 Uhr

Huhu,

Hier geht es ja nicht um die bildwiederholfrequenz oder ähnliches physikalisches mit irgendeinem unterbewussten Einfluss. Sondern darum, dass die Handlung fremdgesteuert abläuft. Es sind Bilder zu sehen, Geräusche und Sprache zu hören. Das müssen die Kinder erst mal verarbeiten. In einer niedergeschriebenen Geschichte werden die Zusammenhaenge meist beschrieben, im Fernsehen müssen sie die Zusammenhänge selbst aus dem gesehenen und gehoerten herleiten.
Wenn im TV eine Szene noch gar nicht komplett verarbeitet wurde, aber schon die naechste gezeigt wird, dann kommt man nicht mehr mit. Kinder sind durch die schnelle Abfolge von Inhalten überfordert.

LG

Hanna

Beitrag von widowwadman 10.02.11 - 23:54 Uhr

Davon dass die Theorie nochmal wiederholst wird sie auch nicht wahrer.

Beitrag von sneakypie 10.02.11 - 23:18 Uhr

Hallo,

wenn ich mich richtig erinnere, ist die Frage ziemlich komplex.
Es hat auf jeden Fall mit Hirnentwicklung zu tun.

In diesem Video wird das im Sendung-mit-der-Maus-Style beantwortet ;-):
http://www.youtube.com/watch?v=MfAva1Kmrcs&feature=fvst

Gruß
Sneak

Beitrag von bifi-wurst72 10.02.11 - 23:20 Uhr

Vielen lieben dank für deinen beitrag

Beitrag von sneakypie 11.02.11 - 00:36 Uhr

Gern geschehen :-)

Gruß
Sneak

Beitrag von claudia2708 10.02.11 - 23:59 Uhr

Prof. Dr. Manfred Spitzer hat dazu wahnsinnig eindrucksvolle Vorträge gehalten und sehr anschaulich Forschungsergebnisse für Laien verständlich dargestellt. Google mal, er ist einer der führenden Fachleute zu diesem Thema und noch dazu einer, den jeder versteht! ;-)

LG
Claudia

Beitrag von claudia2708 11.02.11 - 00:03 Uhr

PS: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kulturinterview/354959/

Beitrag von bifi-wurst72 11.02.11 - 01:22 Uhr

Vielen lieben dank für Deine hilfe

Beitrag von amory 11.02.11 - 06:51 Uhr

Hallo,

wissenschaftlich weiß ich es nciht wirklich, aber mich gruselts immer, wenn ich kinder vor der glotze sehe.
weil ihr blick so starr ist und sie so regungslos....kann das nciht besser erklären.
sieht jedenfalls nicht "gesund" aus, desahlb darf meine tochter nur sehr wenig fernsehen schauen (und wenn, dann sandmann, shaun das schaf oder die raupe nimmersatt. undd as am besten in kuschel-begleitung von mir auf dem sofa)

Grüße, amory

Beitrag von bine3002 11.02.11 - 08:36 Uhr

Bis ca. 2 Jahre können Kinder den schnellen Schnitten nicht folgen. Zeigt man ihnen z. B. eine Szene von vorn und dann die gleiche Szene von der Seite können sie den Zusammenhang nicht herstellen. Sie sehen dann also nicht eine Katzen von zwei Seiten, sondern zwei Katzen. Und wenn sie die Katze dann wieder von vorn sehen, sehen sie eine dritte Katze usw. Das können dann schon mal ziemlich viele Katzen werden und jede einzelen muss im Gehirn verarbeitet werden.

Dabei wandern die Augen von Kindern auch noch ständig auf dem Bildschirm herum. Zwar fixieren sie in erster Linie Gesichter, trotzdem sind die Augen ständig auf der Suche nach neuen Informationen und das Gehirn kann noch nicht filtern, welche dieser Informationen wichtig sind und welche nicht. Ein Erwachsener kann dagegen mit einem Blick erfassen, was nun gerade interessant ist. Für das (kleine) Kind ist es also eine Reizüberflutung, außer man zeigt z. B. eine Aquarium-DVD oder sowas.

Interessant ist auch, dass Kinder zwischen dem, was sie auf dem Bildschirm sehen und der Realität keinen Zusammenhang herstellen können. Das tun sie erst mit etwa 3 Jahren. D.h. wenn man einem Kind über einen Bildschirm zeigt, dass man im Nebenraum etwas versteckt, dann suchen sie es anschließend trotzdem. Beobachten sie dagegen das Verstecken durch eine Scheibe, so können sie den Gegenstand auf Anhieb finden. Ebenso wenn man die Seiten des Bildschirms mit einem Vorhang verdeckt.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass das Lernen am Bildschirm nicht so effektiv ist wie in der Realität. Das Kind lernt also beispielsweise nicht, dass ein Ball springt, wenn es den Ball nur am Bildschirm sieht. Der Nutzen von "pädagogischem" Fernsehen ist damit gleich null und somit macht es keinen Unterschied, WAS man sich anschaut. Spongebob ist dann genauso pädagogisch wertvoll wie Baby-TV.

Fernsehen ist deswegen aber nicht schädlich. Es sollte sich aber auf ein Minimum begrenzen und man sollte nicht erwarten, dass ein Kind dabei noch etwas lernt und man es sich leicht machen kann. Fernsehen bleibt für kleine Kinder Unterhaltung und kein günstiger Babysitter.