wie handhabt ihr das beim "lesen nach Gehör"

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Forum: Kids & Schule

Kleine Kinder, kleine Sorgen - große Kinder, große Sorgen? Schulschwierigkeiten oder anstrengender Streit ums Aufräumen: Lest und diskutiert mit. Und da die Vorbereitung der Einschulung ansteht: Hier begleitet urbia-TV Vater und Tochter beim Schulranzenkauf.

Beitrag von frauimbestenalter 11.02.11 - 21:43 Uhr

meine Tochter ist jetzt in der ersten Klasse und schreibt schon fleißig Geschichten. Leider ist so gut wie jedes Wort falsch geschrieben, obwohl wir schon recht viel lesen (jeden Tag ein paar Seiten aus den Erstlesebüchern).
Mich wundert es, dass sogar Worte, die sie mittlerweile ja schon zig mal gelesen hat, trotzdem noch falsch geschrieben werden.
Da habe ich jetzt schon ein bisschen Angst, ob sie sich das jetzt nicht falsch einprägt durchs falsche schreiben.
Laut Lehrern erledigt sich das irgendwann ganz von alleine und wir sollen die Kinder auch gar nicht verbessern.
Allerdings habe ich auch schon einige kritische Stimmen im Internet dazu gefunden, und es ist ja auch eine neue Lehrmethode, die womöglich in ein paar Jahren überholt wird.
Einige meiner Freunde korrigieren ihre Kinder daher trotzdem. Andere lassen sie viel abschreiben.
Wie macht ihr das???

Beitrag von doremi05 11.02.11 - 22:22 Uhr

ist doch super, dass sie mit Freude Geschichten schreibt! Rechtschreibung wird erst in der zweiten Klasse ein Thema. Wenn sie frei und lautgetreu richtig schreibt, wuerde ich nichts korrigieren, Beim Abschreiben dagegen schon, um sie zur Genauigkeit anzuhalten.
So habe ich das bei uns gehalten (gleiche Lehrerempfehlung wie bei Euch) und es hatte keinen negativen Einfluss auf die Rechtschreibung. Und in der zweiten KLasse schreiben sie eh erst mal geübte Diktate.

Beitrag von marathoni 11.02.11 - 22:43 Uhr

Auf jeden Fall korrigieren !!!!!
Diese Methode ist eine absolute Katastrophe. Die Kinder die so lesen und schreiben lernen haben in den meisten Fällen später enorme Probleme mit der Rechtschreibung!
Ich hofffe, dass immer mehr und mehr Schulen wieder davon abkommen.
Viele Lehrkräfte in den weitergehenden Schulen bemängeln diese Art.

Beitrag von neckenecke 12.02.11 - 07:30 Uhr

#pro

Sehe ich genau SO!!

Ich korrigiere meine Tochter auch immer, und habe es auch bei meinem Sohn gemacht. Er hat NULL Probleme in der Rechtschreibung.

LG

neckenecke

Beitrag von luka22 12.02.11 - 00:11 Uhr

"Laut Lehrern erledigt sich das irgendwann ganz von alleine"

So ganz von alleine erledigt sich das genauso wenig, wie bei den Kindern, die z.B. nach Silbenmethode lernen. In beiden Fällen müssen sich die Kinder die Rechtschreibung erarbeiten. In eurem Fall wäre ich nicht glücklich über die Lese/ Rechtschreibmethode: über einen langen Zeitraum prägen sich die Kinder falsche Wortbilder ein und bekommen für diese falschen Wörter auch noch eine positive Verstärkung durch den Lehrer. Vor allem für schwache Schüler endet diese Methode meist fatal, da sie ein ganzes Jahr schreiben, wie sie hören und das soll dann plötzlich nicht mehr gelten? Ändern kannst du nicht viel! Deine Tochter wäre ziemlich gefrustet, wenn du plötzlich jedes Wort ausbessern würdest.

Grüße
Luka

Beitrag von delfinchen 12.02.11 - 07:41 Uhr

Hallo,

seh ich ebenso wie du.
Ich hoffe, dass diese bescheuerte Methode wieder "out" ist, wenn meine zwei in die Schule kommen. Wenn nicht, werd ich daheim wohl falsch geschriebene Wörter kennzeichnen. Zumindest "grobe" Fehler, ein Dehnungs-h könnte ich am Anfang noch verkraften.
Vielleicht macht es den Kindern anfangs wirklich mehr "Spaß", wenn sie so schreiben dürfen, wie sies hören, aber:
1. macht nicht alles im Leben Spaß und das muss auch mal gelernt werden und
2. wird ihnen die Lust aufs Schreiben dann umso schneller in der 2. Klasse vergehen, wenn sie richtig schreiben müssen.

Außerdem: Manch Lehrer schreiben dann Probearbeiten in HSU (1. Klasse), in denen beispielweise die eigene Adresse notiert werden muss. Und wenn dann in der Adresse ein Rechtschreibfehler drin ist, gbt es Punktabzug. Völlig unerklärlich, für mich und auch für ein Kind, das ja eigentlich schreiben darf, wie es hört.

Man, möchte wissen, wer sich das so glorreich ausgedacht hat. Ein Jahr Freude am schreiben für vermutlich jahrelangen Problemen beim Rechtschreiben. Denn was 3 mal falsch egschrieben wurde, ist nunmal falsch abgespeichert und wird falsch geschrieben (geht mir bei "Maschine" so. Habs wohl n paarmal mit "ie" geschrieben und nun mach ich das immer noch und streich dann das "Dehnungs-e" raus .... , weil ich weiß, dass es ohne geschrieben wird. Aber es ist wie ein Automatismus.

Außerdem, ganz ehrlich: Solange gibt es diese Methode noch nicht und ich bin gespannt, wie die LRS-Rate zunimmt.
Aber wir haben auch traditionell schreben gelernt (sogr mit den Buchstabenbenennungen "be", "eff", ...) und ich denke nicht, dass wir davon irgendeinen psyhischen Schaden genommen haben.
Logo, Konzepte sollten sich weiterentwickeln, aber das ist für mich kein Fortschritt, sondern Regress, auch wenn mich Grundschullehrer immer wieder versuchen zu überzeugen, wie gut es für die Kinder sein soll .... ja, vielleicht für die echt guten, für die schwachen Schüler mit Sicherheit nicht.

LG,
delfinchen

Beitrag von luka22 12.02.11 - 08:48 Uhr

Hallo Delfinchen!

Wie bei allem macht es wohl eine gute Mischung!
Eine Voraussetzung für das Schreiben ist, dass Kinder in der Lage sind Laute in Buchstaben zu übersetzen. Das kann man tatasächlich nur durch das Schreiben lernen. Allerdings lernt dies das Kind der TE auch nicht unbedingt, denn hier werden Laute falsch übersetzt: z.B. Räder = Redo, Matratze: Madrase oder Madrace.
Bei meinen Kindern arbeiten die Lehrer nicht nach der Anlautmethode (...diese Phase ist bei uns an der Schule überwunden :-)) allerdings wurde bei meinem Großen in der Ersten so gut wie gar nicht frei geschrieben. Ich finde es unglaublich wichtig, dass mit lauttreuen Wörter gearbeitet wird, also: Banane, Rosine, Tomate, Karate... Dann könnte man ja auch Wörter wie "ich" einführen "der, die, das" und so wäre es auch möglich einen selbst geschriebenen Text zu produzieren ohne, dass er mit Fehlern übersät wäre.
Bei uns gab es dann gleich zu Beginn der Zweiten ein Diktat mit mehreren Sätzen. Diesen "Übergang" von nichts schreiben, zum Schreiben ganzer Texte, habe ich dann auch nicht verstanden. In dem Fall meines Sohnes war es vielleicht auch extrem, da er sich quasi seit der Geburt :-) mit Sprache schwer getan hat. Er hätte das lauttreue Schreiben während der ersten Klasse mehr als gebraucht. Das musste ich dann mit ihm nachholen.

Grüße
Luka

Beitrag von celi98 12.02.11 - 10:41 Uhr

Hallo,

ich gebe dir Recht. Ich bin Sonderschullehrerin und habe etwas Erfahrung im Schreiben-/Lesenlernen. Es gibt eigentlich nur eine gute Methode, schwächeren Kinder das Lesen und Schreiben beizubringen und das ist der Kieler Leseaufbau. An allem anderen scheitern sie (sowohl Fiebeln, als auch Lesen durch Schreiben). Ich abe mit dem Kieler Leseaubau nur gute Erfahrung gemacht. Darin wird mit lautgetreuen Wörtern gearbeitet. Außerdem steht das Durchgliedern in Silben im Vordergrund. Leider kennen viele Lehrer dieses Programm nicht oder haben zu wenig Möglichkeiten, schwache Kinder damit zu fördern. Wenn wir dann in Klasse 3 oder 4 gerufen werden, ist es meist zu spät.

Lg Sonja

Beitrag von luka22 12.02.11 - 16:29 Uhr

"Es gibt eigentlich nur eine gute Methode, schwächeren Kinder das Lesen und Schreiben beizubringen und das ist der Kieler Leseaufbau."

Ja, davon habe ich bei meinen Recherchen zu LRS gelesen #pro. Genau so etwas habe ich im Unterricht meines Sohnes schmerzlich vermisst. Und das Gemeine ist: 80% der Kinder lernen Lesen und Schreiben, eigentlich egal mit welchem Konzept, sei es noch so katastrophal ;-). (Das Meiste bügeln zu Hause eh die Mütter aus!) Schwache Kinder jedoch nicht. Mir fehlte/ fehlt beim Schreibenlernen immer noch ein systematischer Aufbau. Bei meinem Sohn wurde in der ersten Klasse vor allem abgeschrieben und plötzlich sollte dann in der Zweiten innerhalb einer Woche ein Diktat mit allen Ausnahmeschreibungen der deutschen Sprache sitzen? Das ging von 0 auf 100. Trotzdem haben es die Sprachbegabten gut gepackt während ich mich ganz schön mit meinem Sohn abrackern musste, um eine Basis zu schaffen, wo du noch nicht einmal weißt, was die Basis IST! Ich habe von Anfangsunterricht bis dato keine Ahnung gehabt. Der Kieler Leseaufbau wurde mir auch empfohlen, allerdings ist das einfach zu umfangreich für ein zusätzliches Lernprogramm zu Hause. Das wäre eindeutig etwas Gutes für den Unterricht.

Grüße
Luka

Beitrag von darkblue81 12.02.11 - 08:30 Uhr

Hallo,

ich halte von dieser Methode herzlich wenig und korrigiere.

LG

Beitrag von kati543 12.02.11 - 09:25 Uhr

Ich würde sie loben für die Geschichte und sie die Geschichte nochmal richtig abschreiben lassen. Und die abgeschriebene Geschichte kann dann in einen Hefter kommen und gesammelt werden.
Ich bin eindeutig für das korrigieren. Von allein erledigt sich nichts. Und ein falsches Wortbild aus dem Kopf zu bekommen, ist sehr schwierig.

Beitrag von loonis 12.02.11 - 10:42 Uhr




Ich korrigiere!!!
Ganz klar.
Halte von d. and. Methode NICHTS.

LG Kerstin

Beitrag von urmel09 12.02.11 - 14:58 Uhr

Mein Sohn lernt nach der gleichen Methode, ich lasse ihn das Geschriebenen nochmals lesen und dabei fallen ihm dann schon viele Fehler auf. Ansonsten zeige ich ihm das falsche Wort und er überlegt nochmal - Dinge die er nicht wissen kann wie ie, ck oder ähnliches sage ich ihm. Inzwischen schreibt er, wenn er sich anstrengt und überlegt schon recht gut.
Ich würde sie loben und gleichzeitig korrigieren, mein Sohn empfindet es als Hilfe und ist stolz wenn er einen Text fast Fehler frei geschafft hat.

Beitrag von meringue 12.02.11 - 20:21 Uhr

Schreiben nach Gehör ist so eine typische deutsche Verschlimmbesserung.
Es braucht Jahre, ie eingeschleiften Fehler wieder auszubügeln. Grauenhaft!

Beitrag von cassidy 13.02.11 - 16:40 Uhr

Hallo,

ich mache mir da auch so meine Gedanken. Paul ist jetzt in der ersten Klasse und ich schlage jedes mal die Hände über dem Kopf zusammen, wenn ich in seinem Ordner wieder einen Zettel zum "kreativen Schreiben" finde. Letzte Woche hat er eine Geschichte über einen Astronauten geschrieben. Ich konnte dem Buchstaben-Salat zwar entnehmen was er schreiben wollte, aber es war eben falsch. Der Witz an der Sache ist, wenn er selbst liest was er schreibt, dann liest er es auch genauso und merkt das es falsch ist. (Wie frustrierend muss das sein?)

Wenn er im Gegenzug Wörter zu bestimmten Buchstaben schreiben soll, ist er sehr bemüht sie richtig zu schreiben und wenn er mich fragt, dann spreche ich ihm das Wort sehr! deutlich vor und er erkennt dann zu 99% auch die richtigen Buchstaben.

Unter einer HA stand dann mal von der Lehrerin der Kommentar, ob er die Wörter alleine mit Hilfe der Anlauttabelle geschrieben hat. Es handelte sich um das Wort "Autozug". Sicher kein Wort das so jedes Kind parat hat, aber Paul fährt mit uns seit seiner Geburt mit dem Autozug nach Sylt (Omas und Opas leben dort) und von daher ist es für ihn ein gängiger Begriff. Da er sich auch viel mit Autos und Zügen beschäftigt ist das nicht weiter verwunderlich, dass er dieses Wort fehlerfrei schreiben kann.

Ich weise Paul darauf hin, wenn er ein Wort falsch schreibt und überlege mit ihm gemeinsam, wo der Fehler liegen könnte. Ist er mal zu 100% überzeugt, dass alles richtig ist, dann lass ich ihn. Soll es die Lehrerin richten.

Doch grundsätzlich finde ich das ziemlich verwirrend. Einerseits sollen sie schreiben wie sie meinen bzw. an anderer Stelle wird Wert darauf gelegt, dass sie es richtig schreiben und anderseits wird spätestens in der zweiten Klasse alles was falsch ist, als Fehler angestrichen.

Da wünschte ich mir doch die gute alte Schulzeit aus eigenen Kindertagen wieder her.

Liebe Grüße,

cassidy

Beitrag von frauimbestenalter 14.02.11 - 20:41 Uhr

ich finde das auch total schwierig. auf der einen seite super, dass die so schnell selbständig schreiben können.
aber meiner meinung nach prägt sich was falsches doch wirklich schnell ein, wenn man es zig mal falsch schreibt....
meine tochter macht es ähnlich wie dein sohn, wenn ich was mit ihr zusammen schreibe, und ganz deutlich spreche, dann schreibt sie fast fehlerfrei (bis auf schwierige dinge, die man nicht richtig hört), aber sie schreibt eben selber gerne geschichten in ihre kleinen büchlein. gerne auch mal an einem tag mehrere seiten, und von daher kann ich da natürlich im anschluss nicht jedes wort mit ihr durchgehen, wie es richtig wäre.
hatte das mal versucht, aber sie hat total gebockt und wollte nicht, kann ich auch irgendwie verstehen.
das ist doch echt verzwickt. ich hoffe nur, dass es nicht in ein paar jahren dann doch heißt, es war die falsche methode. dann müssen unsere drunter leiden.....

Beitrag von h-m 14.02.11 - 09:02 Uhr

Ich bin da zwiegespalten.

Hausaufgaben lasse ich so, damit die Lehrerin auch sieht, wie meine Tochter selbst schreibt.

Freiwillig geschriebene Briefe etc. korriegiere ich allerdings. Gerade bei schon oft gelesenen Wörtern sage ich zu meiner Tochter auch, das sie das Wort doch schon so oft gesehen habe, ob sie sich nicht erinnern könnte, wie es richtig geschrieben wird. Und häufig weiß sie es nach kurzem Nachdenken tatsächlich.