Ehrlichkeit innerhalb einer Freundschaft?

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Forum: Freundschaften

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Beitrag von sonnenstern-115 14.02.11 - 08:42 Uhr

Hallo ihr Lieben,

ich habe da eine sehr seltsame Erfahrung gemacht, die mich doch mehr am Grübeln hält, als ich zunächst vermutet habe.

Es geht um eine junge Frau, die ich vor über drei Jahren im Geschäft kennengelernt habe. Es entwickelte sich eine Freundschaft (so wie ich dachte) zwischen uns. Wir trafen uns immer wieder, sind zusammen ausgegangen, haben uns auch immer mal wieder mit unseren Partnern zu viert getroffen. Wir hatten immer viel Spaß.

Sie und ihr (Ex-)Mann, der auch gleichzeitig ihr neuer Partner und Vater ihres ungeborenen Sohnes ist, sind schon immer etwas chaotisch gewesen und haben uns oftmals zum Schmunzeln gebracht. Stress gab es zwischen uns nie. Ich habe ihr sehr viel zugehört und war für sie da, als es zur Trennung und Scheidung von ihrem Mann kam. Oft hat sie sich ausgeheult über die Marrotten ihres Kerls, genauso oft schwelgte sie in Tagträumen, was sie alles verändern und machen möchte. Umgesetzt hat sie ihre Träume nie. Ich habe ihr immer zugehört - egal, was los war und egal, wie ich selber die Situation empfunden habe.

Ich gehe mit meinem Verständnis völlig selbstverständlich davon aus, dass man in einer echten Freundschaft auch kritische Punkte ansprechen und anderer Meinungen sein darf als die Freundin. So trafen wir uns neulich wieder und sie erzählte mir ein paar Dinge, die mir auch im Nachgang zu unserem Treffen keine Ruhe ließen. Also schrieb ich ihr eine Mail, da sie verreist und telefonisch nicht erreichbar war, in denen ich ihr meine Bedenken mitteilte. Damit sie das nicht in den falschen Hals bekommt, habe ich ihr zweimal geschrieben, dass letztendlich sie die Entscheidungen alleine treffen muss, ich ihr nichts ein- / ausreden möchte, aber ihr als Freundin auch die kritischen Punkte zu diesen Themen zu bedenken geben möchte.

Und was geschieht?

Ich erhalte eine relativ blöde Mail und die Aufforderung, mich aus ihren Privatangelegenheiten rauszuhalten. Sie hätte sich wohl in mir getäuscht. Ich sei keine Freundin und sie bricht sofort den Kontakt ab.

Ich war völlig verdutzt, da ich mit dieser Reaktion nicht gerechnet habe und diese auch nicht auslösen wollte. Habe meine Mail im Nachgang bestimmt schon 100 mal gelesen und komme immer wieder zu dem Schluss, dass sie okay war, ich zwar kritische Punkte äußerte, aber selbstverständlich ihr die Entscheidungen überlasse (sie ist schließlich alt genug, um zu wissen, was für sie gut ist und was nicht).

Dazu stellen sich mir jetzt folgende Fragen:

In einer echten Freundschaft sollte es doch möglich sein, auch kritische Themen zu besprechen, oder? Man muss doch nicht immer zwangsläufig völlig gleicher Meinung sein mit einer "Freundin"? Welche Erfahrungen habt ihr in euren Freundschaften gemacht? Was bedeutet "Freundschaft" für euch?

Irgendwie komme ich mir etwas ausgenutzt (weiß nicht, ob das das richtige Wort ist) vor. Zum Zuhören und Ausheulen war ich jahrelang gut genug. Für mehr aber nicht oder wie?

Naja, wie dem auch sei, jetzt warte ich mal ab, ob sie sich irgendwann wieder beruhigt und meldet oder ob es das tatsächlich war mit der "Freundschaft".

Viele liebe Grüße vom Sonnenstern

Beitrag von kodiak 14.02.11 - 08:53 Uhr

"In einer echten Freundschaft sollte es doch möglich sein, auch kritische Themen zu besprechen, oder?"

Definitiv. Das muss eine echte Freundschaft aushalten können - sonst ist es keine echte Freundschaft.


"Was bedeutet "Freundschaft" für euch?"

Naja, fast wie in einer Ehe: "In guten wie in schlechten Zeiten". Bewähren tut sich eine Freundschaft vor allem in schlechten Zeiten.

Beitrag von sonnenstern-115 14.02.11 - 09:11 Uhr

Das habe ich auch schon gedacht, dass es keine echte Freundschaft ist, wenn sie kritische Dinge nicht aushalten kann...

Danke.

LG vom Sonnenstern

Beitrag von kabama1944 14.02.11 - 10:03 Uhr


da hast du schon recht , eine echte Freundschaft muß kritische Töne aushalten . Nur gibt es Menschen die Freundschaft , mit sehr viel Egoismus sehen . Sie selber dürfen alles , vertragen aber kein Kritik . Ich denke , da hast du nicht viel verloren . Hake die Sache unter , "wieder mal etwas dazu gelernt ab.

Grüße kabama1944

Beitrag von sunshine1176 14.02.11 - 10:02 Uhr

Hallo Sonnenstern,

dann wäre es für mich keine echte Freundschaft! Das gehört für mich definitiv dazu und wer damit nicht umgehen kann, der ist in dieser Freundschaft fehl am Platz.

Ich habe mich erst vor kurzem von meiner eigentlich besten Freundin getrennt, weil es für mich nicht mehr machbar war. Sobald ich mal die Wahrheit gesagt habe, die manchmal auch Kritik an ihr und ihrem Verhalten war, hatten wir Streit. Egal auf welche Art und Weise ich das getan habe.
Sie konnte nicht umgehen und dann war erstmal Funkstille.
Habe ich die Klappe gehalten war alles gut!

Aber ich bin ein grundehrlicher Mensch, die meisten wissen das an mir sehr zu schätzen und auf Dauer geht das einfach nicht.

Wenn dir was an ihr liegt und du damit leben kannst, dann melde dich bei ihr und entschuldige dich, aber wenn nicht, dann hake sie ab! Es kommt eben darauf an, was für dich wichtig ist.

Aber in meinen Augen gehört Wahrheit oder Kritik oder wie auch immer zu einer echten Freundschaft dazu wie alles andere auch!

LG Sunshine

Beitrag von sonnenstern-115 14.02.11 - 10:20 Uhr

Hallo Sunshine,

ja, ich bin auch ein ehrlicher Mensch und kritisiere andere Leute auch, wenn ich - begründet!!! - anderer Meinung bin als sie. Insofern sehe ich es momentan so:

entweder sie beruhigt sich und meldet sich wieder bei mir und wir können normal miteinander umgehen oder aber die "Freundschaft" ist eben beendet. Hinterherrennen möchte ich ihr nicht. Und entschuldigen möchte ich mich auch nicht, da ich immer noch denke, dass ich nichts falsch gemacht habe.

Nun ja, ich werde sehen, wie sie reagiert.

Liebe Grüße vom Sonnenstern

Beitrag von sunshine1176 14.02.11 - 10:25 Uhr

Entschuldigen würde wenn auch nur in Frage kommen, wenn sie dir sehr wichtig ist und du die Freundschaft gerne weiterführen möchtest und dir das egal ist, ob du einen Grund zum entschuldigen hast oder nicht. Verstehst du?

Ich würde es auch nicht mehr tun, habe ich in der besagten Freundschaft oft genug gemacht, um des lieben Friedens willen! Weil es der einfachere Weg war!

Ja, ich würde auch erstmal abwarten und wenn sie sich meldet, könnt ihr nochmal versuchen darüber zu reden. Schriftliches wird ja auch gerne falsch verstanden auch wenn man selber davon überzeugt ist, dass das geschriebene harmlos ist. Da braucht der andere nur gerade schlecht gepuzzelt zu sein und schon ist das Mißverständnis da.



Beitrag von sonnenstern-115 14.02.11 - 10:33 Uhr

Ja, ich verstehe, wie du das meinst. Klar ist sie mir irgendwie wichtig (weil sie eine der ganz wenigen Freundinnen in nächster Nähe ist), aber ich warte trotzdem erst einmal ab, wie sie reagiert. Vielleicht können wir ja noch mal drüber reden. Das wäre prima, aber ich kann absolut nicht einschätzen, ob sie dazu bereit ist.

Schon ganz schön doof, aber so ist es nun mal eben.

Liebe Grüße dir,

Sonnenstern