Wie umgehen mit Demenz der Mutter

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Forum: Gesundheit & Medizin

Hier könnt ihr Fragen stellen zu allen Themen rund um Gesundheit, Vorbeugung, Kinderkrankheiten, Hausmittel und Naturheilmittel. Beachtet dabei bitte, dass medizinische Empfehlungen von interessierten Laien nicht den Gang zum Arzt ersetzen können.

Beitrag von bruchetta 14.02.11 - 19:00 Uhr

Hallo!

Meine Mutter wird im April 69 Jahre alt und leidet schon ein paar unter Demenz.

Meine Schwester und ich stehen wie der Ochs vorm Berg, zumal sie ja nichts von dem, was wir versuchen ihr klar zu machen, annehmen möchte.
Die Demenz ist noch nicht mal diagnostiziert, aber auch die Demenzberatung geht nach unseren Schilderungen davon aus, dass es sich nicht um etwas anderes handelt.

Meine Mutter wohnt allein in unserem Elternhaus. Sie erledigt alles (fährt auch noch Auto) bis auf ihre Körperhygiene (hat sich bereits monatelang nicht die Haare gewaschen).

Sie hat fast kein Kurzzeitgedächtnis mehr, sucht oft (vor allem abends und nachts) nach Verstorbenen, weint, wenn ihr bewußt wird, dass mit ihr etwas nicht stimmt, aber am nächsten Tag ist wieder alles i.O.

Kann mir bitte jemand sagen, wann wir welche Schritte unternehmen sollen?
Sie hat noch keine Pflegestufe, läßt sowieso meistens niemand ins Haus (auch mich z.t. nicht).

LG
bruchetta

Beitrag von emilia72 14.02.11 - 19:09 Uhr

Hi,

kann euch nur empfehlen, einen guten Hausarzt zu suchen, der euch mit Rat und Tat zur Seite steht.

Wir haben damals von unserem den Film "mein Vater" mit Götz George ausgeliehen bekommen. Der hat uns geholfen, manch Entscheidung zu treffen.

Ihr werdet über kurz oder lang über eure Mutter entscheiden müssen. Und da wird euch vermutlich niemand viel helfen können. Alle Entscheidungen sind sehr schwer. Der Arzt sollte euch moralische Unterstützung bieten können, Hausbesuche machen und euch beraten können.

Mit der Mutter reden wird nicht viel bringen. Unsere "Mutti" - die Mutter meines Mannes - hatte damals einfach keinen Sinn mehr für richtige und falsche Entscheidungen.

Geht in Beratungsgruppen und informiert euch bei Betroffenen. Jeder Fall ist anders, jeder Kranke ein Fall für sich.

Das sind meine Tipps. Wir haben uns damals recht früh Hilfe geholt, eine Dame, die bei der Schwiegermutter mit eingezogen ist und sozusagen rund um die Uhr da war. Schwiegermama war eine sehr "brave" Kranke und hat viele Entscheidungen akzeptieren können. Andere werden böse, wenn über sie weg entschieden wird. Wieder andere laufen im Schlafanzug durch die Straßen.... Wie gesagt, jeder Fall ist anders - aber besser wird der Zustand sicher nicht.

Entschuldige meine klaren Worte - aber schönreden hilft leider bei einer solchen Krankheit nicht.

Viel Kraft
Chris

Beitrag von munirah 14.02.11 - 19:29 Uhr

Die Demenz sollte diagnostiziert werden, da es auch verschiedene Arten gibt. Evtl kann man den Verlauf mit einer guten Therapie verlangsamen. Z.B. Ergotherapie ist in einigen Fällen hilfreich. In der Ergotherapie geht es um Gedächtnistraining mit Alltagsbezug. Und Angehörige erhalten dabei auch Tipps.

Beitrag von bruchetta 14.02.11 - 19:35 Uhr

Meine Mutter macht sofort dicht, wenn wir sie auf einen Neurologen ansprechen.
Und sie wird sicher auch keine Ergotherapie machen, leider!!

Eine Bekannte meiner Schwester sagte, dass man sie eventuell mit dem Hausarzt austricksen kann, indem er sie wegen irgend etwas harmlosen ins Krankenhaus überweist und sie dann dort neurologisch untersucht wird...#schwitz

Beitrag von munirah 14.02.11 - 19:56 Uhr

Das wäre vielleicht eine Möglichkeit, wenn der Hausarzt mitmacht. Aber die ganze Sache ist wegen der Schweigepflicht nicht so einfach.
Auf jeden Fall solltet ihr professionelle Hilfe suchen. Fragt bei Ärzten, Therapeuten, usw nach. Allein der "normale" Umgang mit einer an Demenz erkrankten Person ist ziemlich schwierig und nervenaufreibend. Ich spreche da auch aus Erfahrung. Bei meinem Großvater hat der Hausarzt dann ein Machtwort gesprochen. Eine richtige Therapie hat er leider nicht gemacht, dafür konnte ich in meiner Ausbildung an ihm "üben" :-( Aber vom Arzt her haben wir in jedem Entwicklungsstadium immer Hilfe bekommen und Tipps, wie wir wann das Autofahren verbieten können, wie wir die Türen sichern etc.

Beitrag von cocoskatze 14.02.11 - 20:27 Uhr

Hallo!

Du solltest deine Mutter AUF KEINEN FALL mehr Auto fahren lassen!!!

Sprich mit dem Hausarzt, besorg eine Überweisung und geh mit deiner Mutter zum Neurologen. Alles andere wäre verantwortungslos.

Klar, vielleicht wird sie sich weigern, aber es ist wirklich das beste.

Solltest du spezifische Fragen haben zur Demenz/ dementiellen Erkrankung, dann kannst du mich gern anschreiben.

Ich arbeite mit dementiell veränderten Menschen.

Alles Gute,
Simone

Beitrag von derhimmelmusswarten 14.02.11 - 21:04 Uhr

Ich finde es erschreckend, dass sie noch allein wohnt und vor allem Auto fährt! Ich halte das für sehr riskant. Sie kann irgendwann nicht nur sich, sondern auch andere gefährden. Beispielsweise könnte sie ja vergessen, wie man Auto fährt und einen schlimmen Unfall bauen. Oder sie steckt das Haus an etc. Meiner Meinung nach benötigt sie eine intensive Betreuung. Verwunderlich, dass sich da noch niemand von euch drum gekümmert hat! Was sagt der Hausarzt dazu? Für mich grenzt das an unterlassene Hilfeleistung!

Ihr solltet die Krankenkasse und den Medizinischen Dienst informieren. Die werden einen Gutachter vorbei schicken, der deine Mutter in eine Pflegestufe einstuft. Das hat ja auch Vorteile für sie. Denn so bekommt sie, wenn sie zu Hause bleibt, zumindest Pflegegeld. In Stufe I 225 Euro, in Stude II 440 Euro. Wenn sie keinen rein lässt, bleibt euch nur der Weg über den Amtsarzt.

Meine Oma hat wahrscheinlich auch eine Demenz. Ich weiß, wie schwer es fällt, das zu akzeptieren. Aber wir würden meine Oma niemals mehr allein zu Hause wohnen lassen. Da hat man doch keine ruhige Minute!!! Deine Mutter ist hilflos und ihr solltet dringend eingreifen. Ihr Wille interessiert da nicht mehr. So hart das klingen mag. Meine Oma ist nun in einer Seniorenwohngemeinschaft. 8 Bewohner, intensive Betreuung durch Pfleger etc. Vielleicht wäre das auch was für deine Mutter. Lasst euch beraten. Geht zur Krankenkasse, zu einem Pflegedienst, zum Hausarzt!

Beitrag von marion2 14.02.11 - 21:05 Uhr

Hallo,

es muss gar keine Demenz sein.

Sie kann auch andere Probleme haben (Depression, Hirntumor, ...)

Lass das einen Arzt checken!

LG Marion

Beitrag von bruchetta 14.02.11 - 22:16 Uhr

Danke erstmal für Eure Ratschläge.

Keiner wird fruchten!

Meine Mutter ist sehr schwierig, dominant und starrköpfig (das war sie schon immer).
Mit meiner Schwester hat sie, weil sie sie wenigstens zum Frisör schicken wollte, den Kontakt abgebrochen und gesagt, das sei immer noch ihre Sache.

Hier machen wir uns nicht soviel Gedanken, weil sie das sowieso wieder vergißt.

Dennoch hat sie leider recht, sie ist ein mündiger Bürger.

Sie würde niemals mit mir zum Frisör, zum Neurologen oder sonstwohin gehen.
Auch das Auto fahren würde sie nicht lassen.

Das ist ja mein Problem!!!!

Beitrag von emilia72 15.02.11 - 07:43 Uhr

Hi,

hatte dir oben schon geantwortet.

Wenn deine Mutter absolut gar nichts mit sich machen lässt, bleibt dir nur der Weg über einen gesetzlichen Betreuer. Du gibst somit die hauptsächliche Verantwortung an diese Person ab. Gleichzeitig ist diese Person auch euer Ansprechpartner, also es wird nichts ohne euch entschieden.

Früher gab es die Entmündigung, das macht man heute nicht mehr.

Das wird dann aber wohl der einzige Weg für euch sein, macht nicht die Augen zu und wartet ab. Wer weiß, was alles passieren kann...

Aber du benötigst einen Hausarzt, der euch bei all dem unterstützt.

Gruß
Chris

Beitrag von marion2 15.02.11 - 08:04 Uhr

Hallo,

dann erkundige dich doch bitte bei der Polizei, welche Möglichkeiten es gibt, ihr den Führerschein zu entziehen. Sie stellt eine Gefahr für sich und andere dar.

Gruß Marion

Beitrag von salome25 15.02.11 - 09:45 Uhr

Hallo erstmal,

wäre die Demenz diagnostiziert ( offiziell ) ist sie nicht wirklich ein "mündiger" Bürger. Sie ist dann nur noch eingeschränkt geschäftsfähig, dürfte sich nicht einmal ein Nachthemt kaufen, wenn man es mal ganz krass formuliert. Natürlich hat sie Rechte, wie jeder andere Mensch auch. Diese Phase, die du beschreibst, wird irgendwann ein Ende haben, dann wird sie auch mit dir zum Arzt gehen. HAst du ihr jemals gesagt, dass es Medikamente gibt, die ihren Zustand wesentlich verbessern können und die Krankheit aufhalten? Wie reagiert sie dann auf solche Äußerungen von dir? Es ist schwer, als Tochter, die Mutter so zu erleben. Das kann ich mir vorstellen. Es wird allerdings im Verlauf der Krankheit immer wieder Situationen geben, die dich an den Rand der Verzweiflung treiben. Pflege Demenzkranker ist eine Aufgabe, die irgendwann 24 Stunden des Tages einnehmen wird . Falls deine Mutter noch so klar ist, dass sie das versteht, dann frage sie, ob sie dir das zumuten möchte. Sie hat einfach nur Angst vor dem, was mit ihr passiert und reagiert darum agressiv und scheint noch dominanter als sie vielleicht vorher schon war.

Mensch, ich hoffe, sie wird sich doch noch von dir zum Arzt begleiten lassen.

lg
salome

Beitrag von nofoodbaby 16.02.11 - 13:15 Uhr

Hallo,

"wäre die Demenz diagnostiziert ( offiziell ) ist sie nicht wirklich ein "mündiger" Bürger. Sie ist dann nur noch eingeschränkt geschäftsfähig, dürfte sich nicht einmal ein Nachthemt kaufen, wenn man es mal ganz krass formuliert. "

Mal eine Frage dazu... reicht die Diagnose dazu schon aus oder muß das amtlich gemacht werden? Mein Schwiegervater hat Demenz und Parkinson, war beim Zahnarzt wg. einem abgebrochenen Zahn und kam mit Komplettsanierung und Rechnung von 15.000 Euro nach Hause. Ohne vorher Kostenvoranschlag von der Kasse prüfen zu lassen oder irgendwem was zu sagen.... ich finde es von dem Zahnarzt nicht korrekt sowas einfach bei jemandem zu machen und man merkt schon bei den ersten paar Sätzen mit ihm das er geistig nicht mehr fit ist...

Vielen Dank & Viele Grüße!

Beitrag von salome25 16.02.11 - 13:50 Uhr

Huhu,

mit Demenz ist er bedingt geschäftsfähig. Hat er einen gesetzlichen Betreuer oder nehmt ihr diese Stellung offiziell ein? Dann könntet ihr dem Betreuer oder auch ihr das von einem Gericht prüfen lassen und der "Vertrag" über 15000 Euro wäre hinfällig. Man kann das vergleichen mit einem Kind im Alter zwischen 7-17 Jahren und dieses Kind kauft sich jetzt ein Auto. Als Eltern würde man das Auto wieder zurückbringen und der Verkäufer muss das Geld wieder rausrücken, weil das Kind gar nicht in der Lage ist, solche Geschäfte rechtskräftig abzuschließen. Demenzkranke verfügen meist über eigenes Geld und sie können auch selbst Entscheidungen treffen, aber rechtswirksam solche Geschäfte abschließen geht nicht oder nur bedingt. Der Betreuer hätte beim Vorgespräch dabei sein müssen.

lg
salome

Beitrag von nofoodbaby 16.02.11 - 16:21 Uhr

Hallo,

einen Betreuer hat er nicht, Schwiegermutter kümmert sich um Ihn. Zu dem Zeitpunkt konnte er noch allein laufen (jetzt Rollstuhl) und ist allein zum Zahnarzt gegangen, halt um den gebrochenen Zahn machen zu lassen. Als er nach Stunden noch nicht wieder da war ist sie hin und da stellte sich raus das eine Komplettsanierung gemacht wird.

Irgendwie amtlich ist die Schwiegermutter nicht als Betreuer eingesetzt, müßte das der Fall sein oder ist da die Diagnose ausreichend?

Vielen Dank & Viele Grüße!

Beitrag von cocoskatze 17.02.11 - 19:20 Uhr

In dem Falle solltet ihr euch die Demenz attestieren lassen, vom Hausarzt.

Das ist absolut unmöglich, was da passiert ist. Ihr solltet die Rechnung nicht bezahlen, denn bei diagnostizierter Demenz ist dein Schwiegervater definitiv NICHT mehr geschäftsfähig.

LG
Simone