Verschuldeter Partner - LANG

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von ÄhnlicheSituation? 15.02.11 - 09:19 Uhr

Hallo Leute, ich suche nach jemand der evtl in einer vergleichbaren Situation ist wie ich.

Ich bin seit einiger Zeit mit einem Mann zusammen, der allerdings an einem etwas anderen Punkt in seinem Leben steht. ich komme recht frisch aus der Uni, er ist etwas älter als ich, hat ein Kind, seine Scheidung läuft gerade. Wir können uns beide sehr gut ein gemeinsamen Leben vorstellen, aber eines macht mir etwas Bauchschmerzen.

Er war in seiner Familie der Alleinverdiener, er hat vor ca 10 Jahren gebaut und ist seitdem verschuldet. Also es liegt nicht dran, dass er sein Geld raushaut, er spielt oder sonst Unsinn macht. Er kämpft nur mit der Abbezahlung von dem Haus - in dem Maße dass wenn er ein neues Auto bräuchte, er echt Probleme hätte.

Ich komme halt aus einer Familie in der extrem aufs Geld geachtet wurde; mein Vater ist sehr früh gestorben und meine Mutter konnte wohl durch die Lebensversicherung alle Schulden zahlen und danach ging es uns durch ihren guten Umgang mit Geld immer gut. Ich hab auch Geld geerbt, keine Reichtümer aber sinngemäß eine Anzahlung auf eine Wohnung oder so.

Ich kann einfach nicht einschätzen ob seine Situation vielleicht total normal ist, meine aber vielleicht nicht. Wenn unsere Beziehung sich so entwickelt wie ich denke werd ich Ende des Jahres einziehen. Aber ich frag mich halt wie ich mich da einbringen soll. Ich verstehe auch nicht was seine Schulden für mich bedeuten.

Angenommen ich würde ihn heiraten - bin ich dann in vollem Maße für seine Altlasten mitverantwortlich? Versteht mich nicht falsch, sollte es so weit kommen, dann will ich auf jeden Fall meinen Teil dazu beitragen, dass es ihm und damit uns besser geht. Aber die juristische Seite der Frage interessiert mich. Und noch ist die Beziehung nicht an einem Punkt wo ich mir da professionellen Rat hole.

Also - nach dem laaaangen Posting. Hat jemand von euch auch eine Beziehung mit einem verschuldeten Partner begonnen? Wie hat sich das ausgewirkt? Wie habt ihr euch finanziell beteiligt? Habt ihr geheiratet?

Danke für eure Hilfe!

Beitrag von sonne.hannover 15.02.11 - 09:25 Uhr

seine Schulden sind seine Schulden, die haben nichts mit Dir zu tun. Wenn Ihr Euch gemeinsam etwas aufbauen wollt, dann solltest Du darauf achten, dass Ihr die Kosten entsprechend teilt und Du nicht alles allein bezahlst.

Beitrag von DASistklar 15.02.11 - 09:38 Uhr

Das ist auf jeden Fall klar! Mein Plan: wenn ich einziehe, ganz normal Miete zahlen. Ich will ihn ja nicht ausnutzen.

Aber wenn wir evtl mal heiraten - dann wäre es ja eine Option mich in das Haus "einzukaufen". Entsprechend mit Grundbucheintrag und so...

Und übrigens: er hat noch NIE um Geld gebeten. Es ist ihm eher unangenehm wenn ich mal etwas größeres bezahle. Also es ist nicht so dass ich das Gefühl habe, dass er mich ausnutzen will.

Beitrag von sonne.hannover 15.02.11 - 09:43 Uhr

dann verstehe ich Dein Problem nicht. Auch kannst Du sicher das Haus zur Hälfte kaufen, wenn Du willst oder das möchtest. Ist doch kein Problem.

Beitrag von Grmpf 15.02.11 - 09:48 Uhr

Ich verstehe mein Problem selber nicht - ich dachte bisher immer dass ich mal einen Mann kennenlerne, wir uns gemeinsam verschulden beim Hausbau etc. Ich blick einfach die Situation nciht und wollte mit Leute darüber reden, die mich nicht kennen und sich gleich das Maul zerreißen.

Beitrag von sonne.hannover 15.02.11 - 09:51 Uhr

...Aaaaaha, na dann
1. kommt es anders, 2. als man denkt, so ist das Leben halt :-)

Beitrag von sniksnak 15.02.11 - 09:58 Uhr

Was wäre denn, wäre die Situation "nicht ganz normal"? Trennung?

LG sniksnak (die sich für dich freut, dass du ohne Schulden durch's Studium gekommen bist!)

Beitrag von KeineTrennung 15.02.11 - 20:06 Uhr

Nein, so einfach Trennen würd ich mich sicher nicht. Wenn alles andere PLUS der Finanzen gegen Beziehung sprächen, dann könnte letzteres den Ausschlag geben.

Und naja - ich verdanke meiner Mutter mein Studium. Das weiß ich auch absolut zu schätzen!

Beitrag von morgenstern66 15.02.11 - 10:31 Uhr

Mein Mann kam auch mit Schulden aus seiner Ehe, aber sicher nicht so viele wie beim Hausbau.
Es gab harte Zeiten für uns, vor allem als er kurzzeitig arbeitslos wurde und ich alleine alle laufenden Kosten an der Backe hatte.
Aber SEINE Schulden sind nicht Deine-da kann ich Dir die Sorgen auch nehmen.
Seine EX wollte ihm immer ans Geld-aber das ist eine andere Geschichte.
Grüße

Beitrag von frischerduft 15.02.11 - 11:04 Uhr

Hallo,

wenn du deinen Freund heiratest, sind es trotzdem ganz alleine seine Schulden, da du ja nichts unterschrieben hast.

ABER: Wenn sein Geld gerade so langt, wirst du im Falle eines Zusammenzuges trotzdem dein Päckchen zu tragen haben. Denn ich nehme mal an, dass teure Urlaube, große Unternehmungen etc. bei ihm aufgrund des Abtrages nicht drin sind.
Somit fallen solche Dinge auch für dich flach, es sei denn, du bezahlst alles von deinem Geld.

Aber sei dir im Umkehrschluss auch dessen bewusst, dass er dich im Fall einer Trennung von heute auf morgen aus dem Haus werfen kann, da dieses ja ihm gehört und der Abtrag von ihm bezahlt wird.
Dann ist es völlig unerheblich, wie viel du von deinem Geld in das gemeinsame Leben, ins Haus etc. investiert hast.
Sehr wackliges Konstrukt, bei dem ich persönlich mir immer wie ein Gast im meinem Zuhause vorkommen würde.
Wir hatten vor einiger Zeit auch in unserem Wohnort so einen Fall: Trennung - Mann hat Freundin mit Kind (nicht seins) von heute auf morgen rausgeschmissen.

Dir alles Gute

Nici

Beitrag von DamitKommIchKlar 15.02.11 - 20:09 Uhr

Also ohne große Urlaube und so komme ich gut klar, das ist das geringste aller Probleme. Und er nagt ja nun nicht am Hungertuch.

Letzteres hingegen macht mir schon eher Gedanken. Nun kenne ich ihn und hab auch die letzte Trennung mitgekriegt. Da wurde auch niemand rausgeschmissen - das ist nicht seine Art. Aber klar - wenn ich in das Haus investiere dann will ich da schon ein Stück weit Rechte haben.

Beitrag von stormkite 15.02.11 - 11:43 Uhr

Um wirklich hilfreich antworten zu können, gibst du zu wenig Informationen.

Hat er Kinder mit seiner Ex?
Ist er Ex und Kindern gegenüber unterhaltspflichtig? Wie lange noch?

Gehört ihm das Haus jetzt alleine, oder gibt es noch Ansprüche der Ex an das Haus?

Wie viel ist abbezahlt vom Haus? Oft werden Häuser auf 30 Jahre finanziert, dann gehört ihm erst weniger ein Drittel, und der Rest der Bank. Oder ist das Haus fast abbezahlt?

--

Wenn keine anderen Altlasten vorhanden sind, und noch einiges am Haus abbezahlt werden muss, dann könntest du dich mit deinem Vermögen "einkaufen", d. h. eine dem bisher abgezahlten Betrag entsprechende Summe direkt an die Bank bezahlen. Du wirst zur Hälfte ins Grundbuch eingetragen und danach könnt ihr dann gemeinsam die Restschulden tilgen (gemeinsam dürfte die Rate kein Problem sein. Außerdem ist dann die Tilgung pro Rate wesentlich höher, und ihr seid relativ schnell schuldenfrei.)

Da musst du dir aber

a) sicher sein, das er der dauerhaft richtige Partner für dich ist (und er sich umgekehrt auch)

und b) das Haus und die Wohnsituation mögen, und auch auf Dauer dort leben wollen.

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Alternativ könnte er versuchen das Haus zu verkaufen. Dann geht er vermutlich mit +-0 raus, vielleicht bleibt ein bisserl was übrig, was für eine spätere gemeinsame Wohnung genutzt werden kann.

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Was du NICHT machen solltest: Bei ihm einziehen, und Miete bezahlen. Damit finanziert er sich über deine Miete sein Haus, und das ist ein einer Partnerschaft absolut unfair. Du solltest auch nicht dort einziehen, und dafür, das du mietfrei wohnst, alle Kosten wie Lebensmittel, Heizung, Urlaub usw. tragen. Das läuft nämlich aufs gleiche raus.

Vermutlich möchtest du auch irgendwann Kinder. Wäre dein Partner dazu bereit? Wie würde sich das finanziell regeln lassen? Wenn dein Partner (der ja nun vielleicht bereits Kinder hat, und älter ist) keine Kinder mehr will - wärst du bereit, FÜR ihn auf Kinder zu verzichten? Dauerhaft? Ohne Reue, wenn eure Beziehung zerbricht, wenn du 42 Jahre alt bist?

Kinder und gemeinsames Eigentum und Haushalten - wenn es in diesen Punkten keine Übereinstimmende, faire Lösung gibt, dann solltest du ihn besser als "Lebensabschnittpartner" sehen, und keine gemeinsame Zukunft mit ihm planen. D. h. das du deine beruflichen Entscheidungen unabhängig von der Beziehung triffst, und NICHT mit ihm irgendwelche finanziellen Verflechtungen eingehst.#

Kite


Beitrag von windsbraut69 15.02.11 - 12:02 Uhr

Wenn sie bei ihm, in sein Haus, einzieht, warum soll sie dann keine Miete zahlen? Ich würde das nur fair finden, sie wohnt ja sonst auch nicht mietfrei...

Gruß,

W

Beitrag von stormkite 15.02.11 - 13:49 Uhr

Das ist eben das was eine Partnerschaft von einem Verhältnis unterscheidet: Man zieht gemeinsam an einem Strang, erschafft gemeinsam Werte und trägt die Lasten zusammen.

Ich habe nicht geschrieben, das sie nichts bezahlen soll - im Gegenteil: Sie soll sich am Abtrag des Hauses beteiligen, und ihren Anteil am Haus bezahlen. so können die beiden auf Augenhöhe miteinander umgehen.

Wenn man Hausbesitzer ist, dann bezahlt auch Sachen wie "undichtes Dach", "kaputte Heizung", "Grundsteuer", "Umbauten". Ich muss mich um mein Zeug kümmern. In einer Partnerschaft macht man das GEMEINSAM.

Wenn ich Mieterin bin, dann mähe ich höchstens den Rasen und klebe Tapeten. Ich habe einen Mietvertrag mit gesetzlicher Kündigungsfrist, und habe eigene, abschließbare Räumlichkeiten. Ich teile mir nicht mit dem Vermieter das Bett und die Küche und das Klo. Wenn was kaputt ist, ruf ich den Vermieter an, und der muss sich drum kümmern.

Wenn die TE Miete zahlt, aber die Pflichten einer Hausbesitzerin mit übernimmt, ist das ungerecht. Und wenn nach 20 Jahren das ganze Haus dem Mann gehört, und die Frau mit nichts dasteht,. obwohl durch ihre Arbeitsleistung das Haus gepflegt und durch ihr Geld das Haus zum größten Teil finanziert wurde, dann war das keine Partnerschaft, sondern sie wurde ziemlich ausgenutzt. (Gilt natürlich auch im umgekehrten Fall.)

Das Argument "woanders hätte sie auch Miete bezahlt" zählt nicht. Möglicherweise hätte sie ja ihr Geld ohne diesen Mann in ihre eigene Hütte investiert, und hätte dann nach 20 Jahren selber ein Haus.

Kite






Beitrag von windsbraut69 15.02.11 - 14:21 Uhr

Das Problem hier ist doch aber, dass das Haus schon vorhanden ist und kaum jemand gleich beim Zusammenziehen eine Immobilie "auf Pump" kauft. Das ist ja sein enormes finanzielles Risiko, dass man kaum gleich zu Beginn einer Partnerschaft eingeht.

Ich wüßte nicht, was dagegen sprechen sollte, ERSTMAL Miete zu zahlen bzw. sich an den laufenden Kosten zu beteiligen, wie auch immer man das bezeichnet und aufteilt und irgendwann dann zu überlegen, ob beide Deine Lösung befürworten, sich "einzukaufen".
Ich gebe Dir Recht, dass ein Mieter meist nicht das Dach repariert oder die Heizungsanlage austauscht, davon war aber auch nicht die Rede. Bevor man sich aber gemeinsam so einen Klotz ans Bein bindet, würde ich persönlich schon gern wissen, wie sich die Beziehung wohl entwickelt.

Gruß,

W

Beitrag von stormkite 15.02.11 - 18:18 Uhr

Da geb ich dir natürlich recht.

Das Problem haben aber alle Menschen, die in irgendeiner Form schon eine Bindung - sei es an Eigentum, durch Schulden, durch bereits vorhandene Kinder o. a. haben: Sie sind nicht mehr frei in der Wahl ihrer Lebensform, und ein neuer Partner (mit evtl. eigenen "Altlasten") muss sich gut überlegen, ob die beiden Leben kompatibel zu machen sind.

Nicht immer ist das möglich, und manchmal wird der Traum vom gemeinsamen Glück auch an der Realität zerbrechen.


Kite

Beitrag von Details... 15.02.11 - 20:22 Uhr

Ja, es gibt Kinder und da ist er unterhaltspflichtig. Die Kinder leben auch bei ihm. Wie es mit Unterhalt nach der Scheidung für die Ex aussieht weiß ich nicht. Sie verdient seit kurzem eigenes Geld - genug um die Kinder zu bezuschussen.

Wie es mit den Raten vom Haus aussieht - keine Ahnung. Das sind Details über die ich mit ihm noch nicht rede, das muss warten bis das Thema tatsächlich aktuell wird, also frühestens Ende des Jahres.

Die Kinderfrage ist bei uns geklärt, hat aber mit dem Haus nur begrenzt zu tun. Bis es bei uns soweit wäre, wäre sein ältestes Kind selbstständig; ich wäre dann schon eine Zeit im Job gewesen und kann auch in meinem Job recht schnell Teilzeit wieder arbeiten. Daran würde es nicht scheitern. Das hab ich sehr schnell abgeklärt weil es in meiner Fmailie genau so eine Sache gibt, wo die Zeit für Kinder dann leider vorbei war...

Das Haus verkaufen steht denke ich vorerst nicht zur Debatte, besonders wegen Kinder und so. In fernerer Zukunft wäre es eine Option, sagt er selbst. Besonders weil das Haus recht weit außerhalb ist. Wäre nicht der Ort an dem ich mir ein Haus gebaut hätte, das gebe ich zu. Aber ich könnte damit leben.

Ob er natürlich der richtige für immer ist, weiß ich nicht. Aber das weiß man doch eigentlich nie. Wir sind etwas mehr als ein Jahr zusammen, wenn wir (wenn es klappt) Ende des Jahres zusammenziehen, dann sind es 2 Jahre.

Ich denke eine vernünftige Lösung wäre es, erstmal Miete zu zahlen, also Übergangslösung weil ich ihn ja nun nicht ausnutzen möchte. Wenn sich zeigt, dass die Beziehung auch bei gemeinsamem Wohnen hält und sich eine gemeinsame Zukunft abzeichnet, dann stehen Verkauf oder Einkauf meinerseits zur Debatte.

Aber da spielen so viele Punkte mit rein, die wir nicht im Griff haben. Besonders weil ich beim Staat arbeiten werde und mir dementsprechend eh erstmal nicht aussuchen kann wo ich arbeite. Das Gute daran: ich kann auch die Entscheidung nicht von ihm abhängig machen. Was ich eh nicht täte - ich gehe auch jetzt erstmal ins Ausland, zum einen für meine Persönlichkeitsentwicklung, zum anderen als Belastungsprobe für uns. Mal sehen was drauß wird...

Beitrag von stormkite 15.02.11 - 21:42 Uhr

Das klingt doch eigentlich ganz gut. Langsam angehen lassen, und vor der endgültigen Entscheidung Klartext reden ...

Viel Glück euch beiden!

Kite