WEr erklärt mir das Modell Gesamtschule?

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Beitrag von luka22 15.02.11 - 16:37 Uhr

Das würde mich brennend ineressieren. Wir in Baden-Württemberg kennen ja nur das dreigliedrige Schulsystem: Hautschule, REalschule und Gymnasium. Mich würde es interessieren, wie in einer Gesamtschule differenziert wird. Gibt es da ein Kurssystem, je nach Begabung? So wie im Amerikanischen? Und wie sieht es mit den Abschlussmöglichkeiten aus? Kann dann am Schluss auch ein Schüler mit Hauptschulempfehlung das Abitur machen? Sind da quasi für alle Kinder alle Wege offen? Wo sind die Grenzen und Schwierigkeiten?

Vielen Dank.

Grüße
Luka

Beitrag von risala 15.02.11 - 16:48 Uhr

Hi,

ich kann dir nur schildern, wie es in meiner Schule war bzw. auch heute noch ist:

In der 5. + 6. Klasse werden die Hauptfächer in "Kurse" eingeteilt:
A (Gymnasium), B (Realschule), C (Hauptschule)

Innerhalb dieser sog. Föderstufe (5. + 6.Kl.) können die Schüler je nach Noten innerhalb der Kurse wechseln.

In der 7. Klasse erfolgt dann die Trennung nach Gymnasialzweig, etc. Aber auch hier kann man zum Halb- oder Jahreszeugnis wechseln, wenn die Noten passen. Allerdings wird darauf geachtet, dass kein "Klassenhopping" erfolgt. Die Noten / Lehrer / Eltern / Schüler müssen schon einen Wechsel dauerhaft begründen können.

Hat ein Hauptschüler im Abschluß so gute Noten, dass ein Realschulbesuch in der 10. Klasse möglich ist, dann war auch das möglich. wie genau das dann laufen musste, weiß ich aber nicht.

Unsere Schule ging nur bis zur 10. klasse. Danach haben wir auf verschiedenen Gymnasien im Kreis (freie Wahl) die Oberstufe besucht. Es gibt aber auch Gesamtschulen, die den Unterricht bis zum Abitur anbieten.

Gruß
Kim

Beitrag von anja9002000 15.02.11 - 17:30 Uhr

Hallo,

im Prinzip ist es nicht anders als das dreigliedrige Schulsystem in Bayern und BaWü. Der einzige Unterschied ist, dass man (meistens) im selben Gebäude in die verschiedenen Schulzweige wechseln kann (wenn die Noten stimmen). In Bayern oder BaWü muss/kann man halt z.B. bei einem guten Notenschnitt in der 6. Klasse Realschule (Schnitt 2,0 oder besser) an ein Gymnasium wechseln. Das ist oft dann in einem anderen Ort. Aber mit dem entsprechenden Notenschnitt kann man auch im dreigliedirgen Schulsystem jederzeit "aufsteigen", bei schlechtem Schnitt aber auch "absteigen". An einer Gesamtschule sind halt alle drei Schultypen in einem Gebäude und dort nicht in Schule, sondern in Kursen unterteilt.

LG Anja

Beitrag von anja9002000 15.02.11 - 17:36 Uhr

nachtrag:
Das bedeutet, dass man in der Gesamtschule bei schlechten Noten in einen "tieferen" Kurs, bei guten Noten in einen "höheren" Kurs wechseln kann. Der einzige Vorteil ist meiner Meinung, dass man seine Freunde an der selben Schule hat, da z.B. ein Schüler eines Hauptschulkurses sich in der Pause mit einem Schüler eines Gymnasiumkurses treffen kann. Es gibt aber auch Kurse, in denen nicht differenziert wird (z.B. Sport). Letzlich kann man ein Schüler, der immer nur "Hauptschulkurse" besucht hat, nicht so einfach das Abi machen.

Beitrag von oper 15.02.11 - 17:46 Uhr

Liebe Luka,
interessant, wie unterschiedlich das doch in den verschiedenen Bundesländern ist.
Gestern habe ich meine Tochter an einer sehr beliebten Gesamtschule in Berlin angemeldet-bin also ganz gut in die Materie eingearbeitet.
Hier wechselt man erst zur 7. in die Oberschule und muss sich für bestimmte Profilklassen entscheiden (und Aufnahmegespräch führen).
Es wird dann schon differenziert unterrichtet, Unterschied aber zum Gymnasium z.B. ist, dass die Klassen kleiner sind und zwei Klassenlehrer und einen Sozialpädagogen haben. Die Kinder werden sehr individuell gefördert.
Das Ergebnis ist, dass 60% der Kinder Abi machen und auch davon sehr viele mit ehemals Haupt- oder Realschulempfehlung.
Allerdings heisst das hier jetzt "Sekundarschule".
Ich hoffe sehr, dass wir einen Platz kriegen,ist aber mehr Lotterie als normales verfahren, leider.
Zweitwahl ist ein Gymnasium, ich finde das andere Modell allerdings (für unser Kind in jedem Fall) viel besser.
LG,natali

Beitrag von oper 15.02.11 - 17:47 Uhr

P.S.: Noch ein Vorteil: die Kinder können in 12 ODER 13 Jahren Abi machen

Beitrag von sneakypie 15.02.11 - 19:29 Uhr

Hallo,

es kommt drauf an, welchen Typ Gesamtschule du meinst: den kooperativen oder den integrierten. Bei ersterem Typ werden die Kinder gemäß Leistungsstand individuell pro Fach auf A-, B- und C-Kurse verteilt.
In der kooperativen Gesamtschule werden die einzelnen Schulzweige getrennt unterrichtet, abgesehen von einzelnen Fächern (meist Sport/Kunst).

Bei uns (NRW) bestand die Schwierigkeit in erster Linie darin, dass zwischen der örtlichen Gesamtschule und dem Gymnasium erhebliche Unterschiede bezüglich des Lernniveaus bestanden - aber das dürfte sich dank Zentralabi inzwischen relativiert haben.

Gruß
Sneak

Beitrag von kyra01.01 15.02.11 - 20:55 Uhr

also bei uns war das so 5+6 klasse ganz normal alle zusammen...
ab der siebten klasse wurde anhand der noten in E-kurs (erweiterungskurs)
und g-kurs (grundkurs) eingeteilt!

aber nur in den hauptfächern!!
in der 7. klasse kam dann auch wp1 (wahlpflichfach) dazu da konnte man zwischen mehreren fächern wählen z.b. französisch,wirtschaftslehre usw den rest hab ich vergessen! ;-)

und ab der 8.oder9. klasse kam dann noch wp2 (auch wahlpflichtfach)dazu
und in chemie wurde in e-kurs und g-kurs eingeteil!

man muss mindest 2 e-kurse haben mi der note 3 um realschulabschluss zu machen!
ansonstens bekam man einen hauptschulabschluss oder garkeinen!

wenn man nicht min 3 e-kurse hat kann man kein abi machen natürlich auch die enstprechenden noten!

sonst geht man ganz normal nach der 10. ab!

lg kyra

Beitrag von birgit2 15.02.11 - 20:55 Uhr

Hallo Luka,

Du hast ja schon bemerkt, daß es da total viele Unterschiede gibt. Ich war auch auf einer Gesamtschule (SH) und bei uns war es so, daß bis zur 9. bzw. 10 Klasse zusammen unterrichtet wurde. Die Schüler wurden aber jeweils in A, B oder C Kurse aufgeteilt, je nach der jeweiligen Begabung. Dazu konnte als 1. Wahlfach Französisch, Latein, oder Wirtschaft und als 2. Wahlfach Kunst, Musik, textiles Werken oder Technik gewählt werden. Also ein bisschen wie das amerikanische System.

Man kann auf jeden Fall mit einr Hauptschulempfehlung Abitur machen. MAnche sind halt eher spätstarter. Aber man sollte dann doch relativ bald die Kure kriegen. Denn nach 3 Jahren Mathe auf A-Niveau wird es immer schwieriger das C Niveau zu erreichen. Wenn es dann um die Versetzung in die Klasse 11 geht muss man überall auf C stehen und maximal 2 B-Kurse.

Ich fand es gut die Wahlfächer zu haben, da mir Sprachen gut liegen. Die Jungs waren froh was anderes nehmen zu können ;-)

Das gute und gleichzeitig schelchte ist halt, daß das Niveau in einem A Kurs geringer ist. Dadurch kann man mehr auf langsame Schüler eingehen aber man hat halt auch nciht den Anreiz nach oben.

Noch ein Vvor- oder Nachteil ist, daß Schüler aus allen Schichten an der Schule vertreten sind. Dadurch hat man natürlcih auch eher mal Störenfriede, die überhaupt keinen Bock auf Schule haben oder aus einem problematischen Umfeld kommen. Da kommt man natürlcih auch eher mit Sachen wie Zigaretten Alkohol etc. in Berührung. Ich denke, daß ist auf einem Gymnasium weniger der Fall. Aber das hat auch sein gutes, denn man lernt fürs Leben, man wird da nciht in Watte gepackt ;-)

Letztendlcih ist es aber wie bei allen Schulen: es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Es gibt ganz viele gute und sicherlcih auch ganz viele schlechte.

Lg,

Birgit

Beitrag von 280869 16.02.11 - 05:52 Uhr

Bei uns ist es wiederum anders wie hier beschrieben.
Grundschule von 1-4. Klasse danach bei uns heißt es Mittelschule oder Gymnasium.

Kind geht entweder von der 5. an ins Gym, wenn es das nicht schafft zurück auf die Mittelschule. Meine Große jetzt 12. Klasse hat im Gym ihren Realschulabschluß gemacht und macht nun Abi, Realschulabschluß war nur zur Vorsorge sollte sie das Abi nicht schaffen hätte sie sonst keinen Abschluß (trotz Gymnasium)

Wer jetzt in die Mittelschule kommt kann in der 6. Klasse noch aufs Gym wechseln. 5 und 6. Klasse sind vom Lehrstoff gleich mit dem Gym.
In der 7. Klasse bekommen die Kinder dann die Empfehlung für Haupt oder Realschule.
Die Kinder bleiben bis Ende der Hauptschule mit den Realschülern in einer Klasse machen die Hauptfächer zusammen, nur die Realschüler haben noch Zusatzfächer.
Realschüler können nach der 10. Klasse dann noch aufs Gymnasium wechseln.
Schüler die 9 Jahrte gemeistert haben bekommen den Hauptschulabschluß und wer dann noch die Prüfung besteht bekommt den Quallifizierten Hauptschulabschluß.

VG 280869

Beitrag von luka22 18.02.11 - 18:06 Uhr

Vielen Dank für eure Antworten! Jetzt kann ich mir eher etwas darunter vorstellen. Ich hätte nicht gedacht, dass es auch hier so unterschiedliche Modelle gibt.

Grüße
Luka