Eigenes Kind - Stiefkind

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Forum: Jugendliche

Viele Eltern sehen der Pubertät ihrer Kinder mit Schrecken entgegen. Welche Probleme tauchen wirklich im Zusammenleben mit einem Teenager auf? Was, wenn AlkoholDrogen und Verhütung zum Thema werden? Tauscht hier eure Erfahrungen mit anderen Teenie-Eltern aus.

Beitrag von seepferdchen555 16.02.11 - 12:06 Uhr

Als ich meinen Mann vor 8 Jahren kennenlernte, war mein Sohn ungefähr in dem Alter, in dem mein Stiefsohn heute ist. Nämlich 12. Von Anfang an war das Verhältnis zwischen ihm und meinem Mann schwer, obwohl sich mein Mann grosse Mühe gab.
Ich selbst habe keine Familie mehr und war deshalb sehr froh, eine SChwiegermutter zu haben wo ich mir ab und zu mal nen Rat holen könnte.
Dann kamen erhebliche Schwierigkeiten mit meinem Sohn. Heftige Pubertät, Alkohol, Drogen, totale Verweigerung. Meine Schwiegermutter riet mir damals das ich ruhig konsequent und streng sein soll ( natürlich nicht in form von Gewalt). Und ich hielt das auch für richtig. Obwohl ich damals schon manchmal das Gefühl hatte das Vertrauen und Verständnis vielleicht auch angebracht sind, aber ich kam da einfach nicht raus. zwei Jahre später hat sich mein Sohn entschlossen in eine betreute Wohngruppe zu gehen. Unser Verhältnis is nie wieder richtig gut geworden und selbst heute mit 20 is sie doch eher oberflächlich. Das macht mich sehr traurig.
Mein Stiefsohn ist inzwischen 14 und ich erlebe eine total andere Oma und auch einen anderen Vater. Verständnisvoll bis zum geht nicht mehr. Alles erlauben, sich nie einmischen und den Jungen immer in den Vordergrund schieben. Selbst Alkohol ist heute lange nicht mehr schlimm. Er ist ja schon 14 und da is ein Colabierchen doch kein Problem, O-ton meine Schwiegermutter.
ich weiss nicht ob das jemand verstehen kann, aber es macht mich traurig. Ich habe meinen Sohn verloren weil ich zu viel auf das Gefühl der anderen gehört habe. Ihnen lag ja nichts an ihm.
Manchmal kann ich einfach nur heulen.
LG Britta

Beitrag von karna.dalilah 16.02.11 - 12:18 Uhr

#liebdrueck
Du zahlst ein heftigen Preis, für deine damalige Entscheidung.
Ich kann dich gut verstehen.
Führe dir vor Augen, dass du zum damaligen Zeitpunkt und deinem damaligen Wissen und Erfahrungsstand die bestmögliche Entscheidung getroffen hast!
Jahre später sind wir immer klüger, denn wir haben um einiges mehr an Erfahrungen gesammelt.
Auch dein Sohn wird dir vielleicht mal vergeben.
Hast du mit deinem Sohn mal darüber geredet?
Vielleicht hilft es euch ein Stück anzunähern wenn er weiss,dass du aus heutiger Sicht einen Fehler gemacht hast und aus heutiger Sicht anders mit ihm umgehen würdest und auch gehst.
Vor allem vergib dir!
Auch ich habe auf andere gehört und mir einiges einreden lassen-die Konsequenzen trage ich nun.
ABER ich lasse mir nicht die Verantwortlichkeiten anderer dafür auferlegen!
Auch dein Sohn trägt eine Verantwortlichkeit für die damalige Situation.
Er hat sie geschaffen- du bist ihr aus heutiger Sicht falsch begegnet.

Alles Liebe für dich
und meinen Wunsch für dich
das sich euer Verhältnis zueinander wieder vertieft
Karna

Beitrag von alltagsphilosoph 16.02.11 - 12:43 Uhr

"Er hat sie geschaffen- du bist ihr aus heutiger Sicht falsch begegnet."

Wow. So gut komprimiert habe ich das noch nirgendwo gelesen. #danke

Beitrag von karna.dalilah 16.02.11 - 13:11 Uhr

Danke ...

ich kenne halt die Situation und habe um nicht zugrunde zu gehen, mich damit auseinander gesetzt.
Nun habe ich noch einen pubertierenden Sohn. Er ist ein geschenktes Kind für meinen Mann und die beiden haben auch ihre Reiberein.
Aus vorangegangender Erfahrung lassen wir uns von außen nicht reinreden.
Die Machtkämpfe müssen beide kämpfen, wenn die Fronten wieder geklärt sind, dann ist das Familienleben wieder schick.
Ich nehme klar zu meinem Mann Stellung und zu meinem Sohn und vor allem zu meiner Meinung von den Dingen (sofern sie nicht ausschließlich meinen Mann und meinen Sohn betreffen).
Bei Unstimmigkeiten in Art und Weise der Sanktionen wird nie vor dem Pubi diskutiert :-D
Neueste Sanktion ... wegen fehlender Mitarbeit in der Schule will er die Schectar von ihm verkaufen#klatsch
Dabei bin ich so froh, dass er wenigstens bei der Sache dranbleibt und damit auch soziale Kontakte aufbaut (Spiel in der Schulband, mit Freunden Songs nachspielen, Songtexte entwerfen ect.)
Es ist eine Sache mit der er mit uns im Gespräch bleibt.....
Das sind dann Dinge wo ich eingreifen muss, denn die Aktion würde nachhaltige Folgen für alle haben.
Junior hat zwar manchmal ein arogantes Auftreten, aber auch ein empfindsames Wesen. Alles was er tut tut er exessiv. Exessiv faul sein oder exessiv in eine Sache reinknien :-D

Die Sache mit der Schuld ist so ein Ding- keiner will sie haben.
Leider kapieren es nur die wenigsten, dass es nie die Frage der Schuld ist sondern nur Ursache-Wirkung und inwieweit wir darauf Einfluss haben und nehmen.
Die Menschen geißeln sich doch stetig selber und machen sich völlig handlungsunfähig bei ihrer Schuldsuche anstatt zu schauen wie sie mit den Gegebenheiten umgehen wollen....

Wir machen uns immer einen Spass wenn sich Paare oder so streiten...
Wirsagen immer dass haben wir schon vor Beginn der Beziehung geklärt, wer Schuld hat. So müssen wir darum schon mal nicht steiten....-die Gesichter sind göttlich#rofl

Beitrag von alltagsphilosoph 16.02.11 - 12:41 Uhr

Liebe Britta,

zu aller erst mal:
Das Verhalten der Schwiegermutter ist für mich ein NoGo. Wenn Dein Mann da mitmacht, gilt für mich das gleiche.
Ein wirklich abschließendes Urteil, wie weit da Verantwortung verschoben werden kann, kann hier aber natürlich keiner fällen. Wie weit war er denn "Vater" für Deinen Sohn? Ein 12 Jähriger lässt sich von Mamas neuem ja nicht umbedingt alles sagen - und selbst wenn es im täglichen Zusammenleben anfangs keine Reibereien gab ... So etwas muss wachsen, über Jahre. Hatten Dein Mann und Dein Sohn denn die Möglichkeit, sich innig lieben zu lernen?

Weiterhin, man steckt nicht drin.
Du hast heute wie damals sicher das Gefühl, dass es Deine Schuld ist. Zumindest liest sich das Ganze so - Du möchtest Deine SchwiMa mit in die Verantwortung ziehen, mit verantwortlich machen. Als ob mehr Liebe alle Probleme gelöst hätte.
Aber in der Pubertät hat die Erziehung kein großes Gewicht mehr.
Dein Sohn war kein kleiner Junge, es war auch seine Entscheidung.
Ich denke, es würde einem Kind gut tun, auf Verständnis und Liebe zu treffen, wenn man mit sich selbst nicht im Reinen ist. Aber Fakt ist, dass das wirklich nicht jeder Jugendliche am Nötigsten hat. Manchmal muss man auch klipp und klar sagen, dass das gezeigte Verhalten nicht geht. Das Vertrauen zischen Eltern und Kind muss dann schon da sein - es danach erst erzeugen zu wollen ist ein frommer Wunsch.
Das was eindeutig schief gelaufen ist, steht fest.
Wer dafür die Verantwortung trägt ... das ist, glaube ich, nicht hilfreich.

Du hast die emotionalen Probleme, die der "Verlust" Deines Sohnes mit sich gebracht hat, offensichtlich nicht überwunden.
Das ist ein großes Paket, das Du abwerfen und hinter Dir lassen musst.
Ich würde Dir auf jeden Fall empfehlen Dir Hilfe in Form einer Therapie oder einer anderen Seelsorge zu suchen.

Du hast damals auf den Rat anderer gehört - es aber selbst für richtig gehalten. Es ist schief gelaufen. Es ist (zumindest so) vorbei.
Lass es los.

Als Trost bleibt Dir der Versuch, die Beziehung mit Deinem Sohn als Erwachsener auszubauen. Aber mach Dir nichts vor: Das Kinder von ihren Eltern los kommen und selbstständig in Leben und Denken werden ist der ganze Sinn von Pubertät. Was Du als Oberflächlichkeit bezeichnest, ist vielleicht einfach nur dass er kein Kind mehr ist.

Alles Liebe und Viel Glück,
Christian

Beitrag von seepferdchen555 16.02.11 - 14:00 Uhr

Danke für deine Antwort. Er ist offen auf meinen Sohn zugegangen und ihm auch Zeit gegeben ohne gleich auf "Familie" zu machen. Aber irgendwie hat es zwischen den Beiden nie so richtig gefunkt, wenn man das so nennen kann. Mein Grosser hatte von Anfang an seine feste Meinung und ist die ganze Zeit nicht davon abgewichen. Sein leiblicher Vater ist bereits vor seiner Geburt gestorben und so hat er kein Vaterbild und Eifersucht kann auch keine Rolle gespielt haben.
Als der Sohn meines Mannes noch kleiner war, da hab ich gedacht das die Sicht die mein Mann hat für alle Kinder gleich gilt. Es sind so kleine eigentlich belanglose Dinge wie zum Beispiel wie lange man abends noch raus kann oder welche playstation-Spiele gespielt werden und für welches Alter geeignet sind. Früher haben wir uns sehr oft eingemischt und aus jeder Kleinigkeit eine Riesending gemacht.´Viele Sachen haben sich so hochgeschaukelt. Jede Bemerkung meines Sohnes war sofort eine Beleidigung und musste ewig vorgehalten werden. Ich habe das damals schon entspannter gesehen und war nicht nachtragend. Stand damit aber immer zwischen ihm und dem Rest der Familie. Heute gibt es auch Reibereien und auch das eine oder andere unpassende Wort durch meinen Stiefsohn ( was für ein schlimmes Wort) aber das ist normal und nachvollziehbar und entschuldbar.

Beitrag von alltagsphilosoph 16.02.11 - 17:57 Uhr

Liebe seepferdchen555,

ohne eine Position bei Dir und Deinem Mann einnehmen zu wollen:

Als ich meine Frau kennen lernte, war ihre Tochter gerade 6.
Heute ist sie 14 und ich bin "der Papa".
Für mich ist sie meine Tochter und das Wort "Stiefkind" nehme ich nur zu Erklärungszwecken in den Mund. Aber wenn sie schon 12 gewesen wäre, wär´ vermutlich so einiges anders gelaufen.

Auch bei uns beobachte ich eine gewisse Nachsichtigkeit gegenüber unseres heute 6-Jährigen Sohnes (was bei ihm in Ordnung ist, was Lilly noch nicht durfte). Aber ich bin mir sicher, dass ich unsere Tochter genauso liebe. Es ist einfach so, dass man beim zweiten Durchlauf einfach etwas mehr Ruhe als Eltern an den Tag legt als beim ersten Kind. Ich denke auch das kannst Du bei Dir beobachten. Und das gilt für alle Kinder, auch für leibliche.
Mach Dich nicht zu fertig. Wenn einem etwas auf der Seele lastet, ist man schnell dabei andere Situationen auf dieses Leid zu beziehen.

Alles Liebe,
Christian

Beitrag von leiahenny 16.02.11 - 22:49 Uhr

Nun dein Weg war und ist richtig mit deinem Sohn, aber beim 2. ist immer alles einfacher . Und genau in der Situation bist Du und dein Sohn geraten.

Geh auf deinen Sohn zu, bleib im Gespräch in ein paar Jahren kann alles schon anders sein.

Du hasst Ihn nicht verloren, es ist nur alles eben anders.

Beitrag von similia.similibus 19.02.11 - 11:02 Uhr

Ich kann deinen Frust zwar verstehen aber - mal ein Beispiel von mir. Meine Schwester ist 13 Jahre älter als ich und sie sagte des Öfteren, dass unsere Eltern bei ihr viel strenger gewesen wären als bei mir. Ich hatte viel mehr Freiheiten als sie.

Mein Sohn ist 11 Jahre älter als mein zweites Kind - und er beschwert sich ebenfalls des öfteren darüber, dass ich bei ihm ja viiiiiel strenger gewesen wäre als beim zweiten Kind im gleichen Alter. Und das stimmt auch wirklich. Mit den Jahren wird mal gelassener und großzügiger - oder man hat einfach nicht mehr so viel Energie, um sich wegen allem auseinander zu setzen.

Was ich damit sagen möchte...wenn der Altersunterschied zwischen den Kindern sehr groß ist, dann haben sich vermutlich die Ansichten der Erziehenden auch in Erziehungsmaßnahmen geändert. Das andere Verhalten deiner Schwiegereltern und deines Mannes muss also gar nicht unbedingt etwas damit zu tun haben, dass es sich jeweils um das Stiefkind und das leibliche Kind handelt(e) sondern einfach an den Jahren, die dazwischen liegen und den veränderten Ansichten.

An deiner Stelle würde ich jetzt eher Kraft und Energie darin verwenden, dass ich das Verhältnis zu meinem eigenen Kind wieder aufbaue. Dafür ist es nie zu spät!

Viel Erfolg

simsim

Beitrag von asimbonanga 19.02.11 - 13:17 Uhr

Das sehe ich auch so.

Beitrag von seepferdchen555 19.02.11 - 15:43 Uhr

Es liegen viele Jahre zwischen damals und heute und es ist sehr viel passiert. In all den Jahren in denen mein Kind nicht bei mir wahr hat er sich weiter entwickelt und seine Persönlichkeit ausgebildet. Ich muss dazu sagen dass das betreute Wohnen nicht gerade positiv für ihn war und er da noch "Kumpels" kennengelernt hat mit denen er noch mehr auf die schiefe Bahn geraten ist.
Klar gebe ich die Hoffnung nicht auf, aber ich habe halt das Gefühl das uns zu viel Zeit "abhanden" gekommen ist, die wir nie wieder gut machen können.
Natürlich ändern sich Ansichten und man sieht heute Dinge entspannter. Aber wenn ich mich mit meinem Mann oder meiner Schwiegermutter über meinen Grossen unterhalte, dann sehen sie es immer noch so. Und ich habe halt das Gefühl, dass es ihnen ab einem gewissen Punkt egal war ob der Junge es Ihnen übel nehmen könnte, weil es ja nicht ihr Kind ist. Bei "ihrem" Jungen würden sie es nie so weit kommen lassen, dass er so abstürzt.
Kann das irgendwie nicht anders erklären.

Beitrag von seepferdchen555 19.02.11 - 16:40 Uhr

Noch ein kleiner Nachsatz. Ich habe einfach das Gefühl es liegt daran, dass all die anderen immer hinter ihren Kindern stehen und ich habe das in meinen Augen nicht gemacht. Ich habe immer gleich das Negative gesehen und andere sehen immer erst mal das Positive und wenn es das nicht gibt dann reden sie sich und anderen alles gut.

Beitrag von bambolina 25.02.11 - 23:00 Uhr

Ich denke ein Vorwurf "Ich hab vieles falsch gemacht" ist nicht angebracht. Wir versuchen alle unsere Kinder richtig zu erziehen und machen alle unsere Fehler.

So wie dein Mann und Schwiegermutter auf das eigene Kind oder Enkelkind reagieren, heißt noch lange nicht, dass alles richig ist. Dass sie es richtig machen und später mal weniger Probleme haben wie du mit deinem Kind.

Wie geht es deinem Sohn heute, nimmt er noch Drogen und Alkohol?

Suche doch das Gespräch mit ihm - ich denke dafür ist es nie zu spät - erkläre ihm aus deiner Sicht dein Verhalten, dass du streng reagiert hast, weil du Angst um ihn hattest. Räume auch Fehler ein - auch wir Erwachsene machen nicht immer alles richtig. Reiche ihm die Hand und sage ihm, dass du immer für ihn da bist.

alles Gute
lg bambolina

Beitrag von parzifal 20.02.11 - 06:00 Uhr

Dein Sohn war 12 als er Deine Schwiegermutter kennenlernte. Mit 14 ist er ins betreute Wohnen gezogen?

Was ist verkehrt an Ruhe und Konsequenz, wenn jemand Alkohol und Drogen nimmt?

Bezüglich der Strenge müsste man wissen was Du damit meinst.

Ich kann aber nicht glauben, dass man in zwei Jahren soviel zerstören kann. Ich vermute eher, dass in den ersten 12 Jahren auch schon vieles schief gelaufen sein muss.

Gruß
parzifal

Beitrag von seepferdchen555 20.02.11 - 10:58 Uhr

Hallo,
ich war seit der Geburt meines Sohnes alleinerziehende Mutter und sicherlich war es ein Fehler das ich sehr auf ihn bezogen war. Durch meine Vollzeitarbeit hatte ich nicht immer die zeit die ich gern für ihn haben wollte und habe das dann an Wochenenden und Ferien versucht auszugleichen.