Wie komme ich zu mehr Milch? (Brustverweigerer) *lang*

Archiv des urbia-Forums Stillen & Ernährung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Stillen & Ernährung

Muttermilch oder Flasche? Was schmeckt kleinen Kindern aufs Brot? Hier könnt ihr Fragen zur Säuglings- und Kleinkindernährung, aber auch zu eurer eigenen Ernährung während der Stillzeit stellen. 

Beitrag von sannifee83 16.02.11 - 22:02 Uhr

Hallo,

zu meiner Vorgeschichte:

Mein Sohn ist 7 Wochen alt, wurde mit Saugglocke geholt und hat sich dabei das Schlüsselbein (erst bei der U2 festgestellt) gebrochen.
Er wog bei der Geburt 4380 g und schlechte Zuckerwerte.:-(
Bei der U1 wurde gesagt das er gleich in der 1. Nacht sehr oft angelegt werden sollte.
Leider hat mir dabei niemand in der Klinik geholfen (ich bin gerissen, hatte zum Nähen eine PDA und konnte die ganze Nacht nicht aufstehen). Die Hebamme hatte meinem Sohn in der Nacht Tee mit Traubenzucker aus der Flasche gegeben.:-[
Am nächsten Morgen hat eine Hebamme ihn dann an die Brust "gezwungen". Ich brauchte Stillhütchen und selbst dann dockte er nicht richtig an. Habe aber weiter angelegt auch wenn es nur ein paar Tropfen waren.
Zuhause habe ich es weiter versucht.
Einen Milcheinschuß hatte ich auch später nicht. :-(Und nach 5 Tagen war mein Sohn so ausgehungert das er meine Brust verweigerte und regelrecht anschrie. Wir haben ihm dann HA PRE - Nahrung gegeben. Er war schon ganz matt und schrie vor Hunger.
Aus meiner Brust kamen mit der Handpumpe nur "ein paar Tropfen".
Habe dann eine elekt. Milchpumpe bekommen. Mit der komme ich jetzt auf ca. 250 ml am Tag (2 Mahlzeiten).

Z.ZT. pumpe ich min.5x für min. 10 min je Seite am Tag ab (immer dann wenn ich auch gerade füttere, außer nachts) Die Menge wird aber nicht mehr.

Kann ich die Milchmenge noch irgendwie steigern?


Möchte so lange es geht Muttermilch geben auch wenn es leider nur aus der Flasche ist.


Sanni

Beitrag von wespse 16.02.11 - 22:24 Uhr

Hattest du das mit dem Bruch hier gepostet? Habs mal sowas gelesen und konnte nur den Kopf schütteln.
Der Arme!

Nun zum Thema:
=> Immer fleißig weiterpumpen, auch ruhig das Kind mal wieder anlegen.
=> alkfreies Bier oder Malzbier wirkt milchfördend
=> auch ein Glas Sekt kann Wunder wirken
=> Stilltee wirkt auch milchfördern. Aber Vorsicht: zu häufiger Genuss lässt diese Wirkung schwinden oder sogar umkehren

Aber das Beste ist wirklich: anlegen anlegen anlegen. Die Nachfrage regelt das Angebot! Und wenn er die Brust nicht nimmt (das geht aus deinem Post nicht richtig hervor) abpumpen abpumpen abpumpen. Ruhig jede Stunde.

Alles Gute.

Beitrag von sannifee83 16.02.11 - 22:41 Uhr

Danke für Deine Antwort :)

Nein hatte das mit dem Bruch nicht hier gepostet. Es war schlimm genug für mich.

Die Brust nimmt er bis heute nicht. Versuche halt so oft wie möglich abzupumpen.

Malzbier und Caro- Kaffee trinke ich schon.
Auch Stilltee schon von Anfang an.
Sekt habe ich nur alkoholfreien getrunken. Hilft das auch?

Sanni

Beitrag von steffi0413 16.02.11 - 22:33 Uhr

Hallo Sanni,

was möchtest Du? Möchtest Du weiter abpumpen oder würdest Du nochmal versuchen zu stillen (wenn nicht anders geht, dann mit einem Brusternährungsset)?

Hattest Du vielleicht Gestationsdiabetes? Wurden Deine Zuckerwerte nach der Geburt schon kontrolliert? Sind die in Ordnung? Hast/hattest Du vielleicht Hormonprobleme (zB. Schilddrüsen)?

Bei der Milchproduktion bestimmt die Anfrage das Angebot. Dh. je öfters die Brüste stimmuliert werden, desto mehr Milch wird produziert. Dein Kleiner würde in diesem Alter mind 8-12x in 24 Stunden trinken. Es wäre also gut, wenn Du auch so oft beidenseitig abpumpen könntest und davon mind. 1x in der Nacht oder Spätabend (dann ist Prolaktinspiegel höher). Eine neuere Studie hat ergeben, dass Mütter mindestens 5x täglich abpumpen müssen, insgesamt für 100 Minuten, um die Milchproduktion aufrecht zu erhalten. Für mehr Milch bekommen, muss man also öfters als 5x. Häufigeres kürzeres Abpumpen (ca. 10-15 Minuten pro Brust, alle zwei bis drei Stunden) ist wirkungsvoller als längeres Abpumpen in großen Abständen.

Vor dem Abpumpen kannst Du heisse Waschlappen oder Brüste mit heissem Wasser waschen oder duschen versuchen. Das muss aber so heiss sein, was deine Haut noch ertragen kann. Das stimmuliert den Milchspendereflex.

Bei mir hat es nicht geholfen aber viele finden die Marmet-Methode vor Ausstreichen sehr erfolgreich:
Mit zwei oder drei Fingern von außen nach innen zur Warze hin in kleinen kreisförmigen Bewegungen mit sanftem Druck massieren etwa 10 Sekunden lang jede Stelle => Durchblutungsförderung. Danach mit den Handflächen über die ganze Brust und über die Brustwarzen streichen => Brustwarzen richten sich auf. Dann Oberkörper vornüberbeugen und Brüste etwas schütteln => Milch fließt in die Milchseen.

Beim Abpumpen kannst Du C-Griff versuchen: drück (Daumen oben, andere Finger unten) deine Brust hinten dem Brustwarzenhof zusammen und halte so. Stark, aber weh tun darf es nicht. Das stimuliert den Milchfluss und den Milchspendereflex.

Um die Milchbildung zu unterstützen kannst Du noch Bockshornklee versuchen.

Wie gesagt, das ist auch nicht unmöglich Deinen Kleinen wieder an die Brust zu gewöhnen. Wenn Du möchtest, helfe ich Dir auch gerne (so gut, wie online möglich ist), besser wäre aber die persöhnliche Hilfe einer ausgebildeten Stillberaterin.
http://www.afs-stillen.de
http://lalecheliga.de/
http://www.bdl-stillen.de/einstieg.html

LG
Steffi

Beitrag von sannifee83 16.02.11 - 22:56 Uhr

Hallo Steffi,

Danke für Deine ausführliche Antwort :)

Ich würde schon gerne noch mal versuchen zu stillen. Wenn das nicht gehen sollte dann würde ich eben abpumpen und wenn es geht mehr als 2 Mahlzeiten damit abdecken wollen.

Leider schreit mein Kleiner die Brust immer noch an, dreht den Kopf weg und wird richtig wütend wenn ich die "Dinger" auspacke.#schwitz
Zusammen mit der Hebamme habe ich es auch schon sehr oft versucht anzulegen. Keine Chance.

Gestationsdiabetes hatte ich nicht. Zur Nachsorge muß ich erst nächste Woche. Werde das Thema Stillen auch dort noch mal ansprechen.
Das irgendwas mit meinen Hormonen nicht stimmt könnte sein (Ich hatte vor der SS eine Hormonbehandlung, bin aber durch diese nicht schwanger geworden.)

Brustmassage und häufigeres Abpumpen (alle 2 h) habe ich auch schon ausprobiert. Manchmal kam gar nix, mal 10 ml je Brust. Ich komme einfach nicht über insgesammt 250- 300 ml hinaus.

Momentan bin ich schon froh das ich wenigstens das bisschen Muttermilch habe.

Danke für Deine Hilfe und die Links.

Sanni

Beitrag von andreaaa 17.02.11 - 16:35 Uhr

huhu ich kann grad nicht viel schreiben aber versuch mal erdinger alkoholfrei.ich habe 1 grosse flasche getrunken am tag und es war super. aber ohne immer wieder pumpen oder anlegen geht nix

Beitrag von steffi0413 23.02.11 - 11:29 Uhr

Hallo Sanni,

sorry, dass ich erst jetzt antworte, ich bin leider nicht dazu gekommen...:-(

Ja, genau, das ist super, dass Dein Kleiner Mumi bekommt, jeder Tropfen bedeutet sehr-sehr viel für ihn. :-) Super, dass Du nicht aufgibst! Respekt! #pro

Das ist eine gute Idee, bei der Nachsorge das Stillen anzusprechen. Wenn Du mal ein wenig Zeit hast, wäre vielleicht nützlich ein Bluttest für Hormone, TSH (Schilddrüsenhormone), evt. Zuckerwerte (grosser Geburtsgewicht, schlechte Zuckerwerte beim Baby, verspäteter Milcheinschuss deuten oft auf Zuckerprobleme bei der Mutter) machen lassen.

Wenn beim Abpumpen nichts oder nur ganz wenig kommt, bedeutet nur, dass Du beim Abpumpen den Milchspendereflex nicht auslösen kannst. Dagegen kann heisses Wasser und C-Griff helfen. Hast Du schon versucht mit der Hand auszustreichen? So kann man oft besser den Milchspenderflex auslösen und dann abpumpen.

1) Die Hand im C-Griff (Daumen oben, Zeigefinger- und Mittelfinger unter der Brust) ca. 2,5 bis 3 cm
von der Brustwarze entfernt auf die Brust legen (dahinter befinden sich ungefähr die Milchseen)
2) Mit Daumen und Fingern, ohne die Haut zu spreizen, leicht gegen den Brustkorb drücken.
3) Dann Daumen und Finger zusammendrücken und zur Brustwarze hin nach vorne schieben.
4) Danach Daumen und Finger wieder in Ausgangsstellung (ca. 2,5-3 cm von der Brustwarze entfernt)
positionieren.
5) Der Bewegungsablauf wird rhythmisch wiederholt.
6) Um alle Milchseen, die sternenförmig angeordnet sind, zu leeren, wandert man nacheinander um die
Brustwarzen herum. Um den unteren Teil der Brust gut zu entleeren, einfach die andere Hand benutzen.

Wichtig ist, dass alle Bewegungen vorsichtig, ohne reiben oder quetschen durchgeführt werden. So wird vermieden, dass das empfindliche Brustgewebe Schaden nimmt.

Womit pumpst Du ab? Beide Brüste gleichzeitig?

Wenn nichts kommt ist aber auch nicht so schlimm, das Abpumpen ist sowieso Stimulation für die Brüste und Milchbildung. Es lohnt sich also in allen Fällen - wie schon geschrieben - öfters versuchen abzupumpen.

Dein Kleiner musste leider viel Unangenehmes durchmachen (zur Brust gezwungen, evt. hat ihm gebrochenes Schlüsselbein weh getan usw.), so ist es kein Wunder, dass Stillen für ihn schlechtes Erlebnis war.
Dazu hat er noch Saugverwirrung. Aus der Flasche muss man mit einer ganz unterschiedlichen Methode/Technik trinken als aus der Brust. Mit der falschen Technik kann er dann aus der Brust nicht effektiv trinken. Andererseits sucht er das Gefühl von einem künstlichen Sauger im Mund und wenn er das nicht findet verweigert die Brust (die ein ganz unterschiedliches Gefühl ist).

Es ist aber noch überhaupt nichts verloren, Kopf hoch!
Das dauert sicher ein paar Tage und kostet Mühe und Geduld aber das lohnt sich schon ihn versuchen wieder anzulegen. Auch deshalb, weil ein Baby, das nach Bedarf (aber mind. 8-12x in 24 Stunden) gestillt wird und mit richtiger Technik trinkt kann immer viel-viel mehr Milch rausbekommen als die besste Pumpe.

Zuerst wäre das sehr-sehr wichtig, dass er KEINE Flasche bzw. auch KEINEN Schnuller mehr bekommt (der kann leider auch Saugverwirrung verursachen)!!!!

Die abgepumpte Mumi/Pre kannst Du aus dem Becher anbieten.
http://www.stillgruppe-ml.de/becherfuetterung.htm

Wenn er jetzt die Brust komplett verweigert, dann solltest Du am 1. Tag die Brust überhaupt nicht anbieten (und auch nichts für Nuckeln, also keine Flasche, keinen Schnuller, keinen Finger, keinen Fingerfeeder, die abgepumpte Mumi/Pre ausschliesslich aus dem Becher).
Am 2. Tag kannst versuchen, ihn für Nuckeln - wenn er satt ist - anzulegen. Am 3. Tag wenn er LEICHT Hunger hat (bei den ersten Hungerzeichen).

Sehr-sehr wichtg! Viel-viel Körpernähe, sogar HAUTKONTAKT!!!! Und keinesfalls Druck ausüben. Du kannst aber im Halbschlaf versuchen ihn anzulegen. Achte darauf, dass er korrekt angelegt wird.
http://stillgruppen.de/anlegepositionen.html
http://www.youtube.com/watch?v=89G62Ycfhqc
http://www.youtube.com/watch?v=VkfR9xlQFi4&feature=related

Vor dem Anlegen kannst Du den Milchspendereflex ein bisschen stimulieren (mit heissem Wasser die Brust waschen oder ein wenig Milch ausstreichen) bzw. ein paar Tropfen Milch auf seine Lippen streichen.

Vor jedem Anlegen kannst Du eine kleine "Zungenübung" machen: stecke Deinen Zeigefinger in seinen Mund, so dass Du die Grenze zwischen weichem und hartem Gaumen erreichst (Achtung! Hände sehr gründlich gewaschen, Nagel sehr kurz geschnitten!!!) - Nagel schaut nach unten – lasse ihn so ein bisschen nuckeln und beobachte was er macht: macht er einen "Hügel/Buckel" hinten mit seiner Zunge? Liegt die Zunge über der unteren Zahnleiste? Die Zunge schmiegt sich um den Finger? Zunge und Unterkiefer bewegen sich rythmisch? Beisst er vielleicht auf den finger? Wenn er einen Buckel macht und/oder die Zunge NICHT über der unteren Zahnleiste liegt, dann drehe den Finger vorsichtig um (Nagel schaut nach oben) und vorsichtig drück die Zunge nach unten und/oder ziehe ein bisschen nach vorne. Lasse ihn so auch eine Weile nuckeln.

Diese Übung hilft die richtige Technik wieder zu finden und kann vor jedem Anlegen gemacht werden bis er noch Probleme hat.

Wenn er beim Trinken zu schnell einschläft, kannst du folgendes versuchen: drück (Daumen oben, andere Finger unten) deine Brust hinten dem Bruswarzenhof - als ob ein Gumiball wäre - zusammen und halte so. Stark, aber weh tun darf es nicht. Das stimuliert den Milchfluss und er fängt wieder an zu schlucken.

Zufüttern mit Pre immer erst NACH dem Stillen, wenn er schon mind. 1x beide Brüste getrunken hat (kann man auch mehrmals wechseln) und noch immer nicht zufrieden ist. Und keinesfalls aus der Flasche, sondern Becher, Fingerfeeder, Spritze, SoftCup, Brusternährungsset.
Das wäre sehr-sehr wichtig, dass Du ihn nach Bedarf, aber mind. 8-12x in 24 Stunden beidenseitig anlegst.

Dabei die Windel sehr streng beobachten (mind. 6 nasse Stoff oder mind. 4 schwere Einmalwindel pro Tag, Urin nicht konzentriert!).

Wenn Du vielleicht - aus irgendwelchem Grund - nicht vollstillen könntest, dann würde ich mir überlegen, ein Brusternährungsset zu besorgen und von einer Stillberaterin zeigen lassen, wie man damit richtig umgeht.

Bei weiteren Fragen/Probleme helfe ich sehr gerne.

Ich drücke Euch sehr den Daumen.

LG
Steffi