Seit Schulwechsel nur noch Ärger (Asperger Syndrom)

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von ungeheuerlich 17.02.11 - 13:37 Uhr

Hallo,

unser Sohn (ADHS und Asperger Syndrom) geht jetzt seit einem halben Jahr auf die Realschule.
Am Anfang dachten wir, es klappt ja eigentlich doch ganz gut also Punkto Busfahren (ca. 15km), Hausaufgaben, Mitschüler.
Aber seit ein paar Wochen hat sich das Blatt gewendet.
Er wird (laut ihm) ständig gehänselt (Mißgeburt, man hätte dich abtreiben sollen, Spasti ect.), ins Gebüsch geworfen. Die Lehrerin reagiert insofern, daß es Kinderkram ist und die Kinder das unter sich aus machen sollen.
Er hat seit ein Paar Wochen Ticks (Schulterzucken), isst und trinkt nichts mehr in der Schule.
Im Zeugnis stand unter Sozialverhalten, daß er sich kaum an der Gestaltung der Gruppenarbeit beteiligt (sehr witzig). Bei einem Rollifahrer würde sie doch auch nicht schreiben: beteiligt sich kaum am Sportunterricht.
Freunde hat er natürlich nicht.
Hausaufgaben vergisst er regelmäßig weil er nicht aufschreibt. Mit der Leherin war abgesprochen, daß sie die Hausis gegenzeichnet, macht sie aber nicht.
Arbeiten schreibt er nicht auf, wir können also nicht üben.
Ein Schulbegleiter wurde direkt am Anfang schon abgelehnt. Aber ich weiß langsam nicht mehr was ich machen soll.
Wir haben keine alternative Schule außer Regelschule und halt Sonderschule. Da gehört er aber nicht hin, er hat im Zeugnis 3 2en und der Rest nur 3en.

Wo und wie werden Eure Aspis denn beschult? Inwieweit bekommt ihr Hilfe?

Wir stehen eigentlich im guten Kontakt mit dem JA, aber irgendwie tut sich nichts. Das Autismuszentrum, wo er Therapie hat, unterstützt uns auch nicht wie es vielleicht wünschenswert wäre.
Einzig seine Psychologin will jetzt dringend ein Gespräch mit dem JA und uns.

Was für Möglichkeiten gibt es denn? Irgendwie habe ich das Gefühl einfach gar nichts machen zu können. Aber lange hält er das psychisch nicht mehr durch, er sagt schon, daß er am liebsten die Schule schwänzen würde....

Hat jemand vielleicht einen Rat für mich?

LG

Kerstin

Beitrag von kati543 17.02.11 - 14:50 Uhr

Also ich habe keine Kinder mit Asperger - zumindest laut letzter Testung. Allerdings weiß'ich von anderen Eltern von Asperger Kindern, dass diese Kinder oft in Sonderschulen gehen. Von der Intelligenz gehören sie da nicht hin, aber bei der Klassenstärke in einer Regelschule sind sie eben hoffnungslos überfordert und dann kommt natürlich noch dazu, dass die anderen Kinder sie mobben.

In welchem Bundesland wohnst du?

Hast du dich mal bei rehakids.de informiert?

Beitrag von butler 17.02.11 - 15:17 Uhr

Bei uns ist gerade der Autismusbeauftragte in der Schule um sich ein Bild von der Umgebung zu machen. (Blöd: mein Sohn mag trots Mobbing nicht wechseln wegen der Veränderung, es kann ja woanders noch schlimmer sein, ) Null Motivation, schlechte Noten wegen unangefertigter Hausaufgaben die wie bei dir nicht aufgeschrieben werden. hat er nicht geschafft oder vergessen...
Das Sozialverhalten ist bei meinem mit einer 3 bewertet worden. Mitarbeit gleich null da er Angst hat was falsches zu sagen und somit neues Mobbingfutter zu geben. Zur zeit "erkauft" er sich den Umgang mit Mitschülern in dem er entweder seine Stullen abgibt, Geld verborgt, Kaugummis verteilt...
Leider habe ich darauf keinen Einfluß lebe jedoch mit der gespalteten Ansicht: ok dann ist es etwas ruhiger für ihn und der Angst: was kommt als nächstes
Achso meiner besucht das Gymnasium und richtige Alternativen gibt es auch nicht.
lg

Beitrag von maja68 18.02.11 - 04:03 Uhr

Hallo Kerstin,

dein Problem kenne ich nur zu gut. Ich habe eine Tochter mit Asperger. Sie geht in die 8. Klasse einer Hauptschule und ich habe Ärger, seit sie in der Schule ist. Am Anfang wußten wir nicht, dass sie autistisch ist. Bei Kinderärzten galt sie nur als schüchtern. Eine Psychologin entdeckte dann bei der Einschulung, dass sie sozial überängstlich sei. Lesen hatte sie sich im Kindergarten selber beigebracht, aber trotzdem wurde mir nahe gelegt, sie in eine Sonderschule zu geben, was ich natürlich ablehnte. Anfangs ging es in der Schule ganz gut. Sie stand zwar in der Pause immer alleine da, aber sie schien nicht unglücklich zu sein. Da hatte sie noch ein Mädchen aus dem Kindergarten, das sie unterstützte. Ein Leistungseinbruch kam dann ab der 3. Klasse. Plötzlich waren längere Texte zu schreiben und ihre Handschrift war einfach fürchterlich. Die Rechtschreibung litt sehr darunter und da dieser Standard Test auf Lese-Rechtschreibschwäche unter der Norm war, bekam sie ein vorübergehendes Attest auf Lese-Rechtschreibschwäche. Ich zweifelte an dem Ergebnis, nutzte aber die Chance der Nichtbenotung von Diktaten, um mit Ihr eine Ergotherapie zu machen. Die Feinmotorik besserte sich nur geringfügig, aber ausgerechnet die Ergotherapeutin äußerte zum ersten Mal den Verdacht eines Asperger Syndroms. In der 5.Klasse mit 10 Jahren wurde dieser Verdacht von einem Kinderpsychiater getestet und bestätigt. Ich habe bei der Schule einen Nachteilsausgleich beantragt, sodass sie Tafeltexte immer als Kopie erhält, weil sie mit dem Abschreiben nicht fertig wird. Die 5.Klasse war dann der Horror. Ihre einzige Freundin wechselte auf die Realschule und neue Schüler kamen in ihre Klasse. Da fing die Mobberei an. Sie wurde als blöd und behindert beschimpft, kam regelmäßig mit blauen Flecken nach hause, weil ihr Kinder gegen die Beine traten, Kaugummi wurden ihr in die Haare geklebt und andere Gemeinheiten. Ich hatte so gehofft es würde sich wieder beruhigen, aber ich wurde enttäuscht. In der 6. Klasse wechselten dann einige Übeltäter die Schule und ich hoffte erneut. Aber nach wenigen Wochen ging der Zirkus von vorne los. Daraufhin habe ich Leute aus dem Therapeutenteam des Kinderpsychiaters in die Klasse geschickt, die mit den Kindern über mobbing und Autismus geredet haben. Das hat uns weiter gebracht. Jetzt wird sie in Ruhe gelassen, aber Freunde hat sie in der Klasse nicht. Die ignorieren sie einfach. Vielleicht kann ja deine Psychologin mal in die Klasse gehen und mit den Kindern reden.
Erzählt denn dein Sohn etwas, warum es zu diesen Agressionen gegen ihn kommt? Ich bin auf die Kinder zugegangen und habe gefragt, was sie an meiner Tochter stört. Dabei kam heraus, dass es sehr oft zu Misverständnissen kam. Sie hat einfach im falschen Moment gelacht, was oft als Provokation aufgefasst wurde, und Jungs haben das Problem mit Fäusten gelöst. Bei den Mädchen kam sie nicht an, weil sie nicht deren Modeideal entsprach und sich auch nicht für deren Interessen interessierte. Wenn die dann über Jungs getuschelt haben, hat meine Tochter gepetzt, was wiederum zu peinlichen Situationen führte. Zudem hat sie auch sonst alles Mögliche bei den Lehrern gepetzt, wiederum etwas womit man sich keine Freunde schafft. Ich habe sehr viel mit ihr geredet und ihr erklärt, dass sie etwas Besonderes sei und eine andere Art des Denkens hat, die die anderen Kinder nicht verstehen. Sie erzählt mir auch jetzt noch mehr aus der Schule als andere Kinder und ich erkläre ihr auch immer wieder, was andere komisch an ihr finden. Somit fungiere ich jetzt ganz gut als Dolmetscher in die Welt der "Neurotypischen".
Es ist eben schlimm, eine Behinderung zu haben, die auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, und von der die Umgebung gar nicht weiß, dass da jemand ein Problem hat. Dass Asperger Kinder für blöd gehalten werden ist leider Realität und an der Tagesordnung.
Mit einem hat die Lehrerin allerdings recht. Es ist wirklich Kinderkram, und mit zunehmendem Alter und Überwindung von Pubertät werden die Kinder auch wieder erträglicher. Bis dahin stehen leider unseren Aspergern harte Zeiten bevor.
Gegen Beschimpfungen kommst du sehr schlecht an. Zur Rede gestellt werden die meisten behaupten sie hätten nichts gesagt. Du kannst aber Strategien entwickeln, wie auf Beleidigungen reagiert werden soll.
Bei dem Argument, er hätte besser abgetrieben werden sollen könnte er contern: " Das wäre aber echt schade. Da wäre die Welt ganz schön langweilig, wenn es nur so gewöhnliche Leute gäbe wie dich."
Bei Titeln wie "Spastie" könnte es nachfragen: "Redest du mit mir?"
Du kannst deinen Sohn nur helfen, indem du sein Selbstbewusstsein stärkst. Er ist etwas Besonderes und außergewöhnlich. Mit dem Asperger hat man nicht nur Nachteile, sondern auch besondere Fähigkeiten, die normale Kinder nicht haben. Suche danach und mache sie deinem Sohn bewusst. Dann kann er sich auch besser gegen Mitschüler behaupten.
Ich gehe mit meiner Tochter regelmäßig zu einem sozialen Kompetenztraining. Da wird sie auch für Dinge sensibilisiert, die ihre Klassenkameraden nicht wahr nehmen und inzwischen denke ich immer öfter, das würde so manchem normalen Kind auch mal gut tun.
Letzte Woche kam mein Mädchen aus der Schule heim und erzählte, ihre Lehrerin habe die ganze Klasse wegen der fürchterlichen Umgangsformen zusammengebrüllt und Strafarbeiten aufgegeben. Auch meine Tochter sollte etwas schreiben. Sie hatte wieder mal zum falschen Zeitpunkt lauthals losgelacht, weil sie das wütende knallrote Gesicht der Lehrerin recht witzig fand. Was war geschehen? Die Klasse war nach der Mittagspause ziemlich aufgedreht und laut. Die Bitte der Lehrerin um Ruhe wurde ignoriert. Plötzlich ein lautes Gebrüll eines Schülers:" Jetzt haltet doch mal das Maul ihr Ochsen!" Gekicher erfüllt das Klassenzimmer, als eine Schülerin die Lehrerin anspricht:"Ey sorry Frau M. ich müsste grad schnell nochmal raus zum pissen!" Die Lehrerin kommt nicht zum antworten da spaziert ein verspäteter Schüler ins Klassenzimmer neben der Lehrerin vorbei und furzt. Das reicht! Die Lehrerin wird rot im Gesicht und brüllt in die Klasse:" Zum Donnerwetter aus welchem Schweinestall seid ihr eigentlich ausgebrochen!" Ihr Gesicht ist so rot wie ein Luftballon, die Klasse ist nun endlich still. Nur mein Asperger Kind lacht jetzt lauthals los. Ja, sie hat eben Probleme mit der "sozialen Anpassung". ;-):-D#rofl

Lg
Maja

Beitrag von butler 18.02.11 - 10:37 Uhr

Mit der sozialen Anpassung haben wir auch Probleme. Du hast die Probleme sehr ausführlich aufgeschrieben. ich bin mal gespannt was bei uns schulisch jetzt passieren wird, da wir ja noch am Anfang stehen. An Soziales Kompetenstraining ist zur Zeit nicht dran zu denken da die Bereitschaft zur Mitarbeit fehlt. er macht dann einfach dicht. ergo haben wir durchgezogen er hat sich jedoch mit erfolg geweigert kindische Spielchen zu spielen und somit hat das nix gebracht. Jetzt haben wir noch ein termin zur Auswertung warum ich weitere Behandlungen ablehne.
Ich glaube meiner muß erstmal akzeptieren das er anders ist bevor irgend etwas greift. Zur Autismussprechstunde geht er auch nur widerwillig
LG

Beitrag von alpenbaby711 26.02.11 - 20:35 Uhr

Wende dich mal an den MSD Autismus. Da hab ich gerade auch am laufen weil mein Sohn wohl möglicherweise als Kanner Autist in einer REgelschule ( Grundschule ) eingeschult werden kann. Die unterstützen zwischen Eltern, Kindergarten, SChule und dem betreffenden Autist. Die Helfen und informieren und sind wohl fit. Schau mal wer bei euch zuständig ist.
Ela