Belohnungssystem in der Trottzphase:Bringt das überhaupt was??

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Forum: Erziehung

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Beitrag von .sunny. 17.02.11 - 20:17 Uhr

Hallo zusammen,

hatte neulich schonmal über unseren Trotzkopf geschrieben und wie sie mir das Leben schwer macht#schwitz

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=21&tid=3019030&pid=19110071

Es gibt jeden Tag solche Szenen,mal mehr, mal weniger heftig.

Ich versuche natürlich ruhig zu bleiben, auch wenn ich innerlich platze, vor Wut, Enttäuschung und Hilflosigkeit:-(

Dachte daran, evt. sowas wie ein Belohnungssystem einzuführen, für jeden Tag den sie "lieb" ist, bekommt sie einen Aufkleber.

Ich weiss aber ehrlich gesagt nicht, ob das überhaupt klappen kann, da ich schon öfter gelesen hab, dass Kinder in der Trotzphase garnicht recht wissen, warum sie jetzt bocken und was gerade mit ihnen los ist#kratz

Mir würde es ja schon reichen, wenn es wenigstens den halben Tag mal ohne Theater klappen würde.

Was denkt ihr ?

Verlange ich zuviel?

LG Jenni#winke

Beitrag von bine3002 17.02.11 - 20:39 Uhr

Belohnungssysteme sind ja sowieso schon sehr umstritten. Manchmal können sie helfen, allerdings würde ich sie nur für ganz konkrete zeitlich absehbare Dinge einsetzen, z. B. fürs "brav" Zubettgehen oder so. Ein ganzer Tag ist einfach viel zu lang und "lieb" sein ist so ein dehnbarer und auch willkürlicher Begriff. Verstehst Du was ich meine?

In Eurem Fall hast auch eher Du das Problem, weil dein Zeitmanagement nicht hinhaut. Du hast ja einige Tipps bekommen, z. B. abends warmes Essen anzubieten, dir dafür mittags mehr Zeit nehmen und damit ganz bestimmt einige Situationen gelassener über die Bühne bringen zu können. Du brauchst mehr ZEIT, Gelassenheit und Ruhe und daran wird auch ein Belohnungssystem nichts ändern.

Deine Tochter möchte vieles selbst machen. Das ist doch super. Versuch sie dabei zu unterstützen. Sie will sich anschnallen? Soll sie es doch versuchen. Sie bekommt es nicht hin und daraufhin einen Wutanfall. Bleib cool, setz dich neben auf den Sitz und warte einen Moment. Rede beruhigend mit ihr und biete ihr an, ihr dort zu helfen, wo sie nicht weiter kommt. Halte z. B. den Gurt und hilf ihr ein Stück weit. Nur so als Beispiel. Ich denke, Du könntest viele Situationen vermeiden, wenn Du dir die Zeit nehmen würdest.

Beitrag von ayshe 18.02.11 - 08:25 Uhr

Genauso sehe ich das auch.

Die Zeit ist das Hauptproblem und da würde ich eben auch ansetzen.

Beitrag von sunflower.1976 17.02.11 - 20:39 Uhr

Hallo!

Ich glaube, ein Belohnungssystem bringt da wenig. In den akuten Situationen wird das nicht wirklich "ziehen" und sich das Verhalten ändern. In der jeweiligen Situation wissen Kinder selber oft nicht, was mit ihnen passiert und können es auch nicht mehr wirklich steuern. Dann hilft auch kein Hinweis auf einen "Aufkleber" oder eine andere Belohung weil die aktuelle Situation für da Kind viel zu wichtig ist.

Ein ganzer Tag wäre auch zu lang. Wenn Belohnungssystem, dann für kurze, bestimmte Situationen, also z.B. anziehen, einkaufen gehen, Sachen auspacken - fertig. Das ist für ein Kind überschaubar, nicht aber ein ganzer Tag.

Aber solche Phasen sind eigentlich normal. Manche Kinder bocken heftiger, andere weniger heftig. Mein großer SOhn war diesbezüglich auch eher harmlos während mein kleiner Sohn heftigste Trotzanfälle hat.

Vielleicht bringt es Dir was, wenn Du Verhaltensweisen lernst, mit solchen Situationen gelassener umzugehen, beispielsweise durch einen Elternkrus oder ein entsprechendes Buch ("z.B. "Starke Eltern, starke Kinder" oder "Kess erziehen"). Letzteres hat mir einiges gebracht, Verhaltensweisen meiner Kinder zu verstehen, mein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu ändern.

LG Silvia

Beitrag von munirah 17.02.11 - 21:10 Uhr

Ja, du verlangst zuviel!

Ein Belohnungssystem muss für ein Kind durchschaubar und erreichbar sein. "für jeden Tag den sie "lieb" ist" ist schon schwer genug genau zu definieren. Aber ein Kind versteht das nicht, und ein Tag ist für ein Kind noch sehr lang.
Es würde nur funktionieren, wenn man nur "Morgens anziehen" oder "Autofahrt" oder eine andere überschaubare Aktion nimmt und entsprechende Belohnungen vereinbart. Und dann über länger Zeit nur eine Aktion, nicht zwei oder drei oder gar noch mehr.

Eher würde ich dir empfehlen, bei Theater konsequent zu sein, also ein NEIN bleibt auch NEIN.

Aber bessere Ratschläge wirst du wohl bei einer Erziehungsberatungsstelle bekommen (an Adressen kommt man über Kiga,Schule, Rathaus,... - oft muss man nicht fragen, sondern nur die Aushänge lesen)

Beitrag von schnaki1 17.02.11 - 21:37 Uhr

Hallo,
ich denke, ein Belohnungssystem in der Trotzphase bringt nur dann etwas, wenn du DICH belohnst für einen Tag Gelassenheit und Ruhe, ohne innerlich zu zerplatzen vor Wut.
Für jeden geschafften Tag einen Aufkleber oder ein Stück Schokolade (beruhigt auch die angeschlagenen Nerven;-)) und ab in den neuen Tag mit kleinen Wutmonstern!
Die Mäuse müssen einfach alle so sein und du solltest es mit einer Portion Humor tragen, dir in vielen Dingen etwas mehr Zeit nehmen, dann fluppt es schon.

LG,
Andrea

Beitrag von ayshe 18.02.11 - 08:26 Uhr

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ich denke, ein Belohnungssystem in der Trotzphase bringt nur dann etwas, wenn du DICH belohnst für einen Tag Gelassenheit und Ruhe, ohne innerlich zu zerplatzen vor Wut.
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Das ist ja echt ein toller Gedanke!

Beitrag von ayshe 18.02.11 - 08:24 Uhr

Ich halte nichts von solchen Belohungssystemen.
Außerdem kann man damit keine Entwicklungsphasen ausmerzen.

Beitrag von marion2 18.02.11 - 08:30 Uhr

Hallo,

wenn sie "lieb" ist, entwickelt sie sich nicht weiter.

Gruß Marion

Beitrag von lisasimpson 18.02.11 - 08:58 Uhr

ich war noch nie einen ganzen tag lang "lieb"- du etwa?!

lisasimpson

Beitrag von nane29 18.02.11 - 19:18 Uhr

Hallo Jenni,

ich kann mit Belohnungssystemen bei normalen, gesunden Kindern überhaupt nichts anfangen, denn das geht doch total an der Persönlichkeit des Kindes und den eigentlichen Ursachen für die Konflikte vorbei.

Wenn ich mir vorstelle, dass ein kleines Kind einen ganzen Tag die Füße stillhält, seine Wut, Frust, seinen Willen runterschluckt, um dann am Ende des Tages einen Aufkleber zu bekommen - das kann doch nicht gesund sein!

Stell dir mal vor, dein Mann schlägt dir vor, du bekommst jeden Abend 3 Rosen von ihm, wenn du den Tag über den Mund hältst, nicht meckerst oder nörgelst und brav alles machst, was er will - wahrscheinlich würdest du ihn irgendwann im Schlaf ersticken :-p

Angeborener Mutterinstinkt hin oder her - wenn ich unsicher bin, blättere ich in Erziehungsratgebern, die mir gefallen und ziehe mir die Anregungen raus, die mich weiterbringen. Ich halte mein Bauchgefühl für recht gut, aber man lernt nie aus und ich bin kein Wissenschaftler.

viele hab' ich nicht gelesen. Ich habe "Babyjahre", ich LIEBE "Smart Love - Erziehen mit Herz und Verstand" und ich habe gerade "Dein kompetentes Kind" auf dem Klo liegen, weil eine Freundin es empfohlen hat.

Darin steht übrigens, dass Kinder grundsätzlich immer kooperieren und dass auch Protest, Trotz und Provokation eine Form der Kooperation sind - diesen Aspekt fand ich sehr interessant und allein schon deshalb macht ein solches System überhaupt keinen Sinn.

Schau doch mal in das Buch, vielleicht kannst du etwas damit anfangen.

Lg Jana mit Lena (fast 5) und Karl (fast 2)



Beitrag von lisasimpson 19.02.11 - 22:57 Uhr

"Stell dir mal vor, dein Mann schlägt dir vor, du bekommst jeden Abend 3 Rosen von ihm, wenn du den Tag über den Mund hältst, nicht meckerst oder nörgelst und brav alles machst, was er will - wahrscheinlich würdest du ihn irgendwann im Schlaf ersticken "


das Bild gefällt mir sehr gut:)

lisasimpson

Beitrag von jolly12 18.02.11 - 20:56 Uhr

Hallo!
Ich würde es an deiner Stelle einfach ausprobieren. Bei meiner Tochter hat es immer gut funktioniert.
Immer nur kurze Zeitspannen (3-4 Tage), nur ein Themenbereich ( z.B. Zahnpflege), klare Absprachen treffen (wenn dann) und sehr konsequent beurteilen.
Gruß
Simone

Beitrag von moehre74 19.02.11 - 01:55 Uhr

hallo,

also zunächst mal denke ich, dass es eine ganz normale phase ist! die natürlich bei jedem kind anders ausgeprägt ist!
du hast schon viele tips bekommen, was die zeitplanung und "lass sie selber machen" angeht.
aktivitäten, die wir haben, beginnen frühestens um 14 h, wenn sie ihre "pause" im kiga hatte, wenn ich sie mittags abhole, dann passiert normalerweise nichts vor 15h. vorher machen wir "pause", wo sie entweder alleine spielt, wir malen oder lesen, sie auch mal ein bißchen tv gucken darf... einfach runterkommen!
sie hatte auch ihre "ich schmeiß mich auf den boden"phasen, mit vorliebe beim einkaufen! dann liegt sie halt da und heult. was andere leute denken, war mir da wirklich scheiß egal... ich hab mit ihr geredet und bin dann ein stückchen weitergegangen... wie auch immer, versuche die tips, die du bekommen hast umzusetzen. mehr zeit einplanen! oder sie soll dir beim kochen mal helfen,,, schlangengurke schälen und schneiden lassen ist ein guter anfang! wenn man dann beim essen sagt, mhmmmm, die gurke schmeckt aber besonders lecker, dann leuchten kinderaugen!
bei meinem früchtchen hier (mittlerweile fast 5), war es ähnlich ... wenn sie gewütet hat, dann richtig, auch mit beißen, hauen, kratzen und allem so wie du es beschreibst! und großes problem, morgens aufstehen und fertig machen...
anfangs war ich auch ziemlich verzweifelt, aber nachdem ich mein verhalten bzw meine reaktionen überdacht habe, ging es besser!

in dieser zeit hat sie angefangen sich für diese heftchen (mit dem teilweise völlig überflüssigen spielzeug dran) zu interessieren und bei jedem einkauf danach gefragt!

die idee mit dem belohnungssystem kam eher zufällig. wir wollten etwas basteln und sie hatte einen ihrer wutanfälle...
nachdem sie sich beruhigt hat, habe ich ihr das mal "vorgeschlagen"!
kurzum: wir bewerten gemeinsam jeden vormittag und nachmittag! für lieb gabs einen stern für "böse" einen blitz. die symbole hat sie sich auch selbst ausgesucht. jeden freitag mittag haben wir dann nach geschaut, ob mehr sterne oder blitze da sind. bei mehr sternen gab es so ein heft! wir haben diesen "kalender" dann auch zusammen gebastelt. ich habe ihr dann gesagt, dass es bei hauen, beißen, kratzen SOFORT einen blitz gibt (der vor- oder nachmittag aber dann nochmal gesondert betrachtet wird) und dass sie sich extra sterne mit zimmer aufräumen helfen oder so "verdienen" kann!

du kannst mir glauben, es gab tage, da hab ich gedacht, ich muss mal noch ein paar blitze basteln ;) habe sie auch immer daran erinnert, dass bei so einem verhalten wohl ein blitz droht... anfangs war es ihr egal... ich also direkt zum "kalender" und blitz dran. als sie dann gesehen hat, dass dort, ich sage jetzt mal 5 blitze klebten, aht sie schon sparsam geguckt. es war sehr sehr interessant zu beobachten, wie sie während ihrer wutanfälle erst beißen wollte und es dann aber doch nicht getan hat...

das ganze hat sich nach relativ kurzer zeit eingespielt! und ich muss wirklich sagen, es war ne tolle sache! mir ging es in erster linie um das hauen und beißen! süß war immer, wie sie selber bei der bewertung eines halben tages einen blitz genannt hat, ganz bedröppelt ;)

irgendwann brauchten wir den kalender nicht mehr (sie bekommt ihr heft jeden freitag nach meiner einschätzung)... er hängt aber immer noch an unserem kühlschrank! und es wird auch immer mal wieder darüber gesprochen, sie selber sagt dann manchmal, mama, wir müssen den mal wieder benutzen...

übrigens im moment überlege ich ihn wieder einzusetzen, da das grenzen austesten zur zeit ganz groß angesagt ist ;)

probier es doch einfach mal aus! man kann die zeiträume ja auch problemorientiert kleiner begrenzen... und: konsequent JA!!! aber ab und an kann man auch angebrachte großzügigkeit walten lassen ;)

fragen? gerne!

lg

Beitrag von tweets 20.02.11 - 15:39 Uhr

Hallo Jenni,

ohne deinen vorherigen Post gelesen zu haben.

Ein Belohnungssystem funktioniert nicht so pauschal!

Man kann es für einzelne Teilbereiche nutzen z.B Zähne putzen. Die Belohnung ist hierbei als Verstärker gedacht.

Sind die Zähne geputzt worden gibt es einen Aufkleber. (zusätzlich zum Lob!!!!)
Sind sie sie nicht geputzt gibt es keinen.

Man darf aber einen Aufkleber nicht wegen einer anderen Sache (z.B.: nicht aufräumen) wieder wegnehmen. (Wichtig: Auch nimmt man einen Aufkleber nicht wieder weg wenn die Zähne nicht geputzt wurden!!)

Man nennt das in der Verhaltenstherapie übrigens Token System.

Trotzphasen sind anstrengend, Kraft raubend und nervenaufreibend....aber sie gehen vorbei!! Auch ohne Belohnungssystem!!

LG und Alles Gute

LG Tweets