Geschwisterkind

Archiv des urbia-Forums Frühes Ende.

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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von sarosina1977 18.02.11 - 06:57 Uhr

Liebe Runde.

Wir fahren heute ein paar Tage weg - klinken uns aus. Irgendwie ist alles zu viel gewesen. Meine Tochter (6) bleibt bei den Großeltern, weil ich gerade einfach unausstehlich bin und ich brauche vor allem eins: Ruhe. Auch vor meiner Tochter. Am Mittwoch hat es bei uns daheim leider heftig im Karton gerappelt: Sie hat beschlossen, nach zwei Wochen Pause wieder ihr "Erschreckspiel" einzuführen und ich hasse das einfach. Sie schleicht sich an mich heran, ich höre sie wirklich nicht, und dann ruft sie ganz laut "Buh" oder irgendwas. Ich bin von Haus aus schon immer extrem schreckhaft gewesen und ich habe seit vier Jahren eine chronische Trigeminus-Neuralgie in der rechten Gesichtshälfte, die ich mit viel Yoga, Meditation und Entspannungstechniken so in den Griff bekommen habe, dass ich keine Schmerzmedikamente brauche. Stress kann ich nur in konstruktiver Form vertragen und ich habe mein Leben wirklich gut eingerichtet, dass mir negativer Stress erspart bleibt. Erschrecken durch irgendwelche Neckereien vertrage ich gesundheitlich überhaupt nicht; ich kriege davon gleich Herzrasen und Juckreiz unter den Achseln.

Meine Tochter hat mich in der Schwangerschaft zwei Mal innerhalb von zwei Tagen so unglaulich stark erschreckt - einmal wurde mir sogar schwarz vor Augen und ich bin fast vom Stuhl gefallen, so einen Satz habe ich gemacht (ich saß am PC und hatte im Homeoffice gearbeitet, war eh in Gedanken versunken). Mir tat dann der Bauch weh und ich habe mich so aufgeregt, dass ich geweint haben.

Obwohl wir mit ihr ernsthaft geredet haben und ihr alles erklärten und sie meine Reaktion sah - sie versteht das Ausmaß einfach nicht, den so eine Attacke, über die sich die Kinds untereinander im Kindergarten scheckig lachen, gerade für mich bedeutet.

Das letzte Mal hat sie mich zwei Tage später, als mein Mann auf einer Schulung war, wieder so schlimm erschreckt. Abends hatte ich dann zum ersten Mal im Leben diesen Lippenherpes. Das war gestern vor zwei Wochen. Manchmal frage ich mich, ob das in Zusammenhang steht.

Und als sie vor zwei Tagen wieder damit anfing und kein Verständnis für mein Leiden hat (sie findet erschrecken eben sehr lustig), habe ich beschlossen, dass ich jetzt Abstand brauche.

Ich mache ihr keine Vorwürfe wegen der SS. Aber ich habe ihr gesagt, dass mich diese Erschreckerei einfach krank macht und sie kann das nicht nachvollziehen, weil alle anderen eben lachen, wenn sie das macht und ich sei eine Mama, "bei der man keinen Spaß machen" dürfe.

Puh - ich bin angekratzt, merke ich.


Und diese Erschreckthematik ist nach unserem für mich immer noch mysteriöschen MA ein sehr rotes Tuch.

Ich weiß gerade einfach nicht, warum sie das einfach nicht nachvollziehen kann. Sie ist ansonsten wirklich sehr feinfühlig, versteht vieles auf Anhieb. Vielleicht nimmt sie mein Leiden auch nicht ernst, weil ich ja ansonsten ziemlich taff den Alltag schmeiße. Ich liege ja nicht jammernd rum - aber eben, weil ich so viel für meine Gesundheit tue.

Hat jemand einen Rat, wie wir das angehen können?

Beitrag von marion2 18.02.11 - 08:36 Uhr

Hallo,

deine Tochter ist 6 Jahre alt. Sie will eine Mama, die stark ist und mit der sie Spaß haben kann.

Dein Leiden kann sie nicht sehen und fühlen kann sie es auch nicht.

Aus welchem Erfahrungsschatz soll das Einfühlungsvermögen entstehen, das du von ihr verlangst?

Erwachsene schaffen das kaum!

Gruß Marion

Beitrag von sarosina1977 18.02.11 - 10:32 Uhr

"Dein Leiden kann sie nicht sehen und fühlen kann sie es auch nicht."

Da gebe ich Dir Recht. Aber wenn man doch zig mal erklärt, dass fast jeder Spaß möglich ist, außer diese Erschreckspiele, dann sollte das meiner Meinung nach in einer Familie einfach akzeptiert werden. Oder muss man sich als Mutter - nur weil man Mutter ist - verheizen und gesundheitlich so dermaßen belasten lassen, nur damit das Kind Freude und den Eindruck hat, dass die Mama wie ein Spielzeug alles mitmacht?

Auch Mütter sind nur Menschen und aus Deinen Zeilen lese ich nur Kritik in Form von "Stell Dich nicht so an" und "Reiß Dich zusammen" heraus.

Wenn eine gewisse gesundheitliche Grenze eben nicht überschritten werden soll und kann und darf - warum sollte nicht auch ein Kind lernen, auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen? Wie soll es denn dann überhaupt Rücksicht lernen, wenn man ständig alles mitmacht und gute Miene zum bösen Spiel macht??

Außerdem ging es bei den Erschreckaktionen nicht nur um mich, sondern auch um die Babys im Bauch. Also drei Menschen, die gesundheitlich zurückstecken müssen, nur damit ein Mensch Spaß hat?

Verlangst Du auch von einer herzkranken Mutter, dass sie mit ihrem Junior Marathon läuft, nur damit der das GEfühl hat, mit seiner Mama Spaß zu haben - egal, zu welchem Preis?

So kommt mir Dein Posting grad vor: Egal, wie es den Müttern geht - Die Kinder müssen Spaß dabei haben.

Und ich sehe das einfach anders. Wenn es den Müttern nämlich schlecht geht, hat die ganze Familie davon gar nichts. Fragt sich dann, was mehr Spaß macht...

Beitrag von marion2 18.02.11 - 13:10 Uhr

Mein Posting war keine Kritik im Sinne von "stell dich nicht so an" sondern

"versuch dein Kind zu verstehen"

Beitrag von honeyfoot 18.02.11 - 12:19 Uhr

"Dein Leiden kann sie nicht sehen und fühlen kann sie es auch nicht. "

Das stimmt leider absolut überhaupt nicht! Kinder sind sehr feinfühlig und merken sofort, wenn was nicht stimmt, besonders bei den eigenen Eltern!
Kinder erfassen vieles noch nicht mit dem Verstand (können sie ja auch noch nicht) und leben und leiten sich deshalb über Gefühle. Sie haben extrem feine Antennen dafür. Ich bin überzeugt, dass die Tochter merkt, dass es der Mama nicht so gut geht. Wie sehr sie sich darauf einlässt ist meist auch eine Sache der Familiengeschichte. Jede Familie funktioniert anders, geht anders mit Problemen um und dementsprechend wird sie reagieren...

Ich würde immer und immer wieder das Gespräch mit der Tochter suchen. Ihr immer wieder klar machen, wie schlimm das Erschrecken ist und vielleicht ein anschauliches Beispiel geben, was ihr Angst macht und sie nicht mag. Einen anderen Weg gibt es meiner Meinung nach kaum

Noch eine Frage: Weiß die Tochter von der SS mit den Zwillingen? Vielleicht kann sie deswegen das alles nicht so ganz einordnen

Lg

honeyfoot

Beitrag von sarosina1977 18.02.11 - 12:45 Uhr

Ja, sie weiß das mit den Zwillingen.

Und als sie vor zwei Tagen wieder mit dieser Erschreckerei angefangen hat, lautete ihre Begründung dafür: "Aber die Babys sind ja jetzt nicht mehr da, dann ist das doch nicht schlimm, was ich mache."

Ob schwanger oder nicht - ich kann das Erschrecken eben einfach nicht ertragen. Es löst in mir körperliche Beschwerden aus - ich kann da nix dafür und ich mache das ja nicht mit Absicht. Ich weiß auch nicht mehr, wie ich das noch erklären kann und soll. Sie findet es eben lustig, lacht sich halb kaputt, während ich um Atem ringe. Für sie ist es ein Spaß, den ich ja gerne mitmachen würde. Aber es geht eben einfach nicht. Ich habe das mehrfach versucht zu erklären, auch anhand von Sachen, die sie nicht mag. Sie will nicht geärgert werden - da nehme ich doch auch Rücksicht drauf. Oder sie möchte, dass man an ihre Zimmertür klopft, bevor man eintritt - daran halte ich mich doch auch.

Es geht momentan einfach darum, dass ich diese Grenze, die ich habe und auch demonstriere, sehr stark verletzt fühle. Ich bin ansonsten doch aktiv, hänge nicht krank auf dem Sofa rum...auf Allergiker nimmt man doch auch Rücksicht???! Ich verstehe das einfach im Moment nicht.

Beitrag von honeyfoot 18.02.11 - 18:06 Uhr

Wenn es dir darum geht, dass sie eine Grenze überschreitet, dann musst du auch so reagieren, wie bei anderen Grenzen.
Überleg selbst, was tust du, wenn sie z.B. nicht ins Bett geht, nicht hört, anfängt zu hauen... was weiß ich.

Jede Familie hat da ihr eigenes Vorgehen und ich will dir hier auch nicht empfehlen, wie du es tun musst. ABER wenn es für dich eine Grenzüberschreitung ist, dann musst du wie bei jeder anderen Grenze auch dementsprechend reagieren. Dann wird sie es auch lernen. Und erklär ihr auch warum du so reagierst.
Ich meine damit jetzt nicht heftige Strafen, aber - was weiß ich - schick sie für 5 Minuten in ihr Zimmer. (natürlich nur, wenn das bei euch sonst auch mal der Fall ist, wenn sie nicht hört)

Und denk dran, jede Konsequenz muss im Verhältnis zum Vorfall stehen ;-)

#winke

Beitrag von anne2112.86 18.02.11 - 09:07 Uhr

Kann mich der Vorschreiberin nur anschließen...Dein Kind versteht grad deine Situation überhaupt nicht, was erwartest du von ihr?

Da sie dich tröstend in den Arm nimmt?

Sie ist 6 Jahre alt!!

Schau nach vorn, ich weiß aus eigener Erfahrung das es schwer ist!

Aber sei stark und tu es für dein Kind!!

LG Anne

Beitrag von sarosina1977 18.02.11 - 10:39 Uhr

Nein, ich erwarte nicht, dass sie mich in den Arm nimmt.

Ich erwarte aber, dass man meine Schmerzgrenze, die sehr deutlich ist, einfach akzeptiert. Und das ist - was diese Erschreckerei angeht - einfach nicht der Fall.

Oder lässt Du Dich von Deinem Kind trotzdem schlagen, wenn es ein Nein nicht akzeptiert? Was gibt es an der Situation, dass ich diese Erschreckerei wirklich nicht vertrage, nicht zu verstehen? Ich mag es nicht, es tut mir körperlich wirklich schaden - wieso muss man dann immer und immer wieder darüber diskutieren?

Ich will es nicht - egal, ob schwanger oder nicht. Nur weil das gerade Mode im Kindergarten ist, will ich mir deshalb meine Gesundheit nicht ruinieren lassen.

Ich möchte das einfach nicht. Punkt. Auch nicht in zwei oder fünf Wochen und auch nicht in zehn Jahren. Und irgendwie finde ich es dann ganz schön traurig, wenn man nur deswegen dann eine Mama ist, mit der man keinen Spaß haben kann. Alle Schlittenpartien, Skiurlaube, Zelturlaube, Pferdeausritte, Fahrradtouren, Kinotage, Spielenachmittage, Zooausflüge, Kitzelstunden auf dem Sofa, Büchersonntage und Versteckspiele sind dann ja wohl umsonst.

Beitrag von tarra 18.02.11 - 09:14 Uhr

Liebe sarosina

Es tut mir leid was du durchmachen musstest und dennoch möchte ich dir mitteilen, was ich meine aus deinen Zeilen lesen zu können.

Ich interpretiere es ein wenig so, dass du sie als schuldige siehst wenn auch nicht ganz bewusst deinerseits:

"Meine Tochter hat mich in der Schwangerschaft zwei Mal innerhalb von zwei Tagen so unglaulich stark erschreckt - einmal wurde mir sogar schwarz vor Augen und ich bin fast vom Stuhl gefallen, so einen Satz habe ich gemacht (ich saß am PC und hatte im Homeoffice gearbeitet, war eh in Gedanken versunken). Mir tat dann der Bauch weh und ich habe mich so aufgeregt, dass ich geweint haben."


"Und diese Erschreckthematik ist nach unserem für mich immer noch mysteriöschen MA ein sehr rotes Tuch. "


Das Erschreckspiel ist natürlich wirklich blöd, aber wenn du so einen Wind darum machst ist es für deine Tochter nur noch viel interessanter.

Entspann dich über die Tage und versuch mal den Blickwinkel deiner Tochter zu sehen.

Alles Liebe
Tarra

p.s. es soll wirklich kein Angriff sein, bloss möchte ich dir meinen Eindruck von deinem Text schildern.

Beitrag von kruemel1210 18.02.11 - 09:25 Uhr

Hallo,

ich hoffe, dass es DIr mittlerweile etwas besser geht, denn in Deiner Schilderung ist ja wirklich Pfeffer drin...

Du schreibst, dass Deine Tochter sonst ein verständliches Kind ist. Kann es sein, dass sie auf diese Art und Weise Kontakt zu Dir sucht? Kinder haben ja sehr feine Antennen und vielleicht hat sie mehr mitbekommen von der Situation als Du glaubst (sowohol von der SS als auch von der FG). Und nun hatte / hat sie vielleicht Angst, weiß aber nicht wie sie damit umgehen soll oder ob sie dich ansprechen kann. Und das ist ihre Art zu sagen: Hey Mama was ist los, ich bin auch noch da.

Obwohl ich gerade selbst eine FG hatte, kann ich nur ahnen, wie es Dir mit deiner Vorgeschichte geht. Du schreibst: Du machst ihr keine Vorwürfe wegen der FG - aber kann es sein, dass es unbewusst und ungewollt doch so ist und dass deine Tochter das merkt?

Mit dem Verständnis ist das natürlich keine einfache Sache. Ich bin kein Pädagoge um zu beurteilen,ob man das erwarten kann und darf.

Deshalb finde ich die Idee mit dem Urlaub ganz gut. Ich wünsche Dir, dass Du Dich gut erholen und viel Kraft tanken kannst. Und dass Deine Tochter und Du dann entspannter miteinander umgehen könnt.

Liebe Grüße kruemel 1210

Beitrag von sarosina1977 18.02.11 - 10:20 Uhr

Hallo an alle.

Danke für die konstruktive Meinungen.

Ich habe heute beschlossen, mir professionelle Hilfe zu holen, weil ich mit der Tatsache, dass wir Zwillinge erwartet hätten und die unter solchen Wirren letztendlich doch verloren haben, einfach nicht klar komme. Es gibt Momente, da fühle ich mich gut.
Wenig später kippt dann alles. Ich denke, dass das auch mit der rapiden Hormonumstellung zusammenhängt. Keine Ahnung.

Ich will alles tun, damit es meiner Familie und mir einfach wieder gut geht und dass wir wieder glücklich sind miteinander. Momentan fühle ich in mir einfach nur Schmerz und Leere und ich weiß nicht wohin damit. Ich möchte auch das Forum nicht über Gebühr strapazieren.

Deshalb melde ich mich hiermit ab.

Der Kurzurlaub soll der Anfang von der Bewältigung sein. Und dann denke ich, dass ich mit geschulten Gesprächspartnern doch in der Lage bin, das Erlebte aufzuarbeiten.

Danke für all Eure Anteilnahme.

Und ich wünsche Euch allen von Herzen das Allerbeste!

Sarosina

Beitrag von phili0979 18.02.11 - 21:00 Uhr

Hallo,

ich finde es toll, dass du dich dazu entschlossen hast, proffesionelle Hilfe anzunehem. Das wird dir sehr helfen.
Was mir noch zu deinem Töchterchen eingefallen ist, lass ihr am besten von deinem Arzt erklären, dass man Mama nicht erschrecken darf. Es ist oft ein Unterschied ob es die Mama sagt (schließlich könnte Mama auch einfach nur keine Lust haben erschreckt zuwerden) oder eben z.B. der Doktor im weißen Kittel. Ich möchte dein Leiden nicht runterspielen aber selbst für mich ist es doch sehr befremdlich dass jemand so auf "Erscheck- Spielchen" reagiert wie unbegreiflich ist es dann wohl für eine 6 jährige?

Ansonsten wünsch ich dir alles Gute dass du dich einigermaßen erholen kannst und deine Tochter & Du wieder eine Einheit werdet ohne einen Hauch von Schuldzuweisung!

alles Liebe

Beitrag von _sunny29_ 18.02.11 - 10:49 Uhr

schlag ihr einen anderen spass vor, den man mit ihr machen kann.
oder auf die harte tour: erschreck sie selber