Mit Hauptschulempfehlung an Realschule-Chance?

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Beitrag von reethi 19.02.11 - 20:21 Uhr

Hallo!

Mein Sohn hat leider nur eine Hauptschulempfehlung bekommen... Und leider haben wir auch an der Gesamtschule Pech gehabt und keinen Platz bekommen.

Die Hauptschule hier bei uns ist eine typische Problemschule - die Polizei ist jede Woche da. Messerstechereien, etc... Ich möchte natürlich nicht, dass mein Sohn dahin gehen muss...

Nun ist meine Frage: wie stehen die Chancen ihn auf einer Realschule anzumelden?

Vielen Dank!
Neddie

Beitrag von meringue 19.02.11 - 20:37 Uhr

Tja- das typische Dilemma vieler Eltern heutzutage. Deshalb sind die Hauptschulen ja auch alle leer. Aber die Gemeinschaftsschule würde diese Probleme natürlich gar nicht kennen.#rofl

Du musst deinen Sohn anschauen und dir die Frage beantworten. Und was will ER? Findest du die Empfehlung gerechtfertigt? Wieviel Hilfestellung könntest du leisten?

Wie groß ist der Andrang auf die Realschule bei euch?
Einen Versuch ist es jedenfalls wert!

Beitrag von samcat 19.02.11 - 20:48 Uhr

Ich finde auch, dass nur du, vielleicht noch mit einem Gespräch mit der Klassenlehrerin im Hintergrund, diese Entscheidung treffen kannst.

Natürlich stimmen die Empfehlungen nicht immer mit dem tatsächlichen Potenzial der Kinder überein...

Mein Mann und ich sind auch ein Beispiel dafür-

Ich hatte mich entschlossen, nach meiner Erzieherausbildung mit Fachabitur (2,5 Notendurchschnitt), mein Abitur zu machen und studieren zu gehen.
Mein damaliger Klassenlehrer hat mir "dringend" davon abgeraten. Ich würde das auf KEINEN FALL schaffen.

Ich habe damals mein Abitur mit 1,5 gemacht und auch mein Hochschulstudium erfolgreich abgeschlossen.

Bei meinem Mann war es ähnlich- Realschulempfehlung, bestes Abitur des Jahrganges, Stipendium, jahrgangsbester Student- er hat von der Universität aus direkt eine super Stelle als Ingenieur vermittelt bekommen.

Ich find es immer noch total krass, dass es Lehrer gibt, die sich so wenig für die Zukunft "ihrer" Kinder interessieren und so sehr demotivieren.
Manchmal sind die Empfehlungen natürlich auch gerechtfertigt aber
wenn dein Sohn und du glaubt, ihr könnt es schaffen und bereit seid auch Arbeit zu investieren, würde ich es versuchen!



Ich wünsche euch, dass ihr die richtige Entscheidung trefft.

LG

Beitrag von delfinchen 19.02.11 - 21:05 Uhr

Hallo,

mit deiner Einschätzung gebe ich dir Recht.

Allerdings möchte ich noch ne Lanze für meine Kollegen brechen. Die Empfehlung wird nach dem Notendurchschnitt gegeben, zumindest bei unseren Zeugnisprogrammen kannst du mit einem bestimmten Notendurchschnitt gar keine andere Empfehlung als beispielsweise Hauptschule anklicken, selbst wenn du denkst, dass das Kind es trotz "unpassender" Noten schaffen könnte.

das geht dann erst, wenn zum beispiel bei einer konferenz darüber gesprochen wird, ob ein schüler mit 3,0 statt 2,66 trotzdem in den m-zweig wechseln kann. da haben wir dann die möglichkeit, losgelöst von den noten zu entscheiden. aber bei den übertrittszeugnissen gilt: notendurchschnitt = empfehlung.

das hat nichts damit zu tun, dass wir uns nicht für die zukunft unserer schüler interessieren.

lg,
delfinchen

Beitrag von samcat 19.02.11 - 21:24 Uhr

Hallo, mit "dass es Lehrer gibt" habe ich ja nicht alle angesprochen.

Ich bin selbst Lehrerin;-) (Naja `ne Halbe- im Ref.)und nehme mich aus dieser Beschreibung natürlich auch raus :-)

Bei uns entscheidet "gott sei Dank" kein Zeugnisprogramm, sondern die Einschätzung von Lehrern und Eltern.

Schließlich gibt es viele Situationen, welche beeinflussen, dass ein Schüler schlechte Noten hat. Dies hat ja nicht immer mit dem Potenzial zu tun (Kummer, Stress etc.). Das zu berücksichtigen kann kein Programm leisten, Menschen zu bewerten...


LG

Beitrag von delfinchen 19.02.11 - 21:35 Uhr

Da hast du recht, daher nervt mich diese vorgehensweise bei uns auch etwas ...
vor allem, weil manche, sobald sie den gewünschten schnitt haben, nix mehr machen. da würde man am liebsten alles rückgängig machen ....

ich hate mal ne schülerin, die in mathe und deutsch ne zwei geschafft hat. in mathe, weil wir das thema wochenlang geübt haben und ich auch viel in förderstunden reingebuttert habe. sonst war sie in mathe echt nicht die hellste, aber durch das viele üben hat sie die 2 geschafft.
in deutsch war sie sonst eher im dreierbereich, ihr lag aber das aufsatzthema mal gut, somit hatte sie dann da auch die 2 und konnte an die wirtschaftsschule gehen. ich war aber der ansicht, dass sie nicht geeignet ist, weil ich ja wusste, dass die noten ein "zufallsprodukt" waren und dass die noten ihr eigentlich nicht entsprachen.
aber der schnitt war erreicht, somit konnte sie gehen. hab dann aber ein entsprechendes pädagogisches wortgutachten geschrieben.
der mutter hatte ich auch dringend abgeraten, aber sie wollte das unbedingt.

naja, nach nem vierteljahr haben ihr die lehrer an der wirtschaftsschule nahegelegt, sofort zu gehen. sie hat ds jahr zuende gemacht und die jahrgangsstufe wieder an einer anderen hauptschule wiederholt. sie macht jetzt die letzte klasse - ob sie den quali ohne förderunterricht der ganztagsklassen schafft, steht in den sternen -, während ihre "alten" mitschüler längst einen ausbildungsplatz haben.

soviel zu der wertgkeit der noten.
umgekehrt geht das natürlich auch.... da kriegt man schüler aus der grundschule und fragst sich nach einigen wochen: warum sind die bei uns gelandet? was lieft da in der grundschule schief?

alles gute für referendariat .... ist ne super-stressige zeit, aber wenn vorbei ist, kann man das meiste so machen, wie man das machen möchte :-).

liebe grüße,
delfinchen









Beitrag von samcat 19.02.11 - 21:54 Uhr

Danke !!!! Ja ich bin echt froh, wenn es vorbei ist, wobei es nach dem scheinbar niemals endenden Studium auch ein gutes Gefühl ist, so kurz vor dem Ziel zu sein und endlich mal Praxisluft schnuppern zu dürfen;-)


Ja, ich denke es ist schon sehr schwer immer die richtige Entscheidung zu treffen. Ich wünsche mir, dass ich aber wenigstens nie aufhöre mein Bestes zu geben, und niemals zu bequem genau hinzusehen.

Mich hat meine eigene Schulzeit sehr geprägt, mir wurden soviele Steine in den Weg gelegt. Ich hoffe meinen Kindern bleibt das erspart, meine Große kommt diesen Sommer in die Schule (:

Liebe Grüße und schönes WE #winke

Beitrag von shorty23 19.02.11 - 21:02 Uhr

Hallo Neddie,

ich denke, das kommt wohl auch auf das Bundesland an, seid ihr aus Nordrhein Westfalen? Dann ist es so:
"Wollen Eltern ihr Kind an einer Schulform anmelden, für die es nach der Empfehlung der Grundschule nicht und auch nicht mit Einschränkungen geeignet ist, entscheidet ein dreitägiger Prognoseunterricht, ob es zum Besuch der gewählten Schulform zugelassen wird. Vorher bietet die gewünschte weiterführende Schule den Eltern eine Beratung an. Das Schulamt informiert die Eltern mit der Einladung des Kindes zum Prognoseunterricht über dessen Ablauf ..." http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/APOen/AO_GS.pdf §8 Absatz 6 da geht es aber noch weiter.

Ich würde mich da schnellsten dahinter machen und am Montag beim Schulamt und bei den in Frage kommenden Realschulen anrufen. Eventuell gibt es ja auch eine Warteliste für die Gesamtschule? Oder wie wäre es mit einer privaten Gesamtschule (konvessionell, Montessori, Waldorf)? Vielleicht gibt es da auch die eine oder andere?

Alles Gute

Beitrag von 75mausi 19.02.11 - 22:24 Uhr

Hallo #winke!

Muss dir da kurz widersprechen - das Gesetz hat sich geändert.
Die Empfehlungen der Grundchullehrer sind nicht mehr bindend, du kannst also auch ohne Prognoseunterricht anmelden, wo du möchtest (ob du genommen wirst, ist natürlich eine andere Frage).
Auch die Kopfnoten gibt es nicht mehr.

LG

Beitrag von celina1002 19.02.11 - 22:46 Uhr

#huepfstimmt

Beitrag von shorty23 20.02.11 - 11:48 Uhr

Na dann ist es ja um so besser für die TE!!!

Beitrag von katici 20.02.11 - 16:02 Uhr

solange es für die TE gut ist !:-[

Spricht man denn eigentlich immer mehr den Lehrern ab, dass sie die Kinder nicht einschätzen können???Bzw. dass sie ihren Job nicht beherrschen?
Wenn man in der fünften oder sechsten in der Hauptschule merkt, dass das Kind einen Entwicklungsschub gemacht hat, kann es doch immer noch wechseln.
Die Lehrer arbeiten jeden Tag mit den Kindern und wissen doch am besten, welche Anforderungen es in den entsprechenden Schularten gibt.

Hauptschüler gleich Versager? Sicher nicht, sie haben, wenn sie Willen und Durchhaltevermögen beweisen, die gleichen Chancen, wie ein Realschüler oder Gymnasiast.

Beitrag von shorty23 20.02.11 - 17:43 Uhr

Das wollte die TE ja aber nicht wissen, ich finde das auch nicht gut, dass man sich nicht an die Empfehlung der Lehrer hält, das wollte ich mit meinem Beitrag auch nicht sagen, aber sie hat ja nicht gefragt, ob man das machen würde, sondern, ob es ginge ihn da anzumelden. Und du kannst ja keinen dazu zwingen, wenn sie es so machen will, ist es ja ihre Entscheidung, vielleicht geht es gut, vielleicht nicht.

Beitrag von inblack 21.02.11 - 18:49 Uhr

;-)
Ich habe mit einer dringenden Hauptschulempfehlung heute ein 1,0 Diplom.
Auf der Hauptschule war ich übrigens nie, dort hätte ich sicher resigniert. Meinen Eltern und der Selbstbestimmung sei Dank!

Und ja, ich glaube, die Lehrer schätzen das nicht immer gut ein.
Die Schulministerin (übrigens selber Lehrerin) sieht das wohl ähnlich:
Schulministerin Sylvia Löhrmann: „[...] Ebenso wenig lassen sich bei Viertklässlern verbindliche Prognosen über ihre künftigen Leistungen treffen."
http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Presse/Meldungen/Archiv/LP15/PM_2010/pm_15_12_2010.html
Wieso sollte auch ein Lehrer VERBINDLICH in das Leben eines Menschens und einer Familie eingreifen dürfen, für den er sich nie wieder interessieren wird?! Für MICH ist das eine Vermessenheit und eine absolte Frechheit.
Ich bin glücklich, dass dieser Eingriff in die Selbstbestimmung in NRW abgeschafft wurde!

"Die Lehrer arbeiten jeden Tag mit den Kindern und wissen doch am besten, welche Anforderungen es in den entsprechenden Schularten gibt." Auch das glaube ich nicht. Viele Grundschullehrer kennen die Schulen gar nicht, an die sie "ihre" Kinder empfehlen und wie die Anforderungen sind. Das ist ein O-Ton einer Gymnasiallehrerin.
Auch machen sich die wenigsten Grundschullehrer die Mühe, später mal zu prüfen, ob die Kinder zu der Empfehlung passten.
Außerdem glaube ich auch, dass ich mein Kind immer noch besser kenne, als eine Grundschullehrerin, die ganz frisch im Schuldienst ist und zudem mein Kind gerade mal 2 Jahre für ein paar Schulstunden am Morgen sieht.

Und ich glaube auch nicht, dass Hauptschüler die gleichen Chancen haben wir Realschüler und Gymnasiasten. Sorry. Wir hatten auf unserem großen Gymnasium EINEN Hauptschüler.

Leider bin ich komplett anderer Meinung als du.
#kratz Nichts für Ungut.

Beitrag von anja1968bonn 20.02.11 - 10:06 Uhr

Hallo Neddie,

ja, ich kann gut nachvollziehen, dass Du Deinen Sohn nicht auf die Hauptschule geben möchtest - der Ausbau der Plätze an Gesamtschulen kommt für euch leider zu spät.

Frag bei in Frage kommenden Realschulen einfach nach, ob da noch Platz ist - wenn ich es richtig verstanden habe, ist die Empfehlung der Grundschule ja nicht mehr bindend. Ich drück Euch die Daumen dass es doch noch an einer Realschule klappt!

Herzliche Grüße (von der anderen Rheinseite)

Anja

Beitrag von sarahg0709 20.02.11 - 11:16 Uhr

HAllo Neddie,

ein Neffe ist mit einer Hauptschulempfehlung ans Gymnasium gegangen (die Eltern haben das durchgesetzt).

Gut, er ist einmal kleben geblieben (6, Klasse), ist aber inzwischen in der 9. Klasse und es klappt alles ganz gut.

Wenn eine Realschule ihn aufnehmen will, würde ich es versuchen. Ansonsten sich eine weiter entfernte Hauptschule suchen, die auch Gastschüler aufnimmt, bzw. das Kind mit Zweitwohnsitz bei Verwandten/Bekannten anmelden und direkt bei der Hauptschule im dortigen Sprengel anmelden, so diese besser sind.


Liebe Grüße

Sarah

Beitrag von similia.similibus 20.02.11 - 12:49 Uhr

Welchen Notenschnitt hat er denn? Vor allem in den Hauptfächern?