ich kann nicht mehr... wie kann ich meiner Tochter helfen?

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Forum: Leben mit Handicaps

Stolpersteine im Leben sind manchmal überwindbar, manchmal muss man sich mit ihnen arrangieren. Hier ist der Ort, um darüber zu sprechen: Entwicklungsverzögerung beim Kind, ADHS, das Down-Syndrom, Spina Bifida, Leben im Rollstuhl ...

Beitrag von awassa 20.02.11 - 22:03 Uhr

Guten Abend Ihr Lieben!

Wie fange ich bloß an damit es nicht zu durcheinander wirkt?
Aaalso, ich habe 2 Kinder - mein Großer ist 10 und die Kleine 8 Jahre alt.

Mit meiner Kleinen hatten wir von Anfang an unsere Probleme:
Als Baby ein Schreikind (und der Große war auch noch recht jung, war keine lechte Zeit für mich).

In der Kita sagte mal ihre Erzieherin (die unsere Tochter nichtsdestotrotz sehr mochte), Eleni sei schon mit nichtmal 3 Jahren so selbstbewußt, sie hätte sowas noch nie in ihrer Laufbahn erlebt (ist schon ein älterer Jahrgang aber total lieb), sie hielt und hält sich kaum an Regeln und ist auch in unseren Augen "verhaltensauffällig" besonders was soziale Kontakt betrifft...

Je älter sie wird, desto deutlicher zeigt es sich.

In der 1.+2.KLasse hatte ich regelmässig Elterngespräche mit ihrer Lehrerin zwecks Sozialverhalten - schulisch war unsere Kleine immer eine der Besten.

Bis zum Ende der 2.Klasse hatte sie keinen einzigen Freund/Freundin aus der Klasse, nur 2 Freundinnen aus den oberen Klassen (jeweils 3 Jahre älter).

In dieser Zeit waren wir auch bei einer Kinderpsychologin und bekamen die Diagnose "leichte ADHS" (muss aber angeblich nicht behandelt werden) und "überdurchschnittliche Begabung" (also "noch" nicht hochbegabt).
Als Therapie bekam sie alle 3 Wochen Kinderyoga (45min.), klasse oder?
Irgendwann haben wir die Therapie abgebrochen, denn was bringt meiner Kleinen es, nur alle 3 Wochen dorthin zu gehen und dann noch zu den unmöglichsten Zeiten (schnell von der Schule abholen um pünktl. da zu sein, ohne Zeit fürs Schulmittagessen...).
Die Psychologin erschien uns auch nicht wirklich kompetent.

Diesen Sommer haben wir einen Schulwechsel bei beiden Kindern gemacht (wir arbeiten im Schichtdienst, beide mussten allein vom Hort nach hause und hatten einen rel. weiten Schulweg mit Straßenbahn und Co.), aber ich hate auch die Hoffnung, daß meine Tochter ENDLICH Anschluß findet.

Mein Sohn hat sich superschnell eingelebt und auch schnell Freunde gefunden - meine Tochter kam bis zu den Herbstferien mit keinem klar, danach wurde es etwas besser aber keine "Freundschaft" hält länger als 2 Wochen.

Eigentlich hat sie keine einzige Freundin, bis auf eine die sie von Baby an kennt (ist aber auch 3 Jahre älter), sie sieht sie aber auch leider relativ selten (Eltern getrennt, sie ist mal bei Papa, mal bei Mama)....

Ihre Verhaltensauffälligkeiten:

-versteht sich nicht mit Gleichaltrigen, entweder mit viel älteren Kindern oder ganz kleinen, die sie dann überbemuttert (hat sie schon als Kitakind mit den Kindern gemacht-waren altersgemischte Gruppen)

-sie kann kaum an Gruppenarbeiten teilnehmen (auch oft von Lehrern zu hören bekommen) da sie immer herrschen will und nur sie recht hat

-wenn sie mit uns redet (seien es auch nur banale Situationen) habe ich oft das Gefühl, sie sei die belehrende Mutter und wir die Kinder (also der "Ton" von ihr und die Ausdrucksweise)

-hate KEINE Hobbies oder Interessen (das Einzige was sie wirklich gernmacht ist Fernsehen-es gibt bei uns aber strikte Fernsehzeiten

-ausser am WE- und dennoch ständig Aufsand darüber)

-interessiert sich mit 8 Jahren für "Teenagersachen" (zb Klamotten-sie zieht sich gern "sexy" an was wir versuchen möglichst zu unterbinden oder Musikgeschmack usw..., würde sich am liebsten immer Schminken, redet gern wie eine Erwachsene usw) - ich habe oft das Gefühl sie sei schon hochpubertierend

-in der Schule steht sie sich selbst im Weg (Leistung ist sehr gut aber diese macht sie sich selbst kaputt, zb ihre sauber geschriebenen Arbeiten werden komplett bekritzelt daß man nichts mehr lesen kann, oder aber sie schreibt total unsauber oder noch besser- sie macht garnichts weil sie grad "keine Lustt" hat)

-sie übertritt IMMER Regeln

-in der Gruppe wird es besonders deutlich, sie geht zb seit einem Monat zum Mädchenturnen - sie persönlich findet es toll, aber aus meinen Beobachtungen hassen sie jetzt schon die meisten Mädels, denn sie schubst zb grundlos und unerwartet einen, lacht hämisch bei Ballspielen wenn sie zb eine abwirft, drängelt sich immer vor usw.....

Ehrlich gesagt, ich kann noch ewig so weiterschreiben, ich würd noch bis morgen früh dran sitzen...... :-(

Manchmal ist sie mir total peinlich, oder wenns daheim ganz schlimm wird, entlwickle ich regelrechte Hassgefühle ihr gegenüber, obwohl ich sie ja trotzdem über alles liebe (wir kuscheln viel usw aber selbst da übertreibt sie immer und tut einem mit ihrer "liebe" zum teil richtig weh.) - wir unternehmen viel zusammen und fahren oft und gerne in den Urlaub wo sie auch aufblüht (ungeteilte Aufmerksamkeit eben)

Ich haber jetzt im SPZ einen Termin vereinbart aber der ist erst in knapp 2 Monaten, morgen werde ich mal etliche Kinderpsychiater anrufen denn so geht es nicht mehr weiter...

Das Schlimmste daran ist, daß es mir persönlich momentan auch nicht wirklich gut geht seelisch (bin jetzt 2 Wochen krankgeschrieben von meine Hausärztin und hab ne Überweisung zum Psychiater zwecks Depressionen), ich fange ohne Grund an zu weinen und komme schon mit mir selbst kaum klar und ihr Verhalten setzt mir zusätzlich zu.

Was mich am meisten aufregt, sind dies ewigen Wartezeiten auf den Ersttermin, meinen habe ich bekommen für den 23.3. - ich habe unzählöige Ärzte angerufen und habe Terminangebote zum Teil für den Mai bekommen #kratz

Gerade, wenn man am dringendsten Hilfe benötigt, muß man so lange warten, ich versteh es nicht!

So, jetzt habe ich mir vieles von der Seele geschrieben, denn mit wem ausser meinem Mann kann man über so etwas sprechen aus dem Freundeskreis?

Habt ihr Ideen, was ich zur Überbrückung machen könnte? Gibt es irgendwelche guten und empfehlenswerten Stellen wo ich nicht bis zu 3 Monaten oder länger auf einen Termin warten muß?

Oder habt ihr vielleicht ähnliches erlebt mit euren Kindern?
Wie geht ihr mit gewissen Situationen um?
Mich graut es zb jedes Mal davor, wenn in ihrem Muttiheft mal wieder steht "ich bitte dringend um ein Elterngespräch" *heul*

Wir wohnen übrigens in Berln, vielleicht habt ihr Anlaufstellen für uns die ihr empfehlen könnt?

Liebe Grüße und danke schonmal fürs "Zuhören", es ist zwar ziemlich chaotisch und durcheinander, aber mir tat es jetzt gerade sehr gut #hicks

Liebe Grüße,
Karo

Beitrag von awassa 20.02.11 - 22:16 Uhr

PS. Sorry für manche Tippfehler.... waren nicht beabsichtig....
Ich hab grad meinen Text überfllogen und bin schon wieder am Heulen....#heul

Was ich noch kurz erwähnen wollte:
Von gestern zu heute hatten beide Kinder übernachtungsbesuch da (die besagte einzige Freundin miner Tochter, die schon 11,5 ist) und ein Freund meines Sohnes.

Mein Sohn hat desöfteren Übernachtungsgäste, aber da meine Tochter ja kaum/keine Freunde hat,....

Ist ja dann immer so, daß sie dann meinen Sohn und den jeweiligen Freund ständig "nervt".

Gestern war ja ihre Freundin eben auch da und es gab viele Situationen wo sie dann zu den Jungs ist um sie zu "nerven" oder ärgern und ich saß dann mit ihrer Freundin da und hab mich mit ihr über Gott und die Wlrt unterhalten (die Kleine würd ich am liebsten adoptieren, sie ist ein so tolles Kind!)

Selbst ihr setzt meine Tochter oft zu...die Freundin hat schon oft zu mir gemeint:
"weißt du, Eleni kann manchmal richtig schrecklich sein und nerven, aber ich hab sie trotzdem lieb und ich fühl mich bei euch so wohl (ich kenn sie wie gesdagt von kleinauf)-es ist sooooo schön, daß sie wenigstens diese Freundin hat, die ihr ab und zu den richtigen Weg weist..... #heul

Beitrag von sina236 20.02.11 - 22:42 Uhr

mir tat das grad richtig weh beim lesen. ich kann deine gefühle gut verstehen. einerseits die bedingungslose liebe einer mutter, andererseits aber auch die schwindende kraft und du kannst dich ja nun mal nicht den ganzen tag um die kleine kümmern, auch wenn sie dies augenscheinlich gebrauchen könnte. leider bleibt dir ja nix, als auf den SPZ termin zu warten- dafür bekommst du dort wahrscheinlich das erste mal wirklcih professionelle hilfe. es kann natuerlich 1000 verschiedene ursachen haben, dass dein kind so ist, wie es ist. jedes kind sucht sich, wenn es heranwächst, seinen eigenen platz in der familie. ist der platz des braven "pflegeleichten" schon durch jemanden besetzt, muss das kind sich eine andere rolle suchen. nicht selten spielen hierbei auch übertragungen eine rolle. übertragungen können vielfältig stattfinden, auch über mehrere generationen hinweg. man ist dann mit einer bestimmten person aus der familie (auch wenn man nicht mal unbedingt viel kontakt hat) emotional verstrickt. du kannst ja mal darüber nachdenken, was es für unterschwellige konflikte in der familie gibt. nicht nur euch 4 betreffend, sondern auch erweitert auf die fernere verwandschaft. besonders interessant sind dabei auch konflikte, die DU als mutter mit einem familienmitglied (speziell mutter, aber eben auch vater oder grossmutter etc.) hast und vielleicht verdrängt, nicht wahr haben wolltest usw. auch hier kann potenzial schlummern, ein kind zum unruhegeist werden zu lassen. ein kind spürt sehr genau, wo die eigene mutter leidet, probleme hat auch wenn nie darüber gesprochen wird. kannst ja mal in dich gehen und überlegen. oft hilft einem das wissen über bestimmte dinge schon viel weiter, auch wenn man nicht direkt was tun kann. einfach diese hilflosigkeit ist ein wenig vermindert. ansonsten musst du auch so oder so durchhalten. es ist leider so, dass es in unserer gesellschaft so viele krank machende faktoren gibt, dass psychologenpraxen überlaufen und einrichtungen wie SPZ´s hochbetrieb haben. ich hoffe, euch kann geholfen werden.

Beitrag von scrollan01 21.02.11 - 11:49 Uhr

Bei allem Verständnis für deine Situation, aber mir fehlt da etwas ganz Großes!

WAS macht deine Tochter eigentlich GUT?

Worin ist sie super, was macht sie liebenswert?
Welche positiven Seiten hat dein Kind????

Das alles wird komplett überlagert durch all dein negativen Beispiele!

LG

Beitrag von awassa 21.02.11 - 14:55 Uhr

Hallo!

Eine Sache habe ich ja bereits erwähnt.... rein schulisch ist sie super #pro

Desweiteren liebt sie Menschen (zeigt es aber oft auf sehr "anstrengende Weise") und vergißt nie jemanden, fragt immer nach deren Befinden oder ruft auch an bei Oma, Tanten/Onkel aber auch meinen Freundinnen ;-)

Diese Eigenschaft macht sie bei etlichen Erwachsenen trotz ihres Verhaltens liebenswert #verliebt

Sie ist sehr kreativ und "hart im Nehmen" (kaum krank, nicht wehleidig usw)

Warum du vielleicht die positiven Eigenschaften vermisst hast, ist daß ich hier nicht gepostet habe um ein Loblied auf meine Tochter zu singen, sondern um mich mit ihren Problemen auseinanderzusetzen, bzw. mir meinen Kummer von der Seele zu schreiben....

Beitrag von scrollan01 21.02.11 - 22:00 Uhr

Ganz einfach aus dem Grunde, dass es sich "netter" liest wenn neben den Problemen - und die habt ihr ja nun mal - eben auch die positiven Seiten angesprochen werden und dies dann einen Gesamteinblick gibt.

Es rundet quasi ab - sonst bleibt man hängen und sieht nur erstmal per Tunnelblick schwarz!

Ich denke, euer Kind ist ziemlich pfiffig, aufgeweckt und klug - vermutlich wird sie auch ordentlich unterschätzt?

Vielleicht wäre es gut mal drüber nachzudenken, durch welche Stellen du eine bestimmte Förderung für sie bekommst - nicht als Therapie sondern eher damit sie gefördert wird wenn sie sich unterfordert fühlt.

LG

Beitrag von goldangel81 21.02.11 - 13:51 Uhr

Hallo liebe Karo,

ich verstehe Deine Sorgen und kann aus den Zeilen Deine Unsicherheit herauslesen.

Alle Punkte die Du aufgezählt hast: Anschluss zu älteren Kindern, nicht an Regeln halten, das Bestimmen etc. sind deutliche Anzeichen von einer Hochbegabung.

Wir hier in Rostock haben ein Hochbegabten-Stelle. Ich würde vielleicht gar nicht zum SPZ mit ihr gehen. Denn Deiner Tochter geht es gut. Diese Anzeichen von Hochbegabung deuten auf eine Unterforderung hin. Besser wäre es nochmals eine Testung auf Hochbegabung durch eine Psychologin durchführen zu lassen. Scheue Dich nicht Zentren für Hochbegabung anzusprechen, die sind spezialisiert und ich könnte mir vorstellen, dass Du auch den Anfahrtsweg in Kauf nimmst.

Ich weiß, dass es dich verunsichert... versuche diesen Weg...

Liebe Grüße und viel Kraft
Andrea

Beitrag von alocin1970 21.02.11 - 21:32 Uhr

Hallo, Karo,

oh, du schreibst von meinem Sohn??? Jedenfalls in weiten Teilen ...

Was gleich ist:

1. Er hält sich hier in der Familie kaum an Regeln, das war schon im Kindergarten und ist jetzt in der Schule ab und an immer noch Thema (gerade heute las ich wieder den Satz in seinem Mitteilungsheft: "L ... stört den Unterricht", mit Bitte um Unterschrift meinerseits. In der ersten Klasse hatten wir auch einige Telefonate und Elterngespräche.

2. Er ist sehr klug, liest ganze Bücher an einem Abend, rechnet seinem Alter weit voraus, kennt Zusammenhänge, weiß etwas von Geschichte, Politik etc., drückt sich gut aus, schon seit er ganz klein war.

3. Er ärgert sehr gerne andere Kinder.

4. Er will immer alles und alle bestimmen und ist beleidigt, wenn es nicht nach seiner Nase geht.

Was anders ist:

1. Er hat sehr viele Freunde, ist sehr beliebt, schon zum 2. Mal hintereinander Klassensprecher, man "reißt" sich um Treffen mit ihm.

2. Er hat Hobbies, spielt Fußball im Verein, spielt gerne draußen, tobt mit den Nachbarskindern, liest, liebt Gesellschaftsspiele etc. (wenn er dürfte, würde er aber den ganzen Tag Nintendo spielen und fernsehen, aber das ist nicht)

3. Er ist nicht älter als er ist, also vorpubertär oder so etwas.

Das Problem bei uns ist weniger sein Verhalten nach außen hin (war früher anders), sondern das innerhalb der Familie. Er hört auf nichts, macht nicht das, was er soll, und das, was er nicht soll, macht er gerade extra. Er ärgert nonstop seine kleinen Geschwister, v.a. seinen Bruder (fünf Jahre alt). Er trödelt. Er ist laut, wild, zappelig. Es fängt eigentlich schon morgens an, ich stehe mit den besten Vorsätzen auf, und es geht sofort los. Er darf langsam wach werden, mit Kakao am Bett, aber nach 10 min muss er dann raus. Er tut es aber nicht. Wenn er nach 10 Ermahnungen aufgestanden ist, blockiert er die Toilette, damit die Kleinen nicht drauf können. Er stellt sich auf den größten Hocker für die Kleine, obwohl er selbst keinen mehr braucht. Er zieht sich nicht an, er kommt nicht zum Frühstück, nach dem Frühstück putzt er sich nicht die Zähne, kommt dann nicht wieder runter etc etc. Ständig bekommt er Wutanfälle und bockt wie ein kleines Kind, zum Beispiel, wenn er bei reinen Glücksspielen wie Mensch ärgere dich nicht verliert. Er lässt seine Wut an seinem Bruder aus. Eigentlich macht er nichts ohne Androhung bzw. Erpressung. Am Wochenende und heute ist es eskaliert. Wir hatten so viel Streit mit ihm. Wir wollten einen Ausflug machen, er zog sich nicht an, wollte nicht mit. Im Auto redeten wir über ein Thema, wo er sich irrte, aber meinte, recht zu haben. Er wollte mir den Mund verbieten. Selbst als er seinen Fehler einsah, fing er wieder an "Du hälst beim nächsten Mal den Mund, Mama!" Mein Mann und ich können nicht mehr, es gibt nur noch Unfrieden und Streit mit und um dieses Kind. Insofern kann ich deine Hassgefühle gut verstehen, obwohl ich ihn so unglaublich lieb habe. Abends ist er dann zärtlich und kuschelbedürftig - das geht aber kaum, weil er mich dabei schnell mal unter den Armen kneifen und kitzeln muss, obwohl ich ihm 1000 x auch sehr wütend klargemacht habe, dass ich das hasse. Ich habe ihn heute auch angeguckt und mir gedacht, du Kind machst hier gerade alles kaputt. Natürlich streite ich auch mit meinem Mann wegen ihm.
Wir haben alles probiert: Strenge, Ignorieren, positive Verstärkung von gutem Verhalten, Extra-Zeit für ihn - nichts hilft auf die Dauer.

Ich meine, er ist längst nicht immer so, er kann auch ein aufmerksamer, hilfsbereiter, charmanter, zärtlicher, hingebungsvoller, interessanter Spielpartner/Gesprächspartner/Sohn/Freund/Bruder etc. sein, aber so vieles im Alltag ist Kampf.

Wenn ich ihn frage (heute hatte ich Zeit, der Mittlere war verabredet, die Kleine alleine oben, da haben wir eine Stunde unten alleine gesessen und ich habe versucht mit ihm zu reden), kommen nur Faxen raus und Gelächter und Gekicher und die stereotype Antwort: Schaff K... (seinen Bruder) ab, und alles ist gut. Das kam in allen Variationen wieder, und wenn ich dann um ernsthafte und realistische Wünsche seinerseits bat, kam: Na gut, dann schaff beide Geschwister ab, dann bin ich wieder lieb. Ich weiß, er ist eifersüchtig, sicherlich kommt ein Großteil seines Verhaltens daher. Allerdings war er auch schon, als er noch alleine war (bis 2 Jahre 8 Monate), so, dass er nicht gerade gut "hörte" und uns zum Beispiel kratzte oder biss. Als dann auch noch so was kam, wie, sonst würde er selbst dafür sorgen, dass sein Bruder verschwindet, wurde mir Angst und Bange. Ich habe dann einen Freund angerufen, der mit psychisch schwierigen Kindern arbeitet und mir einen guten Familiencoach empfohlen hat. Wenn wir uns dafür entscheiden, kann er uns einen Termin ohne Wartezeit beschaffen.

Wir versuchen erst mal den Weg aus "null Toleranz" (wir haben ihn heute sofort bei einem Wutanfall beim Abendessen aufs Zimmer geschickt und nicht wie sonst uns durch Bitten weichklopfen lassen) und etxa Zeit und Zuwendung. Wenn das nichts bringt, kommt sofort der Anruf bei meinem Freund.

Ich kann dich verstehen, wenn auch NICHTS raten. Ich kämpfe diesen Kampf jetzt seit sicher 6 Jahren und seit der letzten Woche habe auch ich das Gefühl: Ich kann nicht mehr!!! Dieses eine Kind kostet all meine Energie und Lebensfreude.

Ach so: Er geht nur den Vormittag in die Schule, ich bin zu Hause und arbeite von hier aus abends. Ich habe also Zeit für ihn, er darf seine Freunde immer treffen und sie hierher einladen, da ich ja immer da bin. Ich fahre ihn dorthin, ich bringe ihn 3 x die Woche zum Fußball, mein Mann trainiert ihn ab und zu (er ist Torwart, sie haben keinen extra Trainer für ihn), wir gucken alle zusammen bei seinen Spielen und Turnieren zu (die Kleinen nicht gerade begeistert, aber alles für ihn). Ich sage mal, er kann sich eigentlich nicht beklagen über mangelnde Zuwendung, aber offensichtlich kommt das anders bei ihm an.
Und: Er war von Anfang an fix. Lief mit einem Jahr, sprach mit 2 Jahren sehr sehr gut, war Gleichaltrigen immer motorisch, sprachlich und vom Selbstbewusstsein überlegen. Er ist hübsch, klug, beliebt, er hat eigentlich alles was das Herz begehrt ... und dennoch ist er hier, wie er ist.

Mitfühlende Grüße, Nico

Beitrag von abrocky 24.02.11 - 10:44 Uhr

Schonmal an Autismus gedacht? Asperger Syndrom etc?

Gruß Anja