Streik der Lokomotivführer

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Beitrag von purpur100 22.02.11 - 09:31 Uhr

Guten Morgen,
so, meine Finger sind wieder einigermaßen warm, der Rest auch. Habe heute morgen über ne 3/4-Stunde auf dem arschekalten Bahnhof gestanden und gewartet. Habe der sich immer wiederholenden nichtsagenden Stimme über die Lautsprecher zugehört, daß es wegen Streik zu Zugverspätungen und Zugausfällen kommt.

Die Anzeigetafel war auch nett anzusehen. Erst steht drauf, daß "meine" S-Bahn in 19 min. kommt, dann zack ein Wechsel auf 84 min. Und immer wieder diese Durchsage#aerger

Was bringt denn diese Art von Streik? Die Leute, Pendler, die darauf angewiesen sind, haben doch sowieso ne Dauerfahrkarte und vom Kaufpreis gibts nix zurück.

Und es ist ja auch nicht so, daß es an normalen Tagen reibungslos läuft, ach was, weit gefehlt! Zugverspätungen und auch teilweise Zugausfälle gehören dazu, is völlig normal.

Ja, eigentlich war es heute nicht viel anders als sonst. Mit dem kleinen Unterschied, daß es diesesmal halt fast ne Stunde gedauert hat, ehe eine S-Bahn gefahren ist. Und das bei dieser Schweinekälte!

Wäre es nicht sinnvoller, am Wochenende Züge zu bestreiken, bei welchen Einzelfahrscheine gekauft werden? Es fährt nix, also keine Geldeinnahme.

Ich als Pendler bin auf die Bahn angewiesen. Meine Wut richtet sich aber nicht gegen die Bahn, sondern gegen die streikenden Lokführer. Irgendwas läuft schief:-(

Beitrag von zeitblom 22.02.11 - 10:26 Uhr

"gegen die streikenden Lokführer"

Na, na, na...wo bleibt Deine Solidaritaet mit der Arbeiterschaft?

Beitrag von purpur100 22.02.11 - 10:50 Uhr

in diesem Fall hat sichs mit Solidarität#aerger Wo bleibt denn deren Solidarität den Pendlern gegenüber? Den Leuten, die auf sie angewiesen sind? Nicht vorhanden, im Gegenteil, die Macht wird ausgespielt. Falscher Ansatz, findste nicht?

Vielleicht liegt es auch daran, daß die Lokführer vorne in ihrem Kabuff drin sitzen und von der "Kundschaft" nicht viel mitbekommen.

Beitrag von zeitblom 22.02.11 - 11:05 Uhr

war auch nicht ganz ernst gemeint... ;-)...

Dennoch: ein Streik soll ja auch die Macht zeigen...und da so ein Streik ja auch fuer die Gewerkschaft nicht ganz billig ist, sind Streiks meist ein letztes Mittel, wenn also alle anderen Ansaetze nicht zum Ziel fuehrten.
Anstatt immer nach dem Staat zu rufen (z.B. um gesetzliche Mindestloehne zu fordern), sollten Arbeitnehmer oefter selber die Verantwortung fuer ihre Tariffe und Arbeitsbedingungen uebernehmen... aber das ist den Meisten zu anstrengend, der Ruf an "die da oben" ist da bequemer....

Beitrag von purpur100 22.02.11 - 11:16 Uhr

"sollten Arbeitnehmer oefter selber die Verantwortung fuer ihre Tariffe und Arbeitsbedingungen uebernehmen"

jepp. Gebe ich dir voll und ganz recht. Machen wir hier ja auch (Steuerbüro/WP-Kanzlei).
Wenn wir das aber auf dem Rücken unserer Kundschaft/Mandanten tun würden, dann wären wir nicht nur absolut bescheuert, nein, wir würden uns ins eigene Fleisch schneiden.

Ok, nun sagen sich die Lokführer halt, die Pendler sind ja auf uns angewiesen, haben wir ein prima Druckmittel in der Hand. Man stößt quasi der Kundschaft ein Messer in die Rippen und dann verlangt man dafür auch noch Verständnis?
Is ja wohl n Witz, oder?

Beitrag von nele27 22.02.11 - 12:13 Uhr

Wenn die Ironie nicht klar gewesen wäre, hätteste von mir für die Aussage ein Herzchen bekommen ... tja, verschenkt ;-)

Beitrag von zeitblom 22.02.11 - 12:31 Uhr

weiterlesen....

aber nur fuer Dich, als Gewerkschaftstochter (ich nehme das mal als Herkunftshinweis und nicht als Auszeichnung): wem darf die mangelnde Solidaritaet unter Arbeitnehmer unterschiedlicher Branchen und die katastrophale Mitgliederentwicklung in den Gewerkschaften angelastet werden? Und warum?

Beitrag von nele27 22.02.11 - 12:54 Uhr

1. Zum einen solchen Menschen wie Pupur100 :-) Das ist wohl eine Mentalitätsfrage. In anderen europ. Ländern ist der Rückhalt in der Bevölkerung ein ganz anderer.
Wie die Dolchstoßlegende, nur ohne Legende :-)

2. durch befristet Beschäftigte, Zeitarbeiter, Abdeckung von Arbeit durch Freiberufler etc. gibts gar nicht mehr so viele Arbeitnehmer, die unbeschadet streiken können. In meiner alten Firma z.B. erschien das Profukt trotz Streik, wurde dann eben mit Honorarkräften hergestellt

3. Gewerkschaften spielen per se keine zentrale Rolle. In irgend einem skandinavischen Land (Dänemark??) wird die Arbeitslosenversicherung über die Gewerkschaften geregelt, da haben die natürlich viel mehr Macht

Ich hoffe, die Gründe reichen Dir...

Beitrag von zeitblom 22.02.11 - 13:04 Uhr

klar, war (fast) absehbar....

Beitrag von nele27 22.02.11 - 20:03 Uhr

Tja, ich habe eben Recht #cool

Beitrag von purpur100 22.02.11 - 13:31 Uhr

"Zum einen solchen Menschen wie Pupur100"

ja, ich hab das schon verstanden. Ich verhalte mich falschsolidarisch.

Sachen gibts....

Beitrag von marion2 22.02.11 - 10:38 Uhr

Hallo,

einem Wochenendstreik wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Es gab rechtzeitig Informationen.

Gruß Marion

Beitrag von purpur100 22.02.11 - 10:48 Uhr

Hallo Marion,

ha! Rechtzeitig Informationen? Eben nicht. Es hieß, es wird gestreikt. Welche Bahnlinien nun genau davon betroffen sind, nein, diese Info gabs nicht!

Und überhaupt: Was nutzt es mir, daß ich darüber informiert bin? Ich habe nicht die Möglichkeit, mich einer Fahrgemeinschaft anzuschließen. Ok, ich hätte Urlaub beantragen können? Kannst knicken jetzt um diese Zeit, da gibts bei uns keinen Urlaub.

Sagen können, daß ich eventuell später komme? Ja was glaubst du, was ich gemacht hab!

Ja, ich hätte gleich später starten können. Und? Auch wenn ein Streik um Punkt 8.00 endet fahren die Züge hinterher nicht gleich wieder laut Fahrplan, nö, da herrscht noch ne lange Zeit hinterher Chaos.

Ja, ich gebe dir Recht. Ein Streik am WE bekommt bestimmt zu wenig Aufmerksamkeit. Aber finanzielle Einbußen für denjenigen, den der Streik ja eigentlich treffen soll, oder?

Beitrag von nele27 22.02.11 - 13:10 Uhr

Und? >Hast Du Deinen Job verloren?

Beitrag von purpur100 22.02.11 - 13:13 Uhr

ich denke solidarisch. An die anderen, denen es so gehen könnte.

:-p

Beitrag von nele27 22.02.11 - 20:05 Uhr

***ich denke solidarisch***

Das glaube ich Dir ab heute nicht mehr #gruebel

Du Arbeitgeberfreund :-p

Beitrag von nadeschka 22.02.11 - 14:31 Uhr

Dazu möchte ich dich mal auf diesen Artikel hinweisen:
http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1552939/Gewerkschaft-nimmt-auf-Berlin-keine-Ruecksicht.html

Zitat:
"Für viele Pendler kam die Mitteilung am Vorabend zu spät, um noch Fahrgemeinschaften oder andere alternative Transportmöglichkeiten für den nächsten Morgen zu organisieren."

Und überhaupt - Fahrgemeinschaften??

Selbst, wenn ich jetzt 3 Tage Zeit hätte, würde mir keiner einfallen, mit dem ich eine Fahrgemeinschaft von mir zu Hause mit Umweg über die Kita zu meiner Arbeit, zurück zur Kita und wieder zu mir nach Hause bilden könnte.

Selbst wenn ich die Kita wegließe - fällt mir trotzdem keiner ein.

Pf....#gruebel

Beitrag von manavgat 22.02.11 - 11:17 Uhr

Streiken ist ein Grundrecht.

Ein Arbeitnehmer hat nur ein Kapital: seine Arbeitskraft und ist darauf angewiesen, dass diese entsprechend entlohnt wird.


Kauf Dir ein Auto!


Gruß

Manavgat

Beitrag von purpur100 22.02.11 - 11:23 Uhr

ach manavgat,

eigentlich schätze ich deine Antworten, hat eigentlich meist Hand und Fuß, was du schreibst.

Aber diese Antwort jetzt an mich? Is nicht dein Ernst, oder?


Nein, das kann nicht dein Ernst sein. Sowas bescheuertes würdest du normalerweise nicht schreiben.

Hey! Ich hab ja nix gegen das Streiken ansich. Es sollte halt mit Hirn geschehen. Es sollte die Richtigen treffen. Zahle ich dem Lokführer etwa Gehalt? Nein, ich trage dazu bei, indem ich eine Fahrkarte kaufe bzw. meine Dauerkarte pünktlich zahle.

Würde ich mir jetzt ein Auto kaufen, ja dann würde mein Teil zum Gehalt eines Lokführers wegfallen.
Würden das einige andere auch noch machen, dann wärs das mit Gehalt gewesen. Also mal so gaaaaaaaanz grob gesagt.

Wenn keiner mehr zahlen will, kannste streiken wie du willst. Dann kommt nix mehr:-p

Beitrag von nele27 22.02.11 - 12:15 Uhr

***Zahle ich dem Lokführer etwa Gehalt? ***

Typisch Deutsch :-(

Nein, Du zahlst nicht das Gehalt, aber Du bist in diesem Fall eben in Mitleidenschaft Gezogener auf dem Weg zu mehr Lohn für die Lokführer. Bedank Dich lieber bei deren AG, dass sie nun streiken müssen.

***Wenn keiner mehr zahlen will, kannste streiken wie du willst. ***

Und wenn keiner mehr Lok fahren will, stehste am Bahnhof blöd rum :-p

Beitrag von purpur100 22.02.11 - 12:34 Uhr

kannst mich ruhig einen Knäuelkopp nennen, aber ich seh es halt anders. Vielleicht weil ich davon betroffen bin. Das fühlt sich immer anders an, als wenn man sich alles nur aus der Ferne ansieht;-)

Weißt, wenn ich das jetzt nun auf uns hier im Büro übertragen würde, dann sollten wir, also hier meine KollegInnen und ich, streiken. Am besten jetzt, wo sämtliche Fristen ablaufen. Die Steuererklärungen und Abschlüsse der Mandanten werden nicht zeitig erstellt, daraufhin bekommen diese Mahnungen, Zwangsgelder werden verhängt etc. jede Menge Ärger. Weil wir unsere Arbeit nicht machen.

Ist das sinnvoll? Wohlüberlegt? Beiße ich die Hand, die denjenigen füttert, der widerum mich füttert?

Ja, wenn keiner mehr Lok fahren will, spätestens dann muß ich mir was anderes einfallen lassen. Weißt, is ja auch nur im Winter echt hart, weil so schweinekalt. Im Sommer wäre das alles nicht so wild. Gibt ja Fahrräder, Roller und so ;-)

Beitrag von nele27 22.02.11 - 19:56 Uhr

***Das fühlt sich immer anders an, als wenn man sich alles nur aus der Ferne ansieht***

Da mein Mann und ich uns ein Auto teilen, bin ich durchaus auch desöfteren auf die Öffis angewiesen mit zwei Kindern.

Heute hatte mein Mann die A-Karte und stand blöd an der Bahn rum.

Also nix von wegen aus der Ferne urteilen - er hat dieselbe Meinung über die Meckerköppe wie ich :-)

Beitrag von grafzahl 22.02.11 - 12:33 Uhr

> Kauf Dir ein Auto!

Genau das mache ich jetzt.

Weil ich inzwischen nicht nur bei Streiks mir ständig zwischen 5 und 60 Minuten bei -10°C den Hintern auf zugigen Bahnhöfen abfriere.

Mir von irgendwelchen Mitreisenden den Rotz um die Ohren niesen lasse.

Seit ich mich für ein Auto entschieden habe, kann ich es kaum erwarten, dass Mazda die Karre endlich liefert.

Aber bei Lichte betrachtet: für die Umwelt ist es richtig kacke, dass ich zukünftig alleine im Auto meinen Hintern zur Arbeit bewege und auf die unzuverlässige Bahn verzichte.

Beitrag von purpur100 22.02.11 - 12:41 Uhr

du könntest ja eine Fahrgemeinschaft gründen;-) Und dir ein Auto zulegen, daß den neuesten Energiediedeldumm erfüllt!

Wie ist das eigentlich mit dem Geld für so ein Auto? Fällt das dann vom Himmel, wenn man es braucht?

Nee jetzt im Ernst: Schön, daß hier wenigstens einer meine Sicht der Dinge versteht.

Danke

Beitrag von nele27 22.02.11 - 13:03 Uhr

***Nee jetzt im Ernst: Schön, daß hier wenigstens einer meine Sicht der Dinge versteht.
***

Das war von meinem gelben Freund zu erwarten...