Mütter "erziehen" ?

Archiv des urbia-Forums Erziehung.

Hier geht es in die aktuelle Version dieser Seite. Nimm dort aktiv am Diskussionsgeschehen teil.

Forum: Erziehung

Kinder fordern Eltern täglich neu heraus zu Auseinandersetzung und Problemlösung. Kinder brauchen Grenzen - doch welche und wie setzt man sie durch? Welche Erziehung ist die richtige? Nutzt hier die Möglichkeit, euch hilfreich mit anderen Eltern auszutauschen.

Beitrag von fussverbieger 23.02.11 - 12:45 Uhr

Hallo,

ich ärgere mich über eine Mutter oder besser gesagt gleich zwei Mütter, die ein Problem damit haben, ihrem Kind beizubringen, die begonnene Therapie fortzusetzen.

Fall 1: Der Junge ist seit vier Jahren bei mir in Behandlung. Er hatte sehr stark ausgeprägte Knick- Senkfüße, Innengang und darum Kniebeschwerden (mein spezielles Lieblingsgebiet).
Die letzte Untersuchung war im Oktober und wir konnten feststellen, dass die Therapie bald abgeschlossen werden kann.

Seit drei Monaten trägt er seine Einlagen nicht mehr. Das konnte ich zufällig beim Einkaufen feststellen, denn man erkennt den Fußverfall direkt an den Schuhen.
Ich habe die Mutter darauf angesprochen und dann sagte sie, dass er nur noch die Sporteinlagen trägt aber auch nur darum, weil die fest im Schuh sind.
Als ich die Mutter auf die Konsequenz hingewiesen hatte und darum gebeten habe, mit ihrem Sohn allein sprechen zu können, meinte sie nur,- ach das muss er allein entscheiden.

Dabei hilft solch ein Gespräch immer, denn es ist eigentlich immer nur ein typisches Schamgefühl in der Pubertät. Wenn man die EInlagen unsichtbar macht, dann werden sie auch getragen.


So ähnlich verhält es sich auch beim 2. Fall, wobei der Junge kontrakte Plattfüße hatte, die innerhalb von 2 1/2 Jahren gefestigt wurden und inzwischen wieder platt sind.

Ich habe sehr viel Zeit, Geld und Arbeit in die Angelegenheit investiert und weil beide Mütter alleinerziehend sind und kaum Geld haben, habe ich auf mehr als 50% der Kosten verzichtet, weil mir mehr am Ergebnis als am Geld gelegen ist.

Wie kann man die Mütter dazu bewegen, das sie dafür sorgen, dass die Therapie zuende geführt wird?-

(Ich ärgere mich sehr über das Scheitern).

Gruß
Andreas Herr

Beitrag von mansojo 23.02.11 - 13:15 Uhr

hallo,

ich aknn deine motivation nachvollziehen und freu mich das es engagierte therapeuten wie dich gibt

allerdings befürchte ich wirst du gegen eine wand laufen

übernimmst du generell ein teil der kosten oder nur in diesen beiden fällen?



es nwird leider noch sehr häufig vorkommen das deine arbeit nicht gewürdigt wird oder eben zu spät
alles was du machen kannst den patienten die konsequenzen klar amchen

was diese draus machen bleibt ihnen überlassen


lg und verlier trotzdem nicht den spass an deiner arbeit

Beitrag von fussverbieger 23.02.11 - 17:57 Uhr

Hallo,

im Regelfall biete ich die ganze Therapie inklusive der Strandspiele im Sommer zu einem Preis an, der alles andere als wirtschaftlich ist.
Die Kinder bekommen jedes mal drei Paar neue Einlagen (für Hausschuhe, Straßenschuhe und Kindergarten bzw. Sportschuhe) und dazu im Sommer welche für die Sandalen.

Um die Füße möglichst schnell in die gesunde und natürliche Form zu bekommen und sie dauerhaft stark genug zu machen, ist es erforderlich, dass es gleich ein ganzes Einlagenpaket gibt. Ansonsten würde das Wechseln zu oft vergessen und außerdem sind die Einlagen ja keine "Fußkrücken", sondern sollen unterschiedlich wirken und somit den Fuß immer aufs neue animieren.

Trotzdem verlange ich nur 12% vom Kindergeld im Monat,- in diesem Preis ist wirklich alles enthalten,- sprich meine Arbeitszeit leiste ich ehrenamtlich.

Und wenn dann eine Mutter kommt, die mir erzählt, dass kaum Geld für Magarine auf´s Toast da ist, dann werde ich oft schwach und lege sogar noch was drauf. (In meinem Bekanntenkreis gibt es zwei junge Mütter, die arbeiten gehen und nur um die 900,--€ Lohn bekommen,- eine Schande ist das)!

Aber wenn ich dann für meinen Einsatz, die Arbeit und Zeit etc. nicht den "Lohn" bekomme, den ich als Grundvoraussetzung schriftlich vereinbart habe, ärgere ich mich maßlos darüber.


Mir geht es bei dem Fußgesundheits-Abo (übrigens mit schriftlicher Erfolgsgarantie) darum, den Kindern und Familien zu helfen. Leider hat unser Gesundheitssystem hier erhebliche Defizite und es wird immer schlimmer...

Immer wieder kommen total verunsicherte Eltern mit ihren Kindern, die Angst vor der OP haben, die vom Orthopäden so vorgeschlagen wurde. Sehr oft fallen die betroffenen Kinder sogar in den schulischen Leistungen ab,- "nur" wegen der Füße!
Wenn solch ein Kind nach zwei Wochen wieder schmerzfrei ist und sogar nach dem Sport, freue ich mich mit der ganzen Familie.
Wenn dann drei bis fünf Jahre später festgestellt wird, dass bald keine Einlagen mehr nötig sind, habe ich meinen inneren Reichsparteitag, denn schließlich gibt es ein vom Kassenverband in Auftrag gegebenes Gutachten, welches aussagt, dass orthopädische Einlagen bei Kindern keinerlei Wirkung haben.
Im gewissem Maße stimmt diese Aussage sogar,- die Billigen Kasseneinlagen aus Weichschaum sind wirklich nicht zu gebrauchen und können beim Knickfuß sogar schädlich sein.

Da ich diesen "Kassenbürokratenschitt" nicht mitspiele, freue ich mich umsomehr, darüber, wenn ich die Erfolge verzeichnen kann.
Am Beweisfilm zum Gutachten wird schon gearbeitet.

Gruß
Andreas

Beitrag von manavgat 23.02.11 - 13:27 Uhr

Ich habe sehr viel Zeit, Geld und Arbeit in die Angelegenheit investiert und weil beide Mütter alleinerziehend sind und kaum Geld haben, habe ich auf mehr als 50% der Kosten verzichtet, weil mir mehr am Ergebnis als am Geld gelegen ist.

Das war schon Dein erster Fehler.

Ich bin in der Nachhilfe tätig und habe für alle Kunden die gleichen Preise, schließlich gibt es auch für alle die gleiche Leistung.

Wenn Du Dich runterhandeln lässt, dann ist Deine Arbeit nichts wert. Sieht man ja darin, dass die Mütter Dich offentlich nicht als Expertin sehen, die es wirklich weiß.

Auch ich habe das Problem, dass Unterricht zu früh abgebrochen wird, was besonders bei den LRS-Kindern sehr ärgerlich ist. 3 Meter vor dem Ziel wird dann losgelassen und oft ist es Bequemlichkeit (Frau will das Kind nicht mehr holen und bringen und außerdem dauert das ja alles viiiiielll zu lange) und weniger wegen der Kosten.

Gegen beratungsresistente Kunden gibt es kein Mittel. Die Eltern haben die Verantwortung, nicht die Behandler. Jeder, der im pädagogischen, medizinischen und sozialen Bereich arbeitet, wird Dir sagen, dass Du einfach professionellen Abstand brauchst.

Gruß

Manavgat

Beitrag von asimbonanga 23.02.11 - 17:51 Uhr

Hallo,
mehr als ärgerlich , besonders angesichts der Spätfolgen, die dann die ( Solidargemeinschaft ) KK wieder zahlen müssen.
Meine beiden jüngeren Kinder tragen Einlagen, mein Sohn auch Sporteinlagen.Sie sind nicht zu sehen.Ich habe beiden Kindern erklärt warum diese notwendig sind. Warum sollte ein Kind diese Einlagen ( nach der kurzen Eingewöhnung ) raus nehmen?
Da kann man wohl nichts machen-vielleicht grundsätzlich ausführlich den Kindern die Notwendigkeit erklären.

L.G.

Beitrag von fussverbieger 23.02.11 - 18:02 Uhr

Hallo,
genau darum, um den Kindern die Notwendigkeit erklären zu können, will ich sie ja auch sehen.

Es kommt wirklich sehr oft vor, dass sich pubertierende wegen Einlagen, Brille etc. schämen.
Darum gibt es bei mir ja auch die Tricks mit den unsichtbaren Einlagen. Selbst eine Aushilfe (er ist jetzt 19) will auf einmal solche Einlagen haben - ob´s an der neuen Freundin liegt???- Und er weiß ganz genau, warum er die Dinger braucht.

Gruß
Andreas

Beitrag von asimbonanga 23.02.11 - 19:14 Uhr

Ja ich würde auf eine persönliche Vorsprache hinwirken.
Einiges hat sich aber auch geändert , Zahnspangen werden z.B. heutzutage kaum noch als peinlich empfunden-ist zumindest im Umfeld meiner Pubertierenden so.
L.G.

Beitrag von fussverbieger 23.02.11 - 20:36 Uhr

Hallo,

ich habe einfach mal zwei schriftliche Einladungen verschickt und ein paar Bilder von den Füßen von damals und der letzten Untersuchung beigepackt. Die Unterschiede sind ja doch deutlich zu sehen.

Ich lasse mich dann einfach mal überraschen....

Wenn man den jungen Leuten zeigt, wie das aussieht, wenn sie ohne Einlagen laufen, dann haben sie oft wieder Lust auf Einlagen. Auch am Schuh selbst erkennt man ja die Fußschwäche.
Nur um soweit zu kommen, müssen halt die beiden Mütter mitspielen. Schließlich haben die ja auch in die Sache investiert und wenn die Therapie ohne anhaltenen Erfolg abgeschlossen wird, hätten sie auch zum Kassenarzt gehen können,- diese Behandlung ist ja (noch) zum 0-Tarif.

Ein Mitarbeiter meinte dazu, dass ich das Thema viel zu eng sehe,- aber so bin ich halt...:-)

Gruß
Andreas

Beitrag von asimbonanga 23.02.11 - 22:57 Uhr

Ich sehe das auch eng;-)
Durch 3 D Wirbelsäulenvermessung bin ich auf Grund von unterschiedlicher Beinlänge in einem Fall und X-Bein Stellung im anderen Fall ( tatsächlich wurde auch eine einseitige Hüftdysplasie festgestellt ) sehr dahinter her, das die Kids die Einlagen tragen.

Das mit den Einladungen finde ich sehr gut.:-)

L.G.

Beitrag von fussverbieger 24.02.11 - 00:17 Uhr

Hallo,

bei der Beinlängendifferenz bei Kindern empfehle ich im Regelfall nur Gymnastik und eine halbjährige Kontrolle, bei der sich weiteres Vorgehen zeigen wird.

Bei X-Beinen ist fast immer ein Knickfuß der Grund für das unnatürliche Wachstum. Leider wird dieses in der allgemeinen "Kassenmedizin" und auch von den meisten Eltern viel zu oft ignoriert (ein Blick auf einen Schulhof belegt die offiziellen statistischen Zahlen).

Genau diese Zustände finde ich sehr beklagenswert. Es werden Millionen für Gutachten ausgegeben, weitere Millionen für einen schwachsinnigen Verwaltungsaparat und in Schulen soll nun sogar auch noch der Schulzahnarzt abgeschafft werden.

Ich finde das Gesundheitssystem nicht nur krank, sondern total bescheuert und darum spiele ich darin auch nicht mit.

Grüße von der Ostsee
Andreas

Beitrag von asimbonanga 24.02.11 - 09:34 Uhr

Hallo,
die Diagnose war nicht nur Beckentiefstand, auch stat. Wirbelsäulenfehlhaltung,Rotationsfehlhaltung und Knick-Senk-Fuß bds.
Er war schon sehr schief-------jetzt durch die Einlagen, eine Ostheopatische Behandlung und Sport hat sich das verwachsen.Vielleicht wäre dies auch ohne Einlagen so gekommen, kann schon sein.
Wir haben einen Kinder-Orthopäden und Ostheopathen, der aber nur Privatpatienten hat.

L.G.

Beitrag von marion2 24.02.11 - 08:15 Uhr

Hallo,

wegen unterschiedlicher Beinlängen geh mal zur Physiotherapie. Bei mir wurden von zig verschiedenen Ärzten unterschiedlich lange Beine diagnostiziert. Nach ner Physio (eigentlich wegen Rücken) mit nem bisschen gezerre der Therapeutin sind sie gleich lang.

Gruß Marion

Beitrag von kyra01.01 24.02.11 - 15:14 Uhr

mach es doch wie bei ner zahnspange:
wenn behandlung abgeschlossen müsen sie weniger bezahlen wenn die nicht abgeschlossen wird den vollen preis!
das zieht den die zahlen doch lieber weniger und die kinder haben "gesunde" füße!!!

vll bewirkt die motivation ja was?!
lg kyra

Beitrag von sneakypie 24.02.11 - 16:00 Uhr

Hallo,

nur eine Idee am Rande: bei meiner Zahnspange hieß es damals, die KK übernimmt die Kosten nur dann ganz, wenn am Ende der Behandlungserfolg steht (oder so ähnlich).
Schreib das doch den Müttern - Behandlung ist schiefgelaufen, also bittest du um Rückerstattung der ausgelegten Kosten in Höhe von xy. Vielleicht ist das ja ein heilsamer Schock, wenn sie sehen, wieviel geldwerte Leistungen sie da in den Sand setzen.

Gruß
Sneak

Beitrag von fussverbieger 24.02.11 - 16:58 Uhr

Hallo,

die Idee ist nicht schlecht, aber ich habe keinen Rechtsanspruch auf solch eine Zahlung. Im Vertrag war das nicht so vorgesehen.

Die neuen Abo- Verträge haben eine Staffelung. Da wird es jedes Jahr günstiger für die Eltern,- ich habe bei den "Härtefällen" dann aber auch weniger Arbeit, weil nach zwei - drei Jahren einfache Einlagen ausreichen.

Aber dennoch danke für den Vorschlag!

Gruß
Andreas