Das erste Jahr Bedürfnisse stillen und dann?

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Beitrag von brille09 24.02.11 - 13:39 Uhr

Hab grad einen Satz hier gelesen, der mich zur Weißglut bringt: "Das erste Jahr ist dazu da, Bedürfnisse zu stillen, danach wird erzogen!" Ich bin Lehrerin und mir begegnet genau diese Auffassung in zig Elterngesprächen, wenn die "süßen Kleinen" - schwupps - 14 sind und in der Pubertät und auch Bedürfnisse haben und die aber dann nicht mehr erfüllt werden, denn 1. haben die Eltern ja eh schon soooo lang Bedürfnisse gestillt und sind davon völlig ausgelaugt und 2. wird ja "jetzt erzogen"!

Ich mein, Eltern sind doch dazu da, die GRUNDbedürfnisse (nach Essen, Trinken, Hygiene und v.a. nach Liebe und Zuneigung) so gut es geht zu erfüllen oder aber deren Erfüllung zu ermöglichen. Aber das gilt für meine Begriffe 1. für JEDES Alter - selbstverständlich in Abstufungen, 2. für GRUNDbedürfnisse und 3. immer unter der Beachtung von Prioritäten.

zu 1. Wenn es mir grad total beschissen geht (sorry!), dann bin ich mit meinen 30 Jahren noch froh, wenn mich meine Mama in den Arm nimmt (und ich geh soweit, dass ich sage, es ist immer noch ihre "Pflicht" als Mutter). Und ein 12-jähriger, der grad ein schlechtes Zeugnis mit nach Hause gebracht hat, hat mindestens so viel Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung wie ein Neugeborenes, das eh schon seit 5 Stunden auf Mamas Arm festhängt - mein Sohn hat sich immer ganz wohlig gestreckt als wir ihn "endlich" mal wieder ins Bettchen gelegt haben. Nur dem 12-jährigen droht man mit Taschengeldentzug, Hausarrest, Nachhilfestunden (= Freiheitseinschränkung), etc. Das ist aber dann absolut in Ordnung, weil man ja jetzt erzieht, oder?

zu 2. Die o.g. Grundbedürfnisse sollten erfüllt werden, was man darüber hinaus schafft, kann schön sein, aber ganz ehrlich muss man nicht immer drum bemüht sein, evtl. Bedürfnisse des Babys vorauszuahnen und die dann gleich mal prophylaktisch zu erfüllen. Klar, mein Sohn fände es auch toll, wenn wir den ganzen Tag nur immer am Boden rumkriechen würden, am besten zu dritt oder viert und mit ihm spielen. Naja, aber das ist halt nun mal nicht durchhaltbar.

zu 3. Bedürfnisse des einen gehen immer mit irgendwelchen Einschränkungen für den selber oder für andere einher. Ob es sich dabei um ein Baby oder um einen Erwachsenen handelt, spielt dabei keine Rolle. Nur ein Beispiel: Mein Sohn ist 9 Monate und hat seit etwa 3 Monaten das wirklich dringende Bedürfnis, jeden, bei dem es irgendwie geht, voller Freude in die Nase zu beißen. Das geht aber leider nicht oder nicht so oft wie er das gern hätte. Denn erstens ergibt sich für ihn selber ne Einschränkung, weils einfach unhygienisch ist und zweitens - seit er Zähne hat - auch für den gebissenen. Und ich lass mir mit Sicherheit nicht die Nase von meinem Kind blutig beißen (keine Übertreibung). Gleiches gilt für Zwicken, das er bei Müdigkeit sehr gern macht. Und natürlich würd er gern ganz allein an der Couch stehen, ohne Mama dahinter. Aber wenn er rückwärts auf den Kopf plumst, dann ist das auch nicht Sinn und Zweck der Übung. Und meine Blumen oder die aktuelle Tageszeitung lass ich mir auch ungern in 1000 Stücke reißen - dann bekommt er eben das Werbeprospekt, auch wenn das nur halb so interessant ist.

Was hier auch vergessen wird, ist, dass "Erziehen" nicht unbedingt was negatives ist. Klar, nein-Sagen ist nicht schön und das Kind schreit evtl., wenn es nicht das bekommt, was es will. Aber es lernt durchaus auch, sich Alternativen zu suchen oder mit Situationen umzugehen. Und das ist ja durchaus auch positiv. Außerdem tut es sich später leichter, wenn es sich in eine Gruppe integrieren muss.

Außerdem stellt sich immer noch die Frage nach dem Zeitpunkt der Erfüllung. Ein Neugeborenes wird prompt gefüttert, wenn es Hunger hat. Klar. Mit Beikostbeginn wirds dann schon ein bisschen anders, das Gläschen muss ja mal warm gemacht werden, auch wenn das vllt. in der Mikro recht schnell geht, aber 2-3 Minuten muss es auch mal warten. Tja, und mein Sohn verweigert jedes Gemüsegläschen und möchte stattdessen mit Mama und Papa vom Familientisch essen. Deshalb muss aber gewartet werden bis Papa um 10 nach 6 heimkommt, um 6 gibts halt noch nichts richtiges. Wieder: Deshalb bin ich keine Rabenmama, die ihr Kind hungern lässt, sondern ich vertröste ihn noch ein bisschen, nehm ihn vllt. ins Tragetuch oder er bekommt ein Stück Gurke oder Paprika, wenn ich grad Salat richte. Mittlerweile weiß er schon, dass man da ein bisschen warten muss und es gibt auch kein Geschrei mehr. Beim ersten Mal warten wars hart. Für mich wahrscheinlich härter als für ihn.

Was ich sagen will: Verpulvert nicht all eure Energie und opfert euch komplett für eure Babys auf. Ihr werdet später noch sooooo viel Liebe, Verständnis für die Kinder brauchen, wie ihr euch jetzt wahrscheinlich noch gar nicht vorstellen könnt. Und auch Eltern haben Bedürfnisse und ein Recht drauf, dass diese - zumindest hin und wieder ;-) - erfüllt werden. Das A und O ist, Kinder schrittweise daran zu gewöhnen, dass eben nicht jedes Bedürfnis immer sofort erfüllt wird. Nicht bis zum ersten (oder fünften, 10., 18.) Geburtstag alles und dann nichts mehr. DAS überfordert Kinder jeden Alters.

Ist lang geworden, liegt mir aber wirklich am Herzen.

Beitrag von woelkchen1 24.02.11 - 13:56 Uhr

Hast du dich damit auseinandergesetzt, wie KLEINKINDER sich entwickeln?

In welchem Alter sie ungefähr überhaupt erst in der Lage sind, sich in Geduld zu üben? Das das, was vor diesem Entwicklungsschritt an Geduld geübt wird, zur Qual wird, weil die Kinder einfach die Reife noch nicht haben?

Kennst du tatsächlich Menschen, die sich im ersten Jahr uneingeschränkt auf ihr Baby einlassen- und es dann wieder sein lassen, weil die Zeit rum ist?
Ist es nicht eher so, dass Menschen, die ihr Baby maßlos verwöhnen (im positiven), das auch weiterhin so machen werden, weil sie darein gewachsen sind und ihr Kind nun mal lieben? Damit meine ich jetzt Nähe und Zuwendung.

Und Erziehen hat für mich nix mit NEIN zu tun, sondern das tägliche Vorleben. Es wird erzogen, weil es den ganzen Tag sieht, wie ich: Hände wasche, aufräume, anderen (und gerade meinem Kind) mit Respekt entgegenkomme, ehrlich bin, aufmerksam, mitfühlend und zuhörend bin.....ect.
Das ist die Erziehung meines Kindes, und die hat es vom ersten Tag an bekommen.

Beitrag von lauramarei 24.02.11 - 14:09 Uhr

#pro

Beitrag von mariju 24.02.11 - 14:24 Uhr

Also ich finde schon das Erziehung auch was mit NEIN zu tun hat.
Natürlich ist das eigene Verhalten wichtig für die Erziehung, aber hast du schon mal eine Mama gesehen die in den Blumen rumwühlt und Blätter abreißt? Oder eine Mama die wie wild Sachen durch die Gegend feuert? Oder eine Mama die andere Zwickt oder tritt?
Kinder wollen doch probieren, aber man muss ihnen doch auch zeigen oder sagen das es so nicht geht.

Konkreter Fall, mein Neffe.
Er hat 10 mal die Schublade komplett ausgeräumt und alles durch die Gegend geschmissen. Das war ja so lustig, nur irgendwann kam der Zeitpunkt wo es die Mama genervt und und dann sollte er es nicht mehr machen. Was denkt ein Kind denn in dem Moment ... erst wird gelacht und dann darf ich es nicht mehr?

Man muss Kinder doch auch an ein NEIN gewöhnen.

Beitrag von woelkchen1 24.02.11 - 14:30 Uhr

Meine Tochter ist 2,5 und mitten in der Trotzphase. Sie bekommt oft mehr als NEIN zu hören!;-)

Aber das ist doch nur ein klitze-kleiner Teil der Erziehung, der Tag hat 24 Stunden und wir erziehen auch solange! Da sind die paar Neins am Tag bedeutend wenig.

Und dieses Nein ist nicht so bedeutend in der Seele eines Kindes, wie vorgelebt zu bekommen, wie man sich verhält.

Meine Güte, Schubladen sind ja nun eine recht kleine Sache. Meine Tochter hat ihre eigene bekommen und ist noch nie in ihrem Leben an andere gegangen!

Beitrag von kati543 24.02.11 - 14:37 Uhr

"Man muss Kinder doch auch an ein NEIN gewöhnen."

Also wenn Erziehung bei dir "Nein-Sagen" bedeutet, tut dein Kind mir leid. Erziehen ist doch viel mehr als das. Man soll doch seinem Kind beibringen, WAS es WIE tun soll und nicht nur alles verbieten. Nein zu sagen ist leicht, einem Kind wirklich etwas beizubringen braucht Zeit, unendliche Wiederholungen und Nerven. Meine Kinder sind an "Nein's" nicht gewöhnt. Vielleicht hören sie genau deswegen darauf.

Beitrag von anni1610 24.02.11 - 14:15 Uhr

So richtig habe ich nicht verstanden, worauf du jetzt eigentlich hinaus willst?! Vorallem in den ersten Absätzen nicht...

Ich verstehe nicht, was so schlimm an Nachhilfeunterricht sein soll?! Für mich ist es vollkommen verständlich und auch sinnbezogen, dass ein 12jähriges Kind mit einem schlechten Zeugniss Nachhilfe bekommt und dafür halt auch mal ne Stunde weniger mit seinen Freunden spielen kann. Meine neunjährige Stieftochter hat nach zwei 5er auch erstmal TV-verbot bekommen und musste stattdessen lernen. Furchtbar unmenschlich, oder wie?! #kratz

Zum anderen kann ich mir nicht vorstellen, dass ein 9 Monate altes Baby schon versteht, dass es bis zehn nach sechs mit dem Essen warten muss, wenn es doch schon halb sechs Hunger hat. Später klar, aber mit 9 Monaten?! #kratz

Grüße

Beitrag von moeriee 24.02.11 - 14:36 Uhr

"Meine neunjährige Stieftochter hat nach zwei 5er auch erstmal TV-verbot bekommen und musste stattdessen lernen."

Hm, das ist komisch! Jeder versucht sich immer in die Bedürfnisse von Babys oder Kleinkinder hineinzuversetzen. Aber sind die Kinder dann mal größer, müssen sie funktionieren. Ich will euch da nichts vorwerfen, denn es muss jeder selber entscheiden. Aber viele Kinder sind mit den heutigen Leistungsanforderungen schlichtweg ÜBERfordert. Viele Eltern wissen teilweise gar nicht mehr, was Kinder in der Schule alles zu bewältigen haben. Ich bin gewiss nicht dafür, Faulheit zu unterstützen. Aber genau das ist es, was viele Eltern den Kindern unterstellen, wenn sie mit schlechten Noten nach Hause kommen. Anstatt nach den tatsächlichen Gründen zu fragen, ist man schnell mit Strafen bei der Sache, die dem Ganzen nicht im geringsten dienlich sind. Wenn nun die Stieftochter bspw. schlichtweg mit dem Stoff überfordert war und auch Eltern nicht helfen wollten oder konnten (was ich häufig bei meinen Nachhilfeschülern erlebe): Was sollte dann der Lerneffekt aus dem TV-Verbot sein? Verstehst du was ich meine?

Ich möchte das mal an einem Beispiel verdeutlichen! Als ich in der 9. Klasse war, hatte ich einen Hänger in Mathematik. Algebra... ;-) Ich brachte bei der Klassenarbeit eine 5 mit nach Hause, was zuvor nie der Fall gewesen war. Nun ja! Kurz zuvor hatte ich meinen jetzigen Mann kennengelernt. Was schlussfolgerte meine Mutter? Sie dachte, ich sei mit dem Kopf nicht bei der Sache. Sie unterstellte mir, ich würde mich nur und ausschließlich mit meinem neuen Freund beschäftigen und dadurch die Schule vernachlässigen. Mein Mann war allerdings sehr darum bemüht, mir weiterzuhelfen und gab mir so eine Art Nachhilfe. Die Konsequenz aus der Sache war, dass meine Mutter mir kurz vor der nächsten Arbeit androhte, ich dürfe meinen Freund nicht mehr sehen, wenn ich wieder eine 5 mit nach Hause bringe. Ich war so unter Druck, dass ich während des Tests einen Blackout hatte. Tja, wie versprochen: Es war keine 5... Aber eine 6! #rofl Zum Glück verstand sie recht schnell, dass ich es sicher nicht mit Fleiß gemacht habe und so bestrafte sie mich auch nicht dafür. Und: Trotz der Tatsache, dass ich keine Strafe bekommen habe, ist etwas aus mir geworden. Was? Ich bin heute Mathelehrerin. #rofl Kein Scherz!

Das war zwar jetzt vollkommen OT, aber es war mir einfach ein Bedürfnis, dem Ganzen mal Ausdruck zu verleihen, da ich es jeden Tag auf's Neue erleben muss.

Beitrag von anni1610 24.02.11 - 15:01 Uhr

Was heißt denn "sie müssen funktionieren?" Für Mathe lernen hat doch nichts mit "funktionieren" zu tun. Das sehe ich ganz anders...

Es ist schön, dass aus dir noch was geworden ist ;-), aber jedes Kind und jeder Mensch ist anders. Manche Kinder und auch Erwachsene brauchen etwas "Druck". Manche müssen in Ruhe gelassen werden. Ich bin ein Mensch der Druck braucht, so ist meine Stieftochter auch. Wenn man bei ihr nicht hinterher ist, dann läuft es alles sehr schleppend und wird vernachlässigt. So ist es nun mal leider und da sollte man auch auf die verschiedenen Persönlichkeiten eingehen. Da hilft dann auch kein "Fallbeispiel". Letztlich hat es ja dann doch was gebracht, sie hat sie Sache JETZT verstanden, nachdem es scheinbar ohne Druck nicht ging (ja, wir haben vorher auch gelernt und laut ihrer Aussage hatte sie es vor den Arbeiten auch prima verstanden, was ja offensichtlich doch nicht der Fall war). Bei uns herrscht auch kein enormer Leistungsdruck. Ihr wurde noch nie der Kopf für ne schlechte Note "abgerissen". Aber ein TV-verbot wirkt manchmal Wunder. #schein

Beitrag von kati543 24.02.11 - 14:32 Uhr

Dein Kind ist ganze 9 Monate jung - also noch weit entfernt von dem Alter des "Erziehens". Warum wartest du nicht noch ein paar Monate? Dann verstehst du vielleicht, was die Mütter mit dem Bedürfniss stillen bzw. erziehen meinen. Eigene Kinder sind etwas völlig anderes als Kinder in der Schule zu unterrichten.

Du argumentierst in die völlig falsche Richtung. Ist dir das nicht aufgefallen? Die Aussage bezieht sich darauf, dass man im ersten Jahr nicht erziehen soll und nicht darauf, dass man in den folgenden Jahren keine Bedürfnisse mehr stillen soll. Ein 1-jähriges Kind kann sich wahrscheinlich noch kein Essen selber kochen und einkaufen wird es auch nicht allein können.
"Das erste Jahr ist dazu da, Bedürfnisse zu stillen, danach wird erzogen!" Und wenn du mal den Satz auseinandernimmst, dann wirst du auch sehen, dass dort nichts steht, von Bedürfnisse nicht mehr erfüllen.

Und das Kinder 14 jahre werden...das passiert auch nicht über Nacht. Es braucht dazu genau 14 Jahre. Und nein, ich bin nicht der Meinung, dass wenn mein 4,5-Jähriger von mir etwas will, ich sofort springen muß. Vor 4 Jahren hingegen habe ich das bei ihm getan. Natürlich helfe ich ihm, aber er hat gelernt zu warten.

Beitrag von dora. 24.02.11 - 21:04 Uhr

#winkeHallo
Also Ich finde du hast recht Ich bin Kindergärtnerin und wir haben auch oft Probleme mit Eltern die Ihr Kind über alles stellen !
Ich Liebe mein Kind über alles aber es gibt eben Dinge die Ich entscheide weil Ich die Mama bin und das besser weiß !
Bei Fragen wie "Willst du dir die Jacke anziehen" (-20 Grad)
geht mir der Hut hoch ! Die Jacke wird angezogen fertig da gibts keine Fragerei !
Ich weiß zwar nicht auf was dieser Beitrag beruht aber Ich find ihn OK
Meine Maus darf auch viel aber eben nicht alles !

Dora:-p