Entwicklungsverzögerung durch dauertragen?

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Beitrag von mariju 25.02.11 - 11:09 Uhr

Guten morgen!

Ich habe gerade mit einer guten Bekannten gesprochen. Sie ist eine überzeugte Tragemama und die kleine wird in ein paar Tagen 7 Monate alt. Für meine Verhältnisse trägt sie die kleine zu viel, ständig im Tragetuch oder auf dem Arm, sie legt sie auch nicht ab damit sie mal für sich spielen kann. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

So, die kleine war letzte Woche krank und sie war zum Kinderarzt. Der Arzt meinte sie sei stark entwicklungsverzögert, sie dreht sich nicht, zeigt kein Interesse was zu greifen etc. Laut Kinderarzt soll sie dringend das Kind einfach mal hinlegen und es spielerich fördern. Der Kinderarzt hat ihr auch direkt mal Angst gemacht von wegen das ihr Kind nicht selbstständig wird etc.
Das war eins, jetzt war sie heute morgen zum Orthäden eigentlich wegen ihrem Rücken aber sie hat das Thema mit der kleinen angesprochen. Von ihm die gleiche Aussage wie vom Kinderarzt. Dringend das dauertragen sein lassen.

So wie sie erzählt hat was die beiden Ärzte sagten leuchtet es mir schon ein und klingt logisch. Wie soll ein Kind auch was lernen wenn es nie die Möglichkeit hat für sich zu sein, aber stimmt das wirklich? Ich würde ihr einfach bisschen mut machen. Sie macht sich nämlich jetzt die wildesten Vorwürfe das sie ihr Kind vermurkst bzw. schon vermurkst hat.

LG

Beitrag von xanadoo 25.02.11 - 11:15 Uhr

Hallo,

seh ich genauso.
Mein Kleiner ist nun 9,5 Monate alt. Ich habe noch hier meinen Großen, Haushalt und Arbeit unter einen Hut zu bekommen und der Kleine lag viel im Laufstall. Mit 4 Monaten lag er aufm Bauch und seit er 8 Monate alt ist, steht er auch. An der Hand laufen klappt auch super.
Wie soll ein Kind denn alles lernen, wenn es ständig getragen wird? Entwicklung genau das gleiche... Wenn unsereins den ganzen Tag nur getragen werden würde...wie soll sich richtige Muskulatur entwickeln? #kratz

LG, Katharina

Beitrag von ines7986 25.02.11 - 11:22 Uhr

Sehe ich auch so. Wie soll er denn greifen lernen, wenn er den ganzen Tag im Tragetuch nicht greifen kann? Man sollte den Kleinen auch die Möglichkeit geben, seine Umwelt kennenzulernen und sich auch zu bewegen, zu strampeln etc, wie soll sich sosnt die Muskulatur entwickeln? Die Kleinen sind doch normal so neugierig auf alles um sie rum. Meine ist 4 Monate und greift nach allem, was sie kriegen kann. Sie strampelt wie wild, kann sich schon vom Bauch auf den Rücken und andersrum bis auf die Seite drehen. Sie steckt wenn ich Haushalt mache auch in einer Trage, aber ansonsten liegt sie viel auf ihrer Krabbeldecke oder macht Unsinn mit Papa.

Beitrag von mariju 25.02.11 - 11:24 Uhr

Wenn ich unseren Sohn (5 Monate) mit ihr vergleiche liegen Welten dazwischen. Luis kann nicht ruhig auf dem Arm bleiben, er will alles sehen, am besten immer ganz aufrecht gehalten werden etc. Wenn ich ihre kleine auf dem Arm hat, sie kuschelt sich direkt ein, und nix von wegen durch die Gegen gucken.

Beitrag von miau2 25.02.11 - 11:27 Uhr

Hi,
mein Kleiner wurde die ersten Lebensmonate praktisch dauergetragen. So ungefähr bis er 4 Monate alt war, dann wurde es immer weniger.

Er hat dann allerdings selbst gefordert, auf den Boden zu können. Mit 4,5 MOnaten war er im Vierfüßler, mit 6 ist er gekrabbelt und hat sich hochgezogen zum Stehen.

Drehen: Bauch auf den Rücken hat er mit 21 Tagen das erste Mal geschafft...auch wenn das natürlich keine gesteuerte Handlung war.

Rücken auf den Bauch: mit stolzen 10 Monaten (!). Ja, er konnte tatsächlich lange krabbeln, bevor er sich gedreht hat.

Ich denke, Dauertragen mit 7 Monaten muss nicht mehr wirklich sein. Tragekind in so fern, dass man auf einen Kinderwagen verzichten kann, aber zumindest zu hause muss es nicht mehr sein.

Aber Dauertragen die ersten 4 Lebensmonate haben unserem Kleinen definitiv nicht geschadet. er ist - nach Ansicht Außenstehender, die ihn gut kennen und es beurteilen können sollten - sowohl was die Motorik angeht als auch beim Sozialverhalten usw. weiter als die meisten anderen Kinder in seinem Alter. Und er ist super selbständig, vom "am Rockzipfel hängen" war bei uns nie irgend etwas zu spüren.

Ich finde die geschürten Ängste schon ziemlich heftig, aber auch: statt sich Vorwürfe zu machen würde ich einfach Spielen auf dem boden in den Alltag einbauen. Und das Tragen wenn man unterwegs ist genießen. Ich denke, mit 7 Monaten kann man (verhaltensmäßig) noch gar nicht soooo viel verkorkst haben, dass es nicht wieder zu "normalisieren" wäre. Das klingt jetzt ziemlich blöd, aber mir fällt keineg bessere Beschreibung ein ;-).

Sich mit 7 Monaten nicht drehen zu können ist übrigens KEIN Zeichen einer Entwicklungsstörung. Als meine beiden (der Große hat sich auch erst mit 10 Monaten vom Rücken auf den Bauch gedreht) das mit 7 noch nicht konnten wurden gründlich untersucht. Fazit: Motorik - altersgerecht. Gleichgewichtsgefühl - altersgerecht oder sogar besser. Muskelbildung - altersgerecht. Das "nicht drehen können" wurde dann eher zum "nicht drehen wollen" - und DAS ist schon etwas anderes als eine "Entwicklungsverzögerung".

Rückenfreundlicher ist das Tragen auf dem Rücken, das müsste bei der Kleinen ja auch schon gehen (oder bald zumindest).

Viele Grüße
Miau2

Beitrag von jumarie1982 25.02.11 - 11:29 Uhr

Huhu!

Ich finde es ziemlich seltsam, solch eine Aussage von den Ärzten zu bekommen.
Studien haben nämlich sogar das komplette Gegenteil ergeben.
Kinder, die viel und lange getragen werden, erlangen oft schon viel früher körperliche Fähigkeiten wie Drehen, Krabbeln, Sitzen, als Kinder, die ewig irgendwo rumliegen.

Grund: Beim Tragen gleichen die Kinder automatisch bei jeder Bewegung der Mutter ein wenig aus, müssen immer andere Muskeln anspannen und entspannen und bekommen ein besseres Körpergefühl.
Gerade die Rückenmuskulatur (die ja nunmal bei beinahe allen Sachen, die Babies so lernen sehr wichtig ist) ist meist deutlich besser entwickelt, als bei nicht getragenen Babies.

Ich glaube auch nicht, dass deine Bekannte ihr Baby IMMER trägt.
Sie wickelt, sie schläft, sie liegt morgens mit ihr im Bett, sie ist mal beim Papa, etc etc. Alles genug Möglichkeiten für ein Kind, sowas zu probieren.

Beim Drehen ist doch die Zeitspanne des "Normalen" bei 8 Monaten, oder?
Sollte sie es bis dahin nicht geschafft haben, soll ihr ihr KIA lieber Krankengymnastik verschreiben, als ihr solchen Quatsch zu erzählen, bloss weil er sich nicht auskennt mit dem Thema.

UND: Auch ihr Bindung zur Mutter und die spätere Loslösung wird dadurch NULL erschwert...ehr das Gegenteil, weil sie jetzt lernt, dass Mama IMMER da ist, wenn sie sie braucht!

Bitte mach deiner Freundin Mut.
Sie hat alles richtig gemacht.
Einige Kinder brauchen nunmal etwas mehr Zeit als andere, aber wen interessiert schon in 1 Jahr noch, wann sie sich gedreht hat?

LG
Jumarie

Beitrag von denny86 25.02.11 - 13:23 Uhr

#pro

Beitrag von alexa81 25.02.11 - 18:16 Uhr

Ganz genau - so ist es!:-)#pro#blume

Beitrag von muehlie 25.02.11 - 11:56 Uhr

Also ich halte diese Aussagen eigentlich auch für ziemlichen Blödsinn. Und für die Aussage, dass die Kleine durch das Dauertragen nicht selbstständig wird, fehlt dem Arzt sicherlich jegliche Kompetenz. Oder ist er nebenbei noch Psychologe und Experte für die psychische Entwicklung von Kindern?
Fakt ist, dass Kinder, die noch nicht laufen können, seit Urzeiten getragen werden. Daran hat sich bis heute in vielen Regionen der Welt nichts geändert. Lediglich in Industrienationen mit einem gewissen Wohlstand, wo Frauen nicht gezwungen sind, fast unmittelbar nach der Geburt wieder zu arbeiten, können es sich Frauen leisten, ihre Kinder in Kinderwagen, Laufställen oder auf Babydecken abzulegen. Alle anderen Mütter tragen ihre Babys von morgens bis abends, und dennoch lernen diese Kinder sitzen und laufen und sind häufig noch viel früher selbstständig - kümmern sich oftmals schon mit 4 oder 5 Jahren um ihre jüngeren Geschwister - als Kinder in den westlichen Ländern.

Ob die Tochter deiner Freundin wirklich entwicklungsverzögert ist, kann ich natürlich nicht einschätzen. Aber wenn es so sein sollte, liegt es sicherlich nicht am Tragen, denn das machen viele andere Mütter auch, deren Kinder keinesfalls entwicklungsverzögert sind. Auf der anderen Seite findest du hier im Forum auch zahlreiche Berichte über Kinder, die bewegungstechnisch ebenfalls totale Spätzünder sind, die aber eben nicht übermäßig viel getragen wurden.
Deine Freundin sollte sich also auf keinen Fall Vorwürfe machen.

Beitrag von leonie133 25.02.11 - 18:38 Uhr

"Lediglich in Industrienationen mit einem gewissen Wohlstand, wo Frauen nicht gezwungen sind, fast unmittelbar nach der Geburt wieder zu arbeiten, können es sich Frauen leisten, ihre Kinder in Kinderwagen, Laufställen oder auf Babydecken abzulegen."

Was sollen eigentlich diese tendenziösen Pauschalaussagen?? (--> "abzulegen"), mein Gott mein Kind ist doch nicht mein Symbiont.

Viele Frauen HIER müssen oder wollen wieder arbeiten, auch relativ schnell nach der Geburt, weil sie wesentlich zum Familieneinkommen beitragen (wollen), weil sie den Anschluss nicht verlieren möchten, weil sie ein soziales Netzwerk und/oder gute Betreuungsmöglichkeiten haben, um beides zu verbinden.

Nicht jede Frau hat Bock, sich finanziell komplett vom Mann abhängig zu machen, und dem guten alten Rollenbild zu entsprechen, doch bitte ausschließlich für das Kind da zu sein, am besten bis es 18 ist.

#herzlich

Beitrag von muehlie 25.02.11 - 19:08 Uhr

Ich glaube, da hast du was irgendwie völlig in den falschen Hals bekommen. ;-) Daher stelle ich das gerne noch mal richtig: in vielen Ländern/bei vielen Völkern der Welt werden Babys von ihren Müttern dauergetragen, weil es einfach nicht anders geht. Die Frauen müssen auf jeden Fall wieder arbeiten gehen, haben aber keinerlei Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder. Also wird das Baby eben auf den Rücken geschnallt, und los geht's.
Und genau das müssen Frauen in Industrieländern eben in aller Regel nicht, egal ob sie nun arbeiten oder nicht. Ich hatte eigentlich keinerlei Bewertung zu Frauen, die arbeiten, oder zu Frauen, die zu Hause bleiben, abgegeben.

Beitrag von leonie133 26.02.11 - 12:40 Uhr

na gut, gebe dir recht. Das "Ablegen" ist mir dann wohl in den falschen Hals gerutscht...

Tragen finde ich generell auch gut, habe es selber oft und gerne praktiziert - irgendwann wollte Marlen halt nicht mehr, da wurde sie richtig mobil.

Ständig tragen finde ich allerdings etwas seltsam, aber ich finde auch, dass muss jeder selber wissen.

LG Leo

Beitrag von fellfighterin 25.02.11 - 12:44 Uhr

Hallo,

also ich kann absolut nicht bestätigen das "Dauertragen" zur Entwicklungsverzögerung führt. Meine Tochter und mein Sohn wurden beide viel getragen. Beide waren motorisch sehr fit. Meine Tochter ist nun fast 9 Monate alt, zieht sich überall hoch und läuft an den Möbeln entlang. Seit sie sieben Monate alt ist zieht sie sich zum Stehen hoch. Sie krabbelt, sitzt und ist alles andere als entwicklungsverzögert. Mein Großer war ähnlich schnell in der Motorik.
Die Mäuse haben zeit bis sie neun Monate sind sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen.

Mein Sohn wird bald drei und ist sehr selbstständig. Er fährt schon alleine für ne Woche zu Oma und Opa. Aber nicht weil wir das so wollen. Er möchte von sich aus dort hin und auch sonst geht er eher auf Leute zu. Er hat eine starke Bindung zu uns weis das wir immer für in da sind und das macht ihn in seinem Handeln sehr sicher.
Meine Tochter kann ich auch mal alleine im Raum lassen ohne murren.

Meine Meinung ist das Tragen sehr gut ist für Kinder und die Bindung eher stärkt. Ich habe 2 mal ein positives Beispiel zu Hause das Tragen absolut super ist.

LG Felli die beide Kinder immer noch gerne trägt.


Beitrag von sabrinimaus 25.02.11 - 12:51 Uhr

Interessant, meine Maus war die ersten 6 Moante ein extremees Schreikind und hat sich garnicht weglegen lassen. habe sie auch nur getragen!
Bei der U5 meinte der KIA zu mir, dass die Maus entwicklungsverzögert ist. Ich meinte daraufhin, dass ist doch kein Wunder, wenn sie sich nicht weglegen lässt! Daraufhin meinte er, dass es daran nicht liegen würde. kinder würden sich angeblich in ihrer Entwicklung nicht aufhalten lassen.

Ich bin bis heute der Meinung, dass sie sich evtl. früher gedreht hätte, wenn sie auch mal am Boden gelgene wäre...der KIA sieht das anders...#kratz

Na ja, fakt ist, dass sie sich keine Vorwürfe machen muss. Kaputt gemacht hat sie berstimmt noch nichts. Dann ist es halt mit allem etwas später dran...

LG Sabrina mit Viktor (4) und Rosalie (morgen 13M)

Beitrag von gingerbun 25.02.11 - 13:05 Uhr

Also ich kann das gar nicht teilen. Wir haben unsere Tochter ausschliesslich getragen und sie war motorisch fit und früh dran. Vielleicht trägt sie falsch?

Unser Sohn ist jetzt 5 Tage alt und hängt grad im Tuch bei meinem Mann.. Es ist einfach toll und er schlief prompt ein.

Ich finde, dass gerade das Tragen dem Kind unheimlich viel mitgibt. Es spürt doch jede Bewegung etc. Das Vorsichherschieben im Wagen hingegen finde ich irgendwie "entwicklungshemmend".

Gruß! Britta

Beitrag von tristeis 25.02.11 - 13:47 Uhr

Kann ich nicht bestätigen.

Julius wurde die ersten Monate dauergetragen, da er Liegen absolut doof fand (kann man ja nichts Interessantes sehen)

Ergebnis, er konnte sich mit 6 Monaten, das erste Mal selber hinsetzen und eine Woche später krabbeln. Mit 10 Monaten lief er frei. Motorisch war er immer weiter als andere Kinder.

Also mach deiner Freundin mal Mut. Das wird schon. ;-)