Neue Stelle innerhalb der Behörde...ja..nein....jein!?

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Forum: Finanzen & Beruf

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Beitrag von yanis82 25.02.11 - 18:12 Uhr

Hi,

ich arbeite seit 6 Jahren auf derselben Stelle im öffentlichen Dienst (in einem Jobcenter), meine erste Stelle seit der Ausbildung, bin auf Lebenszeit verbeamtet und von meiner Kommune an das JC nur "ausgeliehen".

Meine neue Teamleiterin hat mir vorgestern gesagt, dass sie mich auf eine andere Stelle setzen möchte, sofern ich zusage.

Kurz zu den Infos:
Die Stelle wäre gleich bewertet, also ich erhalte keinen Cent mehr als jetzt.
Die Arbeit ist anspruchsvoller, in etwa dasselbe was ich jetzt mache, bin jetzt Sachbearbeiterin für Alg II, dort wäre ich spezialisiert auf selbstständige Kunden.

Meine Teamleiterin versuchte, mir die Stelle schmackhaft zu machen: ich wäre fachlich top, die anspruchsvolle betriebswirtschaftliche Seite der Tätigkeit könne ich mir schnell aneignen, ich hätte dort bessere Aufstiegschancen...ich sei nämlich zu lieb und könne dort mein Potential mal besser zeigen! (naja, der Satz war schon fragwürdig).

Besagte Stelle gehörte bisher einer schwangeren Kollegin, die aus gesundheitlichen Gründen früher als geplant aussteigen musste.
Habe heute mit meiner potentiellen zukünftigen Kollegin gesprochen und die sagte mir, dass die Arbeit sehr viel Spaß mache, aber Rückstände aus Monaten sich dort angehäuft haben, welche ich dann wohl aufarbeiten müsste, und das ohne Vorwissen, was die BWL-Seite angeht.

Ich bin mit meiner jetzigen Stelle sehr sehr glücklich, auch wenn ich das natürlich nicht bis ans Lebensende machen will.

Also kurz und knapp: ich möchte ablehnen, da ich es nicht einsehe, für keinen Cent mehr die Rückstände von anderen aufzufangen.

Meine Teamleitung - eine sehr ehrgeizige Frau, die ein"NEIN" nicht akzeptiert, wäre böse auf mich. Das weiß ich. Sie hat der Geschäftsleitung schon meinen Namen genannt und rechnet von meiner Seite aus nicht mit Widerstand.
Nachdem sie meine Arbeit erst in höchsten Tönen lobte, sagte sie, als ich ihr sagte, dass ich den Job ungern machen möchte: "Ja, es stehen ja noch Beurteilungen an....!"

Ich fühle mich unter Druck gesetzt.

Würdet ihr zu-oder absagen?

Nachteil wäre:
-Rückstände
-evtl werde ich unglücklich mit der Stelle
-kein besserer Verdienst

Vorteile:
-mehr Ansehen/Prestige
-neue Herausforderung
-neue Qualifikation, die sich gut im Lebenslauf macht

Habe keine Ahnung was ich tun soll, bis Montag muss ich entscheiden.

Hoffe auf Ratschläge....!

LG
Yanis

Beitrag von amory 25.02.11 - 18:16 Uhr

Hallo,

ich würde zusagen. Ich finde, die Vorteile überwiegen und vort allem wäre ein Verbleiben auf der jetzigen Position dmait verbunden, dass diene Chefin nciht gut auf dich zu sprechen ist.

Mir fällt auhc noch ein weiterer Pluspunkt ein: du machst deinen Job jetzt seit 6 Jahren.....wird Zeit für eine neue Aufgabe, sonst traut man die was neues irgendwann nicht mehr zu.

Grüße, Amory

Beitrag von manavgat 25.02.11 - 18:41 Uhr

Ich würde absagen!

Seit wann wird man gezwungen, den Job zu wechseln?

Irgendeinen Frosch enthält das Ding.

Was ist eigentlich, wenn die Schwangere ihren Platz wieder haben will?


Gruß

Manavgat

Beitrag von yanis82 25.02.11 - 18:48 Uhr

Erstmal kommt die Schwangere wohl nicht zurück.

Eine Tätigkeit für mich würde dort immer gefunden, mir kann auch eigentlich bei einer Absage nichts passieren: kommt die Frau (also meine Chefin) mir dumm, kann ich jederzeit zu meiner Kommune zurückkehren, auch wenn das bedeutet, dass ich erstmal von Stelle zu Stelle gereicht wäre, bis etwas unbefristetes frei wird...da kommt mir mein Beamtenstatus zu Gute und andere Kollegen haben das erfolgreich praktiziert ;-)

Es ist eher ein anderes Dilemma:
Habe mich bisher immer beschwert, dass mich nie einer fragt, wenn es um neue Stellen geht (bei uns wird, ganz wie in einer Behörde üblich, eine Stelle selten intern ausgeschrieben, sondern es wird rumgemauschelt und Stellen werden nach Gutdünken neu besetzt, was uns seit jeher ein Ärgernis ist, Betriebsrat wird eben erst gewählt).

Und nun WERDE ich gefragt und kneife---das macht keinen guten Eindruck. Auch möchte ich mir selbst beweisen, dass ich was Neues schaffe.

Echt doof....auch wenn man mich zu nichts zwingen kann.

LG
Yanis

Beitrag von manavgat 26.02.11 - 10:28 Uhr

Es gibt doch so etwas wie eine Personalvertretung. Kannst Du Dich mit denen mal beraten?

Es gibt Leute, die manipulieren. Eventuell gehört Deine Chefin dazu. Und jetzt drückt sie auf den Knopf, der bei Dir funktioniert.

Obacht.

Gruß

Manavgat

Beitrag von hummingbird 25.02.11 - 22:57 Uhr

Dein Bauch hat doch schon entschieden.
Höre darauf.

Alles Gute!

Beitrag von tabea33 26.02.11 - 08:03 Uhr

Hallo,

ich arbeite in der Leitung einer (anderen) Behörde. Mein Anspruch an mich selbst ist vermutlich von Natur aus ein anderer, da ich die Stelle schon längst angenommen hätte, über die du noch rätselst.

Aber es gibt in Behörden ganz klar zwei Wege. Entweder man wird ausgebeutet (immer neue Stellen, immer alten Mist aufarbeiten, keine "Belohnung") oder man hat die passenden Eigenschaften und schafft dank der ausgeprägten Einsatzbereitschaft einen Schritt hoch.

Ich habe es nie als Ausbeutung gesehen, wenn ich "alten Mist" aufarbeiten musste. Eher als Chance: 1. Aufarbeitung, 2. Optimierung der Abläufe in der verrotteten Stelle. Je übler die Stelle desto mehr Spaß. Eine perfekte Stelle zu übernehmen ist doch totlangweilig. Außerdem kann man nur schlecht dastehen, weil man erstmal nicht an das Ergebnis des Vorgängers rankommt. Das kommt natürlich nur gut rüber, wenn man sich entsprechend verhält. Nicht den ganzen Tag jammern, sondern die paar Minuten Chefpräsenz sinnvoll nutzen.

Durch meinen Wechsel in die Leitungsebene habe ich einen ganz anderen Blick auf die Sache bekommen. Ich dachte immer, dass mein Einsatz eher normal wäre. Falsch gedacht. Auf 20 Leute kommen 15, die auf gar keinen Fall wechseln wollen (obwohl sie blutjung sind wie du) und nochmal 4, die es nur unter jammern und wehklagen machen.

Ein einziger traut sich ein "ich versuch es" ohne wenn und aber zu und zeigt mir anschließend eine passende Arbeitseinstellung. Wir hatten erst Beurteilungsrunden, in denen mal eben über 300 Leute beraten wird. Die wenigen Einsatzbereiten fallen so sehr positiv auf, dass selbst eine vorübergehende tatsächliche Schlechtleistung von allen toleriert wird. Manchmal kommt auch eine fleißige Biene, die ein bißchen sperrig ist schlechter weg, als ein nicht so guter Beamter, der aber zugänglicher für Neues ist (betrifft auch neue Software, neue Formulare, neue Abläufe was auch immer).

Bewertet werden Auftreten und Arbeitseinstellung, ich spreche da mal nur für Behörden. Ob das fair ist? Wahrscheinlich nicht. Man ist aber so dankbar für die wenigen Leute, an denen man nicht wie an einem sturen Esel zerren muss, dass die automatisch in der Rangfolge oben landen.

Wenn du mich als Chef fragst: eine so junge Frau, die schon sechs Jahre das gleiche macht und sich nichts zutraut, würde bei mir so im Mittelfeld schweben. Wenn dir das nichts ausmacht (und das ist absolut i.O.), dann lehne die Stelle ab. Ich wollte dir nur deine Chancen zeigen.

Natürlich kann man auch seine Arbeitnehmerrechte sehen (siehe Meinung Manavgat). Von weitem betrachtet kann das stimmen, aber in Behörden geht es manchmal anders zu. Vor allem gibt es keine spontanen Beförderungen, aber so ist das Beamtenrecht nunmal. Sinnvoll ist, das System für sich zu nutzen. Wir schütten z.B. Leistungsprämien aus, die die fehlende Beförderung von einem ganzen Jahr locker ausgleicht. Davon erfahren aber nur die, die die Prämie bekommen...

LG Tabea

Beitrag von lucky.luke.1946 26.02.11 - 10:07 Uhr

Wenn du deinen bisherigen Job behalten willst, dann sage ihr das auch und fertig.

Ich würde mich niemals unter Druck setzen lassen, und wenn sie anfängt zu drohen:
*Nachdem sie meine Arbeit erst in höchsten Tönen lobte, sagte sie, als ich ihr sagte, dass ich den Job ungern machen möchte: "Ja, es stehen ja noch Beurteilungen an....!" *


Dann sag ihr doch, daß sie dich gerade noch für deine Arbeit gelobt hat und du dann auch mit einer entsprechend positiven Beurteilung rechnest, für DEINEN Job, den du machst.
Und falls sie dich aus ihren weibisch-zickigen Gründen negativ bewertet, kannst du dagegen angehen (das sagst du natürlich nicht zu ihr).

Beitrag von tabea33 26.02.11 - 13:20 Uhr

Eine Frage:

Haben Beamte bei euch ein Wahlrecht? Es gibt schließlich keine Stellenbeschreibung, auf die man eingestellt wurde. Wir sind z.B. Landesbeamte und müssen sogar akzeptieren, dass man in eine ganz andere Stadt versetzt wird. Umsetzungen innerhalb des Hauses sind normal. Klar gibt es eine Personalvertretung, die ist aber zumindest bei Abordnungen (bei uns für 6 Monate an eine andere Dienststelle jederzeit möglich) chancenlos. Dafür ist man ja auch Beamter geworden... kein Vorteil ohne Nachteil.

Hier wird jeder dort eingesetzt, wo er gebraucht wird. Wenn sich niemand für eine Stelle bewirbt, dann bleibt einem ja auch nichts anderes übrig. In diesem Fall wird auf Leitungsebene besprochen, wie die Stelle besetzt wird. Anschließend wird es dem Beamten mitgeteilt. Natürlich wird auch Rücksicht genommen, aber nur bedingt. Wozu gibt es Beamtengesetze?

Bei Umsetzungen innerhalb des Hauses handelt sich weder um eine Abordnung noch um eine Versetzung, Beamte haben diese daher grundsätzlich hinzunehmen. Du freust dich doch über deinen Beamtenstatus, der vieles ermöglicht. Aber man darf halt nie vergessen, dass auch Pflichten daran hängen. Ich finde es manchmal wirklich eine Zumutung, wie erst alles ausgenutzt wird (Krankenstand, flexible Arbeitszeiten, Teilzeit wie immer man will, entspanntes Leben dank fehlender Zukunftsangst) und dann gibt es einen Riesenaufstand, wenn mal die Abteilung gewechselt werden soll.

Wer mal bei uns reinschnuppern durfte, der meckert wahrscheinlich nicht mehr über die Beamten. Die Zeiten sind andere geworden und wo man als Arbeitnehmer vielleicht aus Angst vor Entlassung jeder Umsetzung zustimmt, so geht es bei uns gleich ganz ohne Zustimmung.

Aber das wolltest du jetzt vielleicht nicht so hören ...

Tabea


P.S. an Manavgat: Hast du von Beamtenrecht Ahnung? Oder es läuft bei dir um die Ecke völlig anders....

Beitrag von yanis82 26.02.11 - 16:01 Uhr

Hi,

danke für deine ausführliche Antwort.

Bei uns im Jobcenter sind nur ein Bruchteil Beamte. Ich bin eine der wenigen. Von daher hat der Wunsch meiner Chefin nichts mit Beamtenrecht zu tun. Wie gesagt: wenn sie mich auf eine Stelle setzt, die ich partout ablehne, wäre ich fix zurück im Rathaus/ meinem Dienstherren (das Jobcenter ist NICHT mein Dienstherr!) und würde denen sagen "da bin ich, seht zu was ihr mit mir macht."

Haben schon viele so gemacht.

Weder sperre ich mich gegen was Neues, noch möchte ich einen Aufstand proben. Natürlich würde ich die Stelle im Notfall nehmen. Und ich wäre GUT, ich traue mir das zu.

Nur ich lass mich nicht ausbeuten für keinen Cent mehr Geld- das ist ein ganz normaler Anspruch eines ganz normalen Arbeitnehmers, Beamter hin oder her. Ich habe mit ALL meinen Teamkollegen gesprochen, keiner von denen hätte die Stelle genommen.

Und die Art und Weise----erst mich als Teambeste hinstellen, wenn ich ablehne aber mit einer schlechten Beurteilung drohen, ist ganz mies und der Hauptgrund, weshalb ich ablehnen möchte. Schlechte Führungsqualität. Sie macht aus ihrem Ehrgeiz und Egoismus auch gar keinen Hehl, sondern ist stolz drauf. Ich bin ganz anders. Ich gebe mich mit weniger zufrieden, solange ich morgens gerne ins Büro komme und meine Arbeit mit Freude ausführe.

Ich muss mir auch nicht beweisen, die liegen gebliebene Arbeit von anderen schnell aufarbeiten und damit auftrumpfen zu können. In den letzten 6 Jahren habe ich das schon so oft gemacht (einige meiner Kollegen haben Burnout bekommen oder sonstwie das Weite gesucht), dass ich mir das bestimmt kein weiteres Mal antue, nur um mir oder anderen was zu beweisen.

Für eine höhere Vergütung gerne-
für Aufstiegschancen, gerne.
Beides ist nicht gegeben (Aufstiegschancen sehe ich auch bei den Kollegen die das jetzt machen, nicht).

Daran merkt man wohl, dass ich mich entschieden habe, abzulehnen.

Einen Personalrat haben wir nicht, der wird eben erst vorbereitet.

Sie fragte mich ja, ob ich es machen MÖCHTE. Wenn ich also Montag ablehne und sie nun sagt, dass ich es machen MUSS, dann mach ich es. Und ich werde es gut machen. Aber trotzdem finde ich, eine solche Stelle gehört intern ausgeschrieben und nicht verschachert.

LG
Yanis