Angstzustände "vererbbar" ??

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von majanti 27.02.11 - 19:58 Uhr

Hallo!
Ich schildere schnell meine Problem Frage:

Ich leide unter Angststörungen, bin bald, endlich, in Behandlung.

Kann das sein, dass ich mein Leiden während der SS meinem Sohn mitgegeben habe? Gerade in der SS hatte ich oft Angstzustände, Panikattaken, ect.

Mein Sohn ist 3, ist sehr sensibel und schüchtern. Heute war Fasching, er war wie ein Baby an mir geklebt, wollte erst gar nicht hin, hat nix gesprochen, war käsig im Gesicht und wir sind nach ner halben Stunde wieder gegangen. Er tat mir leid, ich kann mich ja voll in ihn rein versetzen. War aber schon öfter so, bei Geburtstagen, Feiern, St. Martin,...

Draußen hat er dann auf dem Weg zum Auto wieder gesungen, Quatsch gemacht, bekam wieder Farbe und war fröhlich.

Verliert sich das wieder? Oder braucht er auch irgendwann Arznei, Therapie??

Danke
Marion

Beitrag von cherry19.. 27.02.11 - 20:02 Uhr

Ach was..
Wenn er sowieso ein schüchterner Junge ist, dann ist es wohl wahrscheinlicher, dass der ganze Trubel ihn etwas verwirrt hat und es einfach zu viel war für ihn.

Ich hab ja auch ein sehr schüchternes Bürschlein und letztes Jahr war echt nicht an Kidnerfasching zu denken. Dieses Jahr jedoch siehts schon etwas anders aus..
Ich sollte mich langsam mal schlau machen, wo und wann hier bei uns Kinderfasching ist.. Geht das echt jetzt schon los?!

Mach dir mal keine Sorgen. Diese Sorgen könnten sich ein wenig auf ihn übertragen ;-) Aber dass dies vererbbar ist, kann ich mir nicht vorstellen. Die Neigung evtl. Aber ich glaub echt nicht, dass sein Verhalten aus einer AngstSTÖRUNG heraus resultiert. Man kanns doch gut nachvollziehen, dass es ihm einfach zu wild war.. Die ganzen Fremden, die alle verkleidet sind.. Ist nicht jedermanns Sache ;-)

Alles Gute für deine Therapie

Beitrag von zaubertroll1972 27.02.11 - 20:08 Uhr

Hallo,

vererben würde ich nicht sagen aber ich kann mir sehr gut vorstellen daß sich Deine Angst auf ihn unbewußt überträgt.
Kinder sind ja sehr sensibel und wenn Du ständig voller Angst bist, unsicher und enentspannt im Alltag, dann wird auch Dein Kind keine Sicherheit erfahren und ängstlich sein.

LG Z.

Beitrag von majanti 01.03.11 - 19:44 Uhr

Hallo
Danke für deine Antwort. Ich versuche meine Ängste zu unterdrücken, klar wird er die Unsicherheit merken, aber so heftig. Ich hatte mich diesmal sogar gut im Griff.
Danke
Marion

Beitrag von zahnmaus 27.02.11 - 20:44 Uhr

Hallo Marion,

ich bin in der gleichen Situation, ich bin sehr ängstlich und meine Tochter hat es sich halt von mir "abgeguckt". Wir machen beide eine Therapie. Nach 4 Stunden bisher haben wir uns schon beide wesentlich verändert und wir können wieder voneinander loslassen. das ist sooo wichtig.

Dein Kind möchte immer bei dir sein, weil es merkt, wie schlecht es dir geht und will dich quasi beschützen.

Ihr seid doch aber auch auf einen guten Weg, nur Mut, es ist nicht einfach, aber lohnenswert.

LG Kerstin












Beitrag von majanti 01.03.11 - 19:47 Uhr

Hallo!
wie alt ist deine Tochter? Wie verläuft so eine Kinder therapie?
abe schon Angst vor der ersten Sitzung obwohl ja die Angst weg soll.

Danke
Marion

Beitrag von jungemama23 27.02.11 - 23:06 Uhr

hi,

hier! Bin leider auch ein Kanditat. War letztes Jahr für 9 Wochen in einer Klinik wo ich auf Tabletten eingestellt worden bin.
Das sich das schon in der Schwangerschaft übertragen hat kann ich mir nicht vorstellen. Aber klar, er wird sich von deinem Verhalten einiges abgucken. Bei meiner Tochter ist es so sobald sie irgendwie einen blauen Fleck einen Kratzer oder sonstwas hat kommt sie angelaufen "Mama guck, mal was ist das? Ist das schlimm? Denke mal das wird sie von mir übernommen haben.
Als kleiner Tipp bei einer Panikatacke. Mir hilft es wenn ich mich gerade auf einem Stuhl setze und bewusst ein und ausatme.

lg

Beitrag von majanti 01.03.11 - 19:50 Uhr

Hallo!
danke für deine Antwort!
Deine Tipp ist sehr lieb gemeint, aber sobald ich auf die Atmung achte Hyperventilier ich ganz stark. Also ich muss mich schnell ablenken oder laufen, dann kann ich Glück haben.
Nehme momentan noch Tropfen, habe das Gefühl dass sie auch helfen. Habe aber bald meine erste Sitzung beim Therapeuten.
Danke
Marion

Beitrag von jungemama23 01.03.11 - 19:57 Uhr

hi,

du hyperventilierst wenn du zu lang und zu tief einatmest. Dann fängt sich alles an zu drehen das ist eine normale körperliche Reaktion
kurz einatmen und dann lang ausatmen. Ich stand schon hyperventielierend in der Notaufnamhe so das die mit einem Rollstuh angefahren gekommen sind.
Eine Verhaltenstherapie hab ich auch gemacht. Glaub mir das hilft mit dem atmen. Musst dich wirklich nur drauf konzentrieren und ruhig bleiben. Weiss ist schwer wenn der Körper gerade unter Strom steht aber es ist machbar.

lg

Beitrag von barbarella1971 27.02.11 - 23:07 Uhr

Liebe Marion,
ich frage mich, was für eine Persönlichkeit hinter deinen Angststörungen steckt, denn die Disposition dazu könnte durchaus vererbbar sein. Wenn hinter deinen Ängsten eine hohe Sensibilität und Erregbarkeit steckt, kann es gut sein, dass dein Sohn auch sehr sensibel ist und viel Verständnis benötigt.
Ich habe meine grössere Tochter gerade psychiatrisch abklären lassen, weil sie recht extreme Angst- und Erregungszustände hat. Die definitive Diagnose und allenfalls Therapievorschläge haben wir noch nicht, aber es hiess bereits, sie sei "hochsensibel". Während der Abklärerei habe ich mir viele Gedanken gemacht und bin darauf gestossen, dass diese Sensibilität von meiner Grossmutter auf meine Mutter auf mich und auf meine ältere Tochter vererbt wurde. Der Kinderpsychiater hat bereits gesagt, das habe nichts mit Erziehung zu tun, sondern sei vererbt, und das wachse sich auch nicht aus. Meine kleinere Tochter ist auch ganz bodenständig und relaxt.

Aber: Die Disposition allein bedeutet ja noch nicht, dass er draus mal eine Störung entwickelt. Sicher hilft ihm Feinfühligkeit aller Erziehenden und das Annehmen wie er ist. Weiter muss er vielleicht Strategien im Umgang mit seiner Sensibilität erlernen, dabei kann man ihm auch gut helfen.
Und er ist ja noch sehr jung, mit 3 sind solche Verhaltensweisen doch auch normal. Bis ca. 7 sind Kinder im sog. magischen Alter wo Realität und Fiktion nicht auseinandergehalten werden. Eine sehr schöne Zeit eigentlich! Ich würde das mal relaxt sehen und keine Aufregung drum machen.
Herzlich, Barbara

Beitrag von majanti 01.03.11 - 19:43 Uhr

Danke für deine Antwort. Hat mir sehr geholfen. Mein Kia hat mir schon über hochsensible Kinder ein Buch empfohlen. Werde es mir mal zu Herzen nehmen. Ich glaube da sind wir dabei.
Gibt es bestimmte Sachen die man beachten Muss mit Hochsensiblen Kids?
Gleicher Tagesablauf ist klar. Aber es gibt so normale Dinge, der er einfach lernen muss im Leben. Er hatte einen Lieblingslöffel aus Plastik, der ist kaputt gegengen. Rießen Aufstand, sogar jetzt noch nach 2 Wochen. Soll ich sowas immer doppel haben oder muss er das lernen?

Fragen über Fragen.

Danke
Marion

Beitrag von barbarella1971 03.03.11 - 23:30 Uhr

Liebe Marion,
ich denke, mit hochsensiblen Kindern muss man viel Feinfühligkeit einbringen, aber die hast du ja sicher. Konkret im Fall des Löffels würde ich seine Gefühle spiegeln: "O je, jetzt ist der schöne Löffel kaputtgegangen. Ich verstehe, dass du wütend und traurig bist. Was können wir dagegen tun?"
Ich habe das bei den Trotzanfällen meiner Tochter erfolgreich angewandt. Trotzalterkinder erzeugen die Wut nicht um uns zu ärgern, sie leiden mindestens genauso wie wir unter dem Gefühlssturm. Verstanden zu werden, die eigenen verwirrenden Gefühle gesagt zu bekommen und Mitgefühl statt Ablehnung nehmen den Wutanfällen die Spitze. Klar müssen auch diese Kinder später mal lernen, ihre Frustrationen allein zu bewältigen. Aber das kann man dann dosiert zumuten, ich würde sagen ab 5. Mit 3 ist es tatsächlich ein Weltuntergang, wenn der Lieblingslöffel kaputtgeht.
Weiter sind für uns klare Strukturen und liebevolle Konsequenz sowie klare Abläufe hilfreich. Für meine Tochter muss alles so sein wie immer, bloss keine Abwechslung! Weiter sind übersichtliche Umgebungen wichtig. D.H. die Krippengruppe klein und konstant genug, der Kindergarten in einem Haus mit nur einer Klasse, bei der nun anstehenden Einschulung soll sie ins Quartierschulhaus mit nur 6 Klassen, wo jede Lehrerin jedes Kind kennt.
Ich hoffe, das hilft weiter. Ich habe mal einen Triple-P-Elternkurs gemacht, das half mit sehr mit der Konsequenz. Ausserdem einen Kurs "starke Gefühle kleiner Kinder", war sehr hilfreich. Aber ist finde Kindererziehung auch hochspannend und beschäftige mich gern mit den Hintergründen. Es muss nicht sein, hilft aber souverän zu bleiben wenns drunter und drüber geht mit einem intensiven Kind.

Liebe Grüsse, Barbara