(Wie) ein Fisch ins Wasser - Lionel im Geburtshaus

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Forum: Geburtsberichte

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt! Egal ob spontan, mit Einleitung oder Kaiserschnitt, im Wasser oder in der Hocke - hier sind alle Geburtsberichte willkommen!

Beitrag von inis 28.02.11 - 23:13 Uhr

Hallo ihr Lieben,

ich versuch mich auch mal an einer Kurzfassung... (oh nein, sorry, es ist wieder lang geworden! #hicks)


...seit Wochen lag der Kleine schön brav mit dem Kopf nach unten, aber es hieß jedesmal: Kontakt zum Becken zwar aufgenommen, aber noch nicht fest drin. Falls es zu einem Blasensprung kommen sollte, bitte nur hinlegen, nicht rumlaufen!
Und ich dachte mir dabei jedesmal #aerger "toller Rat, und was mach ich, wenn ich gerade oben im Dachgeschoß bin? da kriegen mich die Jungs vom Transport doch nie die enge, verwinkelte Treppe runter!" An der Stelle gab auch meine FÄ zu, daß es vielleicht, naja, ein bißchen kompliziert sein könnte... aber da bei der Geburt meines ersten Sohnes die Fruchtblase während der Preßwehen geöffnet werden mußte, war ich mir ziemlich sicher, daß unsere Geburt diesmal auch nicht mit einem Blasensprung losgehen würde.

Naja, ihr könnt euch denken, was jetzt kommt? Genau. Montag morgen (21.02., 9 Tage vor ET), kurz nach sieben, ich dreh mich in meinem Bett im Dachgeschoß um (mein Mann und der Große schlafen ein Stockwerk tiefer)... und es fängt an zu rinnen. Ich hab mich nur noch aus dem Bett gekugelt, um die Matratze zu verschonen, und es flatscht aus mir raus... und noch ein Flatsch und noch ein Flatsch. Und jetzt? Quer durchs Haus brüllen? Dann wird nur der Große wach, und das Gebrüll noch mehr... und auf die Nummer mit dem Transport hab ich auch keinen Bock.
Vierfüßlerhaltung sollte aber auch verhindern, daß die Nabelschnur eingeklemmt wird, dachte ich mir, und bin auf diese Weise dann selbst die Treppe runter. Leise meinen Mann informiert und hab mich dann unten im Erdgeschoß angekommen brav hingelegt.

Dann hab ich die diensthabende Hebamme aus dem Geburtshaus angerufen und ihr erzählt, was Sache ist. Sie kam dann netterweise zu uns raus und hat mich untersucht (Wehen hatte ich noch keine) und meinte dann, daß aber der Kopf schon genug im Becken ist, sodaß ich auch wieder aufstehen durfte. Puh, hat mich das erleichtert - ich war so kribbelig und unruhig! Auf diese Weise hatten wir aber alle Zeit, uns auf die Geburt einzustellen, mein Mann organisierte noch die letzten paar Sachen für den Tag (er ist selbständig und hat Angestellte, die mußten entsprechend instruiert werden) und den Babysitter für den Großen.
Auf elf Uhr sollte ich mal zum CTG ins Geburtshaus, und kurz vorher fingen zum Glück auch schon die ersten Wehen an, auf der Fahrt dahin wurden sie doller, daß ich ein paar mal schnaufen mußte. Und wie ichs mir gedacht hatte, als wir endlich im Geburtshaus angekommen waren, wurden die Wehen gleich kräftiger, daß ich mich schon aufs Atmen konzentrieren mußte. Die nun diensthabende Hebi (inzwischen war "Schichtwechsel", aber im Geburtshaus kennt man ja vorher alle Hebammen aus einem Team) guckte mich nur prüfend an und meinte, "du gehst mir aber nicht mehr nachhause!" Ich nur, "nö, hatte ich auch nicht vor!";-) Der Muttermund war zu diesem Zeitpunkt, etwa 11:30 Uhr, noch geschlossen.

Kurze Zeit später kamen die Wehen etwa alle 3 Minuten und waren auch langsam unangenehm, das war mir ein bißchen zu heftig... also bin ich erstmal in die Badewanne. Mein Mann (ein sehr unruhiger Geselle, der schlecht stillsitzen kann ;-)) fing schon an rumzuhibbeln, also hab ich ihn erstmal Essen holen geschickt (um die Ecke ist so ein netter indischer Imbiß). Also haben wir uns, während ich in der Wanne saß und die Wehen deutlich größere Abstände einlegten, noch Dahl Tarka und Pakora reingezogen... woraufhin mir die Hebammen (es war noch eine weitere Kollegin zur Einarbeitung da) ständig "für alle Fälle" eine Spuckschale daneben stellten. Zwischendurch fand ich meine Idee auch nicht mehr sooooo gut... aber das Essen ist zum Glück drin geblieben.

Irgendwann ging ich aus der Wanne wieder raus, tigerte rum und suchte die schönste Position für unter den Wehen. (MuMu: 3cm.) An der Vorderwand zog und krampfte es so ein bißchen, ich hatte den Impuls, mich immer so nach vorn zu krümmen... irgendwann hing ich dann vor dem Bett, hockte auf den Fersen und schmiß mich bei jeder Wehe unter lautem Tönen nach vorn, krallte mich an den Beinen oder Armen meines Mannes fest, der dort auf dem Bett saß. Die eine Hebamme massierte mir währenddessen sehr liebevoll von hinten das Kreuzbein mit einer Salbe, die meine Druidenfreundin mir extra für die Geburt angerührt hatte. Das waren Momente, wo ich mich trotz der Schmerzen sehr geborgen fühlte.

Aber der krampfartige Schmerz an der Vorderwand ging auhc in den Wehenpausen nicht weg, und ich fing an, mich darüber zu beschweren. Zwischen den Wehen wollte ich mich am liebsten hinlegen, konnte aber bei der jeweils nächsten Wehe nicht mehr liegen und mußte mich wieder aufrappeln... Muttermund war bei etwa 5cm, und mir kam es so vor, als ob die Geburt shcon ewig dauerte (es war etwa halb drei, wir waren also gerade mal seit etwa dreieinhalb Stunden im Geburtshaus #klatsch). So verging noch einige Zeit, ich suchte nach der besten Position und jammerte über die nicht weggehenden Schmerzen... bis ich irgendwann meinte, ich geh jetzt noch mal in die Wanne.
Das war die beste Idee des Tages! #pro

In kurzer Zeit konnte ich mich dort besser entspannen (also zwischen den Wehen) und der Schmerz vorne ließ nach, der MuMu war bald bei 7-8cm. Und dann fühlte ich, wie das Köpfchen in mir nach unten schob - ich hatte tatsächlich schon Preßdrang!
Die folgende, sagen wir halbe Stunde, war fast das Unangenehmste an der ganzen Geburt: während der Muttermund sich vollständig öffnete, mußte ich die Wehen grötenteils veratmen und durfte nicht mitpressen... ich krallte mich mit der einen Hand am Griff der Badewanne fest, mit der anderen Hand in das Tuch, das (für solche Zwecke) oberhalb der Wanne von der Decke hing. Muß ausgesehen haben wie ein gestrandeter Wal... #rofl ...und laut war ich dabei auch. Der zeitgleich laufende Kurs im Geburtshaus (Rückbildung? offene Stillgruppe? keinen Plan) dürfte über die Geburtsfortschritte bestens informiert gewesen sein... #rofl

Dann endlich war der Muttermund offen, ich durfte pressen, fluchte dabei ein bißchen vor mich hin, und als sich der Kopf durchschob, war ich mir fast sicher, daß es reißen würde... dann war das Köpfchen draußen, ich sollte meinen Po aber noch unter Wasser lassen, bis auch der Rest vom Baby draußen wäre - der kam dann zum Glück mit der nächsten Wehe. Und dann konnten wir den Kleinen aus dem Wasser heben und mir auf die Brust legen... #verliebt Es war 16:29 Uhr, ab Wehenbeginn hatte die Geburt nur etwa sieben Stunden gedauert.

Der kleine Lionel fing direkt an, nach irgendwas zum Saugen zu suchen, was er dann auch kriegte - und auch die Plazenta kam dann bald. Auf meinen Wunsch hin habe ich noch die Nabelschnur durchtrennt. Dann bin ich auch so langsam aus der Badewanne rausgekrabbelt (ihr wollt nicht wissen, wie das Wasser aussah #schein) und hab mich erstmal auf dem Bett erholt. Nach der liebevollen Untersuchung durch die Hebammen (der Kleine hatte super Werte, war total fit, und ich war doch nicht gerissen) hatten wir noch Zeit zum Kuscheln und Kennenlernen. Knapp drei Stunden nach der Geburt sind wir dann nachhause gefahren, damit auch der frischgebackene große Bruder noch vorm ins-Bett-gehen sein Baby bewundern konnte.

In der Nacht nach der Geburt wunderte ich mich vor allem über die Rückenschmerzen, die ich hatte - woher denn nur? Achja, vom Festkrallen unter der Geburt!! #rofl Aber wenn das die schlimmsten Nachwirkungen einer Geburt sind...
Die ersten Tage hatte ich noch tüchtig mit meinem Kreislauf zu kämpfen, aber inzwischen geht auch das wieder; der kleine Lionel trinkt ordentlich und nimmt gut zu (hat jetzt nach einer Woche schon sein Geburtsgewicht wieder), und das Beste: er ist ruhig und zufrieden und macht wenig Terror (nachts kaum, höchstens mal zwischen vier und sechs Uhr morgens). Echt vorbildlich, der Kleine (mein Großer war ein höchst unausgeglichenes Baby...)!

Jau, jetzt habt ihr einen Eindruck, wie unsere Geburtshaus-Wannengeburt so war - und wenn ihr noch Fragen habt, dann fragt einfach.

Hier noch seine Daten:
Geburt bei 38+5 am 21.02.2011 um 16:29 Uhr
52cm
3145g
34cm Kopfumfang

...und so süß! #verliebt


#winke
lg,
inis mit Iulian (2,5 J.) und Klein-Lionel

Beitrag von mama-von3 01.03.11 - 15:02 Uhr

Meinen Glückwunsch zum Baby !!!!

Der Name ist ja super !!!!!! gefällt mir sehr gut #pro

LG Angela

Beitrag von janimausi 03.03.11 - 11:54 Uhr

Traumgeburt im GEburtshaus, so was hätte ich auch gern gehabt, nur mein kleiner Mann wollte dann doch lieber das Krankenhaus...