Kaiserschnitt- Warum macht mir das immer noch so zu schaffen???

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Forum: Geburt & Wochenbett

Die Geburt deines Kindes rückt näher und es tauchen immer noch neue Fragen auf? Du hast gerade entbunden und ganz spezielle Fragen in dieser besonderen Situation? Hier ist der Ort für alle Fragen rund um Geburt und Wochenbett.

Beitrag von daniemausie 01.03.11 - 22:03 Uhr

Hallöchen...

Ich muss mir jetzt einfach mal ein bissl was von der Seele schreiben, in der Hoffnung das ich es dann so langsam mal geregelt bekomme.

Also, meine Tochter ist inzwischen 10 Monate alt. Ab der 30.SSW wurde "festgestellt", dass sie nicht so richtig wächst und sie eventuell früher auf die Welt geholt werden müsste. Da aber die Versorgung soweit in Ordnung war, kamen wir schließlich doch noch bis zu 38.SSW. Dann hieß es aber- Spontangeburt is nich, da Kind zu klein und in BEL. In dem Moment hatte ich damit auch nicht wirklich ein großes Problem. Gut, KS war jetzt nich das was ich mir so vorgestellt hatte, aber wenns halt nich anders geht, muss ich es wohl hinnehmen.

Mein Baby war dann auch ganz schnell da, gesund und alles prima.

Trotzdem, grad in letzter Zeit macht mir das total zu schaffen. Irgendwie denke ich, es fehlt was. :-( Ich bin super happy mit meinem Baby, aber ständig kommen die Gedanken hoch- was wäre wenn. Eigentlich soll man sich ja keine Gedanken über Sachen machen die man doch nicht ändern kann, aber ich kann es einfach nicht abstellen. Grad weil es mit dem Stillen die ersten zwei Monate gar nicht klappen wollte usw...

Wäre das vielleicht alles anders gelaufen??? Wie wäre es gewesen die Maus gleich im Arm halten zu dürfen? Hätten die langen Stunden mit Wehenschmerzen mich und meinen Mann noch enger zusammengebracht? Wie wäre es gewesen, hätte mein Mann die Nabelschnur durchschneiden können?? All diese und noch mehr Fragen schwirren zur Zeit in meinem Kopf...

Jeder mit dem ich hier versuche darüber zu reden sagt mir nur: Es war für die Kleine das Beste... mag ja sein, aber das hilft mir auch nicht weiter.
:-(

Vor ein paar Tagen hat ne Freundin von mir entbunden, auch spontan... Ich bin teilweise richtig eifersüchtig, ich kenn mich selbst nich mehr!
Ich will nich so sein und trotzdem krieg ich diese blöden Gedanken nich aus meinem Kopf...

Sorry für das viele Gelaber, aber vielleicht kann hier ja jemand verstehen was ich meine...

Danke fürs Lesen...

die heute ganz besonders traurige Danie #heul

Beitrag von mariju 01.03.11 - 22:41 Uhr

Ich hatte einen KS nach Geburtsstillstand. Das ganze ist jetzt gut 5 Monate her, aber ich hab immer noch das "Versager" Gefühl in mir. Mich lässt das Thema auch nicht wirklich los, ich denke natürlich nicht ständig darüber nach, aber immer mal wieder kommt der Gedanke warum ich das nicht geschafft habe. Irgendwas fehlt einfach. So der letzte Schritt. Der KS war für mich kein schlimmes Erlebnis, aber wirklich damit klar komme ich nicht.
Wenn mich jemand nach der Geburt gefragt hat, hätte ich am liebsten immer sofort die ganze Geburtsgeschichte erzählt, einfach um nicht da zu stehen als wäre der KS ein Wunsch von mir gewesen.

Am schlimmsten ist es für mich wenn jemand aus meinem Umfeld ein Kind spontan entbindet. Ich bin richig eifersüchtig obwohl ich mich ehrlich für die Dame freue.

LG

Beitrag von daniemausie 01.03.11 - 22:48 Uhr

Ja, so gehts mir auch... ich denk jetzt auch nich 24Stunden am Tag drüber nach, aber im Moment grad wieder oft, eben wegen meiner Freundin. Ich freu mich auch sehr für sie, aber wie du schon sagst, man is eifersüchtig. Ich hatte ja nu nich mal Wehen.... Im Prinzip war die Maus halt plötzlich da, ohne Wehen ohne langes Warten... Es is so komisch... :-(
Und wenn ich dann noch gesagt krieg- sei doch froh das es so einfach war... boah! :-(

Beitrag von mariju 01.03.11 - 22:59 Uhr

Direkt danach habe ich mir gedacht wenn das schon Wochen vorher klar gewesen wäre das es zum KS kommt wäre ich besser damit klar gekommen. Aber ob das wirklich hilft? Eher nicht ... wie du sagt, aufeinmal ist das Mäuschen da und man weiß sogar wann.

Den Spruch kenne ich auch. Eine Besucherin bei mir im KH sagte mir "sei froh das du das Ende nicht erlebt hast" Toll.... vielen Dank auch. Sowas kann man wirklich brauchen. Zum Glück sind solche Sprüche wirklich nur sehr sehr selten gekommen.

Liebe Grüße

Beitrag von daniemausie 01.03.11 - 23:10 Uhr

Mmh, bei dir is es natürlich noch bescheidener... Ich habs ja nu gewusst und war, sozusagen "live dabei"... besser is es trotzdem nich?!

Ja stimmt, zum Glück hört man sowas nich so oft, aber die paar Male die man es hört reichen einem.

Süßer Fratz übrigens dein Sohnemann. :-) Wenn man die Kleinen dann so anschaut is es ja dann doch nur halb so schlimm... :-) Man muss es wohl wirklich so sehen- hauptsache alles gesund und munter, auch wenns schwer fällt. :-(

Mich nervt nur auch immer wenn ich dann erzähle das es ein KS war, wie man angeguckt wird, so nach dem Motto: Was? Etwa geplant?

Naja, jedenfalls gut zu wissen das ich so mit meinen Gedanken nich allein da stehe. :-)

LG

Beitrag von meandco 02.03.11 - 08:35 Uhr

ok ... dann spielen wir mal was wäre wenn ...

die optimale geburt hätte für dich also etwa so ausgesehen: du bist zu hause, wartest tagelang völlig foxi auf die ersten wehen und hibbelst der geburt entgegen ... irgendwann beginnen dann die wehen, eventuell blasensprung, dein mann rast mit dir ins kh #schwitz dort angekommen wirst du von der hebi untersucht - alles io, es sind wehen, das baby ist unterwegs - und hat sich auch noch gedreht #huepf die wehen kommen in immer engeren abständen, schön langsam wird es anstregend, aber der mumu öffnet sich gut #pro
dein mann steht ununterbrochen unerschütterlich an deiner seite, hält deine hand und wischt dir den schweiß von der stirn ... optimalerweise tönt er auch noch mit. irgendwann bietet dir die hebi an ins becken zu gehen für eine wassergeburt und begeistert stimmst du zu.
gesagt, getan, das wasser ist schnell eingelassen und du liegst da drin. jetzt ist alles bestens #freu die wehen kommen regelmäßig, tun nicht mehr so weh, dein mann an deiner seite und die hebi meint: jetzt dauerts nicht mehr lang! nach nur wenigen presswehen flutscht dein baby einfach so aus dir raus, dein mann kann das ganze life miterleben und ihr seid beide hin und weg vor ergriffenheit. keine 10 sekunden vergehen und schon hast du dein baby am bauch. es guckt dich an und du weißt: das hier ist das beste was du jemals erlebt hast ...
kurz darauf kannst du deine tochter das erste mal anlegen - alles bestens. sie saugt sofort voller enthusiasmus alles raus was geht. ihr dürft erst noch auf der station bleiben, nach einiger zeit gehts aus der wanne raus und ihr könnt euer kleinchen anziehen #freu und dann kommt sie direkt mit auf die wochenbettstation, wo sie immer an deiner seite ist, du sie rund um die uhr entspannt pflegst und ihr nach 3 tagen völlig zufrieden nach hause geht und die nächsten 4 monate problemlos stillt - nicht mal koliken hat sie und sie schläft soooo brav #verliebt ...

ja, ja ... so hätten wir es alle gern - und oft bekommen wir das auch #freu#pro#klee

aber wenn wir was wäre wenn spielen ... dann ist auch das realistisch:
es wird abgewartet was passiert, die kleine wird immer schlechter versorgt. langsam aber sicher versiegt der nachschub aus der plazenta. also wird eingeleitet ... die kleine hockt noch immer in bel rum, aber das wird schon klappen #pro
nach 2 tagen schlägt die einleitung dann endlich richtig an - du bist schon völlig erschöpft, von immer wieder beginnenden wehen die aber nichts bringen. aber naja, jetzt gehts endlich los!
aber der mumu öffnet sich nur zögerlich, alles treppensteigen bringt nicht viel, du übergibst dich - essen und trinken ist nicht. nach 4 scheinbar endlosen stunden bettelst du um schmerzmittel - und bekommst auch was. es geht dir besser, du kannst etwas entspannen. das baby hockt noch immer, die hebi kommt regelmäßig zur kontrolle. alles io, kann weitergehen. ob du noch etwas wehenmittel willst um bessere wehen zu haben ... ja, wenns dann besser geht ... also wehenmittel ... jetzt werden die wehen schnell stärker, der mumu geht zögerlich aber doch auf. aber die schmerzen werden fast unerträglich.
endlich gehts dem ende zu. das baby soll bald kommen. es hockt aber noch immer ... also wird der spezialist für bel geholt. du bist nach mehreren schlaflosen tagen am ende deiner kräfte, weißt nicht mehr wie du das schaffen sollst ...
dann ist der spezialist da. herztöne des kindes sind noch im normalen bereich aber schon bedenklich unten ... bei nochmaligem abtasten merkt er: das kind hat sich etwas seitlich gedreht, es liegt irgendwie schräg, da rutscht nur ein bein raus ...
jetzt bricht hektik aus, eine entscheidung muss gefällt werden - kann das kind noch so kommen oder sit die gefahr für beide schon zu groß ...
tja - und dann kann ich jetzt alles weiterspinnen, von es geht doch noch gut bis hin zu ks oder das kind stirbt bei der geburt ...

was ich mit diesen beiden geschichten sagen will???

ich verstehe was in dir vorgeht - wir neigen dazu was wäre wenn zu denken. aber wenn wir das tun, dann denken wir uns immer nur das positivste - dann wär alles toll und bestens gewesen. ein traum eben - und der ganze sch... der so passiert ist hätte nie existiert ...
die wahrheit ist aber: es könnte genauso gut fatal enden :-(

daher: konzentrier dich darauf, dass ihr eine für die situation von dir und kind optimale geburtssituation geboten bekommen habt. es war alles vorher schon geplant, alles stand für den fall eines falles bereit und die meisten eventualitäten konnten ausgeschlossen werden. man (kh-personal) und ihr habt euch mühe gegeben das mit dem stillen hinzubekommen und immer das wohl des kindes im auge behalten ...

vielleicht schaffst du es dann, frieden mit der situation zu schließen #liebdrueck

lg
me

Beitrag von yale 02.03.11 - 09:16 Uhr

Guten Morgen,

ich finde das beispiel meiner vorschreiberin klasse.

Ich denke aber auch das wir,die einen Kaiserschnitt bekommen werden oder bekommen haben,von der Gesellschafft das Gefühl vermittelt bekommen "Versager" zu sein.

In erster Line ist es egal warum,wieso,weshalb,du hast ggf. nicht stundenlang in Wehen gelegen und gekämpft.

Du unterhälst dich mit einer Mutter die Spontan entbunden hat und sie fragt dich wie es bei Dir war und du kannst "NUR" ein KS vorweisen.

Diese blicke der anderen kenn ich nur zu gut,und man muss sich immer erklären warum man eben per KS entbunden hat.

Ich hatte nach dem letzten KS eine Mama mit auf dem Zimmer die 2 Tage zuvor ein Blasensprung hatte und eingeleitet wurde,als weder die Hebamme noch die Ärztin es weiter versuchen wollten mit der einleitung und der entschluss zum KS feststand ist für sie eine Welt zusammen gebrochen.
Ich muss allerdings auch sagen bei ihr ist viel schief gegangen,nicht nur das sie den Traum einer Spontan entbindung ziehen lassen musste,nein sie bekam ihr Baby erst am nächsten morgen in den Arm,sie hatte nachmittags entbunden.

Ich kann dir nur raten,solltest du wirklich sehr daran zu knabbern haben,versuch mit deinem FA darüber zu sprechen ggf. wird er dir empfehlen einen Therapeuten auf zusuchen.

Ich wünsch Dir alles gute für dich und deine Familie.

vg

yale

Beitrag von anne_loewe 02.03.11 - 09:20 Uhr

Liebe Dani,

ich finde das sehr verständlich! Unverständlich wäre, wenn Du Dich gegen einen Kaiserschnitt entschieden hättest obewohl`s fürd Kinder gefährlich ist.

Doch warum sollte man nicht trauern, dass ein wunderbares Erlebnis nicht stattfinden konnte? Eine spontane Geburt - vorausgesetzt Mutter und Kind geht es gut und man lässt sie in "Ruhe" - ist ein wundervolles Erlebnis und der Körper von Mutter und Kind "weiss" dass es kommt. Der Körper erwartet die Wehen geradezu und die Wehen und die Schmerzen erfüllen auch bestimmte Funktionen für das Bonding und das befriedigende Gefühl nach der Geburt.

Das kann ein Kaiserschnitt - so dankbar wir sicher alle sind, dass es ihn gibt für Notfälle - nicht bieten, rein technisch nicht. Es fehlt das Geburtserleben (und zwar Mutter und Kind), das ist ganz klar.

Letzlich kann das nur durch Zeit, den Trost dass es notwendig war und vielleicht später eine Spontangeburt "geheilt" werden.

Es spricht für Dein gutes Körpergefühl, dass Du das so wahrnehmen kannst!

Lg!
Anne

Beitrag von widowwadman 02.03.11 - 19:43 Uhr

Immer dieser Bonding-Muell. Gibt es eigentlich methodologisch einwandfreie Studien die belegen dass die Mutter-Kind Bindung bei KS gestoert wird?

Bonding-Probleme kanns bei vaginalen Geburten wie bei KS geben. Kann, muss aber nicht.

Beitrag von escada87 03.03.11 - 18:11 Uhr

ja da muss ich dir geben ich kenne genug Frauen die Bonding Probleme auch nach einer spontanen Geburt hatten

Beitrag von nele27 02.03.11 - 09:48 Uhr

Hallo,

es ist ganz normal, dass es Dir so geht... ein KS ist nunmal die Geburtsmethode zweiter Wahl und da brauchst Du Dich nicht zu schämen, wenn Du damit haderst.
Lasse Deine Gefühle also ruhig zu, denn sie sind eh da.

ABER: Gefühle zulassen ist toll, sich da total heineinsteigern hingegen bringt Dir rein gar nichts. Sicherlich kann man in der Theorie viel erzählen von "Hauptsache gesund", "sei froh, dass nichts passiert ist" etc. Wenn Du anders tickst nützt Dir das erstmal wenig.
Es ist allerdings möglich - auch für Dich - Dinge, die nicht schön sind sind, aber unveränderlich zu akzeptieren un Deinen Frieden damit zu schließen. Bei Dir ists der KS. Andere haben spontan entbunden, aber dafür ein anders Päckchen zu tragen. Wie sagt man so schön - irgendwas ist immer. Auch bei Deiner Freundin, die spontan entbunden hat.

Daher: Akzeptiere den Frust aber sei offen dafür einen Punkt zu finden, an dem Du beginnst Frieden zu schließen... es gibt übrigens auch Bücher zu dem Thema. Den Willen nun nicht mehr mit dem Schicksal zu hadern musst Du allerdings selbst entwickeln.

Wirst Du noch mal ein Kind bekommen? Wenn ja, hast Du das Geburtserlebnis evtl doch noch irgendwann...

LG, Nele

Beitrag von ellewoods 02.03.11 - 11:45 Uhr

Schon mal über ein "Geburtsritual" nachgedacht?
Meine Hebi im GVK hat gestern davon erzählt. Macht man zwar schon etwas früher nach der Geburt, wenn das Baby aufgrund des Geburtsverlaufs Anpassungsschwierigkeiten hat, aber man kann das bestimmt auch für ältere Kinder anpassen.

Hier ist eine Beschreibung.

http://www.noreia-essenz.com/notfalltropfen_heilbad.php

Mir gefällt die Idee sehr gut, nicht nur bei "unschönen" Geburtserlebnissen...

VG, ellewoods

Beitrag von fairy74 02.03.11 - 14:55 Uhr

#liebdrueck verstehe dich sehr gut.
ich habe auch per KS entbunden wegen BEL. Leider gab es bei uns kein KH, welches das Kind auf normalem, Wege auf die Welt holen wollte.

am Anfang war alles ok für mich. Aber jetzt nach fast 10 wochen fehlt mir auch etwas.
Es ist nicht das Gefühl versagt zu haben, aber ich denke einfach ICH habe mein Kind nicht zur Welt gebracht.
Es wurde von anderen zur Welt gebracht. Mir fehlt der Geburtsvorgang.

Sicher werden jetzt einige sagen "Sei froh, dass dir die Schmerzen und Strapazen erspart blieben" , aber ein KS ist auch nix schönes und die Schmerzen in den ersten beiden tagen fand ich auch heftig.

Aber wichtig ist doch tatsächlich, dass wir gesunde Kinder haben, oder? #liebdrueck
Das andere Gefühl wird vergehen....

Beitrag von daniemausie 02.03.11 - 20:25 Uhr

Vielen Dank für eure, mal mehr mal weniger, hilfreichen Beiträge..

Ich denk ich werd es einfach so handhaben wie bisher, unendlich glücklich sein das es meine Maus gibt und stolz darauf was wir alles zusammen erreicht haben. (Denn es hat sich kein Krankenhauspersonal um die aufgeschnippelte Mutter gekümmert die ihr Kind stillen wollte! Wir haben uns das nach 8 Wochen Abpumpen in einer Woche selber beigebracht!)

Die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht krieg ich ja doch noch die Chance auf ne Spontangeburt! (Ganz bestimmt nich total naiv als absoluten Traum vorgestellt, sondern einfach als "das was dazu gehört"!

Naja, ich werd es einfach gut sein lassen, denn ändern kann ich es so und so nicht mehr!

LG Danie