Hilfe, was ist nur los mit mir?

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Forum: Kindergartenalter

Ein großer Schritt ins Leben für jedes Kind ist der Start in den Kindergarten. Aus dem Kleinkindalter herausgewachsen, wird euer Sprössling nun zunehmend unabhängiger. Es stellen sich ganz neue Fragen, bei denen euch unser Forum hilfreich zur Seite stehen kann.

Beitrag von lady-anne-boleyn 04.03.11 - 14:18 Uhr

Hallo.

Also eigentlich geht es in dem Beitrag eher um mich, aber da mein Sohn im Kindergartenalter ist (3,5Jahre) denke ich, passt es hier am ehesten rein.

Und zwar, geht es um folgendes.
Ich habe zu meinem Sohn nicht grade das innigste Verhältnis.
Also, ich weis gar nicht wie ich das beschreiben soll.
Ich liebe ihn natürlich, und tue alles was andere Mütter auch tun.
Aber die negativen Dinge überwiegen einfach. Seit der Kleine Ein Jahr alt ist, ist er nun in der Trotzphase, und das so stark, das ich einfach nicht mit klar komme. Die letzten 2,5Jahre waren für mich eigentlich echt die Hölle.
Ich hab immer nur die Stunden gezählt, bis er endlich geschlafen hat.

Ich denke, ich brauche nicht alles aufzählen, jede Mama weis ja, was in so einer Trotzphase alles abläuft. Am Anfang konnte ich das noch gut wegstecken, aber irgendwann hatte ich echt die Schnauze voll.
Ich bin eigentlich nur noch genervt, selbst wenn der Kleine mal nichts schlimmes tut.

Speziell geht es mir nun darum, das mich sein Geheul mittlerweile so weit bringt, das ich (obwohl ich noch nicht mal weiß um was es geht) anfange zu zittern. Mein Puls rast wie verrückt, und ich bin kurz vorm durchdrehen. Ich gehe dann trotzdem immer ganz ruhig und mit Behutsamkeit an die Sache ran, und versuche so verständnisvoll wie möglich zu sein. Ich lasse meine Stimmung die ich in solchen Momenten habe NIE an dem kleinen aus. Gut, ich schimpfe natürlich auch mal, wie alle Eltern, aber das was ich fühle ist bestimmt 10000mal schlimmer in dem Moment, als bei anderen.

Neulich habe ich mich dann mal hingesetzt, (nachdem ich ihn beruhigt hatte, und er wieder aufhörte zu heulen) und meine Hände angeschaut.
Die haben gezittert ohne Ende. Das war wie so ein richtiger Adrenalin-Schub. Als wäre sonstwas passiert. Ich weis nicht, warum das passiert.
Ich hab schon das Gefühl ich werde langsam bekloppt. Vielleicht hab ich in den 2,5Jahren die zu 90% aus Geschrei und Geheul bestanden, einfach ne
"Baby-Heul-Phobie" entwickelt? Oder Angstzustände?

Ich glaube auch, das es teils daran liegt, das ich unglaubliche Selbstzweifel hab. Immer wenn er Z.B Nachts heult, hab ich Angst, das ich die Situation nicht ruhig lösen kann. Und allein DAS bringt mich schon auf 180. Und immer dieser eine Gedanke im Hinterkopf: NICHT SCHON WIEDER, was hat er denn JETZT schon wieder usw...

Vielleicht bin ich auch zu aggressiv? Weil ich muss zugeben, es macht mich auch oft unglaublich wütend, wenn er heult. Zumal auch die Gründe manchmal so Pipifax sind, das ich ihn grade schütteln könnte.
Wir hatten hier schon Kreischanfälle vom feinsten, wegen einer etwas verkrumpelten Denke (oder Kissen) oder weil der Herr auf einmal (Trotz Windel an) doch aufs Klo wollte (mitten in der Nacht) usw...

Und es ist wirklich so, das er einfach nicht REDET. Sofort wird angefangen zu brüllen, als würde man ihn abschlachten wollen. Es gibt bei uns kein:
"Nein Mama, ich mag nicht" NEIN. Nur dieses Gebrülle. Will man ihn dann beruhigen, und es ihm erklären, versucht er einen mit Gebrüll zu übertönen.

Wie soll ich weiter machen?
Wir wollen ihm demnächst beibringen ohne Windel zu schlafen.
Er kriegt bald ein richtiges Bett, da kann er aufstehen wann er will.
Im Moment hat er noch ein Gitterbett. Ich würde das alleine aufstehen können, dann gerne mit dem "Nachts aufs Klo gehen" verbinden.
Haben das einmal kurz am Rande erwähnt, und gesagt das er dann keine Windel mehr braucht. Und was war? Gebrüll. Er ist auch absolut nicht offen für neues. alles wird abgelehnt. Bei uns war bis jetzt alles ein Kampf.
Was bei anderen normal erscheint, ist bei uns der Kampf der Giganten.

Was soll ich nur machen?
Gruß Lady Anne.

Beitrag von ellabc 04.03.11 - 14:45 Uhr

Oh je, das hört sich ja schlimm an. Laß dich mal drücken.
Aber deine Geschichte kommt mir sehr bekannt vor. Hat mir vor kurzem ein Bekannter fast im gleichen Wortlaut erzählt, wie es bei ihm war.Am Schluß stand er dann aber mal mit erhobener Hand und wohl sehr schlimmem Gesichtsausdruck vor seinem Sohn. Seine Frau hat ihn dann umgehend zum Psychologen geschickt, bevor etwas schlimmes passiert. Bei ihm war es dann wohl eindeutig Bourn-out Syndrom. Er war dann auch ein viertel Jahr in einer Psychosomatischen Klinik, was ihm seiner Meinung nach sehr geholfen hat. Vielleicht kannst du dir ja auch Hilfe holen, bevor es so ausartet. Vielleicht hilft ja auch schon eine kleine Auszeit? Mal ne Woche alleine auf Wellness? Vielleicht gibt es auch eine Mutter-Kind-Kur?
Hoffe das schmettert dich jetzt nicht nieder#liebdrueck
LG
Ella

Beitrag von stefannette 04.03.11 - 15:11 Uhr

Ich würde auch mal mit einem Arzt darüber reden, denn ich befürchte auch,dass Du wirklich Psychologische Hilfe brauchst.(Das meine ich nicht böse, sondern sage das deutlich um Dir zu helfen!!)
Ich hatte letztes Jahr zwei Freundinnen mit Burn- out hier sitzen,das ist nicht lustig.
Mal ganz davon abgesehen, ist Dein Kleiner 2,5 Jahre alt und ich denke nicht, dass er ein nächtliches Topfchentraining braucht. Nachts trocken zu werden kommt meist von selbst.
Mutter-Kind-Kur wäre auch ne Idee. Laß Dich bitte beraten!!!
Ganz liebe Grüße
Annette#liebdrueck

Beitrag von kleine_kampfmaus 04.03.11 - 18:39 Uhr

Hi Anne,

ich kenn das nur zu gut und kann dir nur folgendes dringenst raten:

1. Such dir professionelle Hilfe. Du bist am Ende (psychisch wie physisch); ich tippe zu 99 % auf Burnout - und JA, das kriegen AUCH MÜTTER!
2. Lass die geplanten Veränderungen erstmal weg! Das bringt nur noch mehr Stress. Im übrigen könnt ihr ihm nicht beibringen ohne Windel zu schlafen, dafür muß er ein bestimmtes Hormon in ausreichender Menge produzieren. Ohne das funktioniert sowas NIE und verursacht dir nur noch mehr Stress.

Mit professioneller Hilfe meine ich etwas wie Psychotherpeut, Selbsthilfegruppe etc. Ich war vor fast 1,5 Jahren soweit, dass ich akuten Burnout mit daraus resultierender Depression und Suizidgefahr hatte und kann dir nur sagen, dass ist nicht lustig. Bei uns gibt es eine Art "Erste-Hilfe-Stelle" dort habe ich mich hingewandt. Die Dame kam zu mir nach Hause, hat sich die Situation erklären lassen, hat mir diverse MÖglichkeiten aufgezeigt und mir bewußt gemacht, wie schlecht es um mich bestellt ist. Ich habe dann eine Psychotherapie begonnen (das war aber nichts für mich) und habe mich einer Selbst-Hilfe-Gruppe angeschlossen. Dort waren nur Mütter mit den unterschiedlichsten Problemen und man konnte einfach reden oder aber auch nicht reden. Es gab keine dummen Sprüche, Vorurteile, doofen Ratschläge, etc.

Alles Gute
Kleine Kampfmaus

Beitrag von zahnweh 04.03.11 - 19:58 Uhr

Hallo,

kann es sein, dass er deine Stimmung spürt?

Meine ist wie ein Stress-Seismograf. Lange bevor ich meinen eigenen Stress spüre, reagiert sie darauf wie eine Launen-Erdbeben.
Dadurch werde ich noch gestresster
was sie sofort spürt und noch schlimmer macht,
was mich wieder noch mehr stresst
...

das einzige was hilft. ICH muss mich beruhigen. ICH muss raus aus der Situation.
Ja, nach Möglichkeit gebe ich sie dann in gute Hände. Bewusst. Nicht weil ich das Gefühl habe zu versagen, sondern weil ich uns beiden was GUTES damit tue!!!

zwei Stunden Pause, weil ich UNS was GUTES damit tue, tut so richtig gut.

Meine Großeltern hatten noch meine Urgroßeltern mit auf dem Hof. Oder Knechte/Mägde. Oder die Hebamme blieb teilweise über ein Jahr lang. Also ist es völlig natürlich, nicht allein für sein Kind da sein zu müssen (auch wenn man das heute überall oft eingetrichtert bekommt).
Gut, Großeltern hab ich nicht in der Nähe, aber Freunde oder andere Menschen, denen ich mein Kind anvertrauen würde. Das hilft sehr.

Auch - die für uns beste Krabbelgruppe - tat gut (aber da hatten wir echt richtig Glück! die andere machte vieles nur schlimmer).

Wichtig ist, dass du für dich Zeiten bekommst, in denen du für dich sein kannst und dein Kind gut betreut weißt. Gönne dir bewusst solche Zeiten und streiche jeden Gedanken an sonstige Erledigungen.

Was ich bei dir auch herauslese ist, dass du selbst dein Selbstbewusstsein anzweifelst. Das macht vieles nicht einfacher. Kann es sein, dass du dadurch auch durch Aussagen anderer leichter verunsichert wirst?

Was sagt dir dein Bauchgefühl in manchen Momenten? Es ist schwer, durch äußere Einflüsse trotzdem drauf zu hören. Aber meine Erfahrung ist: egal wie verzwickt eine Situation erscheint. Mein Bauchgefühl leitet mich oft ganz gut und kann manche Ängste bezwingen.


Das sind nun nur einfache Ratschläge. Da sich bei euch vieles schon festgefressen hat und eine Änderung viel Kraft braucht (was dir gerade am meisten fehlt), kann ich mich meiner Vorschreiberin nur anschließen, dich wegen Burn Out zu erkundigen.

Oder Mutter-Kind-Kur. Wobei ich bei Burn-Out intensivere Hilfe vermute. Also auch länger andauernde. Eine Kur dauert meist "nur" 3 Wochen und dann war's das. Ist super. Mir hat es sehr geholfen, allerdings war ich noch relativ am Anfang solcher Stresssituationen und das meiste kam noch von außen.

Versuche (mit Hilfe) wieder Kraft zu tanken. Dadurch kannst du ruhiger werden und das spürt dann auch dein Kind und dann kann er auch ruhiger werden, was dich auf Dauer auch entspannter macht. Was ihm wiederum gut tut und er auch entspannt.
Mit Hilfe kannst du auch längerfristige Tipps bekommen, wie du das dann ausgeglichener Sein länger bewahren kannst.

Den ersten Schritt hast du schon gemacht :-) du hast gefragt und suchst nach sinnvollen Änderungen :-)