Verheiratet mit einem Workaholic

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von *traurig* 05.03.11 - 09:02 Uhr

Hallo!

Ich sitze gerade hier und bin ziemlich traurig. So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Als mein Mann und ich uns kennenlernten, war er noch Student und ich ging zur Schule. Seither sind 9 Jahre vergangen und es hat sich einiges verändert. Wir sind beide älter geworden, haben nun Jobs, ein Haus und ein kleines Kind. Und auch ansonsten haben wir uns natürlich verändert. Mein Mann ist zunehmend mehr zum Workaholic geworden. Anfangs war es für mich noch in Ordnung, wenn er man am Wochenende arbeiten musste, mal auf Montage fuhr oder auch mal abends bis spät arbeitete. Aber es wurde immer schlimmer. Er war monatelang auf Montage und wenn er zuhause war, schimpfte er durchgehend über seinen Job. Ich hatte die Schnauze so voll, denn ich konnte und wollte nicht, dass unser ganzes Leben nur auf seine Arbeit ausgerichtet ist. Er wechselte die Firma und ich dachte, endlich würde alles besser. Aber Pustekuchen. Nun ist er zwar nachts zuhause, aber trotz allem nie wirklich bei uns. Er geht morgens, wenn wir beide (unser Kind und ich) noch schlafen und kommt meist erst nach 14 Stunden nach Hause. Manchmal auch 16. :-( Dann motzt und meckert er nur über die Arbeit. So geht das von Montag bis Samstag. Ich kann es einfach nicht mehr hören! Und in seiner knappen freien Zeit geht er auch noch diversen Hobbys nach. Ich gönne ihm das durchaus! Aber wo bleiben wir? Als Familie und auch als Paar? In vielen Gesprächen habe ich versucht, ihm klarzumachen, dass unser Kind und ich ihn doch auch brauchen. Er verspricht auch immer Besserung, aber es tut sich rein gar nichts. Hat er Urlaub, so bleibt selbstredend sein Firmenhandy angeschaltet. Ist er krank, so ruft er jeden Tag bei seinem Chef an und lässt sich auf dem Laufenden halten. Er braucht es, in seiner Firma gebraucht zu werde. Und er braucht es, wenn andere ihn wegen seines Jobs bemitleiden.

Wir leben mittlerweile zwei verschiedene Leben und ich glaube, er hat keine Ahnung mehr davon, was hier zuhause eigentlich los ist. Ich erkenne meinen eigenen Mann nicht mehr wieder. Heute ist eigentlich das Taufgespräch mit unserem Pfarrer. Es steht seit Wochen fest, dass dieser heute zu uns kommt, um mit uns über die Taufe unseres Kindes zu sprechen. Gestern Abend dann die "Überraschung": Mein Mann muss heute arbeiten. Ich solle den Pfarrer bitten, heute mach 20 Uhr zu kommen. Das kann doch nicht wirklich sein Ernst sein? #aerger Oder ich solle meine Mutter fragen, ob diese dabei sein kann. Und solche Dinger bringt er ständig! Ich bin so enttäuscht und merke immer wieder, dass mein Kind und ich nur eine untergeordnete Rolle in seinem Leben spielen. So war mein Mann früher nicht. #schmoll

Ich weiß, von euch wird mir niemand helfen können. Aber irgendwie musste ich mir den Frust mal von der Seele schreiben. Ich liebe meinen Mann sehr. Aber ich bin einfach nicht mehr glücklich. Ich habe alles was das Herz begehrt, denn schlecht verdient er nicht. Aber das Wesentliche, nämlich Zeit und Aufmerksamkeit für uns, das fehlt einfach. :-( Ich weiß einfach nicht, wie wir aus dieser Krise herauskommen sollen. Denn Gespräche bringen immer nur kurzzeitige Veränderungen. Nach ein oder zwei Wochen stehe ich wieder an demselben Punkt und bin einfach nur traurig und auch wütend zugleich. Was kann ich nur tun?

Traurige Grüße

Beitrag von suess28 05.03.11 - 09:21 Uhr

Ich kann dir nicht wirklich helfen, aber vieleicht etwas trösten das du nicht alleine bist.
Mein noch-mann und auch mein neuer Partner sind genau so. Nur das mein neuer Partner noch extremer ist wie mein Noch-Mann. Der hat seinen Fehler nach der Trennung gesehen. Das man nicht immer nur für Arbeit leben kann, weil wir uns komplett auseinander gelebt haben und ich nur zu Hause und für die Kinder zuständig war. Ist sicher auch nicht schlecht, vor allem weil unsere Existenz gesichert war. Aber man braucht auch mal einen Partner an seiner Seite.
Mein neuer Partner ist noch schlimmer, denn im Gegensatz zu meinem selbstständigen Noch-Mann ist er angestellt und arbeitet teilweise 14-16 Stunden und bekommt nicht mal einen 4 Stelligen Betrag an Gehalt. Ich muss dir nicht sagen was das an Stundenlohn ist und dafür macht er mit einer Begeisterung freiwillig Überstunden und so....
Das unsere Beziehung dadurch langsam aber sicher anfängt den Bach runter zu gehen weil ich ihn auch mal zu Hause brauche und nicht nur am Wochenende, merkt er leider nicht. Es ist einfach nur traurig.

Beitrag von rosenrot1974 05.03.11 - 09:56 Uhr

Ich will Dich nicht entmutigen, aber das klingt nach meinem Chef.

Seine Töchter sind inzwischen erwachsen, seine Frau hat sich offensichtlich daran gewöhnt...

Wenn er das wirklich für sein Ego braucht kann es sein, dass er nie damit aufhören kann...

Beitrag von lilayakima 05.03.11 - 10:28 Uhr

Ganz ehrlich - ich würde damit auf Dauer nicht leben wollen. Arbeitest du auch? Wenn nicht, sehr ich hier wirklich die Gefahr, dass du in 10-12 Jahren die gefrustete Hausfrau bist,auf die dein Mann nicht mehr wirklich Bock hat und wenn du dich dann trennen willst, dann sieht es schlecht aus für dich.

Versuche dir bitte ein erfülltes Leben aufzubauen und verlange von deinem Mann dich dabei zu unterstützen. Hier bei uns läuft alles gleichberechtigt ab. 2 Vollzeitjobs - mal der eine mal der andere investiert da mehr hinein, aber die Wochenenden gehören (zumindest 1 Tag land) ganz für uns allein als Familie.

Wenn du nicht mit der Tür ins Haus fallen willst, dann reicht ja schon erst einmal ein gemeinsamer Abend pro Woche, der festgelegt wird und dann als 2. vielleicht einen Kurs machen, der dich weiterqualiziert oder so.

Wenn er sich weigert - ehrlich: auf jemanden dem meine Gefühle egal sind, kann ich in meinem Leben verzichten. Einseitige Liebe ist "Sich-Nackigmachen" und "Aufopferung", keine wirkliche Basis für eine erfüllte befriedigende Partnerschaft.

Meine Meinung dazu! Schönen Tag noch!

Beitrag von anira 05.03.11 - 11:29 Uhr

hmm
dein satz mit "mein Kind" lass ich imemr wieder
ich denke du wusstest von anfang an das ihr nur 2te wahl seid

Beitrag von *traurig* 05.03.11 - 14:52 Uhr

Ja, in dem Moment, als ich geschrieben habe "mein Kind" habe ich es auch genauso empfunden. Wir waren nun seit der Geburt immer wieder mal im Krankenhaus und mein Mann hat uns nicht einmal besucht. Der behandelnde Arzt fragte mich dann auch irgendwann, ob ich alleinerziehend sei. :-( Mehr oder weniger bin ich das ja auch.

Nein, ich wusste es nicht von Anfang an. Leider... Als er noch in der alten Firma gearbeitet hat, war er ständig auf Montage. Das hatte sich langsam eingeschlichen. Zunächst fuhr er nur für eine Nacht, dann immer häufiger mal eine Nacht, dann waren es plötzlich mehrere Tage am Stück, bis wir irgendwann an dem Punkt waren, dass er fast gar nicht mehr zuhause war. Er hat sich sehr beklagt, wir wussten aber auch nicht, wie wir aus der Sache herauskommen sollten. Denn für andere Bewerbungen bzw. Vorstellungsgespräche war er ja nie zuhause. Ich habe ihm dann neue Angebote gesucht, so gut es eben ging und der Zufall half uns dann, dass es auch mit den Vorstellungsgesprächen klappte, da er sich an der Hand verletzt hatte und für zwei Wochen arbeitsunfähig war. Er bewarb sich und bekam direkt zwei Zusagen. In der ersten Zeit in der neuen Firma jammerte er weiterhin sehr viel, aber ich ermutigte ihn, nicht so früh aufzugeben. Schließlich hatte er nun eine ganz andere Tätigkeit, in die er sich zunächst noch einarbeiten musste. So ging es dann auch 1 1/2 Jahre ganz gut und ich freute mich, dass alles doch noch eine gute Wendung genommen hatte. Denn in die vorherige Situation hätte ich kein Kind hineingeboren. Und Anfang letzten Jahres sprach er dann das Thema "Kinder" an. Ich selber war schon irgendwie überrumpelt, aber ich freute mich auch. Nach ein paar Wochen des Überlegens sagte ich ihm dann, dass wir von mir aus ans "Basteln" gehen können. Doch in meiner Schwangerschaft änderte sich sehr viel. Er fing an wieder mehr zu arbeiten. Als ich dann komplett liegen musste, ging er mir kaum zur Hand. Ich landete schließlich weit vor der Geburt schon im KKH und wusste, dass ich nicht mehr ohne Baby nach Hause gehen würde. Und so kam es auch, dass ich mehrere Monate dort lag. Er besuchte mich kaum. Fast jeden Abend rief er an, dass er nicht zu mir kommen könne. Er müsse noch arbeiten und würde es nicht schaffen. Was meint ihr, wie es mir da ging? #schmoll Nach der Geburt war er zwei Wochen lang sehr euphorisch, aber die erste Freude legte sich schnell und es ging alles so weiter, wie schon in der Schwangerschaft. Unser Kind ist wirklich sehr lieb, aber es ist auch sehr oft krank. Wir sind ständig bei Ärzten und im Krankenhaus und so manches Mal würde ich mir einfach ein wenig mehr Unterstützung wünschen.

Ich weiß, dass er mich auch liebt. Aber Liebe alleine reicht manchmal eben nicht. Vor allen Dingen dann nicht, wenn die wahre große Liebe der Job zu sein scheint. Er beteuert zwar immer, dass es nicht so wäre, aber davon merke ich nicht viel. Ich weiß gar nicht, wann wir zum letzten Mal etwas zusammen gemacht haben. Früher haben wir an den Wochenenden immer etwas unternommen. Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, wann das zum letzten Mal der Fall war. Wenn, dann fahren wir maximal einkaufen und dann hetzt er mich immer, weil er wieder nach Hause möchte.

Ich will das so einfach nicht mehr, aber ich möchte auch nicht zu früh aufgeben. Ich hoffe immer noch, dass er irgendwann wach wird. Und zwar möglichst, bevor es zu spät ist...

Beitrag von murmelinchen1981 05.03.11 - 12:10 Uhr

Ich kenn das auch, nur mein Mann hat neben seinem 3 Schichten Job noch nen Bauernhof. Gemeinsame Zeit gibt's da eigentlich nie, da ich zur Zeit auch noch Vollzeit arbeite. Wir wollten heut in Urlaub fahren, letzte Chance bevor im Juli unser Kind kommt. Jetzt kam gestern schon ein wichtiger Termin von seiner firma am Mittwoch, sodass er von Dienstag bis Donnerstag heimfaehrt und heut morgen kam er mein Sohn und ich sollen am Dienstag auch mit heim, weil ja jetzt Wetter ist und er lieber auf dem Feld arbeiten will. Bei uns sind ständig die Zeichen auf Sturm, weil ich ab und zu Zeit für die Familie einfordere

Beitrag von diebina 05.03.11 - 14:24 Uhr

Ich habe auch so ein (ähnliches) Exemplar zuhause.

Du musst Dich fragen ob Du Dein Leben SO weiterführen möchtest.

Arbeitet er, um nicht bei Euch zu sein? Dann trenne Dich!
Arbeitet er, weil er krank ist (workaholic)? dann benötit er schnellstens eine Therapie.

Möchte er denn etwas verändern? sieht er, dass es so nicht weitergeht?
bei meinem Mann stoße ich ich immerhin idR auf Verständnis und die Änderungen halten dann auch mal 2 Wochen an. Trotzdem ist es mühsam immer wieder und wieder das Gleiche zu besprechen...

lg und alles Gute



Beitrag von *traurig* 05.03.11 - 15:09 Uhr

Er liebt uns wirklich sehr! Das spüre ich auf jeden Fall und er sagt er mir auch hin und wieder. Ich denke nicht, dass es leere Worte sind, denn mein Mann ist eher derjenige, der wenige bis gar keine Gefühle zeigt. Und schon gar nicht, wenn er es nicht so meint. Ich habe mir neulich mal die Definition des Begriffs "Workaholic" herausgesucht und musste feststellen, dass ich sehr viele Züge meines Mannes erkennen kann. Nehmen wir mal die Definition von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Workaholic

Merkmale

"Der von Arbeitssucht Betroffene zeichnet sich in erster Linie durch überdurchschnittlichen Arbeitseinsatz aus [...] Ein Großteil oder das komplette Selbstvertrauen ist an die Arbeitsleistung gekoppelt."

Stadien

"Die Krankheit wird in vier Stadien eingeteilt:

1. Einleitung: Die Arbeit nimmt den Workaholic mehr und mehr ein. Auch in seiner Freizeit denkt er an seinen Job und private Interessen und Pflichten werden zunehmend vernachlässigt. Auch der Partner und Kinder kommen oftmals zu kurz.

2. Kritische Phase: Der Süchtige beginnt nach Ausflüchten für seinen übertriebenen Arbeitseinsatz zu suchen. Alle privaten Bereiche werden der Arbeit untergeordnet.

3. Chronische Phase: Der Süchtige übernimmt immer mehr Aufgaben, belastet sich mit allem, was es zu tun gibt. In seinem Perfektionismus hält er sich stets für die ideale Person für die Bearbeitung. Das gesamte Privatleben hat keine Bedeutung mehr.

4.Endphase: Krankhafte Folgeerscheinungen treten auf. Es kommt zu einem massiven Knick in der Leistungsfähigkeit. Workaholics gehen oft schon Mitte 50 in Rente oder sterben sehr früh.

Tatsächlich kann man an Überarbeitung sterben. Meist ist die direkte Todesursache als Folge der Überarbeitung Herzversagen, Herzinfarkt oder Schlaganfall."

All das trifft auf meinen Mann zu, bis auf Punkt 4. Aber ehrlich gesagt habe ich schon oft genug bei mir gedacht, dass der Gute sich irgendwann zu Tode arbeitet. Und das ist doch traurig. Wir sind mittlerweile bei Punkt 3 angelangt. Er denkt, dass ohne ihn gar nichts geht. Bitte ich ihn darum, die Arbeit, die er am Wochenende zu machen hat, doch bitte zuhause zu erledigen, dann sucht er immer wieder nach neuen Ausflüchten, um doch hinfahren zu können. Ich finde es wirklich erschreckend. Im Großen und Ganzen gibt er mir da ja auch Recht, aber er erkennt einfach nicht, dass er mittlerweile süchtig nach Arbeit ist. Ich versucht schon, sich zu bessern, wenn man es so nennen kann. Aber es ist wahrscheinlich wie mit dem Rauchen: Ein paar Tage klappt es ohne, dann ist der Drang zu groß und man wird doch rückfällig. Ich würde ihn gerne zu einer Therapie schicken. Aber ich wüsste nicht einmal, WANN er dorthin gehen sollte. Es ist wirklich traurig...

Beitrag von diebina 05.03.11 - 15:25 Uhr

wenn er nicht selbst erkennt, dass er krank ist, wird er auch nicht hingehen. ich fürchte - wie auch bei meinem Mann - muss es zu etwas schlimmen kommen (Herzinfarkt, BurnOut, oder ähnliches) damit er zur Vernunft kommt.

wir haben inzwischen vereinbart, dass er jeden tag arbeiten kann wie er mag, der Sonntag gehört allerdings der Familie. nicht einmal das schafft er (ich muss mal kurz eine Datensicherung machen, ich muss nur mal kurz diese Email beantworten, ich muss nur mal kurz...)

ich liebe meinem Mann sehr und das allein hält mich davon ab alles hinzuwerfen und das alles nicht mehr mitzumachen.

ich hatte mal im Netz einen Fragebogen gefunden, der den Grad der Krankheit einschätzte. Mein Mann war ehrlich geschockt, WIE weit es schon gekommen ist. vielleicht hilft Deinem MAnn so etwas die Lage richtig einzuschätzen.

bei uns geht es inzwischen wirklich um seine Gesundheit (Herzrasen, nächtliche Panikattacken, Ohrgeräusche) so dass sogar er merkt, dass es so nicht weitergeht.
schreib mir gern über die VK, wenn Du etwas auf dem herzen hast!

LG
die bina