Mann und Depressionen

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von erschöpft 08.03.11 - 12:00 Uhr

Hallo,
Also mein Lebensgefährte schlägt sich nun seit fast 20 Jahren mit Depressionen und Angstzuständen rum. Er hat das Ganze im Griff, geht 2 Mal im Monat zum Psychater. Er bekommt auch Medikamente, nur Leichte hat aber für den Fall auch stärkere.
Ich hab es bisher einmal erlebt dass er in eine tiefe Depression gefallen ist und diese Medikamente nehmen musste. Es war schrecklich, er war kaum ansprechbar, lag den ganzen Tag im Bett und wenn was kam, waren es meistens dumme Sprüche oder niemand kann mir helfen. Ich stand ihm so gut es ging zur Seite, ich wusste er konnte nichts dafür. Diese Phase dauerte 2 lange Wochen an bis endlich die Medikamente anschlugen. Es hat mich und meinen Lebensgefährten sehr viel Kraft und Geduld gekostet. Das Schlimmste für mich war dieses Gefühl ihm nicht helfen zu können.

Jetzt 3 Jahre später merke ich wieder diese Anzeichen. Diese Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit, Gereiztheit und wieder dumme Kommentare. Gestern abend im Bett zu mir: Als würdest du den ganzen Tag irgendetwas sinnvolles tun, du kannst um 7 Uhr aufstehen und hast es schön ich muss um 4 aufstehen und arbeiten gehen.
Das macht mich immer so wütend, denn er kann nach 8 Stunden nach Hause kommen und die Füsse hochlegen. Ich dagegen hab zuhause eine Tochter die gerade Laufen lernt, dauern unzufrieden nörgelt und weint, eine läufige Hündin mit Durchfall und einen HH der sich auch nicht von alleine macht. Mein Tag endet erst gegen 22 Uhr. Und ich soll den ganzen Tag nichts machen??
Was soll ich da antworten ich bin wütend, würd ihm am liebsten was an den Kopf knallen, aber ich weiß dass er es nicht so meint. Er ist normalerweise so ein lieber Mensch, aber diese Depressionsphasen verändern ihn total.
Ich weiss einfach nicht wie ich darauf reagieren soll. Er hat wieder angefangen die starken Antidepressiva zu nehmen, er scheint wohl selber zu merken dass er wieder in ein tiefes Loch fällt. Er kommt mit Alltagsproblemen an , die ich nicht verstehen kann, die für mich harmlos sind, für ihn ist es der Weltuntergang schlechthin.
Ich versuch ihm objektiv zu antworten, dann heißt es: "Ich hab wenigstens auf familiäre Unterstützung gehofft aber das scheint nciht der Fall zu sein. Du kuckst immer so grimmig , du verstehst mich nicht"
Ich will ja, aber ich kann mich nicht nur auf ihn konzentrieren, meine Tochter raubt mir mit dem 12 Stunden Geschrei schon den Nerv, ich kann dann nicht dauernd mit einem Dauergrinsen und guter Laune glänzen.

Was soll ich tun, wie reagieren?Mit seinem Psychater reden? Wer hat Erfahrungen?

LG
Eine erschöpfte Ehefrau

Beitrag von sonne.hannover 08.03.11 - 12:11 Uhr

Ich würde mich als Erstes an ein Forum für Angehörige Depressiver wenden und dort etwas mitlesen. Es ist auch oft beschrieben, wie sich Angehörige verhalten sollten.

Beitrag von erschöpft 08.03.11 - 12:16 Uhr

Hab ich schon, man muss aber freigeschaltet werden. Ich krieg aber keine Antwort von denen.

lg

Beitrag von sonne.hannover 08.03.11 - 12:17 Uhr

na ja, es gibt ja nicht nur ein Forum, es gibt ja ganz viele. Und viele Tipps zum Thema Umgang kann man auch einfach nur lesen ohne freigeschaltet zu werden.

Beitrag von litt selbst an depris 08.03.11 - 12:18 Uhr

hallo,

auch ich litt jahrelang an depressionen. teils so stark, dass ich an selbstmord dachte. ja niemand kann mir helfen. keiner liebt mich! diese sätze kenn ich gut genug!

und doch hab ich jeden einzelnen tag überlebt. hab mir gesagt, wenn es morgen auch noch so sch..e ist, kann ich mich immer noch umbringen.
doch meist war der nächste tag nicht mehr so bzw. hab es auf den nachfolgenden tag geschoben.

wer nicht selbst an depressionen leidet, gelitten hat, kann deine situation nicht verstehen! und du stehst alleine da! so wie ich es lese, tust du das auch.

und alle achtung, dass du das ganze schon so lange mitmachst! da gehört viel dazu. denn es ist nicht einfach. immer wieder diese vorwürfe, die du dir anhören musst. und wenn du was "falsches" sagst, dann verschlimmert das die ganze situation nur noch!

was ich dir nur raten kann, ist, dass du selbst eine therapie für betroffene machst bzw. ihn mit zur therapeutin begleitest. hat sie das nicht angeboten? spricht sie nicht auch mit dir? das wäre schade. sollte sie nämlich tun, da du ja auch betroffen bist davon und selbst ganz depressiv wirst.
noch dazu find ich ja es fast zu wenig 2 mal im monat. vor allem, wenn er so starke depressionen hat.

wie ich es geschafft habe? hm, gute frage. depressiv zu sein, schlaucht ganz schön. das sag ich dir. jeden tag immer und ständig so drauf zu sein?! weißt du wie anstrengend das ist? immer diese miesen gedanken im kopf zu haben und ständig gegen alles und jeden zu meckern und zu schimpfen?
irgendwann hat es bei mir klick gemacht. ich wollte das einfach nicht mehr! das leben ist sooo schön. und ich wollte leben. ich wollte schöne gedanken haben.
ja und als mir das klar wurde, hab ich mir aus der apotheke johanniskrauttabletten geholt und diese zur unterstützung, glaub 6 monate oder so, eingenommen.

das ganze ist jetzt schon ein paar jahre her. seitdem leide ich nicht mehr an depressionen. manchmal zu anfang hab ich gemerkt, oh jetzt denkst du wieder schlecht (vor allem wenn es mal ärger auf arbeit gab oder so). doch dann hab ich den gedanken gleich wieder verdrängt, bzw. mich mit diesem auseinandergesetzt. und dann ging es wieder.

wenn ich heut noch daran denke, wie anstrengend und energieverbrauchend meine depressionen damals waren, kann ich es garnicht fassen, dass ich das so lange mitgemacht habe.

aber mal was anderes, warum hat dein mann depressionen? vor allem schon so lange? muss doch auch einen grund haben! und an diesen sollte er arbeiten! er sollte sich damit auseinandersetzen. therapie schön und gut, aber es muss auch von ihn selbst kommen. er muss sich sagen, so geht es nicht mehr weiter! ich will das nicht mehr!

klingt jetzt total einfach, ist es aber auch!
ich selbst litt über 10 jahre an depressionen.

ich kann dir nur ganz viel kraft wünschen, dass du das weiterhin durchhälst!
aber du solltest auch an deine gesundheit denken. und wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr! auch wenn es hart klingt!

viel glück!

Beitrag von linnie73 08.03.11 - 13:58 Uhr

Es ist glaub ich nicht so schlimm wie bei dir. Soweit er mir es einmal beschrieben hat, sieht er einfach in nichts mehr etwas positives. Das mitauf den nächsten Tag verschieben, hat er auch versucht aber meistens ist dann immer wieder was niederschmetterndes passiert am darauffolgenden Tag. Das half dann auch nichts. Johanniskrauttabletten hab ich nocht nicht gehört, nur von Lavendel. Aber danke für den Tipp, werd ich weitergeben.
Glaubst du das hilft, ist sein Körper nicht schon so an die Tabletten gewöhnt?Ich hab große Achtung vor dir dass du es geschafft hast, ich weiss dass es nicht einfach ist und man viel Unterstützung braucht.

Mein Mann leidet an Depressionen und an den Angstzuständen seit er 17 ist, laut Studien ist diese Erkrankung erbbar. Sein Vater und Großvater ist und waren depressiv. Mein Mann hat also auch shon sehr früh damit Kontakt gehabt. Durch seinen Vater hat er Entspannungsübungen gelernt, die ihm manchmal helfen.

Ich empfinde manchmal es so , dass er diese Phasen fast selbst herbeiführt. Er muss alles in seinem Leben genau ins Detail zerlegen ,über noch so kleine Geschehnisse denkt er tagelang nach.Er kann nicht abschalten, was er sich mehr Gedanken macht umso frustierter wird er. In auf andere Gedanken zu bringen ist schier unmöglich.

Dass er nur 2 mal im Monat zum psychater geht hängt wahrscheinlich daran dass diese Depressionen nur schubweise und sehr selten kommen.
Er kann zwar nicht abschalten aber er fängt sich meistens eben nur nicht wenn so ein schub kommt. Wenn es aber so ist wie jetzt geht er auch zwischendurch zu ihm. Wie gesagt ich muss auch mal dahin, aber um da ein Termin zu bekommen als sozusagen nicht "Patient" ufff ,dessen Wartesaal ist ständig überfüllt.

Dass ich alleine da stehe, ist genau richtig, weil keiner die Krankheit Depression für ernst nimmt. Jeder winkt ab und zeigt meistens mit dem Finger auf ihn er wäre ein Simulant.Nicht mal meine Eltern verstehen es, er wäre pingelig.


Ich dank dir auf jeden Fall für deine lehrreiche Antwort und deine Unterstützung. Wie gesagt Hut ab für dich und deine Kraft.

LG

Beitrag von litt selbst an depris 08.03.11 - 14:20 Uhr

ja an manchen tagen hab ich auch nichts positives gesehen. ich bin auch früh an depressionen erkrankt. also etwa mit 16, wenn nicht sogar schon etwas eher.
aber damals hab ich es als solches nicht erkannt und auch nicht gekannt.

depressionen sind nunmal eine krankheit. und nur weil man sie nicht sieht wie bei masern oder mumps oder scharlach, heißt es ja nicht, dass es diese nicht gibt!

such mal im internet nach selbsthilfegruppen. vielleicht gibt es ja was in deiner nähe.

ja manchmal reicht wirklich eine kleinigkeit und dann ist es aus! dann wird das ganze nur noch noch schlimmer.

du kannst deine eltern nicht davon überzeugen, dass es eine krankheit ist. aber vielleicht gibst du ihnen mal intomaterial darüber. broschüren erhält man ja fast überall, in apotheken oder auch im internet oder beim arzt.

ja johanniskraut 600. also hochdosierte tabletten. diese sind natürlich. in der ersten woche 2 mal eine, dann jeden tag eine tablette.
aber wie bei allem anderen helfen diese auch nur, wenn man will, dass sie helfen. man muss also auch innerlich mitarbeiten.
diese sind natürlich, dürften sich also mit den anderen vertragen. aber lies dazu die packungsbeilage.

mit dem selbstherbeiführen liegst du noch nicht mal falsch! es klingt vielleicht blöd oder komisch, aber man will sich schlecht fühlen. und dann muss man eben alles schlecht sehen. und auch alles schlecht machen. denn man will auch irgendwie damit signalisieren, hey mir geht es echt schei...e! ich will ja das mir geholfen wird!
und wie schon vorher geschrieben, immer dieses negative und schlechte aufrecht zu erhalten ist sauanstrengend!

stell dir mal vor, oder probier es selbst mal aus: jede minute zu sagen, ach geht es mir schlecht, ach ist das leben sch...e, keiner liebt mich.

du wirst schnell merken, wie anstrengend das ist. doch warum nicht aufhören?? ja weil es vielleicht nicht so einfach ist, bzw. die betroffenen es so nicht wahrnehmen. ich hab es irgendwann, wie gesagt echt satt gehabt. und von da an ging es dann auch!

ja ich staune manchmal selbst, wie ich es geschafft habe. aber eines tages war es wirklich so.
und hätte ich schon viel eher gewusst, dass es so einfach ist, dann hätte ich es auch viel eher getan.

achso, vielleicht hilft ja auch yoga deinem mann! na probiert einfach mal rum

ja bitte, ich unterstütz dich gern weiterhin!!!

Beitrag von waldmarie 08.03.11 - 17:41 Uhr

Hallo,

alle Achtung, Du hast ja echt super viel Verständnis und Geduld.
Meines Erachtens ZU VIEL Geduld.
Ich habe zwar keine Erfahrung mit depressiven Menschen, aber mein gesunder Menschenverstand hört hier heraus, das sich der gute bisschen auf seiner Krankheit ausruht und möglichst immer nur bedauert werden will oder ?
Ist das Kind von ihm? Wenn ja, noch ein Grund mehr, ihn mal aus seinem Sumpf herauszuholen. Setz ihm die Pistole auf die Brust: er soll ne stationäre Therapie machen, wenn es wirklich so schlimm ist!
Das ist für eine Familie kein Zustand, so wie du das schilderst.
Er soll mal Verantwortung tragen , geh mit ihm zum Therapeuten und sag dem: So geht das nicht weiter!

Viel Erfolg und Kraft
wünscht die
Sanne

Beitrag von linnie73 08.03.11 - 19:07 Uhr

Nicht bös gemeint, aber Depression ist eine ernste Erkrankung und nicht Hascherei nach Bedauern. Ich habe vor kurzem einen Freund dadurch verloren, der sich erhängt hat und der war 2 Monate in Therapie.

#herzlich