lange diskussion mit meiner Mutter

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Forum: Schwangerschaft

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Beitrag von 19face84 09.03.11 - 10:19 Uhr

Gestern habe ich sehr lange mit meiner Mutter telefoniert. Da sie Mutter von 4 Kindern ist, stelle ich ihr natürlich auch schon mal viele Fragen bezüglich Schwangerschaft und Kind. Jetzt bin ich in der 11. Woche. Da mache ich mir so langsam Gedanken darum, ob ich eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen soll um fest zu stellen, ob das Kleine eine behinderung hat. Dazu müsst ihr wissen, mein älterer Bruder ist geistig schwerst behindert. ich sehe also schon irgend wo ein erhöhtes Risiko das das passieren könnte. Andererseits weiß ich nicht, wie ich im Falle eines Falles reagieren würde. Eigentlich war ich immer gegen Abtreibung und ich liebe meinen älteren Bruder über alles! Aber ich weiß selbst nicht, ob ich damit klar kommen würde und was mein Mann dann sagt. Meine Mutter meint, ich soll die Untersuchung nur machen, wenn ich dann vorhabe das Kind ab zu treiben. Und was mich total aus den Socken geworfen hat: Sie würde es sogar begrüßen wenn ich ein behindertes Kind abtreiben würde! Ich meine, natürlich weiß sie am besten, was es heißt, für ein behindertes Kind da sein zu müssen. und natürlich müsste ich lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass meine beiden kleinen Geschwister und ich vielleicht deswegen auch schon mal hin und wieder etwas zu kurz gekommen sind. Aber mit dem Gedanken einer Abtreibung kann ich mich einfach nicht anfreunden. Letzten Freitag hat das Kleine beim Ultraschall schon gestrampelt und gewunken! das kann ich doch nicht einfach weg machen lassen!

Ich bin jetzt echt verzweifelt und weiß wirklich nicht, ob ich diese untersuchung überhaupt machen lassen soll udn wie ich damit umgehen soll. Ich meine, vielleicht ist ja auch alles gut, aber was wenn nicht......

sorry ist lang geworden, aber das hat mich schon die ganze nacht beschäftigt.

Gruß

Karin Würmchen 11. woche #verliebt

Beitrag von oldtimer181083 09.03.11 - 10:24 Uhr

Hallo,

also wenn du Zweifel hast dann überlege dir erstmal in Ruhe was du im Ernstfall machen würdest.

Ich habe bei der ersten Schwangerschaft mich gegen eine solche Untersuchung entschieden da für uns (auch mein Mann) klar war egal was kommt aber Abtreibung kommt nicht in Frage.

Ich weiss auch nicht ob ich mit einem kranken Kind klar käme,aber damit würde ich mich in der SS auch nicht zu sehr beschäftigen denn sowas belastet ja auch.



Lg

Beitrag von zuckerpups 09.03.11 - 10:29 Uhr

1. Warum ist Dein Bruder geistig behindert? Ist das was Genetisches oder ist unter der Geburt etwas schiefgegangen?

2. Du machst Dir jetzt schon einen Riesenkopp über etwas, das wahrscheinlich gar nicht zum Tragen kommt. Klar, Du hast Gründe, keine Frage, aber nimm es erstmal locker. Entscheiden mußt Du jetzt ja noch gar nichts. Sprich mit Deinem Mann über den Fall der Fälle und was er dazu sagt.

Ich kann Deine Mutter verstehen. Man weiß nie, wie eine Behinderung im Alltag zu bewältigen ist, ob es wirklich "so schlimm" ist oder ob es gar "noch viel schlimmer" ist. Ich hab ein normales, gesundes, quicklebendiges Kerlchen zuhause, und DAS kostet schon ECHT Kraft. Behinderte Kinder können einem viel geben, eben weil sie anders sind. Sie können eine Familie aber auch sehr belasten durch die Extrafürsorge, die sie benötigen. Das weiß vorher wahrscheinlich keiner.

Beitrag von meandco 09.03.11 - 10:32 Uhr

dann lass die fwu!

du hast noch immer die möglichkeit der blutuntersuchung bei dir (aber relativ sinnlos, da es nur wahrscheinlichkeitsrechnung ist ...).

eher würde ich mal machen lassen:
nackenfalte messen (keine blutuntersuchung!). eine normal entwickelte nf ist schon mal ein relativ sicheres anzeichen dafür dass dein kind weder triso (was würdest du machen wenn?? der gedanke an abtreibung ist dir ja zuwieder, also was wenn?) noch einen organschaden hat! wobei laut meinem spezialisten wo ich fd machen hab lassen, die wahrscheinlichkeit von organdefekten größer ist bei verdickter nf als die von triso, und das beginnt schon bei kleinen unbedeutenden dingen ...

auf jeden fall machen lassen würde ich:
feindiagnostik!
dabei wird das kind ab der 20. ssw bis zur 22. ssw komplett untersucht auf alle möglichen organschäden - und wieder triso. dazu werden per us mehrere schnitte an strategisch wichtigen stellen durch den körper gelegt und die organe so vermessen. nasenbein dargestellt, durchblutung und co kontrolliert - auch bei dir.

da eine abtreibung für dich nicht in frage zu kommen scheint, würd ich mal sagen das ist der beste weg. denn dann weißt du was es hat, dein baby ist nie gefährdet und falls eine spezialklinik wegen organdefekt nach der geburt fällig wird, kannst du da gleich zum entbinden hingehen und dein baby muss nicht quer durch deutschland transportiert werden im notfall ...

aber wie gesagt: erst mal musst du für dich selbst die konsequenzen einschätzen! abtreibung ja oder nein.

zu deinem bruder noch kurz:
wie war seine geburt? ich habe jetzt schon oft die erfahrung gemacht, dass "erwachsene" schwerst geistig behinderte kinder oft vermutlich aufgrund von fehlern bei der geburt so sind und nicht weil sie behindert gewesen wären. damals war es für die mediziner aber noch leicht mitschuld abzustreiten. oft ist es so, dass die 10 min und länger während der geburt im geburtskanal festgesteckt sind, irgendwann die nabelschnur eingeklemmt war und dann das kind völlig unterversorgt und blau rauskam ... heute lässt sich das alles nicht mehr genau nachvollziehen - aber wie gesagt, wäre durchaus eine möglichkeit, dass er nicht von haus aus probleme hatte sondern durch geburtstrauma so wurde :-(
oder wisst ihr, dass er einen gendefekt hat?

lg
me

Beitrag von 19face84 09.03.11 - 10:41 Uhr

das weiß ich ehrlich gesagt nicht genau. Er ist Autist, fals dir das was sagt. Ich weiß aber, dass ich meine BEIDEN Eltern danach haben testen lassen um heraus zu finden, ob die beiden vielleicht schon so eine Veranlagerung in den Genen haben. Sonst hätten die beiden keine weiteren Kinder bekommen, was ich wirlich vol unterstüzten kann. Das würde ich auch nicht wollen! Aber meine beiden Eltern sind so weit gesund. Auch wir drei anderen Kinder wurden nach der Geburt getestet und bei uns ist auch alles okay. Aber dennoch hab ich irgend wie angst, dass es eben doch passieren könnte. Es ist ja nun auch nicht ausgeschlossen. Alleine deswegen war es mir schon wichtig nicht erst mit 40 das erste Kind zu kriegen, man muss dann ja das Schicksal nicht auch noch herausfordern.

Über die Geburt meines Bruders redet meine Mutter nicht. Allerdings redet sie auch nicht über die von uns anderen Dreien. Was damals also genau war, kann ich nicht sagen.

Beitrag von meandco 09.03.11 - 11:00 Uhr

also wurden alle getestet außer dem bruder?

das heißt es besteht die möglichkeit, dass es eine geburtskomplikation war.

ich würde deine mama nicht drängen detailliert über die geburten zu sprechen, aber schon mal fragen ob die möglichkeit besteht ...

mein neffe ist zb auch autist und bei ihm ist es auch so, dass er steckengegeblieben und fast gestorben wär bei der geburt ... grade autisten sind selten eine erblich bedingte sache sondern eher was traumatisches ...

lg
me

Beitrag von wackeldackel 09.03.11 - 10:36 Uhr

Es gibt doch auch die Möglichkeit eines Ersttrimeserscreening (Nackenfalte des Kindes + Blutwerte der Mutter werden abgeglichen), allerdings muss man das selber bezahlen (ca 110 Euro).
Ist ungefährlicher als ein FWU und sagt dir (nach meinem Verständnis), ob eine Tendenz zur Fehlbildung vorliegt.
Würde ich mal bei deinem FA erfragen.

Was im "Falle eines Falles" zu tun ist, kann nur jeder persönlich entscheiden...
Da gibt es m.M. nach kein Richtig oder Falsch.

Ich wünsche dir viel Glück bei der Findung der für euch richtigen Entscheidung!

LG Wackeldackel (9. Woche)

Beitrag von wartemama 09.03.11 - 10:39 Uhr

Zum einen würde ich Dir raten, Dich deswegen mit Deinem Mann an einen Tisch zu setzen. Es ist Euer gemeinsames Kind und solche Fragen und Entscheidungen würde ich an erster Stelle mit meinem Mann klären/treffen.

Ich kann Dir nur sagen, wie wir uns entschieden hätten:

Mein Mann und ich nehmen beide Medikamente, durch die ich ein erhöhtes Risiko habe, ein behindertes Kind zu bekommen. Mein Mann und ich haben im Vorfeld besprochen, was wir tun würden, wenn wir bei einer Untersuchung eine schlechte Nachricht bekommen hätten.

Wir beide hätten bewußt kein behindertes Kind in die Welt gesetzt - wobei ich natürlich nicht sagen kann, ob wir immer noch hinter dieser Meinung gestanden hätten, wenn wir wirklich so eine schlechte Nachricht bekommen hätten.

Von daher würde ich die Untersuchung machen lassen.

Aber ich glaube, Du hast die Entscheidung gegen diese Untersuchung schon getroffen - zumindest hört es sich für mich so an. Sprich' dringend mit Deinem Mann; Ihr werdet die für Euch richtige Entscheidung treffen.

Alles Gute! #blume

LG wartemama

Beitrag von gingerbun 09.03.11 - 10:41 Uhr

Hallo,
ich seh das so: Wenn ich wüsste was ich mit dem Ergebnis anfange, dann kann ich so eine Untersuchung machen. Da ich persönlich aber es gar nicht wissen wollte und auch für mich eine Abtreibung nicht infrage gekommen wäre, habe ich jegliche zusätzlichen Untersuchungen gar nicht machen lassen. Ich ging aber auch nicht davon aus dass irgendwas nicht stimmen könnte.
Hast Du denn mit deinem Arzt mal darüber gesprochen, kennt er deinen Hintergrund?
Letztenendes musst Du das ganz allein entscheiden mit Deinem Partner.
Gruß und alles Gute! Britta

Beitrag von gruene-hexe 09.03.11 - 10:46 Uhr

Deine Mutter hat in einem Punkt Recht, lass die Untersuchung nur machen, wenn du anschließend vor hast, dass Kind abtreiben zu lassen sollte es eine Behinderung haben. Alles andere wäre Quatsch! Die Untersuchung birgt einige Risiken, und die würde ich nur auf mich nehmen, wenn ich wirklich vorhätte, dass Kind dann wegmachen zu lassen. Es klingt hart, aber das wäre einzig logisch!

Wir haben keine machen lassen, aus überzeugung!

Beitrag von minuuh 09.03.11 - 11:02 Uhr

Wow, das ich echt schwierig. Ganze Ethik-Kommissionen finden darauf keine Antwort, die für alle vertretbar wäre....

Du kannst vorher nicht wissen, wie Du Dich verhalten würdest, wenn tatsächlich etwas ist. Ob Du eine FU machst oder nicht, Deine Reaktion kannst Du jetzt nicht vorhersehen.

Ich würde die FU machen.

Ob Du bei einem positiven Befund abtreibst oder nicht, ist allein Deine Entscheidung und die Deines Mannes. Aber ich wünsche Dir, dass Du nicht in diese Situation kommst.

Alles Gute
Minuuh

Beitrag von helena.h 09.03.11 - 11:12 Uhr

Hallo,

die Entscheidung liegt immer bei euch, egal was deine Mutter sagt!

Was ich mir aber im Bezug auf die Reaktion deiner Mutter gut vorstellen könnte, ist, dass sie es absichtlich so betont hat, damit du nicht denkst dich rechtfertigen zu müssen, falls du dich gegen das Kind entscheidest. Gerade Menschen mit behinderten Kindern/Freunden/Verwandten fehlt oft das Verständnis, wenn man sich gegen ein behindertes Kind entscheidet. Vielleicht wollte sie nur klarstellen, dass sie deine Entscheidung auf jeden Fall versteht und akzeptiert, ganz unabhängig von eurer Familienvorgeschichte!

Alles Liebe, Helena

Beitrag von kaeseschnitte 09.03.11 - 11:52 Uhr

bei einer fruchtwasseruntersuchung oder chorionzottenbiopsie (würde ich vorziehen, da man die früher machen kann) möchte man sicherheit haben, ob ein gendefekt vorliegt und macht deswegen eine genuntersuchung. falls dem so wäre, könnt ihr immer noch entscheiden, wie ihr handeln würdet. ich denke mir, bei einem erhöhten risiko kann das wissen auch schon helfen. oder anders gesagt: wenn ich z.b. weiss, dass ich ein kind mit trisomie21 bekomme, kann ich mich darauf vorbereiten und darauf einstellen. ich finde, das hat auch was.
allerdings: viele behinderungen sind nicht genetisch bedingt (autismus meines wissens auch nicht), sprich können mit einem gentest nicht ausgeschlossen werden. trisomien oder cystische fibrose aber z.b. schon.

bei nackenfaltenmessung (kombiniert mit bluttest am besten) errechnet dir der arzt eine wahrscheinlichkeit. vielleicht reicht dir das, um eine entspannte schwangerschaft zu haben. das "aber" in diesem fall: es sind eben nur wahrscheinlichkeiten. auch wenn die nackenfalte unauffällig ist, kann ein kind z.b. trisomie21 haben. so geschehen bei einem kollegen von mir. bei ihnen war der schock riesengross, was mit total leid tat für sie. nicht, weil ihr sohn nicht okay wäre, er ist halt einfach ein wenig anders. sondern weil sie sich durch den schock am anfang gar nicht über ihr kind freuen konnten.

es sind schwierige entscheidungen. aber ich würde dir raten, mit deinem partner nochmals ein eingehendes gespräch mit dem arzt auszumachen, wo er euch alles genau erklärt. und dann entscheiden.
ansonsten gibt es auch im web zahlreiche links zum thema, z.b.
http://www.rund-ums-baby.de/p.diagnostik.htm
http://www.urbia.de/magazin/schwangerschaft/jedes-kind-ist-liebenswert-oder

alles gute und gute entscheidung! und nicht vergessen: mit sehr grosser wahrscheinlichkeit ist eh alles in ordnung. :-)
grüsse
ks