seit der Geburt leidet die Beziehung - ein Jahr schon

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Forum: Partnerschaft

Eine dauerhafte Partnerschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Lust und Frust liegen da oft nah beieinander. Hier könnt ihr offen ausdrücken, was euch innerlich bewegt.

Beitrag von 123hi 09.03.11 - 13:42 Uhr

Hallo Ihr Lieben,

wo soll ich anfangen?
Unser Sohn wurde vor 13 Monaten geboren, er war 5 Wochen zu früh, ich hatte einen Kaiserschnitt. Die Tage nach der Geburt waren heftig, denn das Leben unseres Kleinen hing am seidenen Faden. Dann ging es ihm schlagartig besser, ab da ging es nur noch bergauf und er hat alles schnell aufgeholt. Natürlich hatte er auch die "üblichen" Dinge, wie Koliken etc. Die letzten paar Monate waren durch zwei lange Krankheitsphasen und üble Nächte durch Zahnen etc. sehr kräftezehrend.
Insgesamt war es einfach ein super schönes, aber vor allem auch sehr anstrengendes Jahr, da unser Kleiner unglaublich betreuungsintesiv war.
Er geht nun in die KiTa seit 2 Monaten, was ihm und uns sehr gut tut. Ursprünglich wollte ich nun meine Meisterschule beenden, das hat aber zeitlich nicht mehr hin gehauen, so habe ich mich guten Gewissens
für noch ein Jahr daheim entschieden.
Mein Mann hat seit 1 Monat Teil-Elternzeit, sodass er 3 Tage die Woche ebenfalls zuhause ist.
Ein Traum, würden die meisten jetzt sicher sagen.
Es ist sehr schön, ohne Frage.
Nur: die Zeit mit ihm und den geregelten Tagesablauf (der erst jetzt seit Kurzem möglich ist, da unser Kleiner wieder gesund ist), hätte ich ungefähr ein Jahr früher gebraucht.
Die Geburtssituation und die Zeit danach haben Wunden geschlagen, die ich nicht so leicht verarbeiten konnte und kann. Da wir noch nicht so lange hier wohnen und unsere Eltern weit weg sind, hatte ich wenig Unterstützung im Wochenbett. Mein Mann hat alles getan, was er konnte, aber er konnte eben auch nicht alles auffangen.
Unser Kleiner hat die erste Zeit abends fast nur geschrien, danach war er ne Weile nach dem Ins-Bett-Bringen nach 10 min. wieder hellwach, bis wir ins Bett sind - das konnte schonmal 00 Uhr bis 00.30 werden.
So kam eins zum Anderen, die kirchliche Hochzeit noch obendrauf (wir haben fast alles selbst organisiert, es war ein großes Fest).
Das Zeitfresserchen hat unserer Beziehung also fast alle Zweisamkeit geraubt.
Ich liebe meinen Mann über alles (na klar nicht mehr als meinen Sohn, anders eben :)), und er ist der Richtige. Das steht außer Diskussion.
Das sieht er bei mir genauso.
Aber ich vermisse so viel!!!!
So langsam fangen mich sogar seine Macken an zu nerven, über die ich bisher hinwegsehen konnte oder die ich sogar lieben gelernt hatte.
Natürlich bin ich empfindlicher, je schlechter die Nächte sind und das liegt klar nicht an ihm. Und die Nächte sind mal wieder sch...eiße.

Er hatte bisher noch keine Beziehung. Ich hatte eine Menge Männer. Da ist es natürlich vermehrt meine Aufgabe, ihn auf die typischen Beziehungskiller aufmerksam zu machen. Wir können unglaublich gut über Probleme sprechen und er bedankt sich jedesmal dafür, dass ich es angesprochen habe. Ich weiß, Ihr seufzt jetzt und sagt, so einen Mann muss man erstmal finden. Ja, ich liebe ihn.

Und trotzdem:
Wenn wir gemeinsame Zeit haben, nur zu zweit (was erst seit ca. 2 Monaten so wirklich der Fall ist ab und zu), dann bin ich diejenige, die Initiative ergreifen muss. Die dafür sorgen muss, dass wir nicht wieder beide in der Wohung werkeln - er im Wohnzimmer saugt und ich das Bad putze z.B.
Wenn wir (selten) zusammen einen Film schauen, musste ich ihn bis vor Kurzem daran erinnern, dass er ja dabei den Arm um mich legen könnte, nun macht er es von selbst, aber von kuscheln ist das noch weit entfernt.
Er ist nicht direkt der verschmuste Typ, obwohl er das bei unserem Sohn für sich entdeckt hat, der eben auch so gerne kuschelt (ja, er ist der beste Papa für unseren Sohn, den der haben könnte!).
Aber MIR ist kuscheln sooooooo wichtig. Er liebt an mir meine Emotionalität, nur ist die total auf der Strecke geblieben. Wo und wann soll ich sie denn ausleben mit meinem Mann?
Jetzt könnte ich erstmals wieder, jetzt wäre Zeit. Abends z.B.
Aber ich musste mich 11 Monate im Wesentlichen "funktionieren", wie soll ich da auf einmal wieder so tun, als wäre da nichts auf der Strecke geblieben?
Wir haben kaum Sex, vielleicht alle 3-4 Wochen einmal. Das ist für mich zu wenig! Wenigstens einmal in der Woche wäre so schön.
Schon allein deshalb, weil es dann vielleicht nicht die reine Geilheit wäre, die uns dazu treibt.
Es ist so deprimierend, ihn alle 3-4 Wochen dazu zu animieren, mit mir zu schlafen, indem ich beim Zubettgehen mit viel Engagement sein Verlangen wecke. Er braucht offenbar nicht so oft Sex, obwohl er behauptet, ihm würde das auch fehlen. Aber was ist das: wenn wir total müde sind und ich eigentlich nur das Gefühl spüren möchte, begehrt zu werden, schaffe ich es ihn geil zu machen. Wenn ich dann merke, dass er ausnahmsweise mal geiler als sonst ist, d.h. er nicht trotzdem einschläft und ich merke, dass er gleich mit nir schlafen möchte, habe ich schon keine Lust mehr.
Dann kommen plötzlich die Gedanken:
warum schaut er mich so selten an, wenn ich nackt vor ihm stehe, wieso fasst er mich fast nicht an (ihn interessieren allerdings auch keine anderen Frauen und nein, er ist nicht schwul), wieso reagiert er ausgerechnet jetzt auf meine Reize und nicht die ganzen letzten 3-4 Wochen und.....
.........warum kann er mich nicht auch mal verführen???
Und warum muss Sex immer dann sein, wenn wir beide müde sind und eigentlich schlafen wollten??
Und warum NUR dann?

Eine Weile haben wir versucht, uns dazu zu "verabreden". Das war bescheuert. Ich brauche Romantik und Verlangen.
Romantik habe ich so auch nicht.
Der Sex macht mir außerdem keinen Spaß mehr.
Er gibt sich Mühe, mich geil zu machen und ab einem bestimmten Punkt nimmt er nicht mehr richtig wahr, dass ich zu kurz komme. Er kann seinen Orgasmus nicht aufhalten, merkt aber zu spät, dass er gleich kommt.
Er kommt nicht besonders spektakulär, manchmal merke ich es fast nicht, weil er sich nicht "äußert". Das ist irgendwie deprimierend.
Nach dem Orgasmus ist er so erschlagen, dass er sofort schlafen muss, von Befriedigung durch Streicheln bei mir kann dann keine Rede mehr sein.
Das heißt, ich muss irgendwie schauen, dass ich vor ihm zum Höhepunkt komme, denn sonst kann es sein, dass es 8 oder 12 Wochen dauert, bis ich mit ihm wieder das Vergnügen habe, zum Organsmus zu kommen.

Es gab eine Zeit - die vor der Geburt - da hat mir der Sex richtig Spaß gemacht mit ihm. Obwohl es nicht der beste meines Lebens war, aber das muss ja nicht sein, ich hatte ja schon genug guten Sex.
Dachte ich.
Momentan fühlt sich das nicht so an, als würde ich das so bis zum Ende meines Lebens wollen.
Ich bin ein Gefühlsmensch. Ich muss mich auch beim intensivsten Kontakt mit meinem Mann ausleben können.
:-(

Ich bin richtig kalt geworden innerlich, habe mich total isoliert, kann die Zärtlichkeiten, wenn sie denn kommen (und das ist jetzt wieder häufiger der Fall - zumindest die beiläufigen, tagsüber z.B.), kaum mehr genießen.

Ich habe schon so oft mit ihm darüber gesprochen.
Nicht über den Sex.
Auch nicht darüber, dass es mich anekelt, dass er seine Vorhaut nicht gut reinigt. Das riecht dann oft, sobald er erregt ist.
Ich bin eben leider sehr geruchsempfindlich.
Auch darauf, dass er oft fettige Haare hat (obwohl er sie jeden Tag wäscht), bin ich sehr empfindlich. Oder sich nur so selten rasiert und die Fingernägel schneidet (letzteres beides habe ich ihm schon soooooo oft gesagt!). Er wirkt dadurch eben sehr unhygienisch, obwohl er es nicht ist. Und er sieht so schäbig aus mit dem Bart (für mich), obwohl er eigentlich so hübsch ist.

Jedenfalls erleichtert das nicht gerade ein Sich-Näher-Kommen, wenn ich ihn zunehmend eher etwas in Richtung abstoßend finde, rein körperlich gesehen. Es hemmt mich eben dabei, ihn in den Arm zu nehmen. Oder eben auch mal seinen Penis zu küssen.

Achje, so viel Text. Was soll ich nur machen?
Ich will mit ihm GLÜCKLICH werden, so wie wir es mal waren. Oder anders.
Hauptsache glücklich!!!

Beitrag von freckle3781 09.03.11 - 14:52 Uhr

Oh mein Gott, das klingt ziemlich kompliziert...

Ich würde folgendes sagen: Wenn Du Dir ganz sicher bist, dass er der Mann Deines Lebens ist und Du eine Chance für Euch beide siehst, dann kämpfe und vor allem REDE - und zwar über alles. Mir scheint so, als müsste ihm mal ganz ganz deutlich gesagt werden, was schief läuft.

Und es ist ja so, dass zumindest die hygienischen Aspekte mit links beiseite geschafft werden können. Was den Sex angeht, bzw. der Wunsch von Dir, begehrt zu werden, das wird schwieriger werden. Ich hatte bereits zwei Männer dieser Sorte und es hat sich leider nie gebessert, aber es liegt ja immer am Mann selber.

Meiner Meinung nach könntest Du versuchen, noch ein richtig deutliches Gespräch zu führen, in dem Du ihm ALLES sagst, wirklich alles. Oder lass ihn den Text oben lesen. Wäre sicher knallhart für Ihn, aber wenn Du für ihn die Frau seines Lebens bist, muss er halt etwas tun. Und vielleicht bringt dieser "Schock" ihn ja dazu, tatsächlich etwas zu ändern.

Ansonsten hilft wahrscheinlich nur noch eine Paartherapie.

Alles in allem möchte ich Dich dazu ermutigen, für Deine Wünsche zu kämpfen und nicht darauf zu verzichten. Vor allem der eine Satz, von wegen Du hattest genug guten Sex im Leben, ist schon sehr heftig. Man kann doch gar nicht genug davon haben ;-) und außerdem ist guter Sex doch auch wichtig für die Paarbindung und die Intimität und überhaupt.

Im Zweifelsfall: Trenn Dich von Ihm. Auch wenn das für dich zur Zeit noch nicht in Frage kommt (schätze ich mal laut Deinem Text), aber es gibt auch noch andere Männer, die neben den guten Eigenschaften Deines Partners auch noch die Eigenschaften haben, die Dir jetzt fehlen. Schwer zu glauben - es ist aber so, habe selber so einen gefunden und vorher auch Männer gehabt, die eben nicht auf meine Wünsche eingegangen sind. Und ich weíß wie schlimm es ist, sich nicht begehrenswert zu fühlen oder oft auf Erotik verzichten zu müssen. Also kämpfe!

Ich wünsche Dir wirklich alles Gute!

LG, freckle3781

Beitrag von barebottom 09.03.11 - 15:44 Uhr


Puh.... ganz schön viel Text.
Irgendwie ist hier alles was man hier sonst so liest, in einem Thread zusammen gepackt.

Wenn du ihn findest, das er nicht gut riecht, dann findest du auch sicher einen Weg es deinem superverständnisvollen Mann zu erklären ;-)

Körperhygiene finde ich auch total wichtig, mit jemandem der sich nicht pflegt könnte ich nicht zusammen sein.

Aber ehrlich gesagt: finde ich du jammerst auf hohem Niveau. #kratz

LG #blume