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Forum: Frühes Ende

Manche Schwangerschaft geht leider vorzeitig zu Ende. Es kann helfen, sich hier mit anderen über das Erlebte auszutauschen; aber auch Fragen zu medizinischen Themen sind willkommen. Hilfreich können auch diese urbia-Artikel sein: Fehlgeburt und Sternenkinder.

Beitrag von herzblatt77 09.03.11 - 19:59 Uhr

Hallo,

leider gehöre ich jetzt zu euch.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal hier schreiben müsste.
Ich hab zwar ab und zu mal hier mitgelesen, aber immer gehofft, dass mich dieses Schicksal nicht trifft.

Am 1.1. hatte ich meine letzte Mens. Das letzte Bienchen hatte ich 4/5 Tage vor meinen ES gesetzt. Hätte nie geglaubt, dass es klappt. Bei ES +11 hatte ich schon positiv getestet und konnte es gar nicht glauben.

Eine Woche später war ich dann beim FA und der hatte mich schon 3 Tage zurück gestuft. Da wusste ich, dass schon was nicht stimmt. Dann eine Woche später beim 2. US war schon der Dottersack zu sehen und ich war etwas erleichtert. Ich sollte eine Woche später nochmal kommen.

Und tatsächlich hat man dann das Herzchen schlagen sehen, aber da hat mich mein FA auch nochmal 3 Tage zurück gestuft. Ich dachte, ok. Das Kleine entwickelt sich etwas langsamer. Mein FA meinte, ich hätte eine späte Einnistung gehabt.

Eigentlich hätte ich gestern meinen nächsten Termin gehabt. Am Montag auf der Arbeit hatte ich dann die ganze Zeit UL Ziehen. Zu erst dachte ich, das sind die Mutterbänder. Aber das Ziehen hatte sich die ganze Zeit hingezogen und ich musste ständig auf die Toi. Dann hatte ich braunen Ausfluss. Ok dachte ich, muss nix heißen. Dann etwas Schleim. Hmm, ich den FA angerufen, sollte doch noch am Abend kommen. Und als er US machte sah ich schon seinen Gesichtsausdruck. Ich hab gesagt, ich sehe keinen Herzschlag. Und er sagte, ja ich leider auch nicht und das Baby ist schon Richtung Gebährmutterhals gewandert. Es sieht so aus, als ob der Körper es abwehrt. Ich könnte gleich in die Klinik oder noch warten und am Mittwoch nochmal kommen. Natürlich hab ich gesagt ich komme am Mittwoch nochmal, ich habe ja gehofft, dass er sich irrt.

Als ich dann zu Hause war hab ich angefangen zu bluten. Um mein Gott es ging alles so schnell. Ständig ist was in die Toilette gefallen, ich weis gar nicht was das alles war. Ich bin dann ins KH gefahren, durchgeblutet und weinend. Dann kam eine Ärztin, die erstmal lieber telefoniert hat, als mich zu untersuchen und ich stand Blutüberströmt vor ihr. Sie hat mich dann noch gefragt, ob ich die 10 euro Gebühr dabei hätte. Ich war so schockiert. Auf dem US hab ich gesehen, das da nix mehr war. Ich wurde für die AS vorbereitet und sollte nochmal auf die Toi. Da hatte ich dann meinen Krümmel am Toilettenpapier. Die Schwester sagte zwar das wäre nicht das Baby aber ich hab es gesehen und hab es die Toi runtergespült. Ich werde da nie vergessen.

Nach der OP hab ich noch drei Infusionen bekommen wegen den Schmerzen und am nächsten Morgen durfte ich gehen.

Gestern ging es mir so schlecht. Eine Freundin von mir hat vor drei Wochen entbunden und war auch ganz traurig. Eine andere Freundin von mit bekommt ihr Baby Ende Juli. Sie kam gestern und hat mir zur Seite gestanden. Aber sie zu sehen mit Babybauch war ganz schlimm für mich. Ich bin gestern Abend regelrecht zusammen gebrochen.
Heute gehts etwas besser.

Das Baby war zwar nicht geplant und auch von meinem Ex der es gar nicht wollte, als er es erfahren hat. Aber dennoch von mir so sehr gewünscht.
Jetzt muss ich mir anhören, dass es Ironie des Schicksals ist.
Bin so am Boden zerstört.
Klar denken jetzt alle, es ist besser so. Es sollte nicht sein und ich soll froh sein, dass es so gekommen ist.

Mein Fa meinte, ich soll den Kopf nicht hängen lassen, jede 3. Schwangerschaft geht vor der 12. SSW ab und ich soll in Urlaub fahren mit meinen Partner und dann klappt es schon wieder. Ja wenn es nur so wäre.

Aber ich bin trotzdem so unendlich traurig.
Man sagt alles hat einen Grund im Leben. Und wenn etwas schlimmes passiert hat es auch irgendwie was Gutes.
Aber das Gute kann ich jetzt noch nicht sehen, ausser schon wieder einen Tritt vom Schicksal.

Erst die Mutter an Krebs verloren, dann die Beziehung in die Brüche gegangen und den Mann verloren den man über alles liebt und dann noch das Kind verloren. Ich weiß, es gibt Frauen die haben weit aus schlimmeres erlebt. Und mit denen möchte ich auch nicht tauschen. Aber wie viel kann ein Mensch verkraften.

Es gibt einen schönen Spruch: You never know how strong you are until beeing strong is the only choice you have. Ehrlich gesagt, habe ich es satt, stark zu sein. Ich möchte einfach nur vergessen. Emotional abschliessen. Aber das geht nicht. Die Vergangenheit holt einen immer wieder ein.

Es tut mir leid, dass das jetzt so lang geworden ist.
Ich musste das einfach mal von meiner Seele schreiben.

Beitrag von claudia-claudia 09.03.11 - 20:47 Uhr

Oh Mann, deine Zeilen sind mir gerade echt nahe gegangen... Fühl dich erst mal virtuell gedrückt!

Du bist natürlich in einer doppelt-doofen Situation, weil du nicht mal den Vater des Kindes an deiner Seite hast, um das ganze mit ihm zusammen durchzustehen. Aber ihr habt euch nicht wegen der FG getrennt, oder?

Ich hab das alles ganz ähnlich erlebt, auch ich hatte den Embryo in der Toilette und war auch völlig schockiert, meine Freundin hat auch vor 3 Wochen entbunden und die nächsten beiden sind auch jeden Moment dran. Ich konnte teilweise gar nicht fassen, wie unfair die Welt sein kann und wer alles (erfolgreich) schwanger wird, obwohl es nicht mal gewollt war und die ganze SS über auch noch geraucht und was weiß ich nicht alles würde.

Mir hat es sehr geholfen, darüber zu sprechen, auch hier viel zu lesen. Ich wollte auch nichts unterdrücken der verdrängen, sondern den Schmerz einfach rauslassen. Nach 2 Wochen bin ich auch wieder arbeiten gegangen und er Alltag kam relativ schnell wieder zurück, und darüber war ich sehr erleichtert.

Du musst auch nicht stark sein. Heul was das Zeug hält, wenn dir danach ist, und gönn die eine (begrenzte Phase) voll mit Neid auf Schwangere und glückliche Mütter, Selbstmitleid, nach-dem-Warum-fragen, Wut, Trauer... Durch diese Phase muss man einfach durch. Und dann werde dir bewusst, dass alles im Leben einen Sinn hat, nichts passiert einfach so, auch wenn wir Menschen vielleicht nicht immer die Kapazitäten haben hinter den "großen Plan" zu steigen.

Du wirst Mutter werden, du wirst einen tollen neuen Partner kennenlernen und du wirst deine Mutter niemals vergessen, denn die Zeit die du mit ihr hattest kann dir niemand nehmen.

Alles Liebe,
Claudia

Beitrag von herzblatt77 10.03.11 - 13:08 Uhr

Danke Claudia für deine lieben Worte.

Beitrag von dydnam 10.03.11 - 21:08 Uhr

Hey du,

deine Geschichte ist sehr traurig. Ich habe jetzt 3 Fehlgeburten hinter mir und zum Glück (???) nie einen Abgang miterleben müssen. Ich stelle mir das furchtbar traumatisch vor. Allerdings war meine letzte Fehlgeburt gleichermaßen ein Auf und Ab. Ständig zurückgestuft, trotzdem immer wieder etwas Hoffnung, weil sich ja doch etwas entwickelte, und dann doch das niederschmetternde Ergebnis. :-(

Gott sei Dank wurde ich in allen 3 Fällen auch in der Klinik vor den Ausschabungen immer relativ mitfühlend behandelt. Die Art und Weise der Ärztin in deiner Klinik ist wirklich furchtbar!

"Ehrlich gesagt, habe ich es satt, stark zu sein." - das spricht mir aus dem Herzen. Die erste FG konnte ich noch als Statistik-Treffer abtun, die zweite auch noch als "einfach Pech", aber die dritte vor Kurzem macht mich einfach, trotz auch zweier gesunder Söhne, nur noch stock-wütend und frustriert. Ich möchte auch einfach nur noch vergessen können, aber momentan habe ich gerade wieder schwer damit zu tun. Die Wartezeit, bis man wieder üben darf, erscheint einfach unendlich lang.

Einfach schwanger werden, ohne Angst, mit dem guten Gewissen, dass alles gut wird... wie schön wär das. #schmoll

Ich hoffe, dass du deine Trauer bewältigen kannst. Meine Fehlgeburten erstrecken sich auf fast 4 Jahre. Und trotzdem trauere ich über die erste 2007 noch genauso stark wie auf die letzte vor einem Monat.

Viel Glück für die Zukunft!!! #klee

Liebe Grüße
Mandy mit
#stern (Okt.2007), Silas (*06.12.2008), #stern (April 2009), Tamino (*12.06.2010) und #stern (Februar 2011)