Angehörige von Depressiven

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Forum: Familienleben

Die Oma füttert die Kinder übermäßig mit Süßigkeiten, Probleme mit der Schwiegermutter, Tipps zum Feiern der Taufe: Hier ist Platz für alle Themen rund um die Familie.

Beitrag von 69bine 09.03.11 - 20:09 Uhr

Hallo
Ich brauche jetzt wirklich einen Rat und hoffe es kennt sich jemand hier damit aus.
Es geht um meine Mutter, die seid ich überhaupt denken kann, depressiv ist. Sie ist auch seid einigen Jahren in Behandlung, hatte Therapien bei Psychologen, ist beim Neurologen, nimmt div. Antidepressiva, hatte vor Jahren einen halbherzigen Selbstmordversuch und war mal ein paar Wochen stationär in einer Geschlossenen.
Sie hat mit ihrer Mutter in einem Haus gewohnt, aber jetzt musste Oma leider ins Pflegeheim, wegen Alzheimer. Meine Mutter kommt mit der Situation überhaupt nicht klar. Sie scheitert an den einfachsten Dingen. Schon allein manche Dinge wie Strom auf ihren Namen umzumelden, ist ein riesen Ding für sie. Völlig überfordert und sie sieht nur noch schwarz. Rechnet mit Entlassung, könne das Haus nicht halten, kann nicht, kann nicht, kann nicht..... Sie meinte heute allen Ernstes es wäre ihr am liebsten Vollmachten zu geben und andere würden ihr Leben für sie regeln. Was sie wünscht ist eine Entmündigung! #schock
Es fällt mir sehr schwer damit umzugehen. Ich wohne zu weit weg um ihr alles aus der Hand zu nehmen. Ehrlich gesagt ist das für mich auch entlastend, ich kann ja nun wirklich nicht ihr Leben für sie leben, so wie sie es gern hätte. Rückblickend muss man sagen, sie hat sich ihr ganzes Leben immer auf irgendjemanden; ihre Eltern, Männer, zum Schluss wieder ihre Mutter gestützt. Irgendwie ist sie nie erwachsen geworden, hat nie Verantwortung für sich getragen. Mit bald 61 wäre es echt mal an der Zeit, oder ist es schon zu spät? #gruebel Klar könnte ich finanziell ein bisschen zuschießen, aber damit ist es ja nicht getan. Dann kommt das nächste Schreiben, ein Vertrag, ein Formular zum Ausfüllen, womit sie nicht klar kommt.
Weiß jemand einen Rat wie mit solchen Menschen umzugehen ist? Mein Bruder wohnt in ihrer Nähe. Ich hab ihn schon gebeten mit ihrem HA zu reden, weiß aber nicht ob der überhaupt wegen der Schweigepflicht was tun kann. Angeblich würde ihr eine Therapie nur alle 2 Jahre zustehen und bis dahin wären es noch 1/2 Jahre. Aber das kann doch nicht sein, dass sie da jetzt im Akutfall keine Hilfe bekommen soll. Wir haben heute telefoniert und für mich hörte es sich an wie kurz vor dem Nervenzusammenbruch.
#zitter

Sorry, ist lang geworden. #schwitz

lg bine

Beitrag von lisboeta 09.03.11 - 20:38 Uhr

Hallo Bine,

ich weiß nicht ob ich dir weiter helfen kann. Eine meiner besten Freundinnen ist seit Jahren depressiv und hat auch einen Selbstmordversuch hinter sich.

In ihren "akuten" phasen kann sie auch gar nichts selber machen, nicht kochen, nicht ihr Kind versorgen, nicht arbeiten, jeder Anruf oder Tätigkeit wird für sie zur Qual.

Mir hilft es, dass ich Depressionen als eine Krankheit ansehe, ähnlich wie eine suchtkrankheit von der es einfach schwer ist "weg" zu kommen.

Meine Freundin ist seit vier Jahren dauerhaft in Therapie. Zumindest ambulant und zwischendurch auch immer wieder stationär oder ambulant in einer Tagesklinik.

Ich würde mich einfach mal bei ihrem Arzt oder Krankenkasse erkundigen.

Lg
lisboeta

Beitrag von claus 09.03.11 - 21:07 Uhr

Hallo BIne,

meine Mutter ist depressiv und manisch schizophren.
Ich gehe mit meiner Mutter alle 6-8 Wochen zu ihrem Psychologen und morgens und abends kommt der Caritas Dienst bei meiner Mutter vorbeiund bringt ihr ihre Tabletten, die sie vor der Pflegerin nehmen muß.
Die Pflegerinnen kontrollieren den Allgemeinzustand (Zustand der Wohnung, Aussehen meiner Mutter etc.) und protokollieren alles.
Sie haben auch einen Haustürschlüssel, falls meine Mutter die Tür nicht öffnen würde.
Ich habe nämlich selber Ehemann und Kind und fühle mich besser, wenn bei meiner Mutter zweimal am Tag "kontrolliert" wird.
Ansonsten hat meine Mutter keine scharfen Messer im Haus, weil sie schon zweimal ihre Pulsadern aufgeschnitten hat.
Schriftverkehr, Behördengänge etc. erledige ich auch immer mit meiner Mutter zusammen, da sie sehr schlecht auf Menschen zugeht.

Ich wünsche dir viel Kraft.


LG

Claudia

Beitrag von imzadi 09.03.11 - 22:47 Uhr

Ich versteh dich so gut, und ich beneide dich darum das du die Lage siehst und noch handeln kannst. Bei meiner Schwiegermutter hat der zweite Selbstmordversuch geklappt. Ich mache mir heute noch Vorwürfe was ich damals falsch gemacht habe, bzw. nicht gesehen habe weil ich mit mir und meinem Baby zu tun hatte.

Auf einen Therapeuten würde ich mich wenigsten daruf verlassen das er wirklich auf Dauer helfen kann.

Beitrag von linagilmore80 10.03.11 - 09:36 Uhr

Oh je...
Ich würde mit der Mutter zum Hausarzt gehen und mir eine Überweisung zum Psychologen geben lassen, denn ein Akutfall muss zügig behandelt werden.

Es gibt aber in der Tat Menschen, die damit überfordert sind ihr Leben zu regulieren und zu leben. Eine Generalvollmacht greift aber nur, wenn sie gar nicht mehr entscheiden kann (Altersdemenz, Alzheimer, Koma etc.). Eine "Entmündigung" in der früher bekannten Form gibt es auch nicht. Man kann bei Gericht einen Betreuer bestellen lassen, aber der macht das nicht aus lauter Nächsten- und Menschenliebe, sondern der will auch Geld sehen.
Einen Menschen werdet ihr mit 61 Jahren nicht mehr geändert bekommen.

Setzt euch doch mal zu Dritt zusammen und überlegt, ob ihr so Dinge wie den "Papierkrieg" (der wirklich manchmal zermürbend sein kann) nicht einfach übernehmt, für die regelmäßigen Kosten Daueraufträge einrichtet und dafür sorgt, dass eure Mutter sich nur noch um so einfache Dinge wie Haushalt, Einkauf und Therapie etc. kümmern kann.

Liebe Grüße,
Lina

Beitrag von 69bine 10.03.11 - 10:42 Uhr

Hallo

Ich bin auch der Meinung, dass das Argument sie hätte für eine weitere Therapie noch Wartezeit nicht stimmen kann. Ich habe den Eindruck es ist gerade akut und das muss ja nun nicht unbedingt enden im totalen Zusammenbruch. #zitter

Sie ist wohl bei Notanlaufstelle, worüber sie auch ihre Psychologin hat. Die haben auch schon zu einer Tagesklinik geraten, aber das will sie nicht. Aus Angst vor hohem Krankenstand und dann der Kündigung. Mit einer Kündigung rechnet sie sowieso jeder Zeit. In 2 Monaten stehen Mindestlöhne an, der Arbeitgeber hat schon mehreren gekündigt wegen hohem Krankenstand. Sie sieht sich auf der Abschussliste, macht vor lauter Angst und Unkonzentriertheit Fehler auf Arbeit. 2 Jahre Arbeitslosengeld, dann käme ALG 2, sie dreht damit völlig durch. Das Einkommen ist zu gering um Abstriche an der kleinen Rente in Kauf nehmen zu können. Ich sage es sind nur noch 4 Jahre, aber sie sieht das nicht. Es dreht sich alles im Kreis, jedem Argument völlig verschlossen. Selbst für einen 400 Euro Job zusätzlich zu Arbeitslosengeld sieht sie sich als nicht qualifiziert genug. Sie könne das alles nicht, würde nix finden.....
Mit rationalen Argumenten komme ich gar nicht durch.

Das Haus könne sie nicht tragen. Es ist abbezahlt, aber die Nebenkosten könne sie nicht tragen. Die hätte sie doch aber in einer Wohnung auch! 90 Euro Strom, das liegt am Verhalten, nicht am Haus! Sie will eine kleine Wohnung in meiner Nähe, schon klar warum. Wie sie einen Verkauf organisieren will, eine Räumung des Hauses, einen Umzug.... Ich habe selbst Familie und kann beim besten Willen das nicht alles abnehmen! Zumal bei über 600 km Distanz zwischen beiden Wohnorten.

lg bine

Beitrag von linagilmore80 10.03.11 - 10:58 Uhr

Hallo bine,
diese Hintergründe kenne ich ja alle nicht. Deine Mutter scheint wirklich ernste Probleme zu haben.

Und Du kannst ihr nicht alles abnehmen, schon gar nicht, wenn sie sich eigentlich nicht helfen lassen will - sonst würde sie sich in einer Tagesklinik helfen lassen.

Im Übrigen gehören Minderwertigkeitskomplexe leider zu ihrem Krankheitsbild dazu.

Es gibt Anlaufstellen für Angehörige von depressiven Menschen. Schau mal ob Du übers Internet die entsprechenden Adressen findest und Dich dort beraten lässt.

Ich wünsche euch alles Gute,
Lina

Beitrag von 69bine 10.03.11 - 11:57 Uhr

Danke.
Ja, ich habe auch den Eindruck das sie einerseits zwar Hilfe einfordert. Sich andererseits dann aber auch nicht helfen lässt. Da steht sie sich dann wieder selbst im Weg und findet Gründe warum das alles nicht geht.
Und so schlimm das man sie zwangsweise einweisen könnte... ob es so schlimm ist kann ich aus der Entfernung eben schlecht beurteilen.
Eine Anlaufstelle für mich ist keine schlechte Idee. Ich werd mal auf Suche gehen. Auch um mit dem schlechten Gewissen umzugehen eben nicht alles abnehmen zu können. Ich suche ja doch ständig Möglichkeiten z.B. finanzielle Probleme abzumildern, aber das ist ja nicht das eigentliche Problem.

lg bine

Beitrag von marion2 10.03.11 - 10:40 Uhr

Hallo,

da es akut ist, wäre es gut, wenn sie in eine Klinik eingewiesen werden würde. Da könnte man sie auch auf Medikamente einstellen.

Du suchst dir bitte eine Selbsthilfegruppe!

Gruß Marion