Zöliakie-Grad der Behinderung, Arbeitgeber informieren?

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Beitrag von paddelboot-neu 10.03.11 - 16:36 Uhr

Hallo!

Bei mir ist gerade Zöliakie festgestellt worden.:-(

Damit kann ich beim Versorgungsamt einen Antrag auf einen Behindertenausweis stellen. Bei Zöliakie wird ein Grad der Behinderung von 20 anerkannt.

Beantragen will ich das auf jeden Fall. Sollte / Muss ich meinen Arbeitgeber darüber informieren?

(arbeite in einer kirchlichen Kindertageseinrichtung)

DANKE!!!

Beitrag von ninna68 10.03.11 - 17:52 Uhr

Hallo,

da wirst du wohl Pech haben... ein Behindertenausweis wird erst ab einem höheren Grad ausgestellt (50%)... und ob 20% für die Gleichstellung ausreicht, bezweifel ich.

LG Ninna

Beitrag von kati543 10.03.11 - 18:33 Uhr

Einen Behindertenausweis gibt es nicht. Nur einen Schwerbehindertenausweis - der ist ab einem GdB von 50.
Nachteilsausgleiche für Behinderte greifen am Arbeitsplatz erst ab einem GdB von 50 oder, wenn die Behinderung einer Schwerbehinderung gleichgestellt werden kann. Das ist aber erst ab einem GdB von 30 möglich.
Der GdB bringt dir nur etwas bei der jährlichen Einkommenssteuererklärung. Aber der Satz ist minimalst. Deinen AG solltest du im eigenen Interesse nicht informieren. Bei deiner Erkrankung gibt es keine Gleichstellung. Du fällst nicht unter den Kündigungsschutz.

Beitrag von sabbel1983 11.03.11 - 13:20 Uhr

Damit wirst du keinen Erfolg haben. Nur weil du Zöliakie hast, bekommst du nicht automatisch einen Behindertenausweis. Die Anerkennung der 20 % erfolgt nur, wenn die Zöliakie-Diät bei dir nicht anschlägt. Und das ist nur in sehr seltenen Fällen so.
Bei meinem Sohn wurde das auch vor 3 Wochen diagnostiziert. Daher haben wir uns auch erkudigt schon allein wegen der Hoffnung auf Kostenzuschüsse wegen der Mehrkosten der ernährungsumstellung.

lg Sabbel1983

Beitrag von oukami 11.03.11 - 14:59 Uhr

Hallo,

ich habe selbst Zöliakie, sie wurde bei mir im ersten Lebensjahr festgestellt. Als Kind hat man höhere Prozentwerte, was den Grad der Behinderung angeht. Als Erwachsener bekommt man - allein durch die Zöliakie - nur die genannten 20%. Erst wenn andere Behinderungen hinzukämen, würde der Wert hochgestuft. Also z.B. ein Schlaganfall, ein amputierter Daumen oder sonst etwas, wofür man weitere Prozentpunkte erhält.

Mit 20% bekommt man keinen Ausweis und braucht ihn auch nicht. Man hat kein Anrecht auf einen Behindertenparkplatz oder einen Rabatt im Zoo, was ja auch Quatsch und vollkommen übertrieben wäre ;-)
Man erhält auch keine Vergünstigungen oder Zuschüsse von der Krankenkasse, was schade ist, da die Ernährung um einiges kostspieliger ist, als normale. Zumindest dann, wenn man weiterhin Brot und Nudeln (dann natürlich glutenfrei) essen möchte.

Ein Ausweis hätte jedenfalls somit keinerlei Bewandnis und würde keine Verwendung finden.

Also brauchst Du auch keinen.

Was Du bei Dir tragen könntest (was ich z.B. aber nicht tue) ist ein Vermerk im Portemonnaie, damit - falls Du mal einen Unfall haben solltest - Rettungskräfte oder Krankenhauspersonal Bescheid wissen.
Das wäre im Falle einer Sondenernährung bei Koma für Interesse oder für die Gabe von glutenhaltigen Medikamenten. Da dies aber meines Wissens nach nur auf Tabletten zutrifft, macht auch das wenig Sinn, da Du, wenn Du in der Lage bist, eine Tablette zu schlucken, vermutlich auch Sprechen oder Schreiben können wirst und das Problem somit selbst umgehen kannst.
Das wäre aber eine Möglichkeit, die Krankheit verschriftlicht bei sich zu tragen. Also in Form einer Art "Allergieausweis". Aber, wie gesagt, wirklich nützlich ist das nicht.

Deinem Arbeitgeber musst Du meiner Einschätzung nach nicht Bescheid geben. Denn die Krankheit beeinträchtigt Dich im Alltag ja nicht. Man kann normal arbeiten, hat keine Einschränkungen bei den normalen Tätigkeiten und der Belastbarkeit etc.
Und wenn ihr in der Kita kocht, und etwas dabei ist, was Du nicht essen darfst, wie z.B. Nudeln, dann musst Du entweder "eigene" Nudeln für Dich nebenher kochen oder eben darauf verzichten.
Aber auch das sollte Deinen Arbeitgeber nicht kratzen und euer Arbeitsverhältnis nicht beeinträchtigen.

Da würde ich mir keine Sorgen machen.

Ich bin fast 28 Jahre alt und habe beruflich bzw. krankheitstechnisch noch nie Probleme mit der Krankheit. Solange man streng glutenfrei lebt und damit zurechtkommt, hat die Krankheit auch keine Symptome. Mein Arbeitgeber wird wohl (aus privaten Gesprächen heraus) wissen, dass ich Zöliakie habe, aber wüsste er es nicht, wäre es auch nicht schlimm. Das beeinträchtigt meine Arbeit kein bisschen.

Wenn Du willst, kannst Du mir ja eine PN schreiben.

Liebe Grüße
Oukami